Quality time

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Ein Vater mit seinen Söhnen beim Lesen

Unter Quality time (engl. für „Qualitätszeit“) versteht man im gesellschaftlichen Diskurs des englischsprachigen Raumes, besonders der Vereinigten Staaten, die Zeit, in der man seinen – andernfalls vielleicht vernachlässigten – Kindern, seinem Partner oder seinen Freunden besondere Aufmerksamkeit widmet.[1]

Der umgangssprachliche Ausdruck stammt aus den USA, wo er in den 1970er Jahren gemeinsam mit der Idee Popularität erlangte, dass Familie und Beruf vereinbar seien. Erstmals nachzuweisen ist der Ausdruck im Januar 1973 in einem Artikel der in Maryland erscheinenden Zeitung The Capital.[2] „Quality time“ wird als Zeit angesehen, die ausschließlich der Festigung der menschlichen Beziehungen dient. Es kann sich um Zeit handeln, die mit sozialen Aktivitäten wie gemeinsamem Spielen, Spaziergängen, Gesprächen usw. verbracht wird oder mit der gemeinsamen Vorbereitung einer Mahlzeit.[3] Selten wird der Begriff auch auf die Zeit bezogen, die ein Mensch mit sich allein und eventuell seinem Hobby verbringt, um sich von der Arbeit oder von den Belastungen seines Familienlebens zu erholen,[3] was in vielen Begriffsbestimmungen wegen der fehlenden „bewussten Interaktion“ gerade ausgeschieden wird.[4]

Die amerikanische Soziologin Arlie Russell Hochschild definierte den Ausdruck 2006 folgendermaßen:

„Dem Konzept der Quality Time liegt die Annahme zugrunde, dass sich die Zeit, die wir Beziehungen widmen, irgendwie von der gewöhnlichen Zeit trennen lässt. Natürlich gehen Beziehungen auch während der Quantity Time weiter, aber dann sind wir nur passiv bei unseren Gefühlsbindungen und betreiben sie nicht aktiv, gezielt und nicht von ganzen Herzen.“[5]

Der amerikanische Paar- und Beziehungsberater Gary Chapman versteht in seinem Buch Fünf Sprachen der Liebe „Quality time“ im Sinne von bewusst gelebter Zweisamkeit als eine von fünf verschiedenen Beziehungssprachen, die in Partnerschaften gelebt werden.

Der Ausdruck wird inzwischen, teils übersetzt, auch im deutschsprachigen Raum verwendet.[4] Laut einem Memorandum des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vom Mai 2009 ist Qualitätszeit folgendermaßen einzugrenzen: „Als Qualitätszeit für Familien betrachten wir verlässliche und selbstbestimmte Zeitoptionen, die Familien bewusst für gemeinsame Aktivitäten nutzen. Dabei kann es sich sowohl um gemeinsame Ausflüge oder Spielnachmittage handeln als auch um Aktivitäten, wie etwa gemeinsames Kochen und Essen, solange sie bewusst als Familienzeit wahrgenommen werden. Reine Haushaltstätigkeiten oder Hobbys, bei denen andere Familienmitglieder auch anwesend sind, zählen hingegen nicht dazu. Für uns bemisst sich Zeitwohlstand in bewusster Interaktion, Fürsorge und Zuwendung mit dem Ergebnis von Wohlbefinden.“[6] Familienbezogene Qualitätszeit durch mehr Zeitsouveränität zu ermöglichen sei Aufgabe der Politik, der Wirtschaft und der Gesellschaft, und insbesondere eine Aufgabe der Familienpolitik.[6]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • S. Adams Sullivan: Quality Time Almanac. Main Street Books, 1986, ISBN 0385182937 (engl.).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Cathryn L. Booth, K. Alison Clarke-Stewart, Deborah Lowe Vandell, Kathleen McCartney, Margaret Tresch Owen: Child-Care Usage and Mother-Infant ‘Quality Time’. In: Journal of Marriage and Family, Band 64, Heft 1, Februar 2002, S. 16–26; Pia Haudrum Christensen: Why More ‘Quality Time’ Is Not on the Top of Children’s Lists. The ‘Qualities of Time’ for Children. In: Children & Society, Band 16, Heft 2, April 2002, S. 77‒88; Joseph Price: Parent-Child Quality Time. Does Birth Order Matter? In: The Journal of Human Resources, Band 43, Heft 1, 2008, