Provinz Drenthe

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Dieser Artikel behandelt die niederländische Provinz Drenthe, für Namensträger siehe Drenthe (Begriffsklärung).
Drenthe
Provinz der Niederlande Flag of the Netherlands.svg
Wappen Flagge
Drenthe wapen.svg Flag Drenthe.svg
Lage
Zeeland Südholland Baarle (zu Belgien) Nordbrabant Groningen Bundesrepublik Deutschland Limburg Friesland Flevoland Drenthe Nordholland IJsselmeer Utrecht Overijssel Gelderland Frankreich Belgien NordseeKarte: Provinz Drenthe in den Niederlanden
Über dieses Bild
Basisdaten
Hauptstadt Assen
Größte Stadt Emmen
ISO 3166-2-Code NL-DR
Website www.drenthe.nl
Hymne Mijn Drenthe
Politik
Königlicher Kommissar Jacques Tichelaar
Regierende Parteien PvdA, VVD
Bevölkerung
Einwohner 488.957 (10. von 12)
Landesanteil 2,9 % der Niederländer
Bevölkerungsdichte 185 Einw. pro km² (9. von 12)
Geographie
Fläche 2.680,37 km²
– Land 2.641,09 km² (9. von 12)
– Wasser 39,28 km²
Höhe bis 32 m ü. NAP
Koordinaten 53° N, 7° O52.866.63Koordinaten: 53° N, 7° O
Verwaltungsgliederung
Gemeinden 12
– davon Städte 3
Topographie von Drenthe

Topographie von Drenthe

Drenthe (deutsch Drente) ist eine niederländische Provinz, gelegen im Nordosten des Landes. Sie grenzt im Süden an die Provinz Overijssel, im Westen an Friesland, im Norden an Groningen und im Osten an das deutsche Bundesland Niedersachsen. Die Provinz ist ländlich geprägt und wird im Osten von Moorgebieten beherrscht. Sie ist eine der am dünnsten bevölkerten Provinzen der Niederlande.

Die Hauptstadt ist Assen mit 62.000 Einwohnern. Andere wichtige Orte sind Emmen (die bevölkerungsreichste Gemeinde), Hoogeveen und Meppel. Man spricht in Drenthe traditionell einen niedersächsischen Dialekt.

Geologie[Bearbeiten]

Oberflächlich betrachtet weist die Provinz die Form eines umgedrehten ovalen Tellers auf. Die Ränder liegen tief und die übrigen Teile befinden sich auf einem lang gestreckten Plateau, dem Drents Plateau. Dies besteht zu weiten Teilen aus Kiesablagerungen, die fast überall von sandigen Böden überdeckt sind. Die Höhe dieses Plateaus bewegt sich zwischen 10 und 20 m NAP. Einschnitte werden einzig durch Seen und Flüsse hervorgerufen. Die Erhebungen stammen zumeist von Streifendünen und Aufschüttungen in Baugebieten.

Zwischen den Städten Emmen im Südosten und Groningen im Norden verläuft der niederländische Hunsrück, der Hondsrug (Hunderücken), eine leichte Erhebung aus eiszeitlichen Sanden und Ablagerungen. Dort liegt mit 32 m auch der höchste natürliche Punkt der Provinz. Im Dorf Wijster in der Gemeinde Midden-Drenthe befindet sich die höchste künstliche Erhebung der Provinz, es ist die Spitze einer Mülldeponie. Die tiefsten Punkte liegen im Nord- und Südwesten unterhalb des Meeresspiegels.

In dem Dorf Schoonebeek in der Gemeinde Emmen wird seit den 1940er-Jahren Erdöl gefördert. Die Förderung wurde aus Rentabilitätsgründen 1996 aufgegeben und 2011 erneut aufgenommen. Betreiber ist die Firma NAM.[1] Außerdem gibt es in der Provinz Erdgasvorkommen, die ebenfalls durch die Firma NAM ausgebeutet werden.

Geschichte[Bearbeiten]

In einem Wald bei Borger: das größte Hünengrab der Niederlande.

In der Steinzeit haben Menschen Kultstätten hinterlassen, die aus aufeinandergestellten großen Steinen bestehen. Diese Megalithe nennt man im Niederländisch hunnebed und im Deutschen Hünengrab. 52 der 53 Megalithanlagen in den Niederlanden liegen in Drenthe, nur das 53. befindet sich in der Provinz Groningen. Die Anlagen sind wie meist üblich aus Findlingen erbaut, die die Eiszeit auf dem Hondsrug oder in seiner Nähe ablagerte.

Die erste urkundliche Erwähnung Drenthes geht auf das Jahr 820 zurück. In der Urkunde wird von einer Pago Treanth, was für Landschaft Drenthe steht, gesprochen. 1024 und 1025 wird in weiteren Urkunden die Grafschaft Drenthe erwähnt. 1046 wurde diese Grafschaft durch Kaiser Heinrich III. dem Bischof Bernold von Utrecht geschenkt. 1528 trat Bischof Heinrich II. von Bayern das Oberstift Utrecht, zu der das Gebiet der heutigen Provinz Drenthe gehörte, an Kaiser Karl V. ab. 1536 wurde Drenthe eine eigene Herrschaft innerhalb der Habsburgischen Niederlanden. Als sich die Republik der Sieben Vereinigten Provinzen für unabhängig erklärten, wurde Drenthe ein Teil des Landes. Es wurde aber nicht als eigenständige Provinz anerkannt und Bestandteil der Provinz Overijssel. Seit der Bildung des Königreichs der Vereinigten Niederlande (1815) ist Drenthe eine eigenständige Provinz.[2]

Im 19. Jahrhundert war Drenthe noch sehr isoliert, bis Ödnisse und Moorgebiete durch Kolonisationsprojekte angegangen wurden. Eisenbahn und Kanäle erschlossen das Gebiet, wie zum Beispiel der Oranjekanal (1853 bis 1861 gebaut). Im 20. Jahrhundert wurden nach den Mooren auch die Heide-Gebiete abgebaut, und neue, große Betriebe wurden angesiedelt.

Ein Kunstwerk beim ehemaligen Lager Westerbork, das für die Deportation per Eisenbahn steht.

Während der deutschen Besatzung wurde 1942 das Durchgangslager Westerbork eingerichtet; ursprünglich war es eine niederländische Anlage für jüdische Flüchtlinge. Ein Großteil der später ermordeten Juden aus den Niederlanden wurde über Westerbork gen Osten transportiert, darunter 1944 auch Anne Frank. Später wurde das Lager für niederländische Kollaborateure verwendet, und ab 1951 wohnten hier Solden aus der ehemaligen Kolonie Niederländisch-Indien sowie Molukker, die für die niederländische Kolonialmacht gearbeitet hatten. Die letzten Familien verließen das Lager erst 1970. Seit 1983 befindet sich in der Nähe ein Erinnerungszentrum.

1975 entführten Molukker-Jugendliche einen Zug beim Dorf Wijster in der (heutigen) Gemeinde Midden-Drenthe. Zwei Jahre später passierte ähnliches bei De Punt im Norden der Provinz. Die Molukker waren enttäuscht darüber, dass die niederländische Regierung ihre Rückkehr zu ihren Herkunftsinseln nicht realisieren konnte. Im ersten Falle hatten die Entführer bereits Insassen ermordet, im zweiten drohte man mit der Sprengung des Zuges. Beide Male beendeten die Sicherheitsbehörden die Entführung blutig.

Landschaft[Bearbeiten]

In der Provinz lassen sich drei Landschaftstypen unterscheiden. Die Heide im Westteil, die Moorgebiete im Ostteil und die Kanallandschaften.

Heide[Bearbeiten]

Die Mitte der Provinz, auch als Alt-Drenthe bezeichnet, weist hauptsächlich Sandboden auf. Dieser Bereich wird durch Heidegebiete mit Weiden und Ackerbau geprägt, die von Grünlandstreifen entlang der Flüsse und Bäche unterbrochen wurden. In der Landwirtschaft herrschte früher vielfach die Schafzucht vor, wobei die Schafe den Sommer in der Heide verbrachten. Durch den Einsatz von Kunstdünger ab dem 19. Jahrhundert verlor die Schafzucht an Bedeutung und weite Teile der Heide wurden in landwirtschaftliche Nutzflächen umgewandelt. Andere Teile der Heide wurden durch die staatliche Forstverwaltung aufgeforstet um den steigenden Holzbedarf zu decken. Das Grünland entlang der Flüsse wurde hauptsächlich als Weideland genutzt, wobei etliche Auengebiete trockengelegt wurden. Das Aussehen der Ackerflächen hat sich zudem durch Flurbereinigungen geändert.

Somit ist von der ursprünglichen Heidelandschaft nicht mehr viel übrig geblieben. Größere Flächen findet man nur noch im Nationalpark Drentschen Aa nordöstlich von Assen.

Moorlandschaft[Bearbeiten]

Fochteloërveen an der Grenze zu Friesland gehört zu den am besten bewahrten Moorlandschaften der Niederlande.

Der östliche Bereich der Provinz wird von Mooren geprägt. Hier fand lange Zeit intensiver Torfabbau statt. Weite Teile wurden von Entwässerungskanälen durchzogen, um den Abbau zu ermöglichen. In den Gebieten in denen die Torfvorkommen erschöpft waren, siedelte sich Landwirtschaft an. Von den Mooren sind heute nur noch zwei größere erhalten, das Bargerveen im äußersten Südosten der Provinz und das Fochteloërveen im Nordwesten an der Grenze zu Friesland.

