Provenzalische Sprache

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Provençal ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum französischen Mediävisten, Orientalisten, Arabisten und Islamwissenschaftler siehe Évariste Lévi-Provençal.

Provenzalisch (französisch provençal, Eigenbezeichnung pro(u)vençau) ist die Bezeichnung einer im Süden Frankreichs gesprochenen romanischen Sprache oder Gruppe von Sprachen.

Demonstration 2009 zur Erhaltung des Provenzalischen

Bedeutungen[Bearbeiten]

Der Ausdruck wird in verschiedenen Bedeutungen gebraucht:

Okzitanisch[Bearbeiten]

Provenzalisch in der weiteren Bedeutung ist gleichbedeutend mit Okzitanisch (ISO 639-1: oc; ISO 639-2 und 639-3: oci) und bezeichnet als Oberbegriff die Gesamtheit der ursprünglichen Sprachen Südfrankreichs (außer Baskisch, Korsisch und dem nahe verwandten Katalanisch). Die okzitanischen Sprachen werden nach ihrer Bejahungspartikel oc (von lateinisch hoc) als langues d'oc von den langues d’oïl (altfranzösisch oïl, von lateinisch hoc illud, heute oui), den Sprachen Nordfrankreichs, unterschieden.

Ebenso wird Altprovenzalisch zuweilen in der weiteren Bedeutung für das Okzitanische der Zeit bis ungefähr 1500 gebraucht (ISO 639-2 und 639-3: pro).

Diese übergreifende Bedeutung von Provenzalisch und Altprovenzalisch war vor allem in der älteren Romanistik üblich. In der neueren Forschung werden zunehmend die eindeutigeren Begriffe Okzitanisch bzw. Altokzitanisch verwendet, und Provenzalisch wird der Bedeutung eingeengt (siehe nächster Abschnitt).

Okzitanisch in der Provence[Bearbeiten]

Provenzalisch in der engeren Bedeutung (mittlerweile ausgeschiedene Bezeichnung nach ISO 639-3: prv)[1] bezeichnet nur eine der Untergruppen des Okzitanischen, nämlich die vorwiegend in der Landschaft Provence gesprochenen Varietäten des Okzitanischen. Provenzalisch in dieser engeren Bedeutung wird untergliedert in vier Unterdialekte:

Die provenzalische Dialektgruppe wird im Osten durch das Norditalienische, im Norden durch das Frankoprovenzalische, im Nordwesten durch das Auvergnatische und im Westen und Südwesten durch das Languedokische begrenzt.

Okzitanische Literatursprache[Bearbeiten]

Als Altprovenzalisch bezeichnete man in der älteren Forschung einerseits das Altokzitanische allgemein (siehe erster Abschnitt), andererseits speziell das Okzitanisch der mittelalterlichen Trobadordichtung Südfrankreichs. Dieses Altprovenzalisch der Trobadors ist nicht mit der älteren Sprachstufe des Provenzalischen im engeren Sinn (siehe vorheriger Abschnitt) gleichzusetzen, sondern es handelt sich um eine Schriftsprache oder Koine hauptsächlich auf der Basis des Limousinischen und Languedokischen (Tolosanischen), in die Wörter und Wortformen verschiedener Varianten des Okzitanischen Eingang gefunden haben. Sie wurde bis zum 13. Jahrhundert als eine verhältnismäßig einheitliche Schriftsprache der Dichtung und Verwaltung gebraucht. Als Amtssprache wurde sie dann bis zum 16. Jahrhundert vollständig durch das Französische verdrängt, während sie im übrigen Schriftgebrauch seit dem Spätmittelalter einer starken Regionalisierung unterlag.

Wiederbelebungsversuche[Bearbeiten]

Das Provenzalische in der engeren Bedeutung (siehe oben) bildete seit dem 19. Jahrhundert den Ausgangspunkt für Wiederbelebungsversuche. Der Schriftsteller und spätere Nobelpreisträger Frédéric Mistral versuchte mit seinen Mitstreitern eine Literatursprache auf der Basis des Provenzalischen zu etablieren, indem er ein Wörterbuch herausgab (Trésor dóu Félibrige) und literarische Werke in dieser Sprache veröffentlichte. In jüngerer Zeit greifen Wiederbelebungsversuche vorwiegend auf das Languedokische zurück.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Provençal: A Language of France Ethnologue, 15th edition, 2005