Puch-Werke

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Puch-Werke
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Rechtsform AG & Co KG
Sitz Graz
Branche Automobil
Produkte Autos, Fahrräder, MotorräderVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.puch.at
Porträt des Johann Puch (Janez Puh) auf seinem Grab in Graz
Das Puch-Hochhaus am Eingang des (ehemaligen) Puch-Werkes in Graz-Thondorf. Das Puch-Emblem noch auf dem Dach (2008) - 2010 demontiert[1], seit Nov. 2013 beim Puch-Museum.

Die Puch-Werke, gegründet 1899 von Johann Puch, waren ein österreichisches Unternehmen, das Fahrräder, Motoren, Motorräder und Autos produzierte.

Geschichte[Bearbeiten]

Johann Puchs erste Werkstatt war in der Strauchergasse 18(a) in Graz. Mangels behördlicher Genehmigung verlegte er die Fahrradreparaturen in eine Werkstatt in der Arche Noe 12. Weitere Stationen waren Fabriksräume in der Karlauerstraße und die Köstenbaum-Mühle in der Baumstraße (heute: Köstenbaumgasse). Nach Differenzen mit Kompagnons schied er 1897 aus dem Betrieb aus und etablierte sich neu in der Laubgasse.

Diese Laubgasse wurde 1949 gemeinsam mit der Fuhrhofgasse und der Gottliebgasse zur Puchstraße.[2] Auf diesem Terrain baute der Altmeister das "Werk Eins" auf, das heute „Einser-Werk“ genannt wird. Dort wurden neben Fahrrädern ab 1901 Kleinmotoren gebaut, auch die Voiturette von 1900 (Pkw) und danach erste Kleinserien von Puch-Automobilen.

In diesem Werk besteht heute noch eine denkmalgeschützte Halle, die Halle P, in der seit 2012 das "Johann Puch-Museum Graz" untergebracht ist. Im 20. Jahrhundert wurde jenes Gebiet am südlichen Rand von Graz zum Stadtbezirk Puntigam.

Im Jahre 1912 schied Johann Puch aus seiner Firma aus und wurde deren Ehrenpräsident. 1914 beschäftigte das Unternehmen 1100 Arbeiter und produzierte jährlich 16.000 Fahrräder (siehe: „Waffenrad“) und je 300 Motorräder und Autos. Nach Puchs Tod nach dem Besuch eines Pferderennens in Agram am 19. Juli 1914 konnte sich die Firma noch einige Zeit behaupten, ehe sie 1928 mit der Österreichischen Daimler-Motoren AG fusionierte. Aber auch die daraus entstehende Austro-Daimler-Puchwerke AG hielt sich nur bis 1934.

Der Mischkonzern Steyr-Daimler-Puch AG[Bearbeiten]

Eine neuerliche Fusion mit der Steyr-Werke AG führte zur Steyr-Daimler-Puch AG, die neben Fahrzeugen aller Art (Pkw, Lkw, Geländefahrzeuge, Traktoren, Motorräder, Fahrräder) auch Werkzeuge und Waffen herstellte. In den 1990er-Jahren wurden verschiedene Produktionsbereiche stillgelegt oder abgegeben, zum Beispiel:

Der Rest des Konzerns wurde 1998 von der Magna Holding AG übernommen und beschäftigt sich nach Umstrukturierungen mit Antriebstechnik, vor allem mit Allradantrieben. Ein Förderungspreis von Magna für Diplomarbeiten wurde im Gedenken an Johann Puch benannt.[3]

Wie alle Betriebe dieser Art wurde das Puchwerk im Zweiten Weltkrieg auch für die Rüstungsproduktion herangezogen, dazu reichten die Kapazitäten jedoch bald nicht mehr aus. Deshalb wurde in Thondorf bei Graz das so genannte „Zweier-Werk“ gebaut. Hier wurden nach dem Zweiten Weltkrieg Fahrräder, Mopeds, Motorräder, Personenwagen und legendäre Geländewagen (Haflinger, Pinzgauer, Puch G) entwickelt und produziert.

