Publizitätspflicht

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Die Publizitätspflicht oder Offenlegungspflicht ist die gesetzliche Pflicht von bestimmten Unternehmen insbesondere rechnungslegungsbezogene Informationen zu veröffentlichen.

Ihr freiwilliger Ursprung liegt im 13. Jahrhundert, als in europäischen Städten frei einsehbare Grundbücher eingeführt wurden, und Kaufleute in Oberitalien auch Gesellschaftsbücher und Vollmachtsregister einführten.[1]

Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland wurde zum 1. Januar 2007 die Pflicht zur Veröffentlichung des Jahresabschlusses auf ein Drittel der eingetragenen Unternehmen erweitert.[2]

Er ist – ggf. nebst Bestätigungsvermerk – spätestens zwölf Monate nach dem Ende des Geschäftsjahrs im Bundesanzeiger zu veröffentlichen. Diese Pflicht gilt für:

Hat ein Unternehmen unmittelbar oder mittelbar einen beherrschenden Einfluss auf ein anderes Unternehmen, so hat dieses Unternehmen (Mutterunternehmen) zusätzlich einen Konzernabschluss (d.h. einen konsolidierten Jahresabschluss) zu veröffentlichen (§ 11 Publizitätsgesetz).

Zweck der Regelung ist es, den Stakeholdern des Unternehmens, etwa Geschäftspartnern, Angestellten und Anteilseignern, zu ermöglichen, sich über dessen wirtschaftliche Lage zu informieren. Die Publizitätspflicht korrespondiert mit der Haftungsbegrenzung der Kapitalgesellschaft.

Aktuelle Version des Gesetzes[Bearbeiten]

Das Gesetz über elektronische Handelsregister und Genossenschaftsregister sowie das Unternehmensregister bestimmt u. a., dass die Unterlagen für Geschäftsjahre ab 2006 beim elektronischen Bundesanzeiger einzureichen sind. Die eingereichten Unterlagen sind über das Internetportal des Unternehmensregisters öffentlich zugänglich.[3] Die Einhaltung der Publizitätspflicht wird von der Justizverwaltung durch Einsatz von Software überwacht, um eine lückenlose Offenlegung der offenlegungspflichtigen Jahresabschlüsse zu erreichen.

Bis 2007 erfüllten viele Unternehmen ihre Publizitätspflicht nicht, weil sie ihren Jahresabschluss vor der Konkurrenz geheim halten wollten oder einfach nur den Aufwand und die Kosten, die mit einer Veröffentlichung verbunden sind, gescheut haben und das Unterlassen der Offenlegung bisher nur auf Antrag und damit nur selten verfolgt wurde. Aufgrund der neuen Regelung strengt das deutsche Bundesamt für Justiz seit Januar 2008 Ordnungsgeldverfahren gegen nahezu alle Unternehmen an, die ihren Jahresabschluss nicht offenlegen. Damit verbunden werden von dem Bundesamt Gebühren ab 50 Euro verhängt und Ordnungsgelder ab 2500 Euro angedroht.

Erleichterungen für kleinste, kleine und mittelgroße Gesellschaften[Bearbeiten]

Je nach Größenklasse der Kapitalgesellschaft unterscheidet sich der Umfang der Offenlegungspflichten. Große und mittelgroße Kapitalgesellschaften müssen ihren Jahresabschluss durch einen Wirtschaftsprüfer prüfen lassen und detailliert offenlegen. Für mittelgroße und kleine Kapitalgesellschaften gelten gemäß §§ 326 f. HGB folgende wesentliche Erleichterungen:

  • Die Gewinn- und Verlustrechnung muss das Rohergebnis nicht genau aufgliedern.
  • Der Anhang muss die Geschäftstätigkeit nicht nach Absatzmärkten aufgliedern.
  • Der veröffentlichte Jahresabschluss kann erheblich weiter zusammengefasst werden.

Für kleine Kapitalgesellschaften gelten Erleichterungen:

  • Die Positionen der Bilanz können teilweise zusammengefasst werden.
  • Die Gesellschaft muss ihre Gewinn- und Verlustrechnung nicht offenlegen.
  • Der Anhang kann erheblich verkürzt werden.
  • Die Gesellschaft muss keinen Lagebericht aufstellen.

Für Kleinst-Kapitalgesellschaften gelten gemäß § 326 Abs. 2 HGB weitere Erleichterungen für Jahresabschlüsse zum 31. Dezember 2012 oder später:

  • Die Gesellschaft muss ihren Jahresabschluss nicht mehr wie bisher offenlegen, sondern nur noch hinterlegen. Damit kann eine Recherche des Abschlusses durch Dritte nur noch kostenpflichtig erfolgen.
  • Die Bilanz kann noch weiter vereinfacht werden.
  • Ein Anhang ist verzichtbar, wenn bestimmte Angaben unter der Bilanz ausgewiesen werden.

Kosten der Veröffentlichung oder Hinterlegung[Bearbeiten]

Einreichungen beim Bundesanzeiger werden im Regelfall nach der Anzahl der Zeichen, die in den eingereichten Dokumenten enthalten sind, abgerechnet. Dies hätte für die betroffenen Unternehmen und Körperschaften eine ganz erhebliche Kostensteigerung für die Erfüllung der gesetzlichen Pflicht zur Einreichung von Jahresabschlussunterlagen bedeutet. Um dies zu verhindern und insbesondere kleinere Firmen nicht übermäßig zu belasten, wurde der Verlag des Bundesanzeigers verpflichtet, kostengünstige Alternativen zur Einreichung anzubieten.

Der Bundesanzeiger bietet nun die Möglichkeit, Dokumente im XML-Format zu Pauschalpreisen einzureichen. Die meisten Anbieter von Buchhaltungssoftware haben darauf reagiert, indem sie nun auch eine Ausgabemöglichkeit des Jahresabschlusses im XML-Format ergänzt haben. Nach Registrierung bietet der Verlag auch die Möglichkeit, die Daten direkt in ein Online-Formular einzugeben.

Für die Veröffentlichung des Jahresabschluss einer kleinen Gesellschaft (bis 4 Mio. Euro Bilanzsumme) per XML-Datei oder online werden ab dem Geschäftsjahr 2009 pauschal 30 Euro zzgl. 3 Euro für den entsprechenden Eintrag im Unternehmensregister berechnet, die pro Jahr anfallen. Für eine entsprechende Hinterlegung (nur bei kleinsten Gesellschaften möglich) fallen pauschal 23 Euro an.

Ein Wechsel in eine ausländische Rechtsform, bspw. eine britische Limited, bedeutet nach Ansicht von Experten den Unternehmen keine Vorteile, da diese in Großbritannien ebenso streng publizitätspflichtig sind und der dortige Abschluss zusätzlich noch im Bundesanzeiger veröffentlicht werden müsse.

Weitere Publizitätspflichten[Bearbeiten]

Börsennotierte Kapitalgesellschaften, etwa Aktiengesellschaften, unterliegen einer strengeren Publizitätspflicht (§ 325 Abs. 4 HGB), mit einer Frist zu Offenlegung von nur vier Monaten. Unterlässt das Unternehmen seine verpflichtende Berichterstattung, so kann der Handel mit den Aktien des Unternehmens ausgesetzt werden. Außerdem sind die kapitalmarktrechtlichen Publizitätspflichten z. B. bei Directors’ Dealings und Ad-hoc-Publizität zu beachten. Die Deutsche Börse verschärft die Publizitätspflicht weiter, indem sie für bestimmte Börsensegmente eigene Anforderungen an Häufigkeit und Umfang von Veröffentlichungen stellt. Ein Beispiel ist die Porsche-AG. Nach der Weigerung des Unternehmens Quartalsberichte vorzulegen, wurde die Aktie des Unternehmens aus dem Prime Standard entfernt und in den General Standard eingestuft. Die Geschäftsleitung begründete ihre Entscheidung damit, dass eine häufigere Veröffentlichung letztlich der wirtschaftlichen Entwicklung schade, die mehr auf langfristigen Strategien beruhe.

Das Publizitätsgesetz regelt die Publizitätspflicht von Unternehmen, die nicht als Kapitalgesellschaften zur Offenlegung des Jahresabschlusses verpflichtet sind. Dazu gehören insbesondere Personenhandelsgesellschaften und Einzelunternehmen. Diese sind nur zur Offenlegung verpflichtet, wenn ihr Geschäftsbetrieb einen erheblichen Umfang (Bilanzsumme: 65 Mio. Euro, Umsatzerlöse: 130 Mio. Euro, 5000 Arbeitnehmer) übersteigt.

Ebenfalls ist beim Über- oder Unterschreiten bestimmter Meldegrenzen eine Stimmrechtsmitteilung verpflichtend.

Österreich[Bearbeiten]

Kapitalgesellschaften mit einem Jahresumsatz von 70.000 Euro oder mehr müssen seit dem 31. Dezember 2007 ihren Jahresabschluss ins Firmenbuch einstellen.[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Hanno Merkt: Unternehmenspublizität. Mohr Siebeck Verlag, 2001, ISBN 3161474376, S. 31–32 (Auszug online, Google Books, abgerufen am 15. September 2014).
  2. Viele Firmen ignorieren Publizitätspflicht. Handelsblatt. 25. März 2008. Abgerufen am 15. September 2014.
  3. Vgl. Unternehmensregister
  4. Information für Unternehmer/innen zur Einreichung von Jahresabschlüssen an das Firmenbuch … (PDF; 48 KB) Bundesministerium für Justiz. Abgerufen am 15. September 2014.
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