Psychotherapie (Heilpraktikergesetz)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Psychotherapie mit einer Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz beschreibt eine Besonderheit des deutschen Gesundheitswesens. Heilpraktiker sind in Deutschland neben psychologischen und ärztlichen Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten befugt, Psychotherapie auszuüben. Seit 1993[1] kann Psychotherapie auch von Personen ausgeübt werden, denen eine „Erlaubnis zur berufsmäßigen Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung als Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie“ (Heilpraktiker für Psychotherapie) erteilt wurde.

Abgrenzung[Bearbeiten]

Ausübung der Heilkunde ist im Sinne des Heilpraktikergesetzes jede berufs- oder gewerbsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen, auch wenn sie im Dienste von anderen ausgeübt wird (§ 1 Abs. 2 HPG). .

Nicht darunter fallen sowohl die Beratende Psychologie [2] [3] als auch die durch Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten nach dem Psychotherapeutengesetz ausgeübte Tätigkeit, wenngleich auch diese "heilkundliche Psychotherapie" praktizieren (§ 1 PsychThG).

Voraussetzungen und Erlaubnis[Bearbeiten]

Allgemeine Bewerber[Bearbeiten]

Heilpraktiker ist, wer die Heilkunde berufsmäßig ausübt, ohne als Arzt approbiert zu sein.[4] Die Ausübung des Berufs bedarf der staatlichen Erlaubnis durch die zuständige Landesbehörde. Eine erteilte Erlaubnis hat bundesweite Gültigkeit. Voraussetzung für die Erlaubnis ist ein Mindestalter von 25 Jahren, ein Hauptschulabschluss sowie die körperliche und geistige Eignung für den Beruf, die durch ärztliches Attest und polizeiliches Führungszeugnis nachzuweisen sind. Zur Erlangung der Erlaubnis muss sich der Antragsteller nach § 2 Abs. 1 Buchstabe i) HeilprGDV einer Überprüfung seiner Kenntnisse und Fertigkeiten unterziehen, um festzustellen, ob die Ausübung der Heilkunde durch den Betreffenden eine Gefahr für die Volksgesundheit bedeuten würde.[5][6][7]

Die Gestaltung und Ausführungen der Prüfungen fallen unter das Landesrecht.[8] Die Überprüfung enthält Fragen zum Basiswissen hinsichtlich psychischer Krankheiten und Persönlichkeitsstörungen, Diagnostik, Rechts- und Berufskunde und Therapieformen. Die Prüfung besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil. Eine Zulassung zur mündlichen Überprüfung erfolgt nur, wenn die schriftliche Überprüfung bestanden wurde. Ausbildungsnachweise sind grundsätzlich keine Voraussetzung für die Zulassung zur Kenntnisüberprüfung, es gibt keine vorgeschriebene Regelausbildung.

Während in der Überprüfung für Heilpraktiker ohne Beschränkung auf Psychotherapie Kenntnisse in Psychiatrie, Psychologie, Psychopathologie und Psychotherapie nur eine untergeordnete Rolle spielen, erfolgt die Überprüfung für Heilpraktiker (Psychotherapie) ausschließlich in diesem Fachgebiet.

Für Heilpraktiker mit einer auf Psychotherapie beschränkten Heilerlaubnis sind entsprechende Kenntnisse in einem Psychotherapieverfahren, das allgemein gültigen Kriterien an Psychotherapieverfahren genügt, die Voraussetzung für die Befähigung, Patienten psychotherapeutisch behandeln zu können. Die Befähigung setzt auch Grundkenntnisse in den wissenschaftlichen anerkannten Psychotherapieverfahren voraus. Nachweise zu solchen Aus- und Fortbildungen werden von einigen überprüfenden Gesundheitsämtern für das Bestehen der Überprüfung vorausgesetzt.[9]

Psychologen[Bearbeiten]

Studierte Psychologen (Universitätsabschluss mit Diplom oder Master), können die Heilpraktikererlaubnis begrenzt auf das Gebiet der Psychotherapie durch ein spezielles, vereinfachtes Erlaubnisverfahren erwerben. Sie müssen keine gesonderte Prüfung ablegen, wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Es wird nach Aktenlage entschieden. Je nach Bundesländern sind unterschiedliche Behörden dafür zuständig. Rechtsgrundlage dieses speziellen Zulassungsverfahrens ist das Heilpraktikergesetz und die Durchführungsverordnung.[10]

Berufsbezeichnung[Bearbeiten]

Psychotherapie mit Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz ausübende Personen dürfen sich wie folgt nennen:[11]

  • Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie
  • Heilpraktiker für Psychotherapie
  • Heilpraktiker (Psychotherapie)

Wer Psychotherapie mit einer Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz ausübt, darf nicht die Bezeichnung Psychotherapeut führen. Diese geschützte Berufsbezeichnung dürfen gemäß § 1 Abs. 1 Satz 4 Psychotherapeutengesetz nur approbierte psychologische und ärztliche Psychotherapeuten führen.[11]

Geschichte[Bearbeiten]

Neben dem Arztberuf mit Approbation ist die Ausübung der Heilkunde in Deutschland seit 1939 nur mit einer Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz legal möglich. Eine Erlaubnis, in einem begrenzten (Teil-)Gebiet der Heilkunde tätig zu sein, sah und sieht das Heilpraktikergesetz nicht vor. Die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts[12] und des Bundesverwaltungsgerichts[1] haben jedoch dazu die administrative Möglichkeit zur begrenzten Erlaubniserteilung geschaffen.

Tätigkeit[Bearbeiten]

Methoden[Bearbeiten]

Heilpraktiker sind in der Wahl der Therapiemethoden frei. Eine von Heilpraktikern angewandte Therapiemethode muss nicht wissenschaftlich anerkannt sein. Heilpraktiker sind verpflichtet, die Grenzen der angewandten Methoden zu kennen und Patienten gegebenenfalls an einen Arzt oder Psychotherapeut zu überweisen.

Verschwiegenheitspflicht[Bearbeiten]

Eine zivilrechtlich verbindliche Verschwiegenheitspflicht des Heilpraktikers entsteht durch den mündlichen oder schriftlichen Behandlungsvertrag. Heilpraktiker unterliegen nicht der strafrechtlichen Verschwiegenheitspflicht nach § 203 StGB. Artikel 3 der Berufsordnung für Heilpraktiker sieht eine Schweigepflicht vor, jedoch ist diese nur für Verbandsmitglieder zivilrechtlich verbindlich. Heilpraktiker haben in Strafverfahren kein Zeugnisverweigerungsrecht nach § 53 StPO, wie es u.a. für Ärzte, psychologische Psychotherapeuten und geistliche Seelsorger gilt.

Abrechnung[Bearbeiten]

Hauptartikel: Heilpraktiker#Abrechnung

Psychotherapie auf rechtlicher Grundlage des Heilpraktikergesetzes ist keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Eine Abrechnung aufgrund der Gebührenordnung für Psychotherapeuten (GOP) ist ebenfalls unzulässig.

Für die Vergütung der Heilpraktikerleistungen bieten die im Gebührenverzeichnis für Heilpraktiker (GebüH) niedergelegten Beträge eine Berechnungshilfe.

Die Kostenübernahme durch private Krankenversicherungen ist von den im jeweiligen Tarif versicherten Leistungen abhängig. Beihilfestellen des öffentlichen Dienstes übernehmen Heilpraktikerkosten nicht regelhaft. Gemäß § 4 Nr. 14 Buchst. a UStG sind Heilbehandlungen im Bereich der Humanmedizin umsatzsteuerfrei. Dazu zählen auch die Leistungen der Heilpraktiker.

Berufsverbände[Bearbeiten]

Seit 1990 existiert der Berufsverband Verband Freier Psychotherapeuten, Heilpraktiker für Psychotherapie und Psychologischer Berater e.V. (VFP). Dessen Ziel ist die Interessensvertretung für Anbieter psychologischer Dienstleistungen, insbesondere für Heilpraktiker (Psychotherapie) und Psychologische Berater.

Kritik[Bearbeiten]

Kritiker bemängeln die, gemessen an der akademischen Ausbildung der Psychologischen Psychotherapeuten, Ärztlichen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, niedrigen Qualifikationsanforderungen, die für Heilpraktiker (Psychotherapie) gelten. Auch die angewandten Methoden werden immer wieder kritisch diskutiert. Auch stehe zu befürchten, dass Patienten die Hilfe von Ärzten oder Psychotherapeuten nicht wahrnähmen, weil sie sich einem Heilpraktiker anvertrauen.[13] Bemängelt wird auch, dass Heilpraktiker nicht der Strafbarkeit bei Verletzung der Verschwiegenheitspflicht unterliegen, weil es sich um keinen der in § 203 StGB gesetzlich erwähnten Berufe oder Funktionen handelt.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b BVerwG, Urteil vom 21. Januar 1993, Az. 3 C 34.90, Volltext = NJW 1993, 2395 ff.
  2. Information des Gesundheitsamtes, Nichtakademische Heilberufe, Heilpraktiker/in (Psychotherapie) des Kreises Recklinghausen [1] Abgerufen am 7. April 2014
  3. Information auf therapie.de [2] Abgerufen am 7. April 2014
  4. Siehe § 1 Heilpraktikergesetz
  5. Gesundheitsamt der Region Kassel: Informationen für Interessenten an der Heilpraktikerüberprüfung. [3] Abgerufen am 8. April 2014
  6. § 2 Absatz 1 Buchstabe i) Erste Durchführungsverordnung zum Heilpraktikergesetz (HeilprGDV 1)
  7. Durchführungsbestimmung zum Verfahren zur Erteilung einer Erlaubnis zur Heilkunde ohne Bestallung im Land Niedersachsen Abgerufen am 8. April 2014
  8. Zum Beispiel für NRW: Richtlinien zur Durchführung des Heilpraktikergesetzes RdErl. d. Ministeriums für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit v. 18.5.1999, für Niedersachsen: Richtlinie zur Durchführung des Verfahrens zur Erteilung einer Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatInformationsblatt - Erteilung der Erlaubnis zur berufsmäßigen Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung als Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie. Landkreis Karlsruhe, Februar 2013, abgerufen am 30. Mai 2014 (PDF).
  10. Informationsblatt für Diplom-Psychologen/Psychologinnen zum Antrag auf Erteilung der Erlaubnis zur Ausübung Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz. Landeshauptstadt Dresden, 4. Juli 2014, abgerufen am 4. Juli 2014.
  11. a b Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg: Berufsbezeichnung von Heilpraktikern für Psychotherapie.[4] Abgerufen am 7. April 2014
  12. BVerfG, Beschluss vom 10. Mai 1988, Az. 1 BvR 482/84 und 1166/85, BVerfGE 78, 179 - Heilpraktikergesetz.
  13. K. Federspiel, V. Herbst: Die andere Medizin : alternative Heilmethoden für Sie bewertet, 5. neubearb. Auflage, Stiftung Warentest, Berlin 2005, ISBN 3-937880-08-9
Gesundheitshinweis Dieser Artikel bietet einen allgemeinen Überblick zu einem Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!
Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!