Qabus ibn Said

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Qabus ibn Said (2013)

Qabus ibn Sa'id Al Sa'id (arabisch ‏قابوس بن سعيد آل سعيد‎, DMG Qābūs b. Saʿīd Āl Saʿīd; * 18. November 1940 in Salala) ist seit dem 23. Juli 1970 Sultan von Oman.

Leben[Bearbeiten]

Jugend und Ausbildung[Bearbeiten]

Sultan Qabus wurde als einziger Sohn von Sultan Sayyid Sa'id bin Taimur Al Sa'id und seiner 2. Frau Prinzessin Mazun geboren. Er ist in direkter Linie der achte Nachkomme der 1741 von Imam Ahmad ibn Sa'id begründeten Al-Bu-Sa'id-Dynastie. Seine Kindheit verbrachte der Sultan in Salala, wo er von einem alten arabischen Gelehrten unterrichtet wurde. Mit 17 Jahren wurde er im September 1958 von seinem Vater auf eine Privatschule nach Bury Saint Edmunds, Suffolk, England geschickt. 1960 trat er als Kadett in die Königliche Militärakademie in Sandhurst (Großbritannien) ein. Danach wurde er 1962 als Second Lieutenant in ein britisches Infanterie-Bataillon der Rheinarmee beordert und tat sieben Monate lang Dienst in Minden (Deutschland).[1] Damit war die Hoffnung verknüpft, Erfahrungen für den Aufbau einer modernen omanischen Armee zu sammeln.[2]

Nach seiner Dienstzeit wurde er in England in administrativen und wirtschaftlichen Dingen geschult, um später im Oman eine moderne Verwaltung aufbauen zu können. Danach ging er in Begleitung des britischen Majors Leslie Chauncey auf eine dreimonatige Weltreise.[3] 1964 kehrte Sultan Qabus in den Oman zurück und verbrachte auf Wunsch seines Vaters die nächsten sechs Jahre in Salala. Nach offiziellen Angaben beschäftigte er sich während dieser Zeit mit dem Studium des Islam sowie der kulturellen und historischen Vergangenheit seines Landes.[4] Dabei blieb ihm nicht verborgen, dass seine Heimat von seinem Vater im tiefsten Mittelalter gehalten wurde.[5]

Machtergreifung[Bearbeiten]

Am 23. Juli 1970 setzte er seinen Vater mit Hilfe des jungen Scheichs Buraik ibn Hamud al-Ghafiri[6] durch einen Staatsstreich ab. Die ganze Sache sollte unblutig ablaufen, doch war der alte Sultan Sa'id nicht ohne weiteres bereit, aufzugeben. Obwohl er von den meisten seiner Gefolgsleute verlassen war, versuchte er einen letzten verzweifelten Widerstandsversuch. Er zückte seine automatische Pistole und schoss wild um sich. Dabei wurde Buraik in den Schenkel getroffen. Nachdem Sa'id sein Magazin leer geschossen hatte, versuchte er nachzuladen. In einem Zustand der Aufregung schoss er sich dabei selbst in den Fuß und beendete so die Auseinandersetzung. Danach fügte er sich seinem Schicksal und unterzeichnete die Abdankungsurkunde. Nach einer ersten ärztlichen Versorgung wurde er nach London ins Exil geflogen, wo er zwei Jahre später im Dorchester Hotel verstarb.[7]

Herrschaft[Bearbeiten]

Zunächst war Qabus mit der Sicherung seiner Herrschaft beschäftigt. Erst mit der Absetzung von Premier Tariq konnte er persönlich die Regierung übernehmen. In der Folgezeit war die Bekämpfung der vom Südjemen unterstützten sozialistisch orientierten Guerillabewegung in Dhofar das wichtigste Ziel der Innenpolitik. Nachdem die Guerillabewegung bei Regierungsantritt große Teile von Dhofar kontrolliert hatte, gelang der Regierung mit britischer und iranischer Unterstützung die Zurückdrängung der Aufständischen, die 1972 bei Mirbat eine schwere Niederlage erlitten. Mit Hilfe einer Amnestie konnte Dhofar bis 1975 wieder befriedet werden.

Seit der Regierungsübernahme war Qabus um eine Öffnung und Modernisierung des Landes bemüht. Neben der Aufhebung von Ein- und Ausreisebeschränkungen trat der Oman noch 1971 der UNO und der Arabischen Liga bei. Durch die Ölkrise von 1973 und die steigenden Preise für Erdöl konnte der Oman hohe Einnahmen erzielen, die in die Modernisierung der Infrastruktur, des Bildungs- und Gesundheitswesens investiert wurden. Für diese Ziele wurde mit Hilfe des IWF ein erster Fünfjahresplan für 1976 bis 1980 aufgestellt. Seit den 1980er Jahren liegt der Schwerpunkt der Investitionen mehr im Bereich der industriellen Entwicklung und der Modernisierung der Landwirtschaft. Allerdings ist der Oman weiterhin stark von Erdölexporten abhängig.

Es gelang unter Qabus, die Feudalgesellschaft Omans in wenigen Jahrzehnten unter Beibehaltung der Traditionen in eine moderne Industriegesellschaft umzuwandeln. Seit 1981 wird im Rahmen des Golf-Kooperations-Rates eine verstärkte wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten angestrebt.

Trotz der weitreichenden Modernisierung der Gesellschaft hat eine Liberalisierung des politischen Lebens bisher nicht stattgefunden. Weiterhin ist Qabus Premier-, Verteidigungs-, Finanz- und Außenminister. Seit 1991 besteht ein beratender Staatsrat, dessen Mitglieder auf der lokalen Ebene bestimmt werden.

