Prometheus (Baum)

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Prometheus (auch WPN-114) ist der Name eines der ältesten bekannten Bäume mit fast 5000 Jahren. Es handelt sich dabei um eine Langlebige Kiefer (Pinus longaeva), die an der Waldgrenze am Wheeler Peak im US-Bundesstaat Nevada wuchs. Das Alter des Baumes wurde erst erkannt, nachdem er 1964 von einem für den U.S. Forest Service arbeitenden Studenten gefällt worden war.

Über den Baum[Bearbeiten]

Die Baumgruppe, in der Prometheus wuchs; im Hintergrund der Wheeler Peak

Prometheus war eine von vielen Langlebigen Kiefern auf der Seitenmoräne eines ehemaligen Gletschers am Wheeler Peak. Der 3982 m hohe Berg ist heute Zentrum des 1986 gegründeten Great-Basin-Nationalparks im östlichen Nevada. Prometheus wuchs nahe der Waldgrenze in einem abgelegenen Teil des Gebiets.[1] Seinen Namen erhielt Prometheus vom Journalisten David Lambert zwischen 1957 und 1961[1]. Edward Schulman hatte an anderen Standorten erkannt, dass diese Kiefern die wohl ältesten Lebewesen sind[2] und hatte bereits über 4000 Jahre alte Exemplare gefunden, darunter den von ihm so benannten Methuselah (engl. für Methusalem) in den White Mountains.[3]

Prometheus wuchs in rund 3200 m Seehöhe. Der Baum war rund 5,1 m hoch, der lebende Teil rund 3,3 m. Der Stammumfang in 45 cm Höhe betrug 6,4 m. 92 % des Stammumfangs besaßen keine Borke, diese war nur in einem rund 50 cm breiten Streifen an der Nordseite erhalten. Die nach Süden, bergauf weisende Seite war teilweise bis über den Mittelpunkt hinein wegerodiert.[4]

Donald Rusk Currey fällte den Baum am 7. August 1964[5] im Rahmen einer Arbeit, in der er unter anderem eine Dendrochronologie des Gebietes anlegte. Er ermittelte für den von ihm WPN-114 genannten Baum eine Jahresringanzahl und damit Mindestalter von 4844 Jahren. Er schloss vorläufig auf ein Alter von etwa 4900 Jahren.[4] Einige Jahre später korrigierte Donald Graybill von der Universität von Arizona das anzunehmende Alter auf 4862 Jahre.[6] Allerdings wurden die Jahresringe knapp zwei Meter über dem Grund gezählt, da die inneren Ringe weiter unten nicht mehr zu erkennen waren.[4] Er galt fortan und bis 2012 als ältester nicht klonal wachsender Organismus und übertraf mit dieser Eigenschaft den nur zwei oder drei Jahrhunderte jüngeren Methuselah.

2012 wurde eine Bohrkernprobe erstmals ausgewertet, die Edward Schulman schon in den späten 1950er Jahren in den kalifornischen White Mountains genommen hatte. Der Baum, aus dem die Probe stammt, ist bekannt und lebt, die Datierung ergab ein Alter von 5062 Jahren, umgerechnet auf das Jahr 2012.[7]

Weitere Forschungen[Bearbeiten]

Der Baumstumpf

Donald R. Currey war Student an der University of North Carolina at Chapel Hill und studierte die klimatischen Veränderungen während der kleinen Eiszeit mithilfe der Dendrochronologie. 1963 wurde er auf die Populationen der Langlebigen Kiefern in der Snake Range im heutigen Great-Basin-Nationalpark aufmerksam. Größe, Form und Wachstumsgeschwindigkeit einiger Bäume ließen Currey deren Alter auf über 3000 Jahre schätzen. Er nahm dazu auch Proben aus dem Inneren der Stämme. Dem Studenten gelang es aber nicht, auch den WPN-114 auf diese Weise erfolgreich zu untersuchen. Warum genau, ist nicht bekannt. Über den Grund, weshalb Currey den Baum schließlich fällte, gibt es verschiedene Theorien. Es wird unter anderem vermutet, dass der für die Entnahme von Proben benötigte Bohrer beschädigt und nicht mehr zu gebrauchen war. Andere glauben, eine Entnahme von Proben wurde von Anfang an als weit weniger aufschlussreich und sicher als eine genaue Sektion betrachtet.[8]

Die von Currey zu Tal gebrachten Teile des Baumes werden heute in mehreren Forschungsinstitutionen aufbewahrt, so zum Beispiel im Convention Center in Ely (Nevada), im Laboratory of Tree-Ring Research (Laboratium für die Erforschung von Baumringen) der Universität von Arizona in Tucson und im Institute of Forest Genetics (Institut für Waldgenetik) des U.S. Forest Service in Placerville (Kalifornien). Ein Teil befindet sich auch im Besucherzentrum des Great-Basin-Nationalparks in Baker (Nevada).

Auf der Forschung aufbauend wurde mit der Borstenkiefern-Chronologie die zuverlässigste dendrochronologische Zeitreihe erstellt, die unter anderem als Kalibrierungsstandard für die Radiokohlenstoffdatierung dient.

Auswirkungen[Bearbeiten]

Der Stumpf links im Vordergrund mit herumliegenden Überresten im Hintergrund

Es wird angenommen, dass das Fällen von Prometheus die Schutzbemühungen um die Langlebigen Kiefern vorantrieb.[6] Bereits vor dem Vorfall wurde es von einigen befürwortet, um den Wheeler Peak herum einen Nationalpark zu gründen. 22 Jahre nach der ersten Untersuchung an Prometheus wurde der Great-Basin-Nationalpark schließlich gegründet.

Die genaue Position von Methusalah und des 2012 entdeckten zurzeit ältesten bekannten lebenden Baums wird vom zuständigen U.S. Forest Service geheim gehalten. Aufgrund der Bedeutung der Langlebigen Kiefern für die Dendrochronologie stehen mittlerweile die Art und alle Exemplare unter Schutz.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Michael P. Cohen: Oldest Living Tree Tells All, in: A Garden of Bristlecones: Tales of Change in the Great Basin. University of Nevada Press, 1998. (online).
  2. E. Schulman: Bristlecone pine, oldest known living thing. Nat. Geogr. Mag., Band 113, 1957, S. 355–372.
  3. Anna Lewington, Edward Parker: Unsere ältesten Bäume. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2005, S. 34, ISBN 3-440-10382-X
  4. a b c Donald R. Currey: An Ancient Bristlecone Pine Stand in Eastern Nevada. Ecology, Band 46, 1965, S. 564-566 (online)
  5. Oldest Living Tree Tells All, by Michael P. Cohen [1]
  6. a b The Martyred One, Leonard Miller, The Bristlecone Site.
  7. Rocky Mountain Tree Ring Research: Database of ancient trees (Stand: Januar 2013)
  8. Carl Hall: Staying Alive: High in California's White Mountains grows the oldest living creature ever found, San Francisco Chronicle, 23. August 1998.

Weblinks[Bearbeiten]

38.9975-114.306Koordinaten: 38° 59′ 51″ N, 114° 18′ 22″ W