Qalandar

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Qalandar ist der Name, der einer bestimmten Gruppe von Derwischen gegeben wurde, die einst vor allem im 13. Jahrhundert in der islamischen Welt von Zentralasien bis Marokko existierte. Sie ähnelten in gewisser Weise der Hippie-Bewegung, indem sie sich von anderen Muslimen durch die malāmatiyya-Lehren sowie durch Kleidung, Verhalten und Lebensweise absonderten.

Die Herkunft des Begriffes ist bisher nicht erklärt: er taucht erstmals in einer rubāʿī des Baba Ṭāhir ʿUryānī auf sowie in einer kurzen Abhandlung mit dem Titel Ḳalandar-nāma („Buch der Qalandar“) des bekannten Ṣūfī ʿAbdallāh Anṣārī († 1088/89). In der arabischen Literatur findet man die Formen karandal und qalandar. Die bisher vorgebrachten Vermutungen führen das Wort beispielsweise auf das persische kalandar „hässlicher, ungeschickter Mann“, kalāntar von kalān „enorm, groß“ oder auf das griechische kaletor von der Wurzel kaleo zurück. Im Türkischen erhielt qalandar die Bedeutungen:

  1. „ein Derwisch, der sich von der Welt zurückgezogen hat und wie ein Vagabund umherwandert“;
  2. „ein Mann, der allen weltlichen Dingen entsagt und die Wahrheit gesehen hat“;
  3. „ein Philosoph“.

In türkischen Werken findet man lebendige und detaillierte Beschreibungen zum äußeren Erscheinungsbild der Qalandar. Im Ḫwāǧa-i Ǧihān wa natīǧa-i ǧān des türkischen Schreibers Wāḥidī aus dem 16. Jahrhundert beschreibt man sie als glattrasiert, mit rasierten Augenbrauen und kahlem Schädel, einem kegelförmigen Hut aus gewebtem Tierhaar auf dem Kopf sowie einem gelben oder schwarzen Tuch, eine Trommel und ein Banner vor sich her tragend.

Es gibt große Ähnlichkeiten zwischen den Qalandar und den Ḥaidarī, Ǧāmī und Bektāšī Gruppen, die sich hinsichtlich ihrer äußeren Erscheinung unterschieden, aber einer ähnlichen Lebensweise nachgingen. In osmanischen Texten wird das Wort qalandar auch gleichbedeutend mit anderen Begriffen (ışık, torlak) gebraucht. Im Punjab bedeutet kalender „einen Mann, der einen Schau-Affen trainiert“.

Literatur[Bearbeiten]

  • Tahsin Yazici: Ḳalandar. In: EI², Bd. IV (1978), S. 472–473.