Public Eye on Davos

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Die Veranstaltung Public Eye findet seit dem Jahr 2000 alljährlich als eine kritische Gegenveranstaltung zum Jahrestreffen des World Economic Forum (WEF) in Davos statt.

Es ist ein Projekt von Nichtregierungsorganisationen aus aller Welt und wird von den Schweizer Organisationen Erklärung von Bern und Greenpeace Schweiz koordiniert. Bis zum Jahr 2008 war Pro Natura anstelle von Greenpeace Mitveranstalter der Aktion.

Public Eye Award[Bearbeiten]

Das Public-Eye-Award-Logo

Mit den Public Eye Awards werden Konzerne ausgezeichnet, die sich laut den Initianten besonders verantwortungslos gegenüber Mensch und Umwelt verhalten. Der Fokus der Public Eye Awards liegt seit 2005 somit auf dem Thema unternehmerische Gesellschaftsverantwortung. Die aufgeführten Begründungen sind jene, die aus der jeweiligen Laudatio zur Verleihung hervorgehen.

Der Publikumspreis wird durch eine Onlineabstimmung ermittelt. 2011 beteiligten sich mehr als 50.000 Menschen an der Abstimmung.[1] Neben den Negativpreisen wurde von 2006 bis 2009 auch ein Positive Award für besonders vorbildliches Verhalten verliehen.

Gewinner[Bearbeiten]

2014[Bearbeiten]

Negative Award:[2]

  • Publikumspreis: Gazprom, für Ölbohrungen in der Petschorasee ohne Notfallplan zur Vermeidung und Kontrolle von Öllecks.
  • Fachjury: GAP, weil sich das Unternehmen gegen Reformen in der Textilbranche in Bangladesch sträubt.

Weitere nominierte Unternehmen waren BASF, Bayer, Syngenta, die FIFA und Glencore Xstrata.

2013[Bearbeiten]

Negative Award:[3]

  • Publikumspreis: Royal Dutch Shell, für die Teilnahme an „besonders kontroversen, risikoreichen und schmutzigen Ölförderprojekten“ unter anderem in der empfindlichen Umwelt der Arktis.
  • Fachjury: Goldman Sachs, weil das Unternehmen „die Profite von Wenigen mit explodierender Ungleichheit und der Verarmung breiter Schichten“ bezahle. Insbesondere wird die Verschleierung der Staatsverschuldung Griechenlands mithilfe von Buchungstricks und gegen hohe Honorare angeprangert.

Weitere nominierte Unternehmen waren Alstom, Coal India, G4S, Lonmin und die Repower AG.

2012[Bearbeiten]

Negative Award:

  • Publikumspreis: Vale für den Bau des Belo-Monte-Damms
  • Fachjury: Barclays für das Spekulieren auf Lebensmittel und daraus folgende Preissteigerung

Weitere nominierte Firmen waren Tepco, Samsung, Syngenta und Freeport-McMoRan.

2011[Bearbeiten]

Negative Award:

Weitere nominierte Firmen waren Axpo, BP, Foxconn und Philip Morris.

2010[Bearbeiten]

Negative Award:

Weitere nominierte Firmen waren GDF Suez, Farner PR, das IOC und ArcelorMittal.

2009[Bearbeiten]

Negative Award:

Weitere für die Awards nominierte Firmen waren BNP Paribas, Nestlé, UBS und Tesco.

Wie im Jahr 2008 gingen auch 2009 Jahr der Global und People Award an denselben Preisträger. Der Preisträger war Newmont Mining für ihr Projekt in Ostghana. Public Eye wirft dem Unternehmen vor, es plane dort eine Goldmine zu errichten, ohne dabei Rücksicht auf die sozialen und ökologischen Folgen dieses Projekts zu nehmen. Für die Errichtung der Mine würden rund 10'000 Kleinbauern ihr Land verlieren, das – wie die Flüsse – durch Zyanid kontaminiert und damit unfruchtbar werden würde. Tausende Menschen müssten ohne angemessene Entschädigung zwangsumgesiedelt werden. Die Firma zahlte bisher lediglich lokalen Dorfvorstehern hohe Geldsummen. Zudem würde ein geschütztes Waldgebiet gerodet werden, was die lokale Tier- und Pflanzenwelt gefährden würde.

Positive Award:

Der Positive Award, der 2009 an engagierte Mitarbeiter eines Unternehmens verliehen werden sollte, ging an zwei Gewerkschaftsführer der Gewerkschaft Sintracarbon aus Kolumbien für ihr Engagement für bessere Arbeitsbedingungen in der größten Kohlemine Südamerikas, El Cerrejón. 2006 wurde dadurch ein Gesamtarbeitsvertrag für die Arbeiter erreicht, über dessen Erneuerung seit November 2008 verhandelt wird. Zudem erreichten sie auch, dass bei Umsiedlungen Entschädigungen gezahlt werden.