Qabus rief 1976 ein Projekt ins Leben, um die im Oman 1972 ausgerotteten schneeweißen arabischen Oryx-Antilopen (Oryx leucoryx) wieder in der omanischen Wüste anzusiedeln. Außerdem stiftete er den „Sultan Qaboos Environment Prize“, der alle zwei Jahre von der UNESCO für Verdienste um den Umweltschutz verliehen wird. Im Jahr 2007 wurde das Projekt "Arabian Oryx Sanctuary" jedoch wieder eingestellt, das Projekt ist mittlerweile (März 2014) in der nahegelegenen Stadt Hayma bei Bevölkerung und Lokalpolizei auf Nachfrage nicht einmal mehr bekannt.

Im März 2011 kündigt Qabus nach Demonstrationen in Maskat Verfassungsreformen an. Der Oman soll von einer absoluten Monarchie zu einer konstitutionellen Monarchie umgestaltet werden.[8]

Persönliches[Bearbeiten]

Sultan Qabus gilt als liberaler Muslim der ibaditischen Richtung. Die Ibaditen stellen im Oman traditionell die Herrscher. Durch die starke Zuwanderung von sunnitischen Einwanderern ist heute jedoch unklar, ob die Ibaditen noch die Mehrheit im Oman stellen. Sultan Qabus hat den Bau zahlreicher Moscheen (u. a. die Große Sultan-Qabus-Moschee im Stadtteil Busher von Maskat, die Sultan-Qabus-Moschee in Salala, die Said-ibn-Taimur-Moschee im Stadtteil Al-Khuwair in Maskat (im Andenken an seinen Vater) oder die Mazun-Moschee (in Andenken an seine Mutter)), aber auch den von Versammlungsstätten anderer Religionsgemeinschaften finanziert.

Sultan Qabus heiratete am 22. März 1976 in Maskat seine Cousine Prinzessin Sayyida Kamila bint Tariq Al Sa'id (* 20. November 1951). Die kinderlose Ehe wurde allerdings nach kurzer Zeit geschieden, seither hat Qabus nicht wieder geheiratet. Die Nachfolge und damit der Fortbestand der Sa'id-Dynastie und der Monarchie für die Zukunft sind jedoch in der omanischen Verfassung von 1996 geregelt.

Königliche Anwesen und Jachten[Bearbeiten]

Sultan Qabus verfügt über insgesamt acht königliche Palastanlagen (beispielsweise der Qasr al-Alam in Maskat) sowie eine königliche Jacht nebst Begleitschiff.

Literatur über Sultan Qabus[Bearbeiten]

  • John Peterson: Oman in the Twentieth Century. Political Foundations of an emerging State. Croom Helm u. a., London u. a. 1978, ISBN 0-85664-629-6.
  • Calvin H. Allen: Oman. Modernization of the Sultanate. Westview Press u. a., Boulder CO u. a. 1987, ISBN 0-7099-5106-X (Profiles. Nations of the contemporary Middle East).
  • Jill Crystal: Oil and Politics in the Gulf. Rulers and Merchants in Kuwait and Qatar. Cambridge University Press, Cambridge u. a. 1990, ISBN 0-521-36639-9 (Cambridge Middle East library 24).
  • Ian Skeet: Oman. Politics and Development. Macmillan, Basingstoke 1992, ISBN 0-333-56941-5.
  • F. Gregory Gause III.: Oil Monarchies. Domestic and security Challenges in the Arab Gulf States. Council on Foreign Relations Press, New York NY 1994, ISBN 0-87609-151-6.
  • Carol Riphenburg: Oman. Political Development in a Changing World. Praeger, Westport CN u. a. 1998, ISBN 0-275-96144-3.
  • Calvin H. Allen Jr., W. Lynn Rigsbee II.: Oman under Qaboos. From Coup to Constituion 1970–1996. Cass, London u. a. 2000, ISBN 0-7146-5001-3.
  • Sergey Plekhanov: Ein Reformer auf dem Thron. Sultan Qabus bin Said Al Said. LINDEN SOFT, Aichwald 2012, ISBN 978-3-929290-40-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1st Infantry Battalion des Scottish Cameronian Regiment der 11th Brigade.
  2. Vgl. Sergey Plekhanov: A Reformer on the Throne: Sultan Qaboos bin Said Al Said. Trident Press, London:2004, S. 82 ff.
  3. Vgl. Calvin H. Allen, Rigsbee II, W. Lynn: Oman under Qaboos: From Coup to Constituion 1970–1996. Cass, London, Portland (OR) 2000, ISBN 0-7146-5001-3.
  4. Vgl. Website des Außenministeriums mit der offiziellen Biographie des Sultans.
  5. Vgl. Tony Jeapes: SAS Secret War: Operation Storm in the Middle East. Grennhill Books/Stakpole Books, London/Pennsylvania 2005, ISBN 1-85367-567-9, S. 28.
  6. Andere Schreibweisen: Bareik bin Hamud oder Braik bin Hamoud; er wurde nach dem Staatsstreich zum Wali des Gouvernements Dhofar ernannt.
  7. Vgl. Tony Jeapes: SAS Secret War: Operation Storm in te Middle East. Grennhill Books/Stakpole Books, London/Pennsylvania 2005, ISBN 1-85367-567-9, S. 29.
  8. NZZ:Sultan von Oman kündigt Reformen an

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Qaboos of Oman – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien