Quadrath-Ichendorf

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50.93523146.681096781Koordinaten: 50° 56′ 7″ N, 6° 40′ 52″ O

Quadrath-Ichendorf
Stadt Bergheim
Höhe: 81 m
Fläche: 9,68 km²
Einwohner: 14.067 (31. Dez. 2013)
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 50127
Vorwahl: 02271

Quadrath-Ichendorf?/i ist, bedingt durch die ehemalige Industrie, der größte und bevölkerungsreichste Stadtteil der Kreisstadt Bergheim im Rhein-Erft-Kreis in Nordrhein-Westfalen. Er liegt beiderseits der Erft und bis an den Villehang.

Am 31. Dezember 2010 lebten 14.219 Menschen im Doppelort. Der Ort ist durch die Gestüte Schlenderhan und Pliesmühle überregional bekannt.

Geschichte[Bearbeiten]

Quadrath sowie Ichendorf wurden erstmals im 11. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Seit dem Mittelalter gehörten die Orte Anfang des 11. Jahrhunderts der Grafschaft, dann 1356 dem Herzogtum Jülich an. Die Grenze zum Kurfürstentum Köln verlief einige Kilometer östlich - der Nachbarort Königsdorf gehörte bereits zum selbigen. Auf Karten des Kartografen und Kupferstechers Gerhard Mercator ist ab 1585 erstmals der Ortsteil „Quaetraet“ (Quadrath) zu sehen. „Ichendorp“ (Ichendorf) ist beispielsweise im Atlas Atlas Maior von Blaeu aus 1645 (Karte „Iuliacensis et Montensis Ducatus“) zu finden. Nach dem Aussterben des Jülicher Fürstenhauses nach 1609 wurde der Ort wie das gesamte Herzogtum Wittelsbacher, also Kurpfälzischer, Besitz. Dem kurzen Intermezzo der französischen Besatzung (ab 1794) der westlichen Rheinlande folgte durch den Wiener Kongress (1815) die Angliederung an Preußen.

Durch den Fund von Braunkohle in unmittelbarer Ortsnähe wurde aus dem Bauerndorf ein Industrieort. Die Braunkohlegruben versorgten eine Brikettfabrik, von der heute noch Teile an der B 55 erhalten sind. Mit dem Martinswerk (ehemals Aluminiumhersteller) siedelte sich 1913 das erste Werk der chemischen Industrie an, das Energie und elektrischen Strom der Werke des Rheinischen Braunkohlereviers nutzt für seine chemischen Spezialprodukte auf der Basis von Aluminiumhydroxid und Aluminiumoxid.[1] Die energieintensive Ichendorfer Glashütte wurde 1898/1899 gegründet, sie war ein bedeutender Glashersteller, der bis 1986 in alle Welt exportierte. 2007 wurde mit der Rekultivierung des Braunkohletagebaues Bergheim-Fortuna begonnen, der unmittelbar an der nord-östlichen Ortsgrenze beginnt.

Durch die Erftbahn ist der Ort seit 1896 an das Schienennetz angeschlossen.

Am 1. Januar 1975 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Quadrath-Ichendorf im Kreis Bergheim (Erft) in die Kreisstadt Bergheim eingegliedert.[2]

Kultur[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Kirche[Bearbeiten]

St. Laurentius
Ansicht der Petrikirche von Südwesten

Die katholische Kirche besitzt in beiden Ortsteilen eine Pfarrgemeinde: St. Laurentius und Heilig Kreuz. Die evangelische Petri-Kirche steht an der Grenze zwischen Quadrath und Ichendorf. Außerdem besitzt Quadrath-Ichendorf auch eine Moschee in Form eines umgebauten Fest- bzw. Tanzsaals mit Baujahr ca. 1900–1910 und einen Friedhof.

Die evangelische Kirchengemeinde Quadrath-Ichendorf nutzt die 1969 eingeweihte Petrikirche als Kirchengebäude. Sie wurde in den Jahren 1968 bis 1969 durch den Bedburger Architekten Karl Sander geplant und gebaut, der Entwurf für die Verglasung stammt von dem Kölner Künstler Rudolf Alfons Scholl und die Orgel wurde von Willi Peter aus Köln gebaut und aufgestellt.

