Provinz Cabinda

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Dieser Artikel behandelt die angolanische Provinz Cabinda. Zu anderen Bedeutungen von Cabinda oder Kabinda siehe dort.
Provinz Cabinda
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Symbole
Wappen
Wappen
Basisdaten
Staat Angola
Hauptstadt CabindaVorlage:Infobox Verwaltungseinheit/Wartung/Sonstiges
Fläche 7823 km²
Einwohner 357.576 (Schätzung 2010[1])
Dichte 46 Einwohner pro km²
ISO 3166-2 AO-CAB
Webauftritt http://www.cabinda.gov.ao/ (Portugiesisch)
Politik
GovernadoraVorlage:Infobox Verwaltungseinheit/Wartung/Sonstiges Aldina Matilde Barros da LombaVorlage:Infobox Verwaltungseinheit/Wartung/Sonstiges

-5.0512.3Koordinaten: 5° 3′ S, 12° 18′ O

Cabinda (auch: Kabinda; ehemals Portugiesisch-Kongo) ist eine Provinz und Exklave des afrikanischen Staats Angola. Hauptstadt ist die gleichnamige Stadt.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Bevölkerung gehört zu den Bakongo, einem Bantuvolk, und zwar zu den Untergruppen der Kakongo, Vili, Oyo und Yombe.[2] 2007 lebten in Cabinda ca. 300.000 Menschen. Das Bevölkerungswachstum ist sehr hoch.[3]

Geographie[Bearbeiten]

Cabinda liegt westlich der Niederguineaschwelle im Naturraum des Zaire-Tieflands und umfasst 7270 Quadratkilometer. Hauptort und -hafen neben Malembo ist die gleichnamige Stadt Cabinda.

Die Provinz wird vom Hauptstaatsgebiet Angolas durch einen schmalen Streifen der Demokratischen Republik Kongo (Kongo-Kinshasa) getrennt, die dadurch einen Zugang zum Atlantik hat. Die Grenzziehung geht zurück auf die drei historischen Königreiche Loango, Ngoyo und Kakongo und wurde 1885 auf der Kongokonferenz in Berlin festgelegt. Im Norden grenzt Cabinda an die Republik Kongo (Französisch-Kongo).

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Landwirtschaft Cabindas produziert für den Export vor allem Kaffee, Kakao und Palmöl. Außerdem werden Edelhölzer ausgeführt. Wichtigster Wirtschaftszweig ist aber die Erdölindustrie. Mit der Förderung wurde 1968 begonnen. Cabinda hat den größten Anteil an der angolanischen Erdölproduktion. Der Erlös der cabindischen Ölproduktion macht 80 % des angolanischen Finanzhaushaltes aus.

Geschichte[Bearbeiten]

Karte der Provinz Cabinda, auf der die Demokratische Republik Kongo noch als „Zaire“ bezeichnet wird
Logo Cabindas
Inoffizielle Flagge Cabindas, die von Separatisten verwendet wird

Portugiesisch-Kongo[Bearbeiten]

In den Jahren 1853 und 1854 empfingen portugiesische Emissäre bei drei Gelegenheiten cabindische Prinzen und Notabeln. Beim dritten Male wurden sie als Botschafter ihres Landes mit 21 Salutschüssen begrüßt.[4] Die luso-cabindischen Verträge wurden 1883 bis 1885 abgeschlossen: die beiden ersten zwischen den Portugiesen und Cabinda am 29. September 1883 in Chinfuma und am 26. November 1884 in Chicamba. Mit dem Vertrag von Simulambuco vom 1. Februar 1885 wurde das Gebiet das portugiesische Protektorat von Kakongo, Luango und Ngoio bzw. die Territorien nördlich des Kongo. Gemäß diesem Vertrag baten damals die einheimischen Herrscher Portugal um seinen Schutz. Dies wurde mit dem luso-cabindischen Vertrag und bei der Kongokonferenz 1885 in Berlin die Dreiteilung des Kongos von den anderen Kolonialmächten bestätigt. So kam die portugiesische Handelsstation zu ihrem Hinterland und wurde zu einem staatlichen Gebiet.[5] Die beiden Kolonialmächte Frankreich und Portugal legten den genauen Grenzverlauf zwischen ihrem Besitz in einem Vertrag vom 15. Mai 1886 fest.[6]

Eingliederung in Angola[Bearbeiten]

Nachdem Portugal Mitte der 1920er Jahre die Grenzen Angolas endgültig ausgehandelt und das Territorium effektiv besetzt hatte, begann es, Cabinda als einen Teil dieser Kolonie zu behandeln. Nachdem im Grundgesetz von 1933 noch klar zwischen der Kolonie Angola und dem Protektorat Cabinda unterschieden wurde, übertrug es 1956 die Verwaltung des Protektorats dem Generalgouverneur Angolas. Die Unterscheidung der zwei unterschiedlichen Status blieb de jure zwar weiterhin bestehen und kam in der portugiesischen Verfassung von 1971 noch einmal zum Ausdruck.[7] Als Angola 1951 der Status einer „Überseeprovinz“ (Província Ultramarina) Portugals und 1972 der des „Estado de Angola“ („Staat Angola“) innerhalb des portugiesischen Imperiums zugesprochen wurde, wurde jedoch Cabinda als normaler Distrikt Angolas behandelt.

Verbleib im unabhängigen Angola[Bearbeiten]

Als sich in den 1950er Jahren in Angola der Widerstand gegen die Kolonialmacht Portugal zu formieren begann, bildeten sich auch in Cabinda anti-koloniale Gruppen, die allerdings ganz überwiegend eine von Angola getrennte Unabhängigkeit anstrebten.[8] Die meisten dieser Gruppen schlossen sich 1962 zur „Frente de Libertação do Enclave de Cabinda (FLEC)“ (Befreiungsfront für die Enklave Cabinda) zusammen. Diese war jedoch nicht zu einer Teilnahme am bewaffneten Kampf in der Lage und beschränkte sich auf ein gewisses Maß politischer Mobilisierung im Untergrund und im Exil.[9] Von der Mitte der 1960er Jahre an führte jedoch das Movimento Popular de Libertação de Angola (MPLA) von der Republik Kongo aus in Cabinda einen (wenn auch wenig intensiven) Guerillakrieg und gab es auch Versuche der konkurrierenden Frente de Libertação Nacional de Angola (FNLA), von der Zaire aus sporadisch ebenfalls in Cabinda Präsenz zu zeigen. Der geringe Erfolg der antikolonialern Bemühungen in Cabinda war nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass 1963 vor der Küste Cabindas bedeutende Erdölvorkommen entdeckt und daraufhin die dort stationierten Kolonialtruppen erheblich verstärkt wurden.

Als Portugal 1974 nach der Nelkenrevolution die Entkolonisierung Angolas einleitete, ergab sich daraus 1974/75 ein bewaffneter Konflikt zwischen den nationalistischen Befreiungsbewegungen FNLA, MPLA und UNITA (União Nacional para a Libertação Total de Angola). Die FLEC spielte in diesem Zusammenhang nur eine sehr geringe Rolle.[10] Im Verlaufe des Konflikts besetzte die MPLA Cabinda, um sich den Zugang zu den Erdölvorkommen zu sichern. Als im November 1975, während der bewaffnete Konflikt noch andauerte, von der MPLA (in Luanda) und von FNLA und UNITA (in Huambo) die Unabhängigkeit Angolas ausgerufen wurde, stellte keine der verfeindeten Bewegungen infrage, dass Cabinda Teil Angolas war und bleiben sollte.

Inzwischen war die FLEC allerdings politisch nicht untätig geblieben. 1974 wurde Cabinda von der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) als 39. Staat Afrikas und als zu dekolonialisieren bezeichnet.[11] Dies hatte allerdings keine praktischen Folgen, ebenso wenig wie der Umstand, dass die von der FLEC ausgerufene „Republik Cabinda“ Mitglied der Unrepresented Nations and Peoples Organization (UNPO) wurde.[12]

Während des Bürgerkriegs in Angola, 1975 bis 2002, formierte sich die FLEC neu, allerdings mit verschiedenen konkurrierenden Flügeln. Zu diesen gehörte auch ein militärischer Arm, die „Forças Armadas de Cabinda“ (FAC, Streitkräfte Cabindas), die eine zeitlang gelegentliche Guerillaoperationen gegen den – nun von der MPLA beherrschten – angolanischen Staat durchführten. Daneben gab es vor allem seit den 1990er Jahren eine gewisse politische Mobilisierung, die auch zivilgesellschaftliche und kirchliche Unterstützung fand, auf die die MPLA jedoch mit konsequenter Repression reagierte.

