Punktesystem

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Dieser Artikel beschreibt Punktesysteme im Fahrerlaubnisrecht. Für das Punktesystem in der gymnasialen Oberstufe siehe Gymnasiale Oberstufe.

Das Punktesystem ist ein Regelwerk im Fahrerlaubnisrecht, mit dem Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung sanktioniert werden.

Die Registrierung von Punkten erfolgt in Deutschland nach den Regelungen des Straßenverkehrsgesetzes und der Fahrerlaubnisverordnung im Verkehrszentralregister des Kraftfahrtbundesamts in Flensburg. Der Stand des Punktekontos wird dem Bürger nach schriftlicher Anfrage in Flensburg kostenlos mitgeteilt.

In Deutschland wurde 1974 weltweit erstmalig ein Punktesystem eingeführt.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Zweck von Punktesystemen

Verkehrsteilnehmer, die erheblich oder wiederholt gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen haben, sollen identifiziert und mit einheitlichen Strafen bzw. Bußgeldern zu einer besseren Regelbeachtung angehalten werden. Punktesysteme setzen Konzepte der Verkehrspsychologie um, die auf Verhaltens- und Einstellungsänderung des Kraftfahrers abzielen. Beeinflussbarkeit und Lernfähigkeit sind demnach wesentliche Bestandteile der Mobilitätskompetenz von Kraftfahrern. Der enge statistische Zusammenhang zwischen Punktestand und Unfallrisiko ist anhand der Daten des Kraftfahrtbundesamtes belegt.[1]

[Bearbeiten] Regelungen in Deutschland

[Bearbeiten] Punkteaufbau

Der Verkehrsteilnehmer ist in der Datenbank des Verkehrszentralregisters über Personenmerkmale identifiziert. Bei einer Verkehrsordnungswidrigkeit (eins bis vier Punkte) mit einem Bußgeld ab (aktuell) 40 Euro oder bei einer Verkehrs-Straftat (fünf bis sieben Punkte) erfolgt automatisch ein Eintrag im Register.

Die Anzahl der Punkte richtet sich nach der Fahrerlaubnisverordnung (FeV), dem Bußgeldkatalog oder - falls der Tatbestand darin nicht enthalten ist - dem Bundeseinheitlichen Tatbestandskatalog. Eine Liste der Punkte je nach Vorgang findet sich unter den Weblinks.

Bei 18 oder mehr Punkten wird die Fahrerlaubnis entzogen. Zur Wiedererlangung muss sich der Bürger einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) unterziehen und diese mit einer günstigen Prognose beenden (= positives Fahreignungsgutachten). 18 und mehr Punkte erreichen etwa 0,1 % aller Kraftfahrer in Deutschland.

[Bearbeiten] Punkteabbau

Punkte aus Ordnungswidrigkeiten werden „automatisch” nach zwei Jahren gelöscht („getilgt”), aus Straftaten nach fünf, in einigen Fällen erst nach zehn Jahren.

Die Tilgung wird unterbrochen („Hemmung”), wenn es zu weiteren Eintragungen in der Tilgungszeit kommt. Die Löschung erfolgt also erst, wenn der jüngste Eintrag abgelaufen ist. Einträge aus Ordnungswidrigkeiten werden jedoch spätestens nach fünf Jahren gelöscht.

Die Frist beginnt bei Ordnungswidrigkeiten mit dem Tag der Rechtskraft, bei Straftaten mit dem Datum des ersten Urteils. Zu den Tilgungsfristen wird zudem eine "Überliegefrist" von einem Jahr addiert, bevor die Daten unwiederbringlich gelöscht werden. Damit soll eine Verschiebung zwischen dem Vorgang und dem Eintrag abgedeckt werden, wenn also innerhalb von zwei Jahren eine weitere Ordnungswidrigkeit auftrat, die aber erst später zu einem Eintrag führte, z.B. wegen eingelegter Rechtsmittel.

[Bearbeiten] Maßnahmen

Folgende Maßnahmen zur Verhaltensbeeinflussung sind im deutschen Fahrerlaubnisrecht vorgesehen und führen zur Punktetilgung:

Punktestand freiwillige Teilnahme am Aufbauseminar Verkehrspsychologische Beratung
1 bis 8    4 Punkte getilgt
9 bis 13    2 Punkte getilgt
14 bis 18    0    2 Punkte getilgt

[Bearbeiten] Verwarnung bei acht Punkten

Bei Erreichen von acht Punkten wird der Betroffene kostenpflichtig ermahnt (Verwarnung) und auf die Möglichkeit des Punkteabbaus hingewiesen. Ein Punkteabzug ist nur bei „freiwilliger“ Teilnahme an einer Maßnahme vorgesehen.

Unfallrisiko bezogen auf die Zahl individueller Einträge im Verkehrszentralregister des Kraftfahrtbundesamtes. Siehe [1]

[Bearbeiten] Aufbauseminare

Aufbauseminare führen bei erfolgreichem Abschluss zu einem Abzug von vier bzw. zwei Punkten im Verkehrszentralregister.

Während im Punktebereich von 4-8 Punkten durch Teilnahme am Aufbauseminar vier Punkte abgebaut werden können, sind es ab neun Punkten nur noch zwei.

Ab 14 Punkten wird die Kursteilnahme angeordnet. Wird dieser behördlichen Anordnung keine Folge geleistet, wird die Fahrerlaubnis entzogen. Vor der Neuerteilung muss die Teilnahme an einem Aufbauseminar nachgewiesen werden.

[Bearbeiten] Verkehrspsychologische Beratung

Durch freiwillige Teilnahme an einer verkehrspsychologischen Beratung können im Bereich zwischen 14 und 17 Punkten zwei Punkte abgebaut werden. Auf diese Möglichkeit werden die Betroffenen schriftlich hingewiesen.

Ein Punkteabzug oberhalb von 14 Punkten ist nur noch durch Teilnahme an der verkehrspsychologischen Beratung möglich. Auf diese Weise kann in manchen Fällen ein Fahrerlaubnisentzug noch verhindert werden.

[Bearbeiten] Fahrerlaubnis auf Probe

Inhaber einer Fahrerlaubnis auf Probe müssen nach einem schwerwiegenden Verstoß oder zwei weniger schwerwiegenden Verstößen das vorgeschriebene Aufbauseminar für Fahranfänger (ASF) besuchen. Bei Alkohol- oder Drogenverstößen in der Probezeit sind „besondere Aufbauseminare” vorgeschrieben. Diese werden ausschließlich von dafür anerkannten Verkehrspsychologen durchgeführt.

[Bearbeiten] Vormerksystem in Österreich

Der ‚Punkteführerschein‘ in Österreich besteht seit 1. Juli 2005 aus einem Vormerksystem, und einem Sanktionskatalog, siehe Entziehung und Neuerteilung der Fahrerlaubnis #Regelungen in Österreich.

[Bearbeiten] Regelungen in anderen Ländern

[Bearbeiten] Vereinigte Staaten

In den Vereinigten Staaten, wo die Bundesstaaten ihre jeweils eigenen Straßenverkehrsgesetze verabschieden, gibt es Punktesysteme (point systems) unter anderem in Colorado, Kalifornien und New York. Zuständig ist die zentrale Verkehrsbehörde (Department of Motorvehicles, DMV) des jeweiligen Bundesstaates.

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. a b Effectiveness of the Points System in Germany
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