Das Werk prägte diesen Stadtteil; das 1953/54 errichtete „Puch-Hochhaus“, mit 13 Stockwerken das erste Hochhaus von Graz, wurde zu einem Wahrzeichen und steht mittlerweile unter Denkmalschutz.[4] In den drei ursprünglichen Hallen des Werks begann das Unternehmen Magna Steyr Luxusfahrzeuge für US-amerikanische und deutsche Konzerne zu produzieren.

Der Zuzug von Arbeitskräften war Anlass, eine Kirche zu bauen, die Architekt Robert Kramreiter schuf. Es ist die Kirche St. Christoph bzw. Pfarrkirche Graz-Thondorf[5].

Das Einser-Werk in der Puchstraße wurde stillgelegt und zu einem Gewerbepark umgewandelt, eine historische Werkhalle zum Industriedenkmal erklärt. In den Hallen eines ehemaligen Generalimporteurs für italienische Autos, die neben dem ehemaligen Werksareal liegen, entstand im Rahmen der Kulturhauptstadt Graz 2003 ein Puch-Museum. Seit Juni 2012 befindet sich das Johann Puch-Museum Graz in der denkmalgeschützten Halle P, die noch der Altmeister selbst hat bauen lassen.

1987 wurde nach beinahe 100 Jahren die Fahrradproduktion in Graz endgültig eingestellt.[6] Die technische Kompetenz war bei Steyr-Puch immer größer als die kaufmännische, die Markenrechte wurden an den italienischen Hersteller Piaggio veräußert, der etwa bis zur Jahrtausendwende Fahrräder und Mopeds mit dem Markenlogo „Puch“ produzierte. Dieser gab 1997 seine Rechte für den Fahrradbereich (inkl. Bianchi) an den schwedischen Rad-Konzernriesen Cycleurope weiter.[7]

2011 übernahm das Familienunternehmen J. Faber GmbH die Verantwortung für die Fahrradmarke Puch. Die neuen Puch-Räder wurden weiter von Cycleurope in Frankreich produziert. Ab März 2012 wurden neun neue Modelle, darunter fünf Elektroräder, unter dem Namen "Puch" angeboten.[8]

Magna Steyr[Bearbeiten]

Wer heute auf der Autobahn bei Graz dem Wegweiser „Graz – Puchwerk“ folgt, kommt vor den Toren von Magna Steyr an. Die Tochtergesellschaft von Magna International hat Betriebsstätten auf dem Gelände der Steyr Daimler Puch, aber auch an anderen Orten der Steiermark, zum Beispiel in Albersdorf, wo heute die „S-Tec“ weiter Kunden mit Allradfahrzeugen betreut, hauptsächlich Pinzgauer und Puch G. Zuvor war dieser Betrieb in Graz ansässig, in der „Halle P“, die heute das „Johann Puch-Museum Graz“ beherbergt.

Fahrzeuge[Bearbeiten]

Puch Sprint, preisgünstiges Tourenrad um 1975

Fahrräder[Bearbeiten]

An dieser Drehbank hat Puch selbst gearbeitet. Sie kann heute im Johann Puch-Museum Graz besichtigt werden

Johann Puch profilierte sich während seines Militärdienstes in Graz (Artillerie-Ergänzungsdepot) als Fahrradmechaniker. Seine erste bedeutende Anstellung danach hatte er bei der Firma Luchscheider in Graz. Ein Teil der originalen Werkstattausrüstung von Puch wurde im Reinerhof gefunden und ist heute im "Johann Puch-Museum Graz" zu sehen.

Den Weg zum Fabrikanten ging Puch zuerst als Dienstnehmer für Fahrradreparaturen. Dazu gehörte auch eine Anstellung bei der Graziosa Fahrradwerke Benedict Albl & Comp.. Seine Anfänge als selbstständiger Unternehmer liegen im Zusammenbau von Fahrrädern, des Verkaufs und der Wartung von Kundenfahrzeugen.