Bildung und Soziales[Bearbeiten]

In Quadrath-Ichendorf gibt es eine städtische Gesamtschule, zwei Grundschulen und mehrere Kindergärten. Für Jugendliche gibt es in der Nähe des Schwimmbades ein Jugendzentrum. Der Ausländeranteil liegt bei 15,6 Prozent.

Vereine[Bearbeiten]

Der Verein Ichendorfer Glasmuseum erinnert an die ehemals bedeutende Produktion der Ichendorfer Glashütte [3]

Sport[Bearbeiten]

Im Ort liegt das Freibad Oleanderbad, außerdem gibt es einen Sportplatz, eine Tennisanlage und mehrere Sporthallen. Überregional bekannter Sportverein ist der Radsportclub Staubwolke. Im 1.FC Quadrath-Ichendorf kann man außer Fußball viele andere Sportarten wie Turnen, Schwimmen, Fechten etc. ausüben.

Altenbetreuung[Bearbeiten]

Quadrath-Ichendorf verfügt über ein Altersheim sowie zahlreiche entsprechend den Bedürfnissen von Rentnern errichtete Wohnungen. Die Ichendorfer Pfarrgemeinde Heilig-Kreuz bietet einen wöchentlichen Seniorennachmittag mit Gottesdienst und Kaffeetrinken an. Ferner veranstaltet der AWO-Ortsverein Quadrath-Ichendorf regelmäßig ein Treffen der Rentner in der Feierabendstube.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Nach Auslaufen der Braunkohlenindustrie bleibt im Wesentlichen an Industrie noch das Martinswerk.

Konsum[Bearbeiten]

Auf Grund der Ausdehnung des Ortes gibt es mehrere Geschäftszentren, in denen die Dinge des täglichen Bedarfs erworben werden können. Besonders hervorzuheben sind hierbei der Quadra-Park, der zu einem Einkaufszentrum mit vielen Geschäften ausgebaut wurde, sowie zwei Discounter, die in Quadrath-Ichendorf Filialen betreiben. Des Weiteren verfügt der Ort über zwei Drogeriegeschäfte, die wegen ihrer guten Lage auch von auswärtigen Personen besucht werden. Außerdem befinden sich auf der Köln-Aachener-Straße viele kleinere und größere Fachgeschäfte.

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhaltepunkt Quadrath-Ichendorf

Durch den Ort führt die B 55. Die Zufahrt zur A 61 (Bergheim-Süd) befindet sich in unmittelbarer Ortsnähe. Durch die Rhein-Erft-Verkehrsgesellschaft und die Erftbahn ist ein gut ausgebauter ÖPNV vorhanden. Die Buslinie 969 hat zudem auch innerörtliche Bedeutung, da sie die Gebiete südlich der Bahnlinie an den Bahnhof und an das dortige Geschäftszentrum anbindet.

Söhne und Töchter[Bearbeiten]

  • Der Tänzer, Ballettmeister und Tanzpädagoge Peter Roleff wurde 1906 in Quadrath-Ichendorf geboren. Er starb 1994 in Neubeuern/Oberbayern. Roleff hatte unter anderem Engagements an der Städtischen Oper Berlin, in Augsburg, Duisburg, Bonn und Wiesbaden. Außerdem wirkte er in den Filmen Der Kongreß tanzt, Kleider machen Leute und Die Post geht ab mit. 1960 wurde im Deutschen Fernsehen sein Ballett Diana Sorpresa (Musik Harald Banter) gesendet.
  • Paul Roleff, geboren am 15. April 1873 in Quadrath-Ichendorf, Fotograf, Erbauer von Haus Roleff (1905), hinterließ ein großes Archiv, die Glasnegative wurden z. T. vernichtet, ein Teil befindet sich im Archiv der Stadt Bergheim, ein anderer in privater Hand. Postkarten von Paul Roleff werden heute noch gehandelt und sind an seiner Signatur "PR" im Quadrat zu erkennen.
  • Die Sängerin und Schauspielerin Andreja Schneider wuchs in Quadrath-Ichendorf auf.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Martinswerk
  2.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 300.
  3. www.ichendorfer-glasmuseum.de

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Quadrath-Ichendorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien