Public Affairs

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Begriff Public Affairs (PA) bzw. Politikkontaktarbeit bezeichnet neben Government Relations eine weitere, eher PR- als direkt lobbyingorientierte Unterrubrik von Lobbyismus. PA arbeitet an der Schnittstelle zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. PA ist eine professionelle Dienstleistung, die Organisationen berät, um ihre Beziehung zum politischen Feld zu organisieren. Ein sich teilweise überschneidender Bereich ist die Politikberatung.

PA stammt aus den USA und ist in Deutschland als Dienstleistungsangebot von Agenturen eine noch junge und aufstrebende Disziplin, die 1999 einen starken Entwicklungsschub mit dem Regierungsumzug von Bonn nach Berlin erhielt. Seitdem wird PA zunehmend als Dienstleistung nicht nur von Verbänden, sondern auch von Agenturen und externen Beratern betrieben. Den Mittelpunkt der deutschen PA-Branche bildet das Berliner Regierungsviertel, wo sich ein Großteil der auf PA spezialisierten Akteure angesiedelt hat.

Begriffsdefinition[Bearbeiten]

Public Affairs (PA) bezeichnet das strategische Management von Entscheidungsprozessen an der Schnittstelle zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. PA wird zumeist ausgeübt als Annex von PR-Firmen und bedient sich dementsprechend auch hieran angelehnter Techniken. Im Unterschied dazu beschreibt Government Relations (GR) jenen Teil von Lobbyismus, der sich auf die direkte Beeinflussung des Gesetzgebungsprozesses in unmittelbarem (rechtlichem) Dialog mit dem Gesetzgeber abspielt. GR wird zumeist von Anwälten und Lobbyingfirmen praktiziert. Die unter den Begriffen der PA und GR subsumierten Aufgabenfelder werden zudem traditionell von Verbänden wahrgenommen.

PA beschreibt jenen Ausschnitt der professionellen Beratung und Kommunikation von Unternehmen und Verbänden, der die Beziehung zu Gruppen in Politik und Bürokratie und zu gesellschaftlichen Einflussgruppen analysiert und planvoll managt. PA organisiert die externen Beziehungen einer Organisation, vor allem zu Regierungen, Parlamenten, Behörden, Gemeinden sowie Verbänden und Institutionen – und zur Gesellschaft selbst. PA meint Interessenvertretung im politischen Kontext. Sie bedient sich dabei sowohl der Methoden klassischer Public Relations (Presse- und Medienarbeit, Issues Management etc.) als auch spezifischer Instrumente wie Kommunikation mit und Beratung von relevanten Entscheidungsträgern, direkt oder über Meinungsbildner und Medien, politisches Monitoring, CSR (Corporate Social Responsibility) etc. Da sich die Gesetzmäßigkeiten von Wirtschaft und Politik ständig verändern (besonders im Rahmen der fortschreitenden Globalisierung), ist es notwendig, dass Unternehmen fähig sind, äußerst flexibel auf neue Themen und Probleme zu reagieren. Dabei ist es Aufgabe der PA wie auch aller übrigen Lobbyingaktivitäten, Beziehungen zu den relevanten Dialoggruppen eines Unternehmens zu schaffen, aufrecht zu halten und gleichzeitig bei diesen Gruppen die Interessen des Unternehmens zu vertreten. Da kein Unternehmen isoliert von Gesellschaft und Politik agieren kann, haben die Interessen eines Unternehmens immer auch Auswirkungen auf gesellschaftliche Bereiche.

Eine allgemein akzeptierte Definition von PA gibt es (noch) nicht. Bei dem Ausdruck handelt es sich um einen in den USA geprägten, international gebräuchlichen Fachbegriff. Das Ziel der PA ist es, Unternehmen bzw. Organisationen aktiv und nachhaltig in gesellschaftliche und politische Prozesse zu involvieren. Es geht darum, in der Öffentlichkeit, der politischen und der medialen Arena Aufmerksamkeit und Akzeptanz für bestimmte Themen zu schaffen. Dabei können aktiv Themen gesetzt und gestaltet werden. Es geht aber auch um die Beobachtung von Themen und Akteuren sowie um die Analyse ihrer Entwicklung. So kann frühzeitig festgestellt werden, welche Krisen entstehen könnten und wie auf bestimmte Themen reagiert werden muss. PA wird entweder intern von Unternehmen, Verbänden, Nichtregierungsorganisationen (NGO), Gewerkschaften etc. betrieben oder extern von spezialisierten Dienstleistern (PR-Agenturen, Lobbyingfirmen etc) angeboten.