Schließlich wurden Puch-Räder vor allem über Rennsporterfolge und über intensive Reklame-Aktionen populär. Das Waffenrad ist ein Teil dieser Geschichte. Es basiert aber auf einem erfolgreichen Lizenzprodukt der Steyr-Werke, die ein Fahrzeug der Firma Swift aus Coventry übernommen hatten, um ihre Anlagen in Friedenszeiten auslasten zu können. (Der Begriff "Waffenrad" bezieht sich also auf das Friedensprodukt einer Waffenschmiede.) Puch hat das Waffenrad auch gebaut, aber es ist nicht seine Kreation.

Motorräder vor 1945[Bearbeiten]


Motorräder nach 1945[Bearbeiten]

Roller (Scooter)[Bearbeiten]

  • Puch Kleinroller DS 50/60
  • Puch Kleinroller R50/60

Die Entwicklung des neuen Fahrzeuges lief 1963/64, der Marktauftritt erfolgte 1965: "Elegant den ganzen Tag Puch R50"[9] Gegenüber dem Vorgängermodell DS 50/60 ist nun ein freier Durchstieg vorhanden.

...das Fahrzeug sollte sich von Konkurrenzmodellen stark unterscheiden. Dir. Rösche brachte den Designer Lepoix ins Spiel, mit dem Puch auch später zusammenarbeitete.

Edler & Heigl[10]
  • Puch Kleinroller Lido (Eine Koproduktion mit Suzuki)
  • Puch Roller (R/RL/RLA 125)
  • Puch Roller (SR/SRA 125/150)
  • Puch 150 A (Allstate): Das Exportmodell Puch 150 A wurde für Sears geschaffen und unter der Marke Allstate vertrieben. Dieser Sonderfall in der Puch-Produktion basiert auf Rahmen einer Puch 125 TT mit dem starren Heck, in das der gebläsegekühlte Rollermotor montiert wurde.
Einige Puch Roller SR 150 beim 60-Jahr-Jubiläum in Graz

Mopeds und Mofas[Bearbeiten]

  • Puch Styriette (1938)
Die 1938er "Styriette" von Puch vor einem gegenwärtigen Pedelec mit gleichem Namen

In der Entwicklung stehen zwischen Motorrädern und Mopeds die Fahrräder mit Hilfsmotor. Bei Puch ging man in diese Lücke mit der "Styriette". Sie wurde als "Motorfahrrad" vorgestellt, war in einer Damen- und Herrenausführung verfügbar. Der 60,3-cm³-Motor leistet 1 kW (1,3 PS), was später in Graz "Moped-Dimension" wurde. Ein Exemplar aus dem Jahr 1938 ist im Johann Puch-Museum Graz erhalten.

  • Puch Mofas (Maxi, Condor, Sport, MS50, VS50, MV50, X30)
  • Puch Mopeds (Monza, M50, Ranger)
  • Puch Maxi – ein 1969 vorgestelltes Mofa, das von den Puch-Werken als Nachfolger der alten, umgangssprachlich auch Schwarze Sau genannten Puch MV 50 gebaut wurde. Eine wichtige Besonderheit des Maxis ist, dass es die erste von Puch produzierte Fliehkraftkupplung in sich trägt (Automatik). 1985 wurde noch das Supermaxi mit KAT vorgestellt, das erste Mofa weltweit mit Abgasreinigung. Während dieser Zeit wurden noch andere sehr erfolgreiche Modelle gebaut, z. B. der Puch Velux x30, Puch Condor, Puch Sport, Puch Tigra, die berühmte Puch Monza (Vier- und Sechsganggetriebe) und Puch Cobra.

