Pronatalismus

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Als (Pro)Natalismus (lat. pro „für“ und natalis „geburtlich, Geburt-“) ist eine Philosophie, die die menschliche Reproduktion befürwortet. Das Gegenteil von Pronatalismus ist der Antinatalismus.

Pronatalismus in der Religion[Bearbeiten]

Herwig Birg konnte beobachten, dass fast alle Weltreligionen den Pronatalismus befürworten.[1] Dies lässt sich damit erklären, dass religiöse Strömungen, deren biographische Wegweisungen der menschlichen Fortpflanzung gleichgültig oder gar ablehnend gegenüberstehen, im Vergleich zu geburtenfördernden Religionen immer weniger Kinder hervorbringen und kaum kinderreiche Familien ansprechen. Da aber die religiöse Sozialisation schon in der Kindheit beginnt und religiös sozialisierte Kinder nachgewiesenermaßen ihren Glauben auch im Erwachsenenalter eher behalten, werden diese Strömungen schon allein aus demographischen Gründen stärker werden.[2] Religionen hingegen, die antinatalistisch sind – wie zum Beispiel das Shakertum –, sind vom Aussterben bedroht.[3]

Pronatalismus in der Politik[Bearbeiten]

Einige Staaten verfolgen eine pronatalistische Politik, um ein Schrumpfen der Bevölkerung zu verhindern oder das Wachstum der Bevölkerung zu steigern. Dazu gehört etwa Frankreich (Médaille de la Famille).[4]

Eine Studie der Robert-Bosch-Stiftung ging auch der Frage nach, inwiefern eine pronatalistische Politik in Deutschland Erfolg haben könnte. Es zeigte sich, dass sich kinderreiche Eltern vor allem mehr Geld wünschten, Eltern mit nur einem Kind hingegen wünschten sich bessere Betreuungsmöglichkeiten. Gering Qualifizierte sprachen sich vor allem für mehr finanzielle Unterstützung aus. Höher Qualifizierte wünschen sich vor allem eine bessere Kinderbetreuung. Die Alleinerziehenden haben eine grundsätzlich höhere Erwartung an die Familienpolitik und wünschen sich mehr Hilfen.[5] Laut der Studie könnten pronatalistische Maßnahmen durchaus erfolgreich sein:

Für die Politik erfreulich ist die Einschätzung von 80 Prozent der Frauen mit (weiterem) Kinderwunsch, daß eine Umsetzung der von ihnen bevorzugten familienpolitischen Maßnahmen es für sie leichter machen würde, so viele Kinder zu bekommen, wie sie möchten. 78 Prozent würden sich »wahrscheinlich für ein (weiteres) Kind entscheiden«, wären die von ihnen bevorzugten Leistungen eingeführt.[6]

Egoistischer Natalismus[Bearbeiten]

Als egoistischer Natalismus wird es bezeichnet, wenn es eine Person vor allem auf die eigene Reproduktion ankommt, auch dann, wenn dies die Reproduktion von anderen Leuten eventuell behindert. Ein solcher Fall lag möglicherweise bei Dr. Cecil Jacobson vor, der Frauen mit seinem eigenen Sperma, statt mit dem des Ehemannes befruchtete.[7]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Herwig Birg: Die Weltbevölkerung, Beck 2004, S. 117.
  2. Michael Blume, Carsten Ramsel, Sven Graupner: Religiosität als demographischer Faktor – Ein unterschätzter Zusammenhang? Marburg Journal of Religion: Volume 11, No. 1 (June 2006), S. 17f.
  3. The Boston Globe (23. Juli 2006): The Last Ones Standing
  4. Gemeinsame Pressekonferenz des Instituts für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und des FORUMs Nachhaltiges Österreich (2006): Geburtenentwicklung: Was, wenn die Krippe in Zukunft leer bleibt?. (PDF)
  5. Charlotte Höhn, Andreas Ette, Kerstin Ruckdeschel: Kinderwünsche in Deutschland - Konsequenzen für eine nachhaltige Familienpolitik. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung; S. 46-50
  6. Charlotte Höhn, Andreas Ette, Kerstin Ruckdeschel: Kinderwünsche in Deutschland - Konsequenzen für eine nachhaltige Familienpolitik. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung; S. 63
  7. Babymaker: Fertility, Fraud and the Fall of Doctor Cecil Jacobson (1993) ISBN 0-553-56162-6