Pythia

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Pythia (Begriffsklärung) aufgeführt.
Priestess of Delphi (1891) von John Collier. Die Priesterein wird durch das aufsteigende Pneuma inspiriert.
Pythia, Statue von Marcello, 1870
Themis in der Rolle der Pythia prophezeit dem Aigeus einen Sohn (attischer Kylix aus Vulci, etwa 440/430 v. Chr.)

Pythia (griechisch Πυθία, vgl. Python) war die weissagende Priesterin im Orakel der Tempelanlage des Apollon in Delphi, die in veränderten Bewusstseinszuständen (Trance) ihre Prophezeiungen verkündete.[1] Sie saß im Adyton[2] auf einem Dreifuß[3] über einer Erdspalte, aus der ein Gas quoll, durch das die Pythia in eine Art Trance versetzt wurde.[4]

Amt[Bearbeiten]

Die Pythien wurden aus den Einwohnerinnen von Delphi ausgewählt. Ihr sozialer Stand scheint (zumindest zeitweise) keine Rolle gespielt zu haben. Die Weihung zur Priesterin erfolgte ursprünglich und normalerweise in ihrer Jugend, nach einem Übergriff eines thessalischen Feldherrn sollen die Delphier beschlossen haben, nur noch betagten Frauen das Amt zu übergeben.[5] Die Pythien mussten jungfräulich bleiben.[6]

Historische Erwähnung der Wahrsagung[Bearbeiten]

Schon Cicero bemerkte in seinem Werk De divinatione (Über die Wahrsagung): „Im übrigen meine ich, dass es auch gewisse Ausdünstungen der Erde gab, die in den Geist eindrangen, so dass er Orakel ausstieß.“ (De divinatione I,115)[7]

Der griechische Schriftsteller Plutarch bezeugte, dass einst eine Pythia Symptome zeigte, die den von den berauschenden Gasen erzeugten Effekten exakt entsprechen und dazu führten, dass die Pythia daraufhin unter Krämpfen starb.[8]

Neueste Forschungen[Bearbeiten]

Neue Forschungen haben ergeben, dass die Orakelstätte auf einer Gesteinsformation erbaut worden war, aus deren Felsspalten Gase wie Methylen und Äthylen austraten, die die veränderten Bewusstseinszustände der Pythia hervorriefen. Diese Gase entstanden durch Pflanzenablagerungen in einer Gesteinsschicht aus Kalkstein in Kombination mit Quellwasser.[9]

Einer neuen These eines griechisch-italienischen Forscherteams unter Leitung des italienischen Geologen Giuseppe Etiope nach wurde in der relativ kleinen Kammer der Sauerstoff durch ansonsten nicht giftige Gase verdrängt. Der bei der Pythia entstehende Sauerstoffmangel habe sich dann in einer Art Trunkenheit geäußert.[10]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • William Smith: Dictionary of Greek and Roman antiquities. Boston und London 1870. (Stichwort oraculum, S. 836ff.)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hrgb.: Johannes Irmscher, Renate Johne: Lexikon der Antike, 10. Auflage, Bibliographisches Institut, Leipzig, 1990, S. 4764.
  2. Stavros P. Papamarinopoulos: Delphi's Definition by Zeus ([1]pdf). in: The Sixteenth seminar of BDA, Druskininkai, Juni 2008, S. 105.
  3. Hrgb.: Johannes Irmscher, Renate Johne: Lexikon der Antike, 10. Auflage, Bibliographisches Institut, Leipzig, 1990, S. 4764.
  4. Günther Ohloff: Düfte: Signale Der Gefühlswelt, Helvetica Chimica Acta, Zürich, 2004
  5. Michael Maaß: Das antike Delphi. C. H. Beck, München, 2007, S.16
  6. Benjamin H. Dunning: Specters of Paul: Sexual Difference in Early Christian Thought., University of Pennsylvania Press, 2011, S. 115
  7. Wolfgang Bauer und Clemens Zerling: Das Lexikon der Orakel. Atmosphären Verlag München 2004. Stichwort: Cicero.
  8. Annekatrin Puhle: Das Lexikon der Geister. Atmosphären Verlag München 2004. S. 269
  9. Annekatrin Puhle: Das Lexikon der Geister. Atmosphären Verlag München 2004. S. 269
  10. Dagmar Röhrlich: Die Zukunft erschnüffeln - Orakel von Delphi gibt Geologen Anlass zur Debatte. Deutschlandfunk, 11. Oktober 2006