Protacanthopterygii

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Protacanthopterygii
Bachforelle (Salmo trutta fario)

Bachforelle (Salmo trutta fario)

Systematik
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Überkohorte: Clupeocephala
Kohorte: Euteleosteomorpha
Unterkohorte: Protacanthopterygii
Wissenschaftlicher Name
Protacanthopterygii
Greenwood et al., 1966

Die Protacanthopterygii sind eine der vier Unterkohorten der Euteleosteomorpha innerhalb der Echten Knochenfische (Teleostei). Der Name bedeutet „vor den Stachelflossern (Acanthopterygii)“. Protacanthopterygii leben sowohl im Meer als auch im Süßwasser, meist auf der nördlichen Erdhalbkugel.

Merkmale[Bearbeiten]

Eine Definition der Protacanthopterygii ist schwierig, da sie ein Mosaik von primitiven, modernen und wieder reduzierten Merkmalen zeigen. Sie sind deshalb nicht sehr umfassend definiert, nämlich nach Johnson & Patterson (1996) nur durch zwei Skelett-Synapomorphien:

  1. Die Epicentralia (Grätenserie) sind knorpelig.
  2. Keine gegabelten Epineuralia und Epipleuralia (Gräten).

Weiter ist ihnen allen gemeinsam das Fehlen von Stachelstrahlen in den Flossen, cycloide Schuppen und eine offene Verbindung zwischen Maul und Schwimmblase (Physostomen).

Systematik[Bearbeiten]

Zu den Protacanthopterygii gehören nach Nelson (2006) vier Ordnungen, zwölf Familien, 94 Gattungen und über 350 Arten:

Die Zuordnung der Hechtartigen ist umstritten. Oft werden sie heute nicht als Protacanthopterygii, sondern als Schwestergruppe aller höheren Teleostei, der Neoteleostei, angesehen. Sie teilen mit diesen eine Zahnbefestigung, bei der nur die Hinterseite des Zahns mit Bindegewebe an der Zahnbasis befestigt ist, die Vorderseite jedoch nicht,[1] wodurch die großen Zähne, wie beim Hecht, zur Beute-Passage umklappen können.

Die neuerdings vorgenommene Einordnung der Maulstachler als Schwestergruppe der Stintartigen machte die Protacanthopterygii im bisherigen Sinne paraphyletisch. Aus diesem Grunde gelangen Betancur-R. et al. (2013) zu der Entscheidung, die Stintartigen (mit Ausnahme der Galaxien) aus den Protacanthopterygii auszugliedern und mit den Maulstachlern in der neuen Unterkohorte Stomiatii zusammenzufassen (bis auf den Salamanderfisch, der jetzt allein in der neuen Unterkohorte Lepidogalaxii steht). Die Galaxien bilden nach diesem aktuellen System die eigene Ordnung Galaxiiformes innerhalb der Protacanthopterygii, s. folgendes Kladogramm:

 Euteleosteomorpha 

 Lepidogalaxii (Salamanderfisch)


     

 Protacanthopterygii 

 Goldlachsartige (Argentiniformes)


     

 Galaxien (Galaxiiformes)


     

 Hechtartige (Esociformes)


     

 Lachsartige (Salmoniformes)





 Stomiatii 

 Stintartige (Osmeriformes)


     

 Maulstachler (Stomiiformes)




     

 Neoteleostei




Literatur[Bearbeiten]

  • Ricardo Betancur-R., Richard E. Broughton, Edward O. Wiley, Kent Carpenter, J. Andrés López, Chenhong Li, Nancy I. Holcroft, Dahiana Arcila, Millicent Sanciangco, James C Cureton II, Feifei Zhang, Thaddaeus Buser, Matthew A. Campbell, Jesus A Ballesteros, Adela Roa-Varon, Stuart Willis, W. Calvin Borden, Thaine Rowley, Paulette C. Reneau, Daniel J. Hough, Guoqing Lu, Terry Grande, Gloria Arratia, Guillermo Ortí: The Tree of Life and a New Classification of Bony Fishes. PLOS Currents Tree of Life. 2013 Apr 18 [last modified: 2013 Apr 23]. Edition 1. doi:10.1371/currents.tol.53ba26640df0ccaee75bb165c8c26288, PDF
  • Joseph S. Nelson: Fishes of the World, John Wiley & Sons, 2006, ISBN 0-471-25031-7
  • E.O. Wiley & G.D. Johnson (2010): A teleost classification based on monophyletic groups. In: J.S. Nelson, H.-P. Schultze & M.V.H. Wilson: Origin and Phylogenetic Interrelationships of Teleosts, 2010, Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München, ISBN 978-3-89937-107-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Protacanthopterygii – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Seite 272 in Ralf Britz: Teleostei, Knochenfische i.e.S. in Wilfried Westheide & Reinhard Rieger: Spezielle Zoologie Teil 2: Wirbel und Schädeltiere, 1. Auflage, Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg • Berlin, 2004, ISBN 3-8274-0307-3