Qualitätskorrigiertes Lebensjahr

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Ein qualitätskorrigiertes Lebensjahr (englisch quality adjusted life year oder QALY) ist eine Kennzahl für die Bewertung eines Lebensjahres in Relation zur Gesundheit. Ein QALY von 1 bedeutet ein Jahr in voller Gesundheit, während ein QALY von 0 einem Versterben entspricht. QALY ist damit ein Nutzwert für ein Leben(-sjahr). Der QALY ist die meistgenutzte Kennzahl in der gesundheitsökonomischen Evaluation.

Ziel der QALYs[Bearbeiten]

Ziel dieser Kennzahl der Versorgungsforschung ist es, das subjektive Gut Gesundheit in eine messbare Kennzahl zu überführen, um Kosten-Nutzen-Analysen durchführen zu können. Im Gegensatz zu einfacheren Kosten-Kosten- oder Kosten-Effektivitätsanalysen führt der QALY verschiedene Dimensionen von medizinischen Outputs zusammen und erlaubt so im Gegensatz zu den einfacheren Konzepten auch den Vergleich von Behandlungen über verschiedene Diagnosen hinweg (Interindikationsvergleich). Dadurch wird es theoretisch möglich, eine transparente Rationierungsentscheidung zu treffen: Eine medizinische Maßnahme wird bezahlt, so lange sie eine Grenze von x EUR / QALY nicht überschreitet. Ein solcher Schwellenwert ist bisher nirgendwo explizit festgelegt worden, vielmehr wird mit Intervallen gearbeitet. Eine Schätzung geht davon aus, dass der Schwellenwert des englischen NICE (National Institute for Health and Clinical Excellence) zwischen 20.000 GBP und 30.000 GBP liegt. Allerdings werden auch immer wieder Maßnahmen bewilligt, deren Kosten je QALY deutlich über diesem Wert liegen.[1]

Herleitung der Kennzahl[Bearbeiten]

Eine mögliche Herleitung des QALY ist durch den sogenannten Time-Trade-Off möglich: „Wie viele Jahre von meinem Leben bin ich bereit, abzugeben, wenn ich dafür stets ohne jedwede gesundheitliche Einschränkungen leben kann.“ Die verbleibenden Jahre entsprechen dem persönlichen QALY. Dabei wird der Befragte vor die Wahl zwischen einem Zustand mit eingeschränkter Lebensqualität – keiner spezifischen Diagnose – für den Rest seiner statistischen Lebenserwartung und einer Zeitspanne x in vollkommener Gesundheit und anschließendem Tod gestellt. Die Zeitspanne x wird so lange variiert, bis der Befragte zwischen beiden Zuständen indifferent ist.[2]

Der QALY ist ein extra-welfaristisches Konzept; es wird nur eine Maximierung innerhalb des Gesundheitswesens angestrebt, ob ähnliche Effekte auch durch andere Maßnahmen zu geringeren Kosten erreicht werden können, wird nicht hinterfragt. Für eine solche Kosten-Nutzen-Analyse sind Konzepte entwickelt worden, die den gesundheitlichen Nutzen monetär bewerten. Die Ermittlung dieser Werte ist aber noch problematischer als die Ermittlung der QALYs, so dass sich diese Konzepte bisher nicht durchgesetzt haben.[3]

Kritik am QALY-Konzept[Bearbeiten]

Der QALY ist eine Annäherung zur einheitlichen Bewertung von Gesundheitsleistungen, bei der eine Ressourcenverwendung im Gesundheitssektor effizient dargestellt wird. Jedoch ist, obwohl das Vergleichsproblem verschiedener Indikationen und der Interessenkonflikt zwischen Wirtschaftlichkeit und Finanzierbarkeit behoben sind, die Kennzahl nicht unumstritten. Es gibt zum einen methodische Argumente, die an den QALYs zweifeln lassen und zum anderen auch ethische Meinungen, die das Konzept kritisieren.

Zu den methodischen Gegenargumenten gehört, dass trotz einer einheitlichen Verwendung des Time-Trade-Off-Instruments verschiedene Studien äußerst unterschiedliche Ergebnisse über die Abschätzung der Lebensqualitätseffekte bei den Probanden ergeben. Die dargelegten Szenarien, bei denen sie Auskunft darüber geben sollen, wie viel Lebenszeit sie bereit wären abzugeben, um im Gegenzug vollständige Lebensqualität zu erhalten, sind nicht identisch. Dies führt zu einer nur bedingten Vergleichbarkeit. Außerdem sind kleinere Veränderungen der Lebensqualität derzeit noch nicht messbar nachzuweisen. Daher könnte der QALY nicht korrekt berechnet sein und somit zur Verschleierung der tatsächlichen Präferenzen von Patienten führen.

Hinzu kommt, dass der Nutzenzuwachs von 0,1 QALYs bei einem schwer erkrankten Patienten und einem nahezu gesunden Menschen – der bereits eine Lebensqualität von 0,9 QALYs aufweisen kann – gleichgesetzt werden. Nach dem Gesetz des abnehmbaren Grenznutzens ist jedoch davon auszugehen, dass eine geringe Verbesserung des Gesundheitszustandes umso besser bewertet wird, je schlechter der Allgemeinzustand vorher war. Dieser Aspekt findet im QALY-Konzept keine Berücksichtigung. Überdies besteht hierbei unter ethischen Gesichtspunkten der Vorwurf der Diskriminierung von Kranken oder auch Behinderten. Ältere Menschen werden aufgrund der Einbeziehung der Lebenserwartung in die QALY-Berechnung ebenfalls benachteiligt. Sie können wegen ihrem fortgeschrittenen Lebensalter nur weniger QALYs hinzugewinnen als Jüngere.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Schulenburg/Schöffski [Hrsg.], Gesundheitsökonomische Evaluationen, Springer, Berlin 2007, S. 139 ff.
  2. Schulenburg/Schöffski [Hrsg.], Gesundheitsökonomische Evaluationen, Springer, Berlin 2007, S. 361 ff.
  3. Donaldson C, Thomas R., Torgerson D (1997). Validity of open-ended and payment scale approaches to eliciting willingness to pay. Applied Economics 29: 79–84.

Literatur[Bearbeiten]

  • Schulenburg, J.-M., Graf von der/Greiner, W.: Gesundheitsökonomik, Tübingen 2000, Mohr Siebeck
  • Drummond MF, Sculpher MJ, Torrance GW, O’Brien BJ, Stoddart GL. Methods for the Economic Evaluation of Health Care Programmes. Oxford: Oxford University Press, 2005.