Pyramidion

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Pyramidion vor der Roten Pyramide (4. Dynastie, Altes Reich)
Pyramidion einer Kleinpyramide der 18. oder 19. Dynastie
Pyramidion der „Schwarzen Pyramide“ des Amenemhet III. (im Ägyptischen Museum von Kairo)

Als Pyramidion wird in der Archäologie der ebenso pyramidenförmige oberste, letzte oder Schlussstein einer Pyramide bezeichnet – im Altägyptischen benbenet genannt[1] wie darüber mit dem sogenannten Benben assoziiert – sowie ebenfalls die pyramidenförmige Spitze eines Obelisken. Pyramidia von Pyramidenbauwerken haben nahezu die gleichen Proportionen wie diese und stellen sie als verkleinerte oder verdichtete Form dar. Im Alten Reich wurde diese Form aus einem Steinblock von Diorit, Granit oder Kalkstein herausgeschlagen. Oft sind die Seitenflächen mit Inschriften versehen und mit Elektron überzogen worden.

Funde[Bearbeiten]

Von den Pyramidenspitzen ägyptischer Pyramiden sind bisher nicht viele gefunden worden. Bei einigen der Funde ist, auch wegen des Erhaltungszustandes, nicht sicher, ob sie tatsächlich als Spitze einer Pyramide aufsaßen und, wenn ja, welcher. Manche könnten auch zu einem Obelisken gehört haben.

Aus dem Alten Reich stammen die frühesten, die Kalksteinfragmente des heute in restaurierter Form vor der Roten Pyramide des Snofru in Dahschur aufgestellten, rund einen Meter hohen Pyramidions werden als älteste auf die Zeit noch vor 2620 v. Chr. datiert (siehe obere Abbildung). Ebenso der 4. Dynastie zugehörig ist das Pyramidion einer Kultpyramide des Chufu an der Südostecke der Cheops-Pyramide, und auch die quadratische Basis eines Pyramidions einer Nebenpyramide bzw. Kultpyramide des Menkaure südlich der Mykerinos-Pyramide (G III-a), beide in Giza und aus Kalkstein. Der 5. Dynastie zuzuordnen ist ein Pyramidionfragment der Chentkaus-II.-Pyramide aus dunklem Granit, das einen Metallüberzug hatte, und eines nahe der Lepsius-XXIV-Pyramide, beide in Abusir. Für die 6. Dynastie sind mehrere Pyramidia bekannt, allein vier aus dem Komplex der Teti-Pyramide in Sakkara, zwei davon mit rechteckiger Grundfläche und je knapp einen halben Meter hoch.

Aus dem Mittleren Reich erhalten und der 12. Dynastie zugeordnet sind Fragmente von Pyramidia aus rotem Granit nahe zwei Königinnengräbern des Sesostris-I.-Pyramidenkomplex in El-Lischt, beschriftete Bruchstücke des Pyramidions der Sesostris-II.-Pyramide in El-Lahun sowie das umlaufend Inschriften tragende aus schwarzem Granit der Pyramide des Amenemhet III. in Dahschur (siehe untere Abbildung). In die 2. Zwischenzeit datieren zwei unbeschriftete Pyramidia aus schwarzem Granit, beide am Eingang eines begonnenen Grabmalbaus (der Süd-Pyramide), ebenfalls in Süd-Sakkara und aus schwarzem Granit mehrere Fragmente des beschrifteten Pyramidions von der Pyramide des Chendjer, ferner seiner Inschrift nach das des (bisher nicht lokalisierten) Grabmals von Aja I., alle aus der 13. Dynastie, daneben aus der 17. Dynastie das der Schlammziegelpyramide des Nub-cheper-Re Anjotef in Dra Abu el-Naga. Aus dem Neuen Reich stammen zahlreiche dekorierte Pyramidia von Beamtengräbern, die zu dieser Zeit ebenfalls als Pyramiden errichtet werden durften.

Geometrische Proportionen[Bearbeiten]

Die gefundenen Pyramidia entsprechen ihrer Form nach idealisiert dem geometrischen Körper einer geraden Pyramide auf Basis eines Vierecks. Manche haben eine rechteckige, die meisten eine quadratische Grundfläche; Unterschiede bestehen in den Abmessungen der Basis und der Höhe, beziehungsweise in Größe der Grundfläche und Neigung der Seiten. Bei einer regelmäßigen geraden Pyramide auf quadratischer Grundfläche ergibt sich der Neigungswinkel α der vier Seiten der Mantelfläche aus dem jeweiligen Verhältnis von Höhe h zu Basis b (tan α = 2•h / b). Ein Pyramidion auf quadratischer Basis, bei dem vier genau gleichseitige Dreiecke die Seitenflächen bilden –  bei dem also alle 8 Kanten gleich lang sind – hat den Neigungswinkel von 54° 44' (gerundet; Höhe zu Basislänge verhalten sich hier wie 1 : \sqrt{2}).

