Prolet

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Prolet ist die umgangssprachliche Verkürzung des Begriffs „Proletarier“ und bezeichnete seit dem 19. Jahrhundert auf abwertende Weise Angehörige vor allem der städtischen Unterschicht, besonders Industriearbeiter, seit Aufkommen des Marxismus aber auch positiv Arbeiter im Kontext des Klassenkampfes. Nach 1945 kam es zu einer Bedeutungsverschiebung. Heute wird Prolet – in einer weiteren Verkürzung auch Proll, Prol oder Prolo – umgangssprachlich als abwertende Bezeichnung verwendet für Menschen, deren Umgangsformen und Lebensstil als unkultiviert empfunden werden. Damit findet eine Bedeutungsverschiebung statt von „Angehöriger des Proletariats“ in Richtung „Angehöriger des Pöbels“, und somit eine Verstärkung der abwertend-diskriminierenden Konnotation.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Wort „Prolet“ ist ebenso wie „Proll“ eine Verkürzung des Begriffs „Proletarier“. Dieser Begriff wiederum leitet sich aus dem lateinischen Wort proletarii ab, welches in der Antike als Bezeichnung für alle römischen Bürger der untersten Volksschicht verwendet wurde, die nur Nachkommenschaft (proles) ihr Eigen nennen konnten. Darin spiegelte sich in erster Linie die abwertende und geringschätzige Haltung aller höheren Volksschichten wider, vornehmlich aber die des Adels, der Patrizier und der plebejischen Nobilitas, gegenüber allen ungebildeten und ungepflegten Arbeitern. Im Unterschied zu den Sklaven waren die proletarii freie römische Bürger, die für ihr Schicksal somit selbst verantwortlich waren, aber aus Sicht der oberen Schichten mangels Eigentum und Ausbildung nichts aus sich machen konnten.

Der Begriff „Prolet“ wurde im Zuge der Arbeiterbewegungen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wieder aufgegriffen. Insbesondere Karl Marx verwendete den Begriff des Proletariers als Angehörigen der Klasse der Lohnarbeiter, die gezwungen sind, ihre Arbeitskraft zu verkaufen und deshalb von der Bourgeoisie ausgebeutet werden können. Nach Marx zählen auch Angestellte zu den Proletariern, da sie ebenfalls durch den Verkauf ihrer Arbeitskraft ihren überwiegenden Lebensunterhalt verdienen. Demzufolge beruhte der feine Lebensstil der höheren Schichten – wie schon im alten Rom – vor allem auf der Tatsache, dass diese die große Mehrheit ausbeuten. Die Proletarier aber bildeten – nach Marx – das Rückgrat des Staates, weil sie zahlenmäßig den Großteil eines Volkes darstellten, für ihren bescheidenen Lohn zum Wohle der herrschenden Klassen schuften mussten und sich dabei (gesundheitlich) aufarbeiteten. Aus dem Begriff des „Proletariers“ (Proletarier aller Länder, vereinigt euch!) wurde die Kurzform „Prolet“ abgeleitet: Prolet – wie lange noch? Wirf ab das Ochsenjoch!.

Rezeption[Bearbeiten]

Das Phänomen wird sehr unterschiedlich rezipiert und verarbeitet. Einerseits findet eine sozialkritische Auseinandersetzung mit den Lebensrealitäten statt (z.B. in Werken des Berliner Karikaturisten Heinrich Zille, allgemein im Realismus in der Kunst und z.T. im sozialkritischen Hip-Hop). Andereseits findet auch eine Ironisierung oder Stilisierung statt, die manchen Darstellungen den Vorwurf des Klassismus einbringen.

In Comedy, Film (v.a. Komödien) und Fernsehen sowie in humoristischer Literatur wird das Phänomen immer wieder karikiert und stilisiert:

  • Eine Milieustudie über Proleten ist die österreichische Fernsehserie Ein echter Wiener geht nicht unter.
  • Eine Welle deutscher Filmkomödien der 1990er Jahre (unter Mitwirkung von Tom Gerhardt, Hilmi Sözer oder Bully Herbig u. a.) beutete das "Proll-Klischee" aus (man könnte von Prollploitation reden).
  • Die Kunstfigur Cindy aus Marzahn thematisiert und karikiert das Klischee einer in prekären und bildungsfernen Kontext lebenden Frau aus der Ost-Berliner Plattenbausiedlung Marzahn mit Berliner Schnauze.
  • Die niederländische Comedy-Serie New Kids skizziert das Alltagsleben einer Clique bildungsfernen Männer in prekären Verhältnissen. Die Serie schafft Kunstfiguren, die dem weitverbeitete Klischee vom Proll (Bierkonsum, Autotunung, Rowdytum, Gewaltbereitschaft, vulgäre Sprache etc.) entsprechen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Owen Jones, Prolls: Die Dämonisierung der Arbeiterklasse, 2012, (Orig.: Chavs: The Demonization of the Working Class)

Weblinks[Bearbeiten]