Prostratio

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Prostratio bei einer Priesterweihe in Peru, 2009

Unter Prostratio, auch Prostration oder Prosternation (lat. „Niederwerfen“) versteht man in der katholischen, der anglikanischen und der orthodoxen Liturgie das ausgestreckte Sich-Niederwerfen einer Person im Altarraum als Zeichen der Demut, Hingabe und flehentlicher Bitte.

Die Prostratio ist die intensive Form der Verbeugung und der Kniebeuge, die den ganzen Körper einbezieht. Dieser Ritus hat sein Vorbild im Judentum (Ps 95,6 EU); er ist in der Liturgie heute selten und daher besonders eindrucksvoll.[1] Die Prostratio kommt vor:

  • in gleicher Weise bei der feierlichen Profess und bei der Jungfrauenweihe. Die Professen bzw. Kandidatinnen prosternieren sich während des Gesangs der Allerheiligenlitanei. Alle anderen knien.

Die entsprechende Niederwerfung in der orthodoxen Tradition wird Metanie genannt.

Die Prostratio war ferner ein zentrales Element des mittelalterlichen Herrschaftsrituals der Deditio, das heißt, der symbolischen Unterwerfung eines Rangniederen gegenüber einer ranghöheren Person bei der Beendigung von Konflikten durch Fuß- bzw. Kniefall.

Als Ritus ist sie auch bekannt bei den Bahá'í nach dem Pflichtgebet, wie es im Kitáb-I-Aqdas verordnet wurde.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerd Althoff: Das Privileg der ‚Deditio‘. Formen gütlicher Konfliktbeendigung in der mittelalterlichen Adelsgesellschaft, in: Oexle, Otto G. (Hg.), Nobilitas. Funktion und Repräsentation des Adels in Alteuropa (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 133), Göttingen 1997, S. 27-52, ISBN 3-525-35448-7

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rupert Berger u.a.: Gestalt des Gottesdienstes. Sprachliche und nichtsprachliche Ausdrucksformen. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 1987, ISBN 3-7917-1045-1 (Gottesdienst der Kirche. Handbuch der Liturgiewissenschaft Teil 3).