Qaraghandy
| Qaraghandy / Karaganda Қарағанды (kas.) Караганда (russ.) |
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| Staat: | ||
| Gebiet: | Qaraghandy | |
| Gegründet: | 1931 | |
| Koordinaten: | 49° 50′ N, 73° 10′ O49.83333333333373.166666666667546Koordinaten: 49° 50′ 0″ N, 73° 10′ 0″ O | |
| Höhe: | 546 m | |
| Fläche: | 497,8 km² | |
| Einwohner: | 479.200 (1. Dezember 2012)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 963 Einwohner je km² | |
| Zeitzone: | EKST (UTC+6) | |
| Telefonvorwahl: | (+7) 7212 | |
| Postleitzahl: | 100000-100030 | |
| Kfz-Kennzeichen: | M | |
| Gemeindeart: | Gebietshauptstadt | |
| Äkim (Bürgermeister) : | Smagulov Mejram Ahmedijanovich (Nur Otan) | |
| Webpräsenz: | ||
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Qaraghandy (kasachisch Қарағанды/Qarağandı; russisch Караганда/Karaganda, deutsch zumeist ebenfalls Karaganda) ist die Hauptstadt des Gebiets Qaraghandy (Qaraghandy Oblysy) in Kasachstan. Mit 479.200 Einwohnern (1. Dezember 2012) ist sie derzeit die viertgrößte Stadt Kasachstans (hinter Almaty, Astana und Schymkent).
Inhaltsverzeichnis |
Namensherkunft [Bearbeiten]
Der Ursprung des Stadtnamens ist umstritten. Eine Theorie besagt, dass das in der dortigen Gegend verbreitete Karagana-Gebüsch für die Stadt namensgebend war. Eine andere Theorie besagt, dass das Kohlevorkommen für die Stadt namensgebend sei.
Geographie [Bearbeiten]
Geographische Lage [Bearbeiten]
Die Stadt mit einer Fläche von 497,8 Quadratkilometern[2] liegt im nördlichen Teil des Gebietes Qaraghandy auf der Kasachischen Schwelle (Saryarka) durchschnittlich 546 Meter über dem Meeresspiegel. Südöstlich der Stadt erhebt sich das Bergmassiv Karkaraly mit dem höchsten Berg Aksoran. Das Gebiet um Qaraghandy, das zahlreiche Bodenschätze aufweist, ist steppenhaft gegliedert.
Wasserressourcen [Bearbeiten]
Seit 1971 wird die Stadt über den Irtysch-Qaraghandy-Kanal mit Wasser versorgt.
Klima [Bearbeiten]
Das Klima in Qaraghandy ist extrem kontinental. Die tiefste registrierte Temperatur war −42.9 °C im Jahre 1938.[3]
| Qaraghandy | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Klimadiagramm | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Qaraghandy
Quelle: wetterkontor.de
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Geschichte [Bearbeiten]
Historischer Überblick [Bearbeiten]
Gegründet wurde der Ort 1856 als Siedlung für die Gewinnung von Kupfer. Der kleinräumige Kohleabbau diente zur Belieferung der nahegelegenen Kupferhütte. In stalinistischer Zeit Ende der 1920er Jahre begann im Wesentlichen durch zahlreiche Häftlinge die großräumige Erschließung der Kohlelagerstätten und der Aufbau der Stadt.
Am 10. März 1932 erfolgte die Gründung des Karagandaer Gebietes mit dem Zentrum in Petropawlowsk. Innerhalb kürzester Zeit entstanden in Karaganda ein gigantischer Industriekomplex und eine städtische Zivilisation. Am 6. Februar 1934 bekam der Ort die Stadtrechte verliehen. Zur Hauptstadt des Karagandaer Gebietes wurde die Stadt am 20. Juli 1936 (Siehe Liste der kasachischen Hauptstädte).
Laut Alexander Solschenizyn war Karaganda „die größte Provinzhauptstadt des Archipel Gulag“, der sowjetischen Zwangsarbeitslager. Zum dortigen Gulag-System gehörten folgende Lager:
- Karaganda-ITL (Dolinka), 1931–1959, bis zu 66.000 Personen,[4]
- ITL der Karaganda-Kohle, 1943–1944, bis zu 3.000 Personen,[5]
- Saraner ITL, 1945, bis zu 1.500 Personen,[6]
- ITL des Wohnungsbaus Karaganda, 1946–1948, bis zu 3.200 Personen,[7]
- Sandlager (Sonderlager Nr. 8), 1949–1955, bis zu 39.700 Personen, Inhaftierungsort Solschenizyns[8]
- Wiesenlager (Sonderlager Nr. 9) (Spasski), 1949–1951, bis zu 12.800 Personen.[9]
Darüber hinaus bestand in Karaganda das Kriegsgefangenenlager 99 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs, das 1949 in eines der Sonderlager des Gulag umgewandelt wurde.[10]
Am 22. Oktober 1962 erlitt Qaraghandy den stärksten elektromagnetischen Impulseffekt (EMP), der in der Geschichte beobachtet wurde. Ursache war der Test einer sowjetischen Kernwaffe von 300 Kilotonnen bei 290 Kilometern Höhe über Schesqasghan. Der als Folge von intensiver Gammastrahlung durch den Test Nr. 184 verursachte EMP überlastete ein 1.000 Kilometer langes flaches Energiekabel mit einem Strom von 2.500 Ampere. Das elektrische Kraftwerk der Stadt fing Feuer, alle Sicherungen brannten durch.
Im Februar 1983 wurde der 600.000. Bewohner der Stadt geboren.
Im Dezember 1986 entschied das Plenum der ZK der Kasachischen SSR, den langjährigen Ersten Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei von Kasachstan und Mitglied des Politbüro der Kommunistischen Partei der Sowjetunion Dinmuchamed Kunajew aufgrund von Unregelmäßigkeiten seines Amtes in der Kasachischen Sowjetrepublik gegen Gennadi Kolbin auszutauschen, der das Land, die Leute und die Sprache nicht kannte. Daraufhin demonstrierten auf einer Kundgebung am 19. Dezember zwischen 80 und 120 Studenten und am 20. nochmals etwa 300 gegen die Willkür des Zentralkomitees. Daraufhin wurden 5 Studenten verhaftet und 54 vom Studium suspendiert (Scheltoksan-Unruhen).
Bevölkerung [Bearbeiten]
Nationalitäten [Bearbeiten]
Die Bevölkerung Qaraghandys zählte rund 150 Nationalitäten. Qaraghandy ist Herkunftsort von etwa 100.000 russlanddeutschen Aussiedlern in Deutschland. Ihr Anteil dürfte in den 1940er Jahren über 70 Prozent der Bevölkerung der Stadt betragen haben.
Gegenwärtige Zusammensetzung (2010): Russen 45,57 %, Kasachen 36,25 %, Ukrainer 4,80 %, Deutsche 3,31 %, Tataren 3,05 %, Koreaner 1,57 %, Weißrussen 1,16 %[11]
Einwohnerentwicklung [Bearbeiten]
In sowjetischer Zeit stieg die Bevölkerungszahl von 118.900 im Jahre 1933 auf den Höchststand von 613.797 im Jahre 1989. Bei der Volkszählung am 25. Februar 2009 lebten 459.778 Menschen in Qaraghandy. Der Einwohnerverlust seit 1989 beträgt 25,1 Prozent.[12]
Die folgende Übersicht zeigt die Entwicklung der Einwohnerzahlen seit 1933.
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Religionen [Bearbeiten]
Karaganda ist der Sitz des römisch-katholischen Bistums Karaganda. Außerdem gibt es in Karaganda eine Evangeliumschristen-Baptistengemeinde, die 1948 gegründet wurde, und eine Mennoniten-Brüdergemeinde, die 1957 gegründet wurde.
Kultur und Sehenswürdigkeiten [Bearbeiten]
Zu den Sehenswürdigkeiten gehören das Dramaturgische Theater, das Musikalische Theater der Komödie, die Eissporthalle und der Zoologische Garten. Ein Wahrzeichen der Stadt ist der Palast der Kultur der Bergarbeiter. Der Zirkus Qaraghandy ist ein stationärer Zirkus, der seit 1982 existiert.
In der Stadt stehen die Statuen des Schriftstellers Alexander Puschkin und des Kampfpiloten und Helden der Sowjetunion Nurken Abdirow (1919–1943), sowie eine Büste des Schriftstellers Nikolai Gogol.
Zu sehen sind auch zahlreiche breite Straßen und mehrere Parks. Die Stadt verfügt über zwei Kathedralen, die Russisch-Orthodoxe Wwedenski-Kathedrale und die Römisch-Katholische Kathedrale Mutter aller Nationen. Auch einige Moscheen gibt es in Qaraghandy.
Sport [Bearbeiten]
Fußball [Bearbeiten]
Das 19.000 Zuschauer fassende Schachtjor-Fußballstadion ist Spielstätte von Schachtjor Qaraghandy. Die Mannschaft spielt in der ersten kasachischen Fußball-Liga. 2011 und 2012 wurde die kasachische Meisterschaft gewonnen.
Eishockey [Bearbeiten]
Die Eishockeymannschaft HK Saryarka Karaganda, die an Stelle des bereits in den 90-ern aufgelösten Awtomobilist Karaganda die Stadt vertritt, nimmt neben der Kasachischen Meisterschaft seit der Saison 2012/13 am Spielbetrieb der Wysschaja Hockey-Liga, der zweithöchsten russischen Spielklasse, teil. Der Verein trägt seine Heimspiele im 5.500 Zuschauer fassendem Karaganda-Arena aus.
Wirtschaft [Bearbeiten]
Industrie [Bearbeiten]
Die Stadt ist der zweitwichtigste Industriestandpunkt in Kasachstan nach Almaty. Vor allem die riesigen Kohlevorkommen haben ihr diesen Status gesichert. In Qaraghandy hat das Kohlebergbauunternehmen Schubarkol Komir seinen Hauptsitz und betreibt in der Nähe auch ein Kohlebergwerk. Bedeutend ist weiterhin die Metallindustrie, der Maschinenbau, die Chemieindustrie und Lebensmittelindustrie. Zwei große fossile Wärmekraftwerke befinden sich in dem Gebiet.
Landwirtschaft [Bearbeiten]
In den weiten Steppen- und Halbwüstengebieten um Qaraghandy ist Viehzucht, besonders Schafzucht stark entwickelt. Es werden auch Rinder und Schweine gehalten und Weizen angebaut. In der Umgebung wird Gemüseanbau betrieben; vor allem von Kartoffeln. Es kommen vereinzelt kleine Sonnenblumenplantagen und Obstgärten vor.
Verkehr [Bearbeiten]
Flughafen [Bearbeiten]
Qaraghandy besitzt den Internationalen Flughafen „Sary-Arka“ (Сары-Арка) mit dem IATA-Code KGF. Regional ist die Stadt täglich [13] mit der früheren Hauptstadt Almaty durch die Air Astana verbunden.
Öffentlicher Personennahverkehr [Bearbeiten]
Die Hauptlast des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) tragen dieselbetriebene Omnibusse. Der Trolleybus-Betrieb wurde am 30. Mai 1967 eröffnet.
Eisenbahn [Bearbeiten]
Qaraghandy ist an die Turkestan-Sibirische Eisenbahn angeschlossen. Die Bahnverbindung und die zentrale Lage innerhalb Kasachstans mit dem größten Rangierbahnhof des Landes sind günstige Voraussetzungen für die wirtschaftliche Weiterentwicklung. Es bestehen direkte internationale Personenzugverbindungen nach Moskau zum Kasaner Bahnhof und nach Kiew.
Straßenbahn [Bearbeiten]
Zwischen dem 25. August 1950 und September 1997 fuhr in der Stadt eine elektrische Straßenbahn. Drei Linien wurden betrieben:
- Staryj Gorod – Nowyj Gorod (1950–1978)
- Staryj Gorod – Schachta Nr.70 (?–1976)
- Schachta 33/34 – Maikuduk, Kombinat Strojplassmass (1982–1997)
Anfangs wurden die Linien mit KTM-1 betrieben. Zwischen 1982 und 1984 wurden 12 KTM-5 nach Karaganda geliefert.
