Pyroraptor

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Pyroraptor
Diagramm des Skeletts. Bekannte Skelettelemente sind eingefärbt.

Diagramm des Skeletts. Bekannte Skelettelemente sind eingefärbt.

Zeitliches Auftreten
Oberkreide (Oberes Campanium bis Unteres Maastrichtium)
76,4 bis 69,9 Mio. Jahre
Fundorte
Systematik
Echsenbeckensaurier (Saurischia)
Theropoda
Tetanurae
Coelurosauria
Dromaeosauridae
Pyroraptor
Wissenschaftlicher Name
Pyroraptor
Allain & Taquet, 2000[1]
Art
  • Pyroraptor olympius

Pyroraptor war eine Gattung kleiner gefiederter Dinosaurier aus der Oberkreide Südfrankreichs. Sie wird zu den Dromaeosauriden gezählt, einer Gruppe von agilen, fleischfressenden Theropoden. Die einzige Art ist Pyroraptor olympius.

Bis zu der Entdeckung von Balaur, war Pyroraptor der am besten erhaltene europäische Dromaeosaurier.[2]

Fund und Namensgebung[Bearbeiten]

Pyroraptor ist nur anhand weniger fossiler Knochen des Exemplars bekannt, das nahe dem 815 m hohen Mont Olympe in der Provence bei den Sandsteinen der La Boucharde gefunden wurde.[1] Es wurden fossile Fingerknochen (Phalangen), Mittelhandknochen (Metacarpalia), Mittelfußknochen (Metatarsalia), Schwanzwirbel, Rückenwirbel, Elle (Ulna) und Speiche (Radius) des rechten Unterarms sowie Zähne geborgen.[3]

Bekannt sind 17 Exemplare, ein Holotyp (MNHN BO001), dessen komplett erhaltener Fußknochen (Metatarsus II) im Muséum national d’histoire naturelle ausgestellt ist und 16 Paratypen (MNHN BO002-17 und eines ohne Nummer).[1]

Laut Turner et al. sind viele Paratypen aber umstritten, wie zum Beispiel MNHN BO0017 (Rückenwirbel), der sehr schlecht erhalten ist, daher kann nicht sicher gesagt werden, ob es ein Dromaeosaurier war. Außerdem könnten viele Paratypen zum selbem Tier gehören, laut diesen Forschern.[2] Zudem haben sie herausgefunden, dass bei den Fossilien noch ein Metatarsus III dabei war.[3]

Der Name Pyroraptor olympius (gr. pyros – „Feuer“; raptor – „Räuber“; lat. olympius – „Olymp“) bedeutet so viel wie „Feuerdieb des Olymps“. Der Name der Gattung weist auf den Umstand, dass die Fossilien nach einem Waldbrand im Jahre 1989 gefunden wurden. Das Art-Epitheton spielt auf den Mont Olympe an, an dessen Fuß das Fossil gefunden wurde.[1]

Merkmale[Bearbeiten]

Genannte Merkmale für dieses Taxon sind unter anderem Vertiefungen an der Elle, ein an der Unterseite gebogener (ungefähr 140° nach Ostroms Methode) und am Ende geriffelter Mittelfußknochen, sowie fast gleiche Ellen und Metatarsus II Länge. Außerdem wurden die hauptsächlich an der Hinterseite gesägte Zähne erwähnt.[1]

In einer neuen Analyse (2012) wurde ersteres Merkmal in der Neubeschreibung nicht wieder aufgegriffen. Stattdessen wurde Pyroraptor als mittelgroßer Dromaeosauridae mit den letzten beiden genannten Merkmalen beschrieben.[2]

Viele Merkmale konnten nicht beschrieben werden, da das gefundene Material zwar Ähnlichkeiten mit anderen Dromaeosauriern aufweist, die fragmentarische Beschaffung aber Vergleiche erschwert.[1]

Größenrechnungen fehlen ebenfalls.[4][5]

Paläohabitat[Bearbeiten]

Mont Olympe bei La Boucharde in der Provence, Blick von Norden

Zusammen mit den Überresten von Pyroraptor fanden sich noch andere Dinosaurier aus der späten Kreidezeit. Entdeckt wurden Fossilien des Iguanodon-Verwandten Rhabdodon priscus, eines sauropoden Titanosauriers, eines Ceratopiers, eines ankylosauriden Nodosauriers und eines theropoden Abelisauroiden sowie die Eierschalen des Dinosaurierparataxons Megaloolithus aureliensis. Darüber hinaus wurden die Schalen vierer Schildkrötenarten (Dortoka sp., Solemys sp., Polysternon sp, und eine neue Alligatorschildkröten-Art) und verschiedener Alligatoren im Gestein gefunden.[1]