Das Verhältnis von Public Affairs und Public Relations[Bearbeiten]

In der Literatur gibt es viele Versuche, die beiden Begriffe PA und PR inhaltlich voneinander abzugrenzen. Dabei kommen Praxis und Wissenschaft überein, dass PR die Beziehung mit Öffentlichkeiten pflegt und entwickelt, die für die entsprechende Organisation von Bedeutung sind. PA ist jener Teilbereich der PR, der sich an Politik und Öffentlichkeit richtet, um die Politik zu beeinflussen. Aber es gibt auch jene Sichtweise, die beiden Disziplinen unverbunden nebeneinander stehend betrachtet. Es zeigt sich, dass PA inhaltlich zur PR gehört, da PR mit allen Öffentlichkeiten anstrebt konstruktive Beziehungen aufzubauen. PA fokussiert die spezielle Öffentlichkeit von Regierung, Verwaltung und Behörden und Interessensgruppen.

Geschichte[Bearbeiten]

USA[Bearbeiten]

Der Begriff PA bedeutet übersetzt „öffentliche Angelegenheiten“. Er stammt aus den USA, wo 1954 auf Veranlassung des amerikanischen Präsidenten Eisenhower in Washington, D.C. das Public Affairs Council (PAC) als Gegenorganisation zu den Gewerkschaften gegründet wurde. Da Unternehmensentscheidungen direkt und indirekt von der Politik und den durch diese gesetzten Rahmenbedingungen beeinflusst werden, galt es als Ziel der PA, die politischen Aktivitäten der Unternehmen zu aktivieren. Gemeint ist damit die bewusste Mitgestaltung, Lenkung und Entwicklung der politischen Steuerungsprozesse, die ein Unternehmen und damit auch seinen wirtschaftlichen Erfolg gefährden könnten. Dazu zählen Gesetze, Verordnungen, Genehmigungen und Auflagen auf sämtlichen politischen Ebenen. Daher werden PA auch oftmals als Government Relations oder Community Relations bezeichnet. Zunächst handelte es sich bei den Akteuren überwiegend um Juristen aus gehobenen Unternehmenspositionen, die einen nicht-offiziellen Kontakt zu politischen Akteuren pflegten, der hauptsächlich aus dem Zuspielen von Informationen bestand. Diese Arbeit war in erster Linie reaktiv, da die Unternehmen politische Entscheidungen erst abwarteten, um sie dann anzunehmen oder Einspruch gegen sie zu erheben.

In den sechziger Jahren gründeten sich während der Regierungszeit Eisenhowers einflussreiche Gewerkschaften. Unternehmen sahen sich infolgedessen gezwungen, ihre Beziehungen zur Regierung besser zu pflegen. Sie nutzten dafür das Public Affairs Council und ließen dort ihre Manager gezielt in politischem Sachwissen weiterbilden. Dem Public Affairs Council gehören heute über 500 der größten US-amerikanischen Unternehmen an. Mit der Zeit verlagerte sich der Fokus dieser Organisation auf das Vertreten der Unternehmensinteressen gegenüber der Lobby der Konsumenten- und Umweltschützer. Dabei sah die Organisation ihre Aufgabe in der Schulung von Managern, insbesondere bezüglich der Effizienzverbesserung ihres politischen Engagements. Damit widmete sich das Council vorrangig der Ausbildung in Sachen PA anstelle der Einflussnahme auf die Politik.

In den 1970er Jahren verzeichnete der amerikanische PA-Sektor ein enormes Wachstum, was zu einer Verdopplung der Mitgliederzahlen des Public Affairs Councils führte. Die PR-Stäbe der Unternehmen wuchsen schnell und die Zahl der sog. PA-Professionals verdreifachte sich sogar. Aufgrund zunehmender politischer Markteingriffe erkannten immer mehr Unternehmen die Bedeutung des Managements politischer Prozesse. Eskalierende Auseinandersetzungen mit Gewerkschaften, NGOs, Politikern und Regulierungsbehörden sorgten zusätzlich für einen Bedarf an externer Beratung, der durch die sich gerade entwickelnden Beratungsagenturen der Political Consultants gewährleistet wurde. Unternehmen und Verbände hatten aus ihren Auseinandersetzungen mit dem linksradikalen Empowerment und Community Organizing gelernt und bewegten sich aus der Defensive in die Offensive.

In den 1980er Jahren brach der amerikanische Public Affairs Sektor aufgrund der Rezession, zahlreichen Unternehmenszusammenschlüssen und dem damit verbundenen abnehmenden Engagement im PA-Sektor zusammen. Stattdessen konzentrierten sich die meisten Unternehmen vorrangig auf ihr kommerzielles Umfeld. Die Phase des Corporate Activism hatte sich erschöpft.

Erst ab den 1990er Jahren erlangte PA wieder einen höheren Stellenwert. Gekoppelt mit einer Rückverlagerung politischer Macht auf die Einzelstaaten und Kommunen, reaktivierte die Rezession und ein polarisierender Streit um Wirtschaftspolitik, Gesundheitssystem und die grundlegende Reform des Wohlfahrtsstaates den PA Sektor. Die amerikanischen Unternehmen sahen aufgrund der Auswirkungen national-politischer Entscheidungen auf ihre internationale Konkurrenzfähigkeit wieder die Notwendigkeit von PA als nicht-kommerzieller und externer Kommunikationsarbeit. Treibende Kraft dieser Entwicklung waren vor allem die Tabakindustrie sowie Chemie- und Pharmazie-Unternehmen, welche durch das von der Lobby der Konsumenten- und Umweltschützer forcierte Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein der Öffentlichkeit zunehmend unter Druck geraten waren.

Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland ist PA eine noch relativ junge Disziplin. Der Begriff taucht eigentlich erst seit dem Regierungsumzug von Bonn nach Berlin auf und verbreitet sich seitdem stetig, mittlerweile auch über Fachkreise hinweg.

In den 1980er Jahren kam es in Deutschland unter dem Druck von Umweltverbänden und durch eine Zunahme des umweltpolitischen Diskurses verstärkt zu Wirtschaftsregulierungen. Viele Unternehmen sahen sich daraufhin veranlasst, in einen Dialog mit der Politik zu treten, um diese Regulierungen zu verhindern oder zumindest ihre wirtschaftlichen Folgen abzumildern.

Dieser Diskurs wurde zumeist von Interessenverbänden geführt, was den Begriff Verbändestaat (Korporatismus) prägte.

Parallel zum Regierungsumzug von Bonn nach Berlin im Jahr 1999 zeichnete sich ein Wandel im Verständnis der politischen Kommunikation ab. Während sich in der Bonner Republik vorrangig die Verbände um die Vertretung der Unternehmensinteressen im politischen Feld bemühten, wird dieser Aufgabenbereich in Berlin ergänzend auch durch Unternehmensrepräsentanzen, Lobbyingfirmen, PA-Agenturen, Rechtsanwaltskanzleien und freien Beratern wahrgenommen.

Während Verbände das Gesamtinteresse ihrer Mitglieder repräsentieren, vertreten Berater gezielt Individualinteressen ihrer Auftraggeber. Beim Projektlobbying geht es um die Vertretung meist kommerzieller Interessen einzelner Akteure, welches im Rahmen von Verbänden naturgemäß nicht getätigt werden kann, bedeutete es doch die privilegierte Behandlung eines Mitglieds gegenüber anderen. Andererseits ermangeln PA-Agenturen meist der langfristigen Verwurzelung im jeweiligen Interessenspektrum. Hier sind Verbände konkurrenzlos und auch als Quelle für PA-Agenturen unabdingbar. Auch die Funktion der Interessenaggregation, etwa in Form abgestimmter Branchenpositionen und -expertisen, ist eine Domäne der Verbände.

Die Aufgabe von PA-Beratern, Unternehmensrepräsentanten und Verbänden ist, die kommunikative Kluft zwischen Politik und Wirtschaft zu überbrücken sowie die Anliegen der Auftraggeber bzw. Mitglieder seriös und professionell in den politischen Prozess einzubringen. So kommt es mittlerweile vermehrt zur Beschäftigung von ehemaligen politischen Führungspersönlichkeiten in PA-Agenturen und Unternehmen, die über das entsprechende Know-How verfügen, also die Beherrschung der Kommunikationstechniken sowie die Erfahrung im Umgang mit politischen Entscheidungsträgern und Interessengruppen.

Der Markt ist in Berlin noch sehr PR-lastig, auch wenn hier ebenfalls eine Professionalisierung stattfindet, und damit wie in Washington und Brüssel ein Wandel zu stärkerem juristischem und wirtschaftlichem Lobbyingfokus. Insofern finden sich unter den Anbietern nach amerikanischem Vorbild zunehmend auch internationale Großkanzleien und Lobbyingfirmen in diesem Sektor, die – meist mit Hilfe von Ex-Politikern und spezialisierten Anwälten in ihren Reihen – ausländische Unternehmen an den deutschen oder europäischen Markt heranführen oder deutschen Unternehmen in den politischen Gremien Gehör verschaffen.

Ausblick[Bearbeiten]

Europäisierung[Bearbeiten]

Europäische Interessenvertretung

In den USA entwickelte sich PA wie oben beschrieben über einen langen Zeitraum hinweg. In Deutschland formierte sich ein Bewusstsein für die hohe Bedeutung von PA erst in den 1990er Jahren. Zu dieser Zeit expandierten große amerikanische PR-Agenturen vermehrt in Richtung Europa, womit sich die Disziplin auch in Deutschland langsam zu etablieren begann. Diese Agenturen verfügten bereits über Erfahrungen aus dem amerikanischen Markt. Gleichzeitig wuchs die Zahl der in Europa tätigen amerikanischen Konzerne, die nun auch in Deutschland auf die vom amerikanischen Heimatmarkt gewohnten PA-Dienstleistungen nicht verzichten wollten.

Die Mitwirkung von Rechtsanwaltskanzleien und Lobbyingfirmen ist in Brüssel - so wie in Washington - ungleich höher als in Berlin, wo der junge Markt noch sehr PR-lastig ist.

Als jüngste Entwicklung lässt sich der Trend zu einer europäischen Public Affairs-Kultur beobachten. Diese Loslösung von den amerikanischen Wurzeln lässt sich durch die gänzlich andere europäische Kommunikationskultur erklären. Dieser Trend zeigt sich vor allem an der Entstehung europäischer Kommunikationsagenturen. Europa spielt unabhängig von den USA und Asien eine ganz eigene kulturelle, wirtschaftliche und politische Rolle in der Welt. Gleichzeitig wird Europa zunehmend von globalen Trends und Entwicklungen beeinflusst. Im europäischen Markt gelten andere politische, kulturelle und soziale Bedingungen als in den USA. Darauf müssen sich die Agenturen, die sowohl nationale als auch internationale Kommunikationsberatung betreiben, einstellen. Europa bedeutet zum einen eine enorme Vielfalt (Sprach- und Medienvielfalt, zahlreiche Institutionen, unzählige am Meinungsbildungsprozess beteiligte und der europäische Grundsatz, auch Minderheitenpositionen zu berücksichtigen), zum anderen aber auch Einheit (gemeinsame Werte, gemeinsame EU-Institutionen, ähnliche psychosoziale Merkmale von Konsumgruppen in den Mitgliedsstaaten). Der Wegfall der Grenzen zwischen den Mitgliedsstaaten bedeutet aber auch, dass Unternehmen effektiver kommunizieren müssen, um die ständig wachsenden Zielgruppen zu erreichen. Dabei müssen europäische Unternehmen alle zentralen Kommunikationsformen (Marketing, PR, PA) nutzen, um eine integrierte und einheitliche europäische Identität zu entwickeln. Dafür sind fundierte Kenntnisse der verschiedenen Märkte und Know-How im Umgang mit komplexen politischen Angelegenheiten notwendig. Hier profitieren vor allem europäisch ausgerichtete Agenturen, die über Präsenzen in den europäischen Schlüsselmärkten verfügen und so lokale Faktoren berücksichtigen können. Es sind also eine weiterhin zunehmende europäische Ausrichtung sowie Zusammenschlüsse zu Agenturnetzwerken bzw. Ausdifferenzierung der europäischen Verbändelandschaft zu erwarten, um so dem Bedarf an europäischer Kommunikationsberatung der Unternehmen durch Präsenz vor Ort wie auch der entsprechenden Expertise gerecht zu werden.

Die Heterogenität der wirtschaftlichen Interessen potenzieren sich auf europäischer Ebene noch. Die Brüsseler Gesetzgebung hat Einfluss auf derzeit 27 Mitgliedstaaten. Neben den Bedürfnissen der einzelnen Unternehmen oder Branchen sind hier oftmals spezifische nationale Marktsituationen, Unternehmensphilosophien und Interessen zu berücksichtigen. Sowohl die Anzahl der zu Vertretenden, als auch das Spektrum der Divergenz nimmt zu. Die von den europäischen Verbänden wahrzunehmenden Interessen sind also noch breiter und vielschichtiger als auf nationaler Ebene.

Multi-Voice-Lobbying[Bearbeiten]

Als zukünftiger Trend der PA lässt sich eine Entwicklung zum so genannten Multi-voice-lobbying erkennen. Unternehmen nutzen zunehmend mehrere Kommunikationskanäle um ihre Interessen im politischen Raum zu artikulieren. Während Konzernrepräsentanzen die Funktion einer Botschaft des Unternehmens in der Hauptstadt übernehmen, kommt den PA-Agenturen eine Mittlerfunktion zu, die speziell die Interessen eines Unternehmens adressiert. Der Sachverstand der Verbände wird hingegen für allgemeine und die gesamte Branche betreffende Anliegen genutzt. Für kurzfristige Themen lässt sich hingegen der Trend zur Gründung von zeitlich begrenzten Initiativen beobachten.

Wachstumsmarkt PA[Bearbeiten]

Insgesamt richten sich Unternehmen zunehmend international aus. Dabei richten immer mehr Unternehmen PA-Repräsentanzen in Brüssel ein. Für die in Deutschland tätigen Unternehmen werden die politischen Rahmenbedingungen auf internationaler, besonders aber auch europäischer Ebene immer wichtiger. Koalitionen und Interessenbündelungen gewinnen dabei enorm an Bedeutung. Darüber hinaus ist die Bereitschaft der Politik, externe Kompetenz in den Entscheidungsprozess einfließen zu lassen, gestiegen. Was die PA-Arbeit der Unternehmen betrifft, so bleiben persönliche Kontakte nach wie vor das wichtigste Kommunikationsinstrument. Informelle Meetings gewinnen allerdings zunehmend an Bedeutung. Im Vergleich zu den Vorjahren wurde von Unternehmensseite zunehmend mehr Geld und Zeit in PA-Aktivitäten investiert – es lässt sich also vermuten, dass die PA-Arbeit auch in Zukunft einen hohen Stellenwert für Unternehmen haben wird. Der Schwerpunkt der politischen Arbeit wird dabei im nächsten Jahr auf der nationalen Ebene wie auch in den Jahren zuvor in der Wirtschaftspolitik gesehen. Die Bereiche Wissenschafts- und Technologiepolitik nehmen jedoch kontinuierlich an Bedeutung zu.

Professionalisierung[Bearbeiten]

In der deutschen PA-Branche ist ein deutlicher Trend in Richtung Professionalisierung zu beobachten, der sich besonders in der Entwicklung eigener Berufskodizes und der vermehrten Schaffung von Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten und eigens eingerichteten Universitätsstudiengängen zeigt.

Spätestens seit der heftigen öffentlichen Kritik des reinen Adressbuch-Lobbyismus im Zuge der Hunzinger-Affäre scheint sich die professionelle Variante der politischen Interessenvermittlung in Form externer PA-Beratung durchzusetzen. Seit dem Regierungsumzug nach Berlin ist die Zahl dieser spezialisierten Berater stark angestiegen. Da die politischen Prozesse und Strukturen in Berlin komplexer geworden sind, werden viele Entscheidungen für Unternehmen nur noch schwer durchschaubar. Mittlerweile werden wichtige die Unternehmen betreffenden Entscheidungen sowohl in Berlin als auch in Brüssel im gleichen Maß getroffen. Dabei erscheinen nicht nur auf nationaler Ebene, sondern insbesondere auf EU-Ebene einer wachsenden Zahl von Unternehmen die politischen Entscheidungen immer schwerer nachvollziehbar und die Entscheidungsträger immer schwerer identifizierbar.

Die Universität Düsseldorf hat 2005 einen interdisziplinären Studiengang eingerichtet.[1]

Studien:

  • BASF-Studie "Dialog zwischen Wirtschaft und Politik. 2000.
  • BJP: Personalstudie Public Affairs 2008
  • BJP: Spring Study Public Affairs
  • güttler+klewes: Public Affairs face-to-face. 2002.
  • Milinewitsch, Mirko : Professionalisierung der Interessenvermittlung durch externes Public Affairs Management. Berlin / München 2005.
  • Plato Kommunikation: Plato Survey 2002: Verbände im Wettbewerb. Neue Herausforderungen an die organisierte Interessenvertretung. Berlin 2002.
  • Plato Kommunikation: Plato Survey 2001: Public Affairs in Deutschland – Neue Dialogformen zwischen Wirtschaft und Politik. Berlin 2001.
  • politik&kommunikation: Umfrage zu Public Affairs. Ausgabe Februar 2004.
  • Publicis Consultants: Public Affairs-Umfrage 2005. GPRA.
  • Publicis Consultants: Public Affairs-Umfrage 2004. GPRA.
  • Siedentopp, Jan: Public Affairs Management in Deutschland: Entwicklungen und Perspektiven. In: Berliner Reihe zum Marketing, Arbeitspapier Nr. 3. [2] Berlin: Marketing Department Freie Universität Berlin 2007.
  • Universität Leipzig: Leipziger Imagestudie zum Thema Public Affairs. 2003.

Siehe auch[Bearbeiten]

Öffentlichkeitsarbeit

Literatur[Bearbeiten]

  • Althaus, Marco; Geffken, Michael; Rawe, Sven: Handbuch Public Affairs, Lit, Münster 2005 ISBN 3-8258-8144-X
  • Busch-Janser, Florian et.al. (Hg.): Karriereguide Public Affairs. ISBN 978-3-938456-31-6.
  • Dagger, Steffen; Greiner, Christoph; Leinert, Kirsten; Meliß, Nadine; Menzel, Nadine: Politikberatung in Deutschland - Praxis und Perspektiven, VS-Verlag für Sozialwissenschaften 2004, ISBN 3-531-14464-2
  • Dagger, Steffen; Kambeck, Michael (Hrsg.): Politikberatung und Lobbying in Brüssel, VS-Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007
  • Hochstätter, Matthias: Deutschland kommuniziert – Politik, Lobbyismus, Medien und öffentliche Meinung, Saarbrücken 2008, ISBN 978-3-639-11457-7
  • Husen, Peter: Professionelle Lobby- / Public Affairs-Agenturen: Neue Formen der Interessenvertretung auf EU-Ebene, München 2009, ISBN 978-3640319008
  • Köppl, Peter : Public-Affairs-Management: Strategien & Taktiken erfolgreicher Unternehmenskommunikation, Wien Linde, 2000, ISBN 3-7073-0072-2
  • Köppl, Peter: Power Lobbying: Das Praxishandbuch der Public Affairs. ISBN 3-7143-0010-4
  • Schönborn, Gregor/Wiebusch,Dagmar: PA Agenda Luchterhand 2002, ISBN 3-472-04576-0
  • Siedentopp, Jan: Public Affairs-Management von Großunternehmen: Markt- versus Nichtmarktstrategien, Lit, Münster et al. 2010, ISBN 978-3-643-10130-3.
  •  Steltemeier,Rolf/Catón/Matthias: Public Affairs. In: Dieter Nohlen, Florian Grotz (Hrsg.): Kleines Lexikon der Politik. 4. Auflage. Beck, München 2007, ISBN 3406510620, S. 457-458.
  • van Schendelen, Rinus: Die Kunst des EU-Lobbings - Erfolgreiches Public Affairs Management im Labyrinth Brüssels, Berlin 2012, ISBN 978-3-86965-194-1
  • Vondenhoff,Christoph et.al.: Praxishandbuch Lobbying. ISBN 978-3-938456-21-7

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Public Affairs – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Uni-Magazin 3/2005#page=27, S. 27
  2. wiwiss.fu-berlin.de: Berliner Reihe zum Marketing, Arbeitspapier Nr. 3, abgerufen am 3. November 2013.