Kanallandschaften[Bearbeiten]

Da die meisten Flüsse in der Provinz für die Schifffahrt zu klein waren, wurden zahlreiche Kanäle angelegt. Die bedeutendsten sind der Drentsche Hoofdvaart, der Noord-Willemskanal, der Hoogeveense Vaart und der Oranjekanal. Durch den zunehmenden Verkehr auf den Straßen haben die Kanäle stark an Bedeutung verloren.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Im Jahr 2006 lag das regionale Bruttoinlandsprodukt je Einwohner, ausgedrückt in Kaufkraftstandards, bei 101,5 % des Durchschnitts der EU-27.[3]

Sprache[Bearbeiten]

Die ursprünglichen Dialekte sind niedersächsischer Herkunft. Damit gehören sie nicht zum Hauptstrom derjenigen Dialekte, die zur Entstehung des modernen Niederländischen beigetragen haben. Niedersächsisch wird auch in den benachbarten Provinzen Groningen und Gelderland gesprochen.

Die Dialekte der Provinz nennt man Drents, vor allem die in der Mitte. Wie überall in den Niederlanden dringt die Standardsprache in mehr und mehr Lebensbereiche vor.

Politik[Bearbeiten]

Das Regionalparlament, die Provinciale Staten, wurde wie die anderen Provinciale Staten zuletzt 2011 gewählt. Dabei war die Partij van de Arbeid die mit Abstand größte Partei, gefolgt von Rechtsliberalen und Christdemokraten. Insgesamt haben die Provinciale Staten von Drenthe 41 Sitze.

An der Spitze der Provinz steht der Beauftragte der Königin, der Sozialdemokrat Jacques Tichelaar. Seit 1951 waren alle Beauftragte Sozialdemokraten, zuvor meist Liberale. Das college van Gedeputeerde Staten, also die Regierung mit Tichelaar, besteht aus Sozialdemokraten und Rechtsliberalen.

In der Provinz Drenthe befinden sich zwölf Gemeinden (Einwohner am 1. Januar 2014). Anders als in vielen anderen niederländischen Provinzen hat in Drenthe nur einmal eine nennenswerte Neugliederung der Gemeinden stattgefunden, und zwar 1998, als die Anzahl der Gemeinden von 36 auf zwölf sank (Liste der ehemaligen Gemeinden in der Provinz Drenthe).

Lage der Gemeinden in der Provinz Drenthe
Nr. Name
der
Gemeinde
Einwohnerzahl Sitz
der
Gemeinde
1 Aa en Hunze 25.367 Gieten
2 Assen 67.191 Assen
3 Borger-Odoorn 25.625 Exloo
4 Coevorden 35.764 Coevorden
5 Emmen 108.026 Emmen
6 Hoogeveen 54.658 Hoogeveen
7 Meppel 32.859 Meppel
8 Midden-Drenthe 33.354 Beilen
9 Noordenveld 31.085 Roden
10 Tynaarlo 32.500 Vries
11 Westerveld 18.938 Havelte
12 De Wolden 23.590 Zuidwolde

Kultur und Wissenschaft[Bearbeiten]

Antennen des Radioteleskops bei Westerbork

Drenthe ist für seine Hünengräber bekannt. Mit ihnen und der Kultur ihrer Erbauer befasst sich das Hünenbettzentrum in Borger. In Orvelte befindet sich ein Freilichtmuseum und in Assen das Drents Museum.

Ein auch international bekanntes Sportereignis ist das Motorrennen Dutch TT bei Assen. Das Occultfest für Hardrock und Metalmusik wird seit 2002 jährlich in Hoogeveen abgehalten.

Die vielleicht wichtigste Zeitung in der Provinz ist das Dagblad van het Noorden.

Das Westerbork Synthese Radio Telescoop macht seit 1970 astronomische Beobachtungen. Es spielt auch eine Rolle in Harry Mulischs Erfolgsroman „Die Entdeckung des Himmels“. In der Nähe der Antennen befindet sich ein Planetenweg.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Drenthe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten]

  1. Tagesschau: Wieder Erdölförderung im "Texas" der Niederlande (Version vom 27. Januar 2011 im Internet Archive), 24. Januar 2011, abgerufen 25. Januar 2011.
  2. Karl Heinrich Ludwig Pölitz: Die Constitutionen der europäischen Staaten seit den letzten 25 Jahren, Band 2, Leipzig, Brockhaus, 1817, S. 495 (Google Books)
  3. Eurostat Jahrbuch der Regionen 2009: Kapitel 4: Bruttoinlandsprodukt (PDF; 5,4 MB) und (XLS; 134 KB); ISSN 1830-9690 (Registrierung bei Eurostat ist erforderlich).