Pskow

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Stadt
Pskow / Pleskau, Pleskow
Псков
Flagge Wappen
Flagge
Wappen
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Pskow
Stadtkreis Pskow
Oberhaupt Iwan Zezerski
Erste Erwähnung 903
Stadt seit 903
Fläche 95,5 km²
Bevölkerung 203.279 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Bevölkerungsdichte 2129 Einwohner/km²
Höhe des Zentrums 45 m
Zeitzone UTC+3
Telefonvorwahl (+7)8112
Postleitzahl 180000–180026
Kfz-Kennzeichen 60
OKATO 58 401
Website http://www.pskovgorod.ru/
Geographische Lage
Koordinaten 57° 49′ N, 28° 20′ O57.81666666666728.33333333333345Koordinaten: 57° 49′ 0″ N, 28° 20′ 0″ O
Pskow (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Pskow (Oblast Pskow)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Pskow
Liste der Städte in Russland

Pskow (russisch Псков, dt. auch Pleskau, historisch auch Pleskow, estnisch Pihkva, lettisch Pleskava) ist eine Großstadt im Nordwesten Russlands mit 203.279 Einwohnern (Stand 14. Oktober 2010)[1], etwa 290 km südwestlich von Sankt Petersburg und nahe der Grenze zu Estland. Die Stadt ist Hauptstadt der Oblast Pskow und ist eine der ältesten Städte Russlands. Früher war sie eine mächtige Grenzfestung und Hauptstadt einer unabhängigen mittelalterlichen Republik, heute ist sie eine bedeutende Industriestadt.

Im Jahr 903 erstmals urkundlich erwähnt, gewann die Stadt im 15. Jahrhundert hohe Bedeutung auf dem Gebiet der Baukunst und der Ikonenmalerei, im 16. Jahrhundert wurde sie Bischofssitz und blieb bis ins 19. Jahrhundert religiöses Zentrum für die Region.

Geographie und Klima[Bearbeiten]

Pskow liegt an der Mündung des Flüsschens Pskowa in die Welikaja in der Nähe des Pskower Sees, einem Nebengewässer des Peipussees. Die Welikaja ist zugleich der Hauptfluss der Oblast Pskow (etwa 55.300 km²). Bei Pskow befindet sich der westlichste Punkt des als russisches Kernland betrachteten Gebietes (also ohne die Oblast Kaliningrad).

Die Durchschnittstemperatur beträgt im Winter (Januar) –8 bis –10 °C, im Sommer (Juli) 17 bis 18 °C.

Pskow
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
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3
 
 
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-2
-8
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: Roshydromet
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Pskow
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) −4,8 −3,5 1,6 9,6 17,5 21,2 22,3 20,8 15,4 9,0 2,3 −2,2 Ø 9,2
Min. Temperatur (°C) −11,0 −10,5 −6,1 0,4 6,4 10,4 12,1 11,0 6,7 2,5 −2,3 −7,7 Ø 1
Niederschlag (mm) 37 29 32 37 46 68 78 81 64 53 56 47 Σ 628
Regentage (d) 10 8 8 8 9 10 10 11 12 11 12 12 Σ 121
T
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−4,8
−11,0
−3,5
−10,5
1,6
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6,4
21,2
10,4
22,3
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11,0
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9,0
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−2,3
−2,2
−7,7
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
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Quelle: Roshydromet

Verkehr[Bearbeiten]

Pskow liegt an der Hauptverkehrsverbindung von Sankt Petersburg nach Lettland und in die Oblast Kaliningrad. In Pskow befindet sich die größte Station der Eisenbahnlinie Sankt Petersburg – Riga, die hier die Eisenbahnlinie DnoPetschoryValga/Tartu kreuzt, die für den internationalen Güterverkehr zu den estnischen und lettischen Ostseehäfen eine große Bedeutung hat. Es gibt regelmäßige Zugverbindungen nach Moskau, Sankt Petersburg, Riga und Vilnius. Vom kleinen Flughafen im Süden der Stadt gibt es eine regelmäßige Verbindung zum Flughafen Moskau-Domodedowo.

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten]

Pskow wurde vom altrussischen Stamm der Kriwitschen gegründet. Die Anfänge der Stadt liegen im Dunkeln, Funde aus den Langen Kuranen und dem östlichen Baltikum belegen jedoch, dass die Siedlungsanfänge bis ins dritte Viertel des ersten Jahrhunderts reichen, eine kontinuierliche Entwicklung kann jedoch nicht nachgewiesen werden.

Als die Stadt 903 erstmals erwähnt wurde, bezeichnete man sie als lange existierend. Der Sage nach gehörte sie seit 864 zum Großfürstentum Nowgorod. Zu den Bewohnern der Stadt zählten Slawen, Skandinavier und finno-ugrische Bevölkerung.

Mittelalter[Bearbeiten]

Bereits 955 begann unter Fürstin Olga, der Witwe des Fürsten Igor von Kiew, die Christianisierung der Region; an die Stelle heidnischer Sitten trat die altrussische Kultur.