Systematik[Bearbeiten]

Pyroraptor wurde sowohl von den Erstbeschreibern, als auch von späteren Autoren, als Dromaeosauridae klassifiziert.[1][2][6][4][7] Die genaue Position ist aber unbekannt.[8][5] Insgesamt sind 23 verschiedene Positionen innerhalb der Dromaeosauridae möglich.[2]

Es wird diskutiert, ob es sich bei Pyroraptor und Variraptor, der ebenfalls in Südfrankreich (bei Marseille) gefunden wurde,[9] um dieselbe Gattung handelt, seit der Entdeckung von Pyroraptor wird Variraptor als Nomen dubium angesehen.[1] Neure Fossilfunde von Variraptor bekräftigen die Ansicht, dass beide Gattungen gültig sind.[10] Das ist aber unsicher, denn Variraptor wurde im 2012 Review von Turner et al. nicht als gültige Gattung gelistet.[2]

Popularität[Bearbeiten]

Pyroraptor hatte bis jetzt einen Auftritt in der populären Kultur. Dieser war in der dritten Folge der Serie "Die letzten Jahre der Dinosaurier", wo er in Südeuropa gelebt hat. Außerdem wurde eine Miniatur-Version in Rumänien gezeigt. Im Film hatte Pyroraptor die Nische eines kleineren Räubers in seinem Ökosystem. Die Hauptfigur hieß Pod, was von Pyroraptor olympius dromaeus abgeleitet wurde. Zudem wurde Pyroraptor mit Federn dargestellt.[11]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i Ronan Allain, Philippe Taquet: A new genus of Dromaeosauridae (Dinosauria, Theropoda) from the Upper Cretaceous of France. In: Journal of Vertebrate Paleontology. Bd. 20, Nr. 2, ISSN 0272-4634, 2000, S. 404–407, doi:10.1671/0272-4634(2000)020[0404:ANGODD]2.0.CO;2.
  2. a b c d e f Alan H. Turner, Peter J. Makovicky, Mark A. Norell: A review of dromaeosaurid systematics and paravian phylogeny (= Bulletin of the American Museum of Natural History. Bd. 371, ISSN 0003-0090). American Museum of Natural History, New York NY 2012, doi:10.1206/748.1, online (PDF; 53,38 MB).
  3. a b The Theropod Database Pyroraptor.
  4. a b The Paleobiology Database Pyroraptor
  5. a b Thomas R. Holtz Jr.: Winter 2011 Appendix. 2012. Zu: Thomas R. Holtz Jr.: Dinosaurs. The most complete, up-to-date Encyclopedia for Dinosaur Lovers of All Ages. Random House, New York NY 2007, ISBN 978-0-375-82419-7 (PDF; 704 kB).
  6. Pascal Godefroit, Philip J. Currie, Li Hong, Shang Chang Yong, Dong Zhi-Ming: A new species of Velociraptor (Dinosauria: Dromaeosauridae) from the Upper Cretaceous of northern China. In: Journal of Vertebrate Paleontology. Bd. 28, Nr. 2, 2008, S. 432–438, doi:10.1671/0272-4634(2008)28[432:ANSOVD]2.0.CO;2.
  7. Phil Senter, Rinchen Barsbold, Brooks B. Britt, David A. Burnham: Systematics and evolution of Dromaeosauridae. In: Bulletin of Gunma Museum of Natural History. Bd. 8, 2004, ISSN 1342-4092, S. 1–20, Abstract.
  8. Mark Norell, Peter Makovicky: Dromaeosauridae. In: David B. Weishampel, Peter Dodson, Halszka Osmólska (Hrsg.): The Dinosauria. 2nd edition. University of California Press, Berkeley CA u. a. 2004, ISBN 0-520-24209-2, S. 196–209.
  9. Jean Le Loeuff, Eric Buffetaut: A new dromaeosaurid theropod from the Upper Cretaceous of southern France. In: Oryctos. Bd. 1, 1998, ISSN 1290-4805, S. 105–112, online.
  10. Phornphen Chanthasit, Eric Buffetaut: New data on the Dromaeosauridae (Dinosauria: Theropoda) from the Late Cretaceous of southern France. In: Bulletin de la Société Géologique de France. Bd. 180, Nr. 2, 2009, ISSN 0037-9409, S. 145–154, doi:10.2113/gssgfbull.180.2.145.
  11. Die letzten Jahre der Dinosaurier. Episode 3, Flucht auf die Insel.