Pseudo-Matthäus-Evangelium

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Jörg Ratgeb: Christus zerstört die heidnischen Götzenbilder, Wandgemälde um 1520 im Karmeliterkloster (Frankfurt). Das Motiv ist den Kapiteln 22-24 des Pseudo-Matthäus entnommen.

Das Pseudo-Matthäus-Evangelium (PsMt) ist ein apokryphes Evangelium, das sich mit Einzelheiten der Kindheit Jesu bis zum Alter von 12 Jahren befasst. Der Gattung nach ist es somit genauer ein Kindheitsevangelium. Es handelt sich dabei vor allem um Ausschmückungen von Themen, die in den Evangelien nach Matthäus und Lukas nur kurz berichtet werden.

Der Titel Pseudo-Matthäus-Evangelium stammt von Konstantin von Tischendorf, der den Text herausbrachte. J. Gijsel und R. Beyers geben die wahrscheinliche Entstehungszeit des Werkes mit 600-625 n. Chr. an. Die ältesten Manuskripte stammen aus dem frühen neunten Jahrhundert

Inhalt[Bearbeiten]

Dem eigentlichen Text des Evangeliums geht in Textfamilie P ein Prolog voran, im dem sich Jakobus, der Sohn Josephs sich als Verfasser vorstellt. Die Textfamilie A hat statt dessen einen fiktiven Briefwechsel zwischen den Bischöfen Chromatius und Heliodor auf der einen Seite und Hieronymus auf der anderen Seite.[1]

Der Inhalt des Textes ist vor allem eine bearbeitete Wiedergabe des Protevangeliums des Jakobus, gefolgt von einem Bericht über die Flucht nach Ägypten (mit unbekannter Quelle) und einer bearbeiteten Wiedergabe des Kindheitsevangeliums nach Thomas. Insgesamt wurden diese Texte in ein einziges Werk eingearbeitet. Über ihre Quellen hinaus erwähnt dieses Evangelium, dass Ochse und Esel bei der Geburt Jesu anwesend waren.

Wirkung[Bearbeiten]

Das Evangelium hatte einen großen Einfluss auf das Denken und die Ikonographie im Mittelalter. Dies hing teilweise damit zusammen, dass es in der Legenda aurea enthalten war und Geschichten in die Armenbibel mit aufgenommen wurden.

Abgeleitet von diesem Evangelium war unter anderem der Text Libellus de Nativitate Sanctae Mariae, der einfach den frühen Teil über die Geburt Marias darstellt. Ein anderer Text, der vom Pseudo-Matthäus-Evangelium abgeleitet ist, ist das arabische Kindheitsevangelium, das viele übernatürliche Ausschmückungen enthält.

Literatur[Bearbeiten]

  • J. C. Thilo: Codex Apokryphus Novi Testamenti, Leipzig 1832. Editio princeps.
  • Konstantin von Tischendorf: Evangelia apocrypha, 1. Aufl. Leipzig 1851, 2. Aufl Leipzig 1876 = Nachdruck Hildesheim 1987. Diese Textausgabe genügt heutigen wissenschaftlichen Standards nicht mehr.
  • Gerhard Schneider: Apokryphe Kindheitsevangelien, übers. und eingel. von Gerhard Schneider, in: Fontes Christiani 18, Freiburg 1995, 213–255.
  • Jan Gijsel und Rita Beyers (Hrsg): Libri de nativitate Mariae; textus et commentarius; Pseudo-Matthaei Evangelium; Libellus de nativitate Sanctae Mariae, Turnhout, Brepols 1997.(2 Bände) Einführung und Kommentar französisch, Text lateinisch mit französischer Übersetzung. Textausgabe nach aktuellem wissenschaftlichem Standard, wertet 132 Hss aus.
  • Otto Ehlen: Das Pseudo-Matthäusevangelium in: Christoph Markschies, Jens Schröter u.a. (Hrsg.): Antike christliche Apokryphen in deutscher Übersetzung. Band I: Evangelien und Verwandtes (zwei Teilbände). 7. Auflage der von Edgar Hennecke begründeten und von Wilhelm Schneemelcher fortgeführten Sammlung der neutestamentlichen Apokryphen. Mohr Siebek, Tübingen 2012, ISBN 978-3-16-150087-9, S. 983−1002. S. 987 ff deutsche Übersetzung, folgend dem Text von Gijsel.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Markschies 1,2 S. 983.