Insgesamt gingen die Aktivitäten der FLEC in den 2000er Jahren stark zurück. Am 8. Januar 2010 verübte sie jedoch einen blutigen Überfall auf die togoische Fußballnationalmannschaft, als diese auf dem Weg zur Fußball-Afrikameisterschaft 2010 in Angola war. Dabei tötete sie drei Delegierte und verletzte weitere Spieler und Betreuer. Die togoische Fußballnationalmannschaft nahm daraufhin nicht an der Afrikameisterschaft teil.

Im Verlaufe der sofort eingeleiteten Verfolgung gelang des dem angolanischen Militär, den Stabschef der FLEC/FAC im Februar 2011 festzunehmen.[13] Dies dürfte das Ende des bewaffneten Widerstands seitens der FLEC bedeuten. Ende März 2011 wurde hingegen aus Kreisen der katholischen Kirche in Cabinda die Forderung wiederholt, in Cabinda eine Volksbefragung darüber abzuhalten, ob man Teil Angolas bleiben oder getrennt unabhängig werden wolle.[14] Kurz danach ernannte jedoch der Vatikan für Cabinda einen Bischof, der nicht von dort stammt, und enthob drei cabindische Geistliche ihres Priesteramts, die sich für die Unabhängigkeit der Exklave eingesetzt hatten.[15] Damit ist es fraglich, wieweit es in Zukunft noch zu einem zivilgesellschaftlichen Widerstand kommen wird.

Inzwischen hat das angolanische Regime gewisse „Beruhigungsmaßnahmen“ ergriffen. So erhält die Provinz Cabinda nunmehr einen etwas erhöhten Anteil aus den Erdöleinkünften und in der Stadt Cabinda wurde eine autonome staatliche Universität („Universidade 11 de Novembro“) errichtet.

Verwaltung[Bearbeiten]

In der Provinz Cabinda leben 450.460 Einwohner auf einer Fläche von 7.270 km². Hauptstadt der Provinz ist Cabinda (Stadt).[16]

Folgende Landkreise (Municípios) liegen in der Provinz Cabinda:

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Cabinda – frendy.de
  2. Siehe José Redinha: Etnias e culturas de Angola, Instituto de Investigação Científica de Angola, Luanda 1975
  3. bevölkerungsstatistik.de (2007)
  4. Bulletins Officiels d’Angola n°388, 5. März 1853, S. 2; n°483, 30. Dezember 1854, S. 1–2; n°571, 6. September 1854, S. 4–5.
  5. cabinda.org: Histoire du Cabinda
  6. Kabinda. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 9, Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1892, S. 346.
  7. http://www.nekongo.org/communaute/cabinda1.htm Nekongo: Histoire de Cabinda.
  8. Siehe John Marcum: The Angolan Revolution, Band I, The Anatomy of an Explosion (1950–1962). MIT Press, Cambridge, Mass. / London 1969.
  9. John Marcum: The Angolan Revolution, Band II, Exile Politics and Guerrilla Warfare (1962–1976). MIT Press, Cambridge, Mass. / London 1978.
  10. Franz-Wilhelm Heimer: Der Entkolonisierungskonflikt in Angula. Weltforum Verlag, München 1979
  11. Jeune Afrique Economie 4. Mai 1998.
  12. UNPO
  13. O País (Luanda), 7. März 2011
  14. Público (Lissabon), 18. März 2011
  15. Público (Lissabon), 25-5-2011
  16. Profil der Provinz Cabinda auf der Website zur Volkszählung 2014 in Angola, abgerufen am 15. März 2014