Kirche Johannes der Täufer (12. Jh.) in Pskow

Im 12. Jahrhundert wurde Pskow ein selbstständiges Fürstentum unter Wsewolod Mstislawitsch. Obwohl er schon ein Jahr später starb, wurde er in der Stadt zur Symbolfigur der Unabhängigkeit.

Als Russland im 13. Jahrhundert von den Einfällen der Mongolen heimgesucht wurde, blieb Pskow verschont, musste sich aber etwa zur selben Zeit gegen den Deutschen Orden zur Wehr setzen. 1240 besetzte dieser die Stadt, doch am 5. April 1242 wurde er von Alexander Newski in der Schlacht auf dem Peipussee vernichtend geschlagen. Als Zentrum einer selbständigen Republik war Pskow auch im Folgenden immer wieder Angriffen aus dem Westen ausgesetzt. Allein im 15. Jahrhundert wehrte es 26 Belagerungen von Polen-Litauen sowie dem Deutschen Orden ab.

Zur Zeit der Hanse war Pskow Standort einer Faktorei und ein wichtiger Stützpunkt für die Reisenden, die den Weg von Riga oder Reval nach Nowgorod zum dortigen Hansekontor Peterhof mit dem Schlitten nahmen. Der Ablauf des Handels zwischen deutschen und russischen Kaufleuten ergibt sich aus dem 1607 in Pskow geschriebenen Gesprächsbuch des Lübecker Kaufmannsgehilfen Tönnies Fonne.

1510 wurde Pskow ein Teil des Großfürstentums Moskau. 1582 wurde es gegen das 50.000 Mann starke Heer des polnischen Königs Stephan Báthory verteidigt (siehe Belagerung von Pskow), ebenso 1615 bei der Belagerung durch den schwedischen König Gustav Adolf.

Neuzeit[Bearbeiten]

Alexander Iwanowitsch Morosow: Kirchenausgang in Pskow, 1864

Ab 1701 wurde die Stadt von Peter I. zur Festungsstadt ausgebaut, zur gleichen Zeit ging jedoch ihre Bedeutung auf Grund der Verlegung der Grenze nach Westen und der Gründung Sankt Petersburgs zurück. 1777 entstand das Gouvernement Pskow.

1900 hielt sich Lenin einige Monate in Pskow auf. Im Februar 1917 unterzeichnete Nikolaus II. in Pskow seine Abdankungsurkunde. Von Februar bis November 1918 war Pskow im Ersten Weltkrieg von deutschen Truppen besetzt, im September 1919 konnte die Rote Armee die Stadt einnehmen.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Vom 9. Juli 1941 bis zum 23. Juli 1944 war die Stadt während des Angriffs auf die Sowjetunion erneut von Deutschen besetzt. Aufgrund des Chaos nach dem deutschen Einmarsch in das Land vergaß man es, die Bewohner der Stadt rechtzeitig zu evakuieren. Nur einige wenige örtliche Parteifunktionäre und Wissenschaftler wurden in der kurzen Zeit aus der Stadt gebracht. Weitere 10.000 Bewohner, die fliehen wollten, wurden von den Deutschen eingeholt und mussten wieder zurückkehren.

Etwa 300.000 Menschen kamen während der Besatzungszeit nach sowjetischen Schätzungen in und um Pskow ums Leben, wobei ca. 60 % davon russische Bewohner der Stadt und der um Pskow gelegenen Dörfer waren und daneben eine große Zahl sowjetischer Kriegsgefangener. Pskow selbst verlor rund 40 % seiner Bewohner, 26 Dörfer wurden ausgelöscht, die meisten davon in den Jahren 1943 und 1944. Ab September 1941 mussten die Pskower aufgrund eines Befehls der neuen lokalen Kommandantur ihre Stadt wieder aufbauen. Als die Partisanenbewegung in der Gegend ab Sommer 1942 immer stärker wurde, wurden von den Deutschen aus Rache zahlreiche Häuser niedergebrannt und den Bewohnern so ihre Lebensgrundlage genommen. Nicht selten wurden die Bewohner vertrieben. Die deutschen Besatzer plünderten Pskow gemäß ihrer im Generalplan Ost dokumentierten Ideologie und Zielsetzung aus: Nach neuen Verordnungen erhielten die Bewohner der Stadt seit November 1941 nur noch 33 % der Nahrung. Die Bauern im Umland mussten regelmäßig zwei Drittel ihrer Ernte abliefern. Zwischen März 1942 und Juli 1944 wurden rund 11.000 Menschen aus Pskow als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt. Am 23. Juli 1944 wurde Pskow im Zuge der Pskow-Ostrower Operation befreit.

