Psycholytische Psychotherapie

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Psycholytische Psychotherapie (auch Psycholytische Therapie oder Substanz-unterstützte Psychotherapie) ist ein psychotherapeutisches Behandlungsverfahren, in dem zur Unterstützung der Therapie bewusstseinsverändernde Eigenschaften psychotroper Substanzen genutzt werden. Dabei soll durch hirnphysiologische Vorgänge die psychische Abwehr gelockert und so ein besserer Zugang zu verdrängten Gefühlen und verborgenen Fähigkeiten gefunden werden.

Die Psycholytische Therapie ist umstritten und die Forschung ist erschwert durch gesetzliche Einschränkungen bezüglich der Verwendung psychotroper Substanzen.

Geschichte[Bearbeiten]

Viele psychotrope Substanzen waren Ende der 1960er Jahre verboten. Ihre wissenschaftliche Erforschung wurde Ende der 1980er Jahre unter restriktiven Bedingungen wieder aufgenommen.[1] Außerhalb solcher Forschungsprojekte gab es zudem eine nichtöffentliche Anwendung illegal gehandelter psychotroper Substanzen.[2]

In den Jahren 1988 bis 1993 erhielten mehrere Mitglieder sowie auch der Gründer Peter Baumann der Schweizerischen Ärztegesellschaft für Psycholytische Therapie eine Ausnahmebewilligung für Psychotherapien unter der Gabe von MDMA und LSD.[3]

Theorie[Bearbeiten]

Es werden Stoffe aus der Gruppe der Psychedelika, z. B. LSD, Psilocybin und Mescalin, der Empathogene wie beispielsweise MDMA („Ecstasy“) oder der Dissoziativa, z. B. Ketamin, verwendet.[4] Es wird davon ausgegangen, dass diese Substanzen eine bewusstseinsverändernde Wirkung, aber kein bzw. wenig substanzeigenes Abhängigkeitspotenzial[5][6] haben, und dass sie psychisches Erleben intensivieren und umstrukturieren können. Innerhalb der Psycholoytischen Psychotherapie werden sie als „psycholytische“ („seelenlösende“) oder „psychedelische“ („den Geist offenbarende“) Stoffe bezeichnet.

Die Vertreter des „psycholytischen“ Ansatzes nehmen an, dass entsprechende Substanzen die "dynamische Beziehung zwischen bewussten und unbewussten Teilen der Persönlichkeit" verändern können. Mit ihrer Hilfe sollen "zu rigide Abwehrstrukturen gelockert und die Integration abgespaltener und verdrängter Persönlichkeitsanteile und Erfahrungen" erleichtert werden.[7] Eine mögliche Wirkung sei auch eine spirituelle Erfahrung, die zum Beispiel todkranken Patienten helfen könne, ihre Lebenssituation in einen größeren Sinnzusammenhang zu stellen und „inneren Frieden“ zu finden.[8]

Forschung[Bearbeiten]

Über 500 bisherige Veröffentlichungen, die sich der Therapie mithilfe psychoaktiver Substanzen widmen (neuere Zusammenfassung unter: [9] ), beschreiben Wirkungen genannter Substanzen unter supervisierten psychoanalytischen und anderen therapeutischen Settings (diese Bedingung ist nicht nur wichtig, sondern geradezu notwendig!). Parallel dazu befassen sich etliche naturwissenschaftliche Untersuchungen in dieser Zusammenfassung mit hirnphysiologischen Veränderungen. Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass es sich um bewusstseinverändernde Vorgänge handelt, und dass die Psyche in dem Sinne gelockert wird, dass der Zugang zu unbewusstem Material erleichtert wird und im Bewusstsein auch nach der Sitzung erhalten bleibt. Was wiederum dem Patienten hilft, im praktischen Leben in für ihn problematischen Situationen sich einsichtsvoll freier von eingeschliffenen Verhaltensmustern zu entscheiden und anders zu verhalten.

Rechtliche Situation[Bearbeiten]

In vielen Staaten wurden nach der Konvention über psychotrope Substanzen von 1971 viele psychotrope Substanzen stark reglementiert.