Ungefähr jener Neigungswinkel ist um 2650 v. Chr. beim ersten Versuch des Snofru, eine große ungestufte Pyramide bauen zu lassen, in der 2. Bauphase der Knick-Pyramide auf erweiterter Grundfläche (Basislänge etwa 189 Meter) realisiert worden; wegen der technischen Schwierigkeit die gewaltige Last des Bauwerks stabil abzutragen, wurde für die abschließende 3. Bauphase die Neigung auf etwa 43° abgeflacht. Mit diesem Neigungswinkel ist in Folge wenig daneben und auf größerer Grundfläche (Basismaß etwa 220 Meter) die erste ungestufte und ungeknickte große Pyramide entstanden, die nur wenig höhere Rote Pyramide des Snofru zwei Kilometer nördlich auf dem Plateau von Dahschur.

Details des Pyramidions von Amenemhet III.[Bearbeiten]

Das Pyramidion des auch „Schwarze Pyramide“ genannten Bauwerkes, das Pharao Amenemhet III. aus der 12. Dynastie im Mittleren Reich schon gleich zu Beginn seiner Regierungszeit und so noch vor 1800 v. Chr. in Dahschur aufrichten ließ, wurde dort im Jahre 1900 n. Chr. im Schutt an der Südbasis gefunden. Der pyramidenförmige Abschlussstein misst etwa 1,85 m als Basislänge der quadratischen Grundfläche und etwa 1,40 m in der Höhe;[2] er ist aus schwarzem Granit gefertigt und allseits umlaufend mit Inschriften versehen. Möglicherweise war der Stein ebenso wie die Spitzen mancher Obelisken früher noch mit Elektron überzogen, einer metallischen Legierung aus Gold und Silber.

Die wenig angegriffene glatte Oberfläche lässt aber auch die Vermutung zu, dass dieses Pyramidion nie als Spitze einer Pyramide aufgesetzt wurde. Da sich schon während der Bautätigkeit Absenkungen und Risse des für seinen Untergrund zu schweren Bauwerkes zeigten – das bei einem angenommenen Böschungswinkel von rund 57° mit gut 80 m die höchste im Mittleren Reich errichtete Pyramide geworden wäre oder war – ließ Amenemhet III. bald nach dieser ersten den Bau einer zweiten beginnen, der Hawara-Pyramide von gleicher Grundfläche (Seitenlänge etwa 105 Meter), doch mit geringerem Neigungswinkel (rund 49°) und an anderer Stelle (nahe der Sesostris-II.-Pyramide im Fayyum-Becken).

Literatur[Bearbeiten]

  • Pyramidion. In: Dieter Arnold: Lexikon der ägyptischen Baukunst. 2. Auflage. Artemis & Winkler, München u. a. 1997, ISBN 3-7608-1099-3, S. 205f.
  • Pyramidion. In: Der Brockhaus Archäologie. Hochkulturen, Grabungsstätten, Funde. Brockhaus, Mannheim/ Leipzig 2009, ISBN 978-3-7653-3321-7, S. 500.
  • Nairy Hampikian: How was the Pyramidion Placed at the Top of Khufu Pyramid? In: Heike Guksch, Daniel Polz (Hrsg.): Stationen. Beiträge zur Kulturgeschichte Ägyptens. von Zabern, Mainz 1998, ISBN 3-8053-2526-6, S. 47–51.
  • Peter Janosi: Das Pyramidion der Pyramide G III-a. In: Ulrich Luft (Hrsg.): The Intellectual Heritage of Egypt. Studies presented to László Kákosy by Friends and Collegues on the Occasion of his 60th Birthday (= Studia Aegyptiaca, Vol. 14). Chaire d'Egyptologie, Budapest 1992, ISBN 963-462-542-8, S. 301–328.
  • Mark Lehner: The Complete Pyramids. Reprinted edition. Thames and Hudson, London 2000, ISBN 0-500-05084-8.
  • K. Martin: Pyramidion. In: Wolfgang Helck, Eberhard Otto (Hrsg.): Lexikon der Ägyptologie. Band 5: Pyramidenbau – Steingefäße. Harrassowitz, Wiesbaden 1984, ISBN 3-447-02489-5, S. 23–25.
  • Rainer Stadelmann: Die ägyptischen Pyramiden. Vom Ziegelbau zum Weltwunder 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. (= Kulturgeschichte der antiken Welt. Bd. 30). von Zabern, Mainz 1997, ISBN 3-8053-1142-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pyramidion – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Pyramidion – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Adolf Ermann, Hermann Grapow: Wörterbuch der ägyptischen Sprache. Hinrichs, Berlin, 1959, Eintrag 459.13-14
  2. Abeer El-Shahawy (Herausgeber): The Egyptian Museum in Cairo.American Univ in Cairo Press, 2005, ISBN 9789771721833, S.123. Aus diesen Angaben ergibt sich ein Neigungswinkel von 56° 33'; andere Quellen geben 1,87 m für die Basis und 1,31 m für die Höhe an (siehe auch Dieter Arnold:Der Pyramidenbezirk des Königs Amenemhet III. In Dahschur: Die Pyramide. Von Zabern, Mainz 1987, ISBN 9783805306089, S. 9 bzw. S.13), was 54° 46' entspräche.