Kriegsgefangenen-Stammlager[Bearbeiten]

In der Stadt befand sich sowohl das Stammlager 372 der deutschen Wehrmacht für deren sowjetische Kriegsgefangene.[2] wie auch das Kriegsgefangenenlager 343 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs[3] sowie

Moderne[Bearbeiten]

Während der Sowjetherrschaft wurden die meisten Klöster und Kirchen geschlossen oder zerstört. In der Perestroikazeit ist das geistliche Leben wiedererwacht. Viele Klöster wurden wieder eröffnet oder ausgebaut, zunächst mit bescheidenen Mitteln. Heute gewinnt Pskow wieder an Bedeutung als religiöses Zentrum. Zahlreiche Gläubige aus ganz Russland pilgern zu den Kirchen und Klöstern. Seit 1990 besteht eine Städtepartnerschaft mit Neuss, wozu auch Austausch von künstlerisch begabten Jugendlichen gehört.

Heute ist Pskow auch Zentrum einer landwirtschaftlich und handwerklich-technisch geprägten Region und Standort mehrerer pädagogischer Hochschulen und Ausbildungsstätten.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
1897 30.478
1926 43.857
1939 60.439
1959 81.270
1970 126.711
1979 175.724
1989 203.789
2002 202.780
2010 203.279

Anmerkung: Volkszählungsdaten

Wappen[Bearbeiten]

Beschreibung: In Blau ein laufender geradeaus sehender goldener Leopard unter einer zum Schildfuß zeigenden silbernen segnenden Hand aus den weißen Wolken am Schildhaupt. hervorbrechend.

Die segnende Hand wird Zar Alexei zugeschrieben. Die Tingierung der Hand hat öfters gewechselt und war auch in Gold und in Naturfarbe.

Stadt und Oblast haben den identischen Schild. Letzter hat auf den Schild die Kaiserkrone und goldenes Eichenlaub, dass durch ein blaues Band von St. Andreas gebunden ist, begleitet den Schild an den Seiten.

Das Wappen der Oblast wurde in der Regionalversammlung der Abgeordneten am 23. Februar 1995 beschlossen.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten der Stadt[Bearbeiten]

Dreifaltigkeitskathedrale mit Kreml in Pskow
Kreml in Pskow
  • Kreml (mit Dreifaltigkeitskathedrale)
  • Snetogorski-Kloster mit Mariä-Geburts-Kathedrale – ältestes erhaltenes mittelalterliches Freskenprogramm Russlands (Propheten, Mariä Geburt, Jüngstes Gericht)
  • Dowmontow-Stadt (Daumantas-Stadt)
  • Basiliuskirche (15. Jahrhundert)
  • Cosmas-und-Damian-Kirche (15. Jahrhundert)
  • Kirche zu Christi Erscheinung (15. Jahrhundert)
  • Mirosch-Kloster (mit Mirosch-Kathedrale, 12. Jahrhundert)
  • Pogankinpalast (Museum für Geschichte und Kunsthandwerk)
  • Gemäldegalerie

Sehenswürdigkeiten der Umgebung[Bearbeiten]

  • Festung Isborsk
  • Kloster Petschory
  • Michailowskoje (Puschkin-Gedenkstätten)
  • Swjatogorski Kloster (mit dem Grab von Puschkin)

Bildung[Bearbeiten]

Weiterführende Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Bildungseinrichtungen für behinderte Menschen[Bearbeiten]

Partnerstädte[Bearbeiten]

Blason Arles 13.svg Arles FrankreichFrankreich Frankreich
POL Białystok COA.svg Białystok PolenPolen Polen
Seal of Boston.svg Boston Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Coat of arms of Daugavpils.svg Daugavpils LettlandLettland Lettland
Wappen Gera.svg Gera DeutschlandDeutschland Deutschland
Kuopio.vaakuna.svg Kuopio FinnlandFinnland Finnland
Mianyang China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China
Neuss Stadtwappen cmyk.svg Neuss DeutschlandDeutschland Deutschland
Nijmegen wapen.svg Nijmegen NiederlandeNiederlande Niederlande
Norrtäljes vapen.svg Norrtälje SchwedenSchweden Schweden
Perth Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
Roanoke Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
COA LV Valmiera.svg Valmiera LettlandLettland Lettland
Tartu coat of arms.svg Tartu EstlandEstland Estland
Coat of Arms of Chernihiv.svg Tschernihiw UkraineUkraine Ukraine
Coat of Arms of Viciebsk, Belarus.svg Wizebsk WeissrusslandWeißrussland Weißrussland

Die Stadt ist außerdem Mitglied des Städtebundes der Neuen Hanse und unterhält eine städtepartnerschaftsähnliche Kooperation mit dem deutschen Verein Initiative Pskow in der EKiR.[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

 Commons: Pskow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Tom 1. Čislennostʹ i razmeščenie naselenija (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Band 1. Anzahl und Verteilung der Bevölkerung). Tabellen 5, S. 12–209; 11, S. 312–979 (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Mario Bandi: deutschlandfunk.de: Das Metall des Krieges oder: 100 Briefe aus Pleskau. Deutschlandfunk, Feature, 12. September 2014
  3. Maschke, Erich (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962-1977.
  4. http://gorodpskov.ru/index/action/ShowDep/id/20