PKW (1957–1975)[Bearbeiten]

Puch 500
Puch 700
Typ Bauzeitraum Zylinder Hubraum Leistung
500 1957–1959 2 Boxer 493 cm³ 16 PS (11,8 kW)
500 D 1959–1962 2 Boxer 493 cm³ 16 PS (11,8 kW)
500 DL 1959–1962 2 Boxer 493 cm³ 19,8 PS (14,5 kW)
700 C (Kombi) 1961–1969 2 Boxer 650 cm³ 25 PS (18,4 kW)
700 E (Kombi) 1961–1969 2 Boxer 650 cm³ 19,8 PS (14,5 kW)
650 TR 1962–1964 2 Boxer 660 cm³ 27 PS (19,9 kW)
650 T 1962–1969 2 Boxer 650 cm³ 19,8 PS (14,5 kW)
650 TR II 1965–1969 2 Boxer 650 cm³ 42 PS (30,9 kW)
500 S 1969–1974 2 Boxer 650 cm³ 19,8 PS (14,5 kW)
126 1974–1975 2 Boxer 650 cm³ 19,8 PS (14,5 kW)

Sport[Bearbeiten]

  • 1933: 1. Platz ADAC-Reichsfahrt Werksfahrerin Ilse Thouret mit Puch-Type 200-S
  • 1975: Motocross Weltmeister Harry Everts auf Puch 250 MC

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedrich F. Ehn: Das große Puch-Buch. Die Puch-Zweiradproduktion von 1890–1987. 7. Auflage. Weishaupt, Gnas 2008, ISBN 978-3-900310-49-3.
  • Friedrich F. Ehn: Puch-Automobile. (1900–1990). 3. Auflage. Weishaupt, Gnas 2007, ISBN 978-3-7059-0256-5.
  • Hilde Harrer: Grazer Fahrradvereine 1882-1900 (aktualisierte, teilweise gekürzte Diplomarbeit von 1992) Historische Landeskommission für Steiermark, Graz 1998, ISBN 3-901251-12-X.
  • Karl A. Kubinzky; Astrid M. Wentner: Grazer Straßennamen. Herkunft und Bedeutung. Leykam, Graz 1996, ISBN 3-7011-7336-2
  • Frank Rönicke: Puch. Motorräder 1900–1987. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-613-03102-9.
  • Hans Seper: 100 Jahre Steyr-Daimler-Puch A.G. 1864–1964. 3. Auflage, Weishaupt, Gnas 2009, ISBN 978-3-7059-0290-9 (Vorabdruck aus: Blätter für Technikgeschichte. Heft 26).
  • Wolfgang J. Verwüster: Puch. Mopeds, Roller & Kleinkrafträder. Weishaupt, Gnas 2007, ISBN 978-3-7059-0254-1.

Weblinks[Bearbeiten]

Hinweis auf das Puch-Museum in der Grazer Puchstraße (2008) – 2009 entfernt
 Commons: Puch-Fahrzeuge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Marke vom Dach geholt, Hans Andrej, KleineZeitung.at Printausgabe vom 23. September 2010, S. 28
  2. Karl A. Kubinzky; Astrid M. Wentner: Grazer Straßennamen. Herkunft und Bedeutung, Leykam, Graz 1996, ISBN 3-7011-7336-2
  3. Johann Puch Award 2009, (abgefragt am 16. Jänner 2010)
  4. Liebenau aktuell vom 24. Juni 2008, S.7
  5. http://st-christoph.graz-seckau.at/ (Abgerufen am 13. April 2013)
  6. Fahrräder aus der Steiermark. In: graz.radln.net. ARGUS Steiermark, abgerufen am 5. Mai 2012.
  7.  Marcello Berni: Der traditionsreiche italienische Fahrradhersteller konzentriert sich auf den Bau edler Rennmaschinen – Bianchi will auch ohne Ullrich kräftig zulegen In: Handelsblatt. 28. November 2003, ISSN 0017-7296 (online, abgerufen am 5. Mai 2012).
  8.  Legenden neu aufgelegt – Die Rückkehr des Puch-Fahrrades In: Der Standard. 12. Februar 2012 ([1] online, abgerufen am 5. Mai 2012).
  9. Volker Edler & Gernot Heigl: „Der Puch-Roller macht Geschichte“, Graz 2012, ISBN 978-3-200-02603-2, SA. 155
  10. Volker Edler & Gernot Heigl: „Der Puch-Roller macht Geschichte“, Graz 2012, ISBN 978-3-200-02603-2, SA. 149