Proteus mirabilis

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Proteus mirabilis
Kolonien von Proteus mirabilis auf einer Agarplatte

Kolonien von Proteus mirabilis auf einer Agarplatte

Systematik
Abteilung: Proteobacteria
Klasse: Gammaproteobacteria
Ordnung: Enterobacteriales
Familie: Enterobacteriaceae
Gattung: Proteus
Art: Proteus mirabilis
Wissenschaftlicher Name
Proteus mirabilis
Hauser, 1885
Kolonien

Proteus mirabilis ist der Name einer gramnegativen Bakterienart, deren Vertreter stäbchenförmig sind und zur Familie der Enterobacteriaceae in der Gattung Proteus gehören.

Mikrobiologische Eigenschaften[Bearbeiten]

Die Bakterien können problemlos auf gängigen Kulturmedien kultiviert werden. Sie bilden dabei auf Gelmedien oft nicht umschriebene Kolonien wie die meisten anderen Bakterien, sondern können sich flächig auf dem Medium ausbreiten („Schwärm-Phänomen“) (siehe Bild 2). Wie schon 1946 bemerkt wurde, können dabei einzelne Kolonien (Schwärme) eine deutlich sichtbaren Abgrenzung zu anderen Kolonien ausbilden, was noch heute zur Klassifizierung dieser Mikroorganismen benutzt wird und unter anderem an verschiedenen (für die jeweils andere Kolonie giftig wirkenden) Proteinen aus der Familie der Proticine liegt.[1] Proteus mirabilis sind gramnegative, fakultativ anaerobe, nicht sporenbildende, stark peritrich begeißelte – und damit sich lebhaft bewegende – stäbchenförmige Bakterien. Sie bilden das Enzym Urease, das Harnstoff spalten kann. Dabei entsteht Ammoniak, der den pH-Wert des Mediums, zum Beispiel von Urin, erhöht und dem Bakterium damit bessere Wachstumsbedingungen gewährt (ein niedriger pH-Wert wird von den meisten Bakterien schlecht toleriert). Ein weiteres wichtiges Enzym ist die Phenylalanin-Desaminase. Ihnen fehlt die Fähigkeit, Lactose zu verstoffwechseln. Die fehlende Indol-Produktion fast aller Stämme erlaubt eine einfache Abgrenzung von der zweithäufigsten Art der Gattung, Proteus vulgaris (Indol-Test positiv)[2]. P. mirabilis ist in der Regel ein harmloser Saprophyt (Destruent organischer Stoffe).

Die Bakterien sind in ihrer Länge sehr unterschiedlich, dies führte zur Benennung nach dem alten griechischen Meeresgott Proteus, der sich durch große Wandlungsfähigkeit auszeichnete.

Das Genom von Proteus mirabilis wird momentan vom Sanger Institute (Cambridge, Großbritannien) entschlüsselt.

Bedeutung als Krankheitserreger[Bearbeiten]

Bei Proteus mirabilis handelt es sich um einen fakultativ pathogenen (opportunistischen) Krankheitserreger, der auch bei Gesunden häufig im Dickdarm vorkommt und nicht notwendigerweise Krankheiten verursacht. Entsprechend immungeschwächte Personen können unter folgenden, von diesem Bakterium verursachten, Krankheitsbildern leiden: Harnwegsinfekt, Wundinfektion, Pneumonie und Sepsis.

Bei chronischen Harnwegsinfektionen durch Proteus mirabilis kann durch die Erhöhung des Urin-pH-Wertes die Entstehung von Harnsteinen begünstigt werden.

Ausbreitung[Bearbeiten]

Typischerweise kommt es nicht zu einer Übertragung des Erregers von Mensch zu Mensch. Infektionsquelle ist die körpereigene Bakteriengesellschaft des Darms.

Häufigkeit[Bearbeiten]

Proteus mirabilis ist ein seltener Krankheitserreger. Harnwegsinfekte werden in ca. 5–10 % der Fälle durch dieses Bakterium verursacht. Bei Pneumonie und Sepsis bewegt sich der Anteil um 2 %. Diese Zahlen gelten für ambulant erworbene Infektionen, bei nosokomialen Infektionen liegt die Rate tendenziell etwas höher.

Diagnostik[Bearbeiten]

Die Diagnosestellung erfolgt durch Kultivierung des Erregers aus Blut- und Urinkulturen, Bronchialsekret oder Bronchoalveolärer Lavage. Nach Anlegen einer Reinkultur kann die Spezies am einfachsten mit biochemischen Methoden („Bunte Reihe“) bestimmt werden.

Therapie[Bearbeiten]

Die Behandlung einer Infektion durch Proteus mirabilis sollte, wann immer möglich, nach Resistenzprüfung (Antibiogramm) durchgeführt werden. Die anfängliche „kalkulierte“ Therapie kann z. B. mit Cotrimoxazol, einem Cephalosporin der 2./3.Generation[3] oder mit einem Fluorchinolon erfolgen. Natürliche Resistenzen bestehen gegenüber Tetracyclinen, Tigecyclin, Colistin und Nitrofurantoin[4].

Problematisch für die Therapie sind Bakterienstämme, die extended-spectrum-β-Lactamasen (ESBL) produzieren. Solche Bakterienstämme sind gegen Antibiotika vom β-Lactam-Typ (z. B. Penicilline, Cephalosporine aller Generationen) resistent.

Historisches[Bearbeiten]

Proteus mirabilis wurde 1885 von dem Erlanger Pathologen Gustav Hauser entdeckt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Spektrum der Wissenschaft Januar 2009, S.16-17, Bakterielle Vereinsmeierei
  2.  C. M. O'Hara et al.: Classification, identification, and clinical significance of Proteus, Providencia, and Morganella. In: Clinical Microbiology Reviews. 13, Nr. 4, American Society for Microbiology, Washington 2000, ISSN 0893-8512, S. 534-546, PMID 11023955 (http://cmr.asm.org/content/13/4/534.long, abgerufen am 17. Februar 2013).
  3. "Wirkstoff aktuell: Rationale Antibiotikatherapie bei Harnwegsinfektionen", Ausgabe 2/2012
  4.  R. Leclercq et al.: EUCAST expert rules in antimicrobial susceptibility testing. In: Clinical Microbiology and Infection. 19, Nr. 2, Wiley-Blackwell, Oxford 2013, ISSN 1469-0691, S. 141-160, doi:10.1111/j.1469-0691.2011.03703.x, PMID 22117544 (http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1469-0691.2011.03703.x/full, abgerufen am 17. Februar 2013).