Deutschland

In Deutschland werden psychotrope Substanzen nach dem Betäubungsmittelgesetz BtMG in drei Gruppen eingeteilt: „nicht verkehrsfähig (BtMG Anlage 1)“, „verkehrs- aber nicht verschreibungsfähig (BtMG Anlage 2)“ oder „verkehrs- und verschreibungsfähig (BtMG Anlage 3)“. LSD, Meskalin, Psilocybin und MDMA sind in Deutschland nicht verkehrsfähig.[10] Ketamin hingegen ist ein zugelassenes Medikament.

Nach zwei Todesfällen im Zuge einer psycholytischen Psychotherapie im September 2009 - durch einen ärztlichen Psychotherapeuten waren offensichtlich bzw. zugegebenermaßen Betäubungsmittel (nach juristischer Definition nach Betäubungsmittelgesetz BtMG) oder andere Substanzen nach Betäubungsmittelgesetz "verkehrs- und verschreibungsfähig (BtMG Anlage 3)" eingesetzt worden - warnte die zuständige Ärztekammer eindringlich davor, „nicht verkehrsfähige“ oder „nicht verschreibungsfähige nach BtMG Anlagen 1-2“ Substanzen einzusetzen. Die Psycholytische Therapie sei in Deutschland zwar nicht als solche illegal. Der ärztliche Psychotherapeut handele aber rechtswidrig, wenn er während der Therapie illegale Substanzen wie LSD, Heroin oder Ecstasy (z. B. MDMA) einsetze.[11]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Henrik Jungaberle, Peter Gasser, Jan Weinhold, Rolf Verres (Hrsg.): Therapie mit psychoaktiven Substanzen - Praxis und Kritik der Psychotherapie mit LSD, Psilocybin und MDMA. Hans Huber, Bern, 2008, ISBN 978-3-456-84606-4.
  • Hanscarl Leuner: Halluzinogene, Psychische Grenzzustände in Forschung und Psychotherapie. Hans Huber, Bern 1981, ISBN 3-456-80933-6.
  • Claudio Naranjo: Die Reise zum Ich, Psychotherapie mit heilenden Drogen, Behandlungsprotokolle. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-596-23381-X.
  • Torsten Passie: Psycholytic and Psychedelic Therapy Research 1931-1995: A Complete international Bibliography. online
  • Ben Sessa: Can psychedelics have a role in psychiatry once again? In: The British Journal of Psychiatry (2005) 186: 457-458. PMID 15928353 (Abstract), [1](Volltext)
  • Claudia Möckel Graber: Eintritt in heilende Bewusstseinszustände - Grundlagen zur psycholytischen Praxis. Nachtschatten Verlag, Solothurn 2010, ISBN 978-3-03788-200-9.
  • Hansjörg Heinrich: Halluzinogene - die verbotene Hilfe der Seelenärzte. In: Frankfurter Rundschau vom 17. Dezember 1994.
  • Thomas Illmaier: Die Farben des Himmels und der Hölle, Symposium zum Jubiläum 50 Jahre LSD. In: Wissenschaft und Technik vom 20. November 1993.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://bjp.rcpsych.org/cgi/content/full/186/6/457
  2. http://www.bz-berlin.de/archiv/hunderte-berliner-sind-in-verbotener-lsd-therapie-article593398.html
  3. http://saept.ch/index.php?option=com_content&task=view&id=3&Itemid=4
  4. Jungaberle et al., 2009
  5. Schmidtbauer et al., 2003
  6. Pressemitteilung der University of Bristol: New „matrix of harm“ for drugs of abuse. Pressemitteilung der University of Bristol. 23. März 2007
  7. Radiodoktor - Medizin und Gesundheit (Version vom 2. Januar 2010 im Internet Archive)
  8. Infobroschüre LSD-unterstützte Psychotherapie
  9. Henrik Jungaberle, Peter Gasser, Jan Weinhold, Rolf Verres (Hrsg.): Therapie mit psychoaktiven Substanzen - Praxis und Kritik der Psychotherapie mit LSD, Psilocybin und MDMA. Hans Huber, Bern, 2008, ISBN 978-3-456-84606-4.
  10. Betäubungsmittelgesetz, Anlage I
  11. Warnung vor der Einnahme von Drogen im Rahmen der Psychotherapie, Stellungnahme der Berliner Ärztekammer, Berliner Ärzte 11/2009, 12 (PDF-Dokument; 819 kB)
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