Pseudophäochromozytom

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Als Pseudophäochromozytom (schwere paroxysmale arterielle Hypertonie; hyperadrenerge essenzielle arterielle Hypertonie) wird ein Syndrom bezeichnet, das gekennzeichnet ist durch anfallsweise auftretenden schweren Bluthochdruck und bei dem ein Phäochromozytom ausgeschlossen wurde. Das Pseudophäochromozytom ist wesentlich häufiger als das Phäochromozytom. Solche paroxysmale Blutdruckanstiege werden auch nach emotionellen Belastungen und Traumata beobachtet. Die Behandlung erfolgt dann durch Psychotherapie, sowie eine medikamentöse Kombinationstherapie, in der Alpha- und Beta-Blocker, sowie Antidepressiva und Anxiolytika eingesetzt werden.

Ursachen[Bearbeiten]

Neben emotionalen Traumata gibt es einige andere Ursachen für die schwere paroxysmale arterielle Hypertonie. Diskutiert wird zum Beispiel, dass das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom eine seltene Ursache darstellen könnte[1].

Des Weiteren wird ein Zusammenhang mit diversen Medikamenten diskutiert, darunter Clozapin[2][3] und Toloxaton, Terbutalin beziehungsweise Phenylephrin[4].

Symptome und Diagnose[Bearbeiten]

Bei Patienten mit schweren Anfällen von Bluthochdruck, die einhergehen mit ausgeprägten Begleitsymptomen wie Kopfschmerzen, Brustschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Herzklopfen, Erröten und Schweißausbrüchen, muss an einen Stresshormon-produzierenden Tumor der Nebenniere, ein Phäochromozytom gedacht werden. In weitaus den meisten Fällen kann dann durch Bestimmung der Metanephrine in Serum und/oder Urin ein Phäochromozytom sicher ausgeschlossen werden.

Die Episoden werden als abrupt beginnend beschrieben, und werden nicht durch Stress, belastende Emotionen, Angst oder Panik ausgelöst. Die Anfälle halten eine halbe Stunde bis mehrere Stunden an und können zu ein bis zwei Tage dauernden Erschöpfungszuständen führen. Die Anfallshäufigkeit reicht von einer Episode in mehreren Monaten bis zu ein bis zwei Episoden pro Tag. Meist überschreitet der Blutdruck Werte von 200/110 mmHg. Zwischen den Anfällen ist der Blutdruck normal oder geringgradig erhöht. Meist ist die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigt.

Differenzialdiagnose[Bearbeiten]

Psychosomatische Grundlagen[Bearbeiten]

Durch ein psychosoziales Interview kann häufig ein zurückliegendes emotionales Trauma aufgedeckt werden (Holocaust, seelischer oder körperlicher Missbrauch), ohne dass belastendende Emotionen in Verbindung mit dem Trauma erlebt werden. Dies legt emotionale Abwehrmechanismen wie Dissoziation oder Verdrängung nahe. Lässt sich kein zurückliegendes emotionales Trauma eruieren, findet sich bei Betroffenen häufig eine Haltung, in der belastende Emotionen kaum wahrgenommen werden.

Therapie[Bearbeiten]

Die Behandlung erfolgt durch Psychotherapie sowie medikamentös durch kombinierte Gabe von Alpha- und Beta-Rezeptoren-Blocker, ggf. in Kombination mit einem Antidepressivum und evtl. einem Anxiolytikum.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. H. .. Kahal, A. A. Tahrani, J. T. George, I. M. Barlow, M. A. Malik: Obstructive sleep apnoea; a rare cause of pseudophaeochromocytoma. In: QJM. 106, 2013, S. 1133–1136, doi:10.1093/qjmed/hcr216.
  2. O. Akinsola, K. Ong: Pseudophaeochromocytoma associated with Clozapine Therapy: a case report. In: African Journal of Psychiatry. 14, 2011, S. , doi:10.4314/ajpsy.v14i5.9.
  3. A. J. Krentz, S. Mikhail, P. Cantrell, G. M. Hill: Drug Points: Pseudophaeochromocytoma syndrome associated with clozapine. In: BMJ (Clinical research ed.). Band 322, Nummer 7296, Mai 2001, S. 1213, ISSN 0959-8138. PMID 11358774. PMC 31620 (freier Volltext).
  4. H. Lefebvre, R. Richard, C. Noblet, N. Moore, L. M. Wolf: Life-threatening pseudophaeochromocytoma after toloxatone, terbutaline, and phenylephrine. In: Lancet. Band 341, Nummer 8844, Februar 1993, S. 555–556, ISSN 0140-6736. PMID 8094790.

Literatur[Bearbeiten]

archinte.ama-assn.org (PDF)
  • Samuel J Mann: Severe paroxysmal hypertension (pseudopheochromocytoma). In: Current Hypertension Reports. 10, Nr. 1, 2008, S. 12-18. PMID 18367021. Abgerufen am 13. Juli 2009.
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