Fernstraße [Bearbeiten]
Durch Qaraghandy verläuft die Fernstraße M36.
Bildung [Bearbeiten]
Die Stadt beherbergt mehrere Hochschulen, Universitäten (Staatliche Universität Qaraghandy, Medizinische Akademie, Technische Universität), Fachschulen, Kollegs und Bibliotheken. Außer den staatlichen Bildungseinrichtungen gibt es auch private Hochschulen, u.a. die Kazpotrebsoyuz Wirtschaftsuniversität Karaganda.
Persönlichkeiten [Bearbeiten]
Söhne und Töchter der Stadt [Bearbeiten]
Qaraghandy ist Geburtsort zahlreicher prominenter Persönlichkeiten.
Namhafte Häftlinge [Bearbeiten]
- Margarete Buber-Neumann, deutsche politische Publizistin
- Nicetas Budka, ukrainischer griechisch-katholischer Bischof
- Jewgenija Ginsburg, russische Historikerin und Schriftstellerin
- Lew Gumiljow, russischer Historiker und Ethnologe
- Wojciech Jaruzelski, polnischer Politiker und General
- Wera Jermolajewa, russische Malerin
- Alexander Jessenin-Wolpin, russisch-amerikanischer Mathematiker
- Reinhart Koselleck, deutscher Historiker
- Christian Rakowski, sowjetischer Diplomat
- Kurt Rosenkranz, österreichischer Erwachsenenbildner
- Nikolai Urwanzew, sowjetischer Geologe und Polarforscher
- Heinrich Vogeler, deutscher Künstler
- Helmut Weiß, deutscher Schriftsteller
Siehe auch [Bearbeiten]
Literatur [Bearbeiten]
- Karl-Johann Hering: Unter grauen Wölfen. Lager Karaganda, Erinnerungen 1944-1949. Zeitgut-Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-933-33687-2.
- Werner Weiss: Karaganda. Fouque-Literaturverlag, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-865-48557-X.
- Günter Ochs: Ungewollt nach Kasachstan. Erlebnisse eines Jugendlichen am Ende des II. Weltkrieges, Gefangenschaft – Gefängnis – Straflager II KZ Buchenwald und Arbeitslager in Karaganda, Kasachstan. Eigenverlag, Darmstadt, ISBN 3-980-49771-2.
- Wolfgang Leonhard: Die Revolution entläßt ihre Kinder - Kapitel IV. Zwangsumsiedlung nach Karaganda. Kiepenheuer & Witsch, Köln-Berlin 1961.
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Stadt Qaraghandy: О городе Караганда (russisch)
- ↑ Karaganda-akimat.kz: Über die Stadt Qaraghandy
- ↑ Klima in Karaganda
- ↑ Karaganda-ITL im Internetportal GULAG des MEMORIAL Deutschland e. V.
- ↑ ITL der Karaganda-Kohle im Internetportal GULAG des MEMORIAL Deutschland e. V.
- ↑ Saraner ITL im Internetportal GULAG des MEMORIAL Deutschland e. V.
- ↑ ITL des Wohnungsbaus Karaganda im Internetportal GULAG des MEMORIAL Deutschland e. V.
- ↑ Sandlager im Internetportal GULAG des MEMORIAL Deutschland e. V.
- ↑ Wiesenlager im Internetportal GULAG des MEMORIAL Deutschland e. V.
- ↑ Erich Maschke (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962–1977.
- ↑ http://www.stat.kz/publishing/DocLib4/2010/Демография/Bull_Hsany2010.rar
- ↑ Pop-stat.mashke.org: Cities & towns of Kazakhstan
- ↑ Flugverbindung nach Almaty
Weblinks [Bearbeiten]
- Offizielle Stadtseite
- Nachtkulturundgeschichtszeit
- Diözese Karaganda
- Lager Karlag
- Lager Spassk 7099
- Karaganda Bilder und Fotos von karaganda.de
- Straßenbahn in Karaganda
Städte: Abai | Balqasch | Schesqasghan | Qaraghandy | Qaraschal | Qarqaraly | Priosersk | Saran | Sätbajew | Schachtinsk | Temirtau
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