2008[Bearbeiten]

Melanie Winiger an den Public Eye Awards 2008

Negative Award:

Der Publikumspreis sowie der Global-Award wurde dem französischen Staatsunternehmen Areva für das Verschweigen der wahren Gesundheitszustände der Minenarbeiter, die für ihre Tochterfirmen SOMAÏR und COMINAK im Norden Nigers Uran abbauen, verliehen. Public Eye kritisiert, die Krankenhäuser würden HIV statt Krebs, der seine Ursache in der radioaktiven Verseuchung von Luft, Wasser und Boden hat, diagnostizieren. Glencore wurde für ihre undurchsichtige Geschäftspraxis und inakzeptable Arbeiterrechte in kolumbianischen Kohleminen mit dem Swiss Award „ausgezeichnet“.

Positive Award:

Der Positive-Award ging an das größte deutsche Naturtextilienversandhaus Hess Natur für das soziale und ökologische Engagement des Unternehmens, das auf einen fairen Handel seiner Rohstoffe achtet.

2007[Bearbeiten]

Negative Award:

Bridgestone erhielt den Award für die laut Public Eye katastrophalen Arbeitsverhältnisse bei einer Tochterfirma in Liberia. Die Arbeiter müssen in Lehmhütten wohnen, die Kinder müssen bereits arbeiten gehen (Kinderarbeit) und hantieren ungeschützt mit hochgiftigen Materialien. Novartis erhielt den Award für die Patentierung des Krebsmedikamentes Imatinib, womit sie die indische Generikaproduktion stoppte. Dadurch konnten sich weltweit zehntausende Menschen das Medikament nicht mehr leisten, welches das Fortschreiten ihrer tödlichen Blutkrebskrankheit verlangsamt hatte – das Produkt von Novartis war zehn Mal teurer.

Positive Award:

Coop bekam den Positive-Award für sein Engagement für biologische Produkte und Anbau in der Schweiz.

2006[Bearbeiten]

Negative Award:

Chevron hat 30 Jahre lang aus Kostengründen in Ecuador hochgiftiges Abwasser in den Amazonas fließen lassen, statt es – wie zu dieser Zeit üblich – in die Erde zurück zu pumpen und weigert sich heute, für die Folgen in der Umwelt und bei der Gesundheit der Menschen aufzukommen. Citigroup erhielt seinen Award für die, gemäss Public Eye, „skrupellose Unterstützung von Steuerhinterziehern.“ Walt Disney produziert sein Spielzeug in China, gibt die Namen der Herstellerfirmen nicht preis und schützt diese damit vor Kontrollen.

Positive Award:

Der Positive Award wurde für den Einsatz der drei Organisationen gegen eine Schließung einer Continental-Reifenfabrik in Mexiko verliehen, an der sie alle ihre Forderungen durchsetzen konnten.

2005[Bearbeiten]

Negative Award:

Dow erhielt den Award für die Zurückweisung jeglicher Verantwortung für die Katastrophe von Bhopal 1984, an dessen Folgen die Bewohner der Stadt bis heute leiden. Dow ist mit dem für das Unglück verantwortlichen Unternehmen fusioniert. Shell erhielt den Award für die offene Gasverbrennung in Nigeria in Wohngebieten, die Tag und Nacht läuft. Wal-Mart lehnt die Verantwortung für die Arbeitsbedingungen bei seinen Zulieferfirmen ab und will davon nichts wissen. Und die KPMG bekam ihren Award für die Ermunterung ihrer Kunden zur aggressiven Steuervermeidung.

Rückzug 2015[Bearbeiten]

Im November 2014 gaben die Veranstalter, Erklärung von Bern und Greenpeace, bekannt, dass Public Eye sich 2015 vom Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums in Davos zurückziehen werde.[5] Zum Abschluss soll während des Treffens ein Public Eye Lifetime Award für "unternehmerisches Lebens(un)werk" vergeben werden.[6] Als Grund für den Rückzug nannten die Veranstalter eine geplante Volksinitiative, die Schweizer Unternehmen zur weltweiten Einhaltung von verbindlichen Regeln bei Menschenrechten und Umweltschutz verpflichten solle.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Public Eye Awards 2011: Medienmitteilung vom 28. Januar 2011
  2. Hannes Koch, „Public Eye“-Preis verliehen: Gaps Schweinerei in Bangladesch bei taz.de, 23. Januar 2014 (abgerufen am 23. Januar 2014).
  3. Wirminghaus, Niklas: Public Eye Awards: Schmähpreis für Goldman Sachs und Shell bei Spiegel Online, 24. Januar 2013 (abgerufen am 24. Januar 2013).
  4. Public Eye Global Award 2009: Newmont Mining Corporation
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatKritiker überlassen Davos den Konzernen. 20min.ch, 19. November 2014, abgerufen am 8. Dezember 2014.
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatPublic Eye vergibt Lifetime Award und zieht sich aus Davos zurück. bote.ch, 19. November 2014, abgerufen am 8. Dezember 2014.
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatSchluss mit Konzern-Bashing. Das WEF verliert einen wichtigen Anlass: Den Public Eye Award gibts nur noch 2015. Interessant ist die Begründung für den Abgang. tagesanzeiger.ch, 19. November 2014, abgerufen am 8. Dezember 2014.

Weblinks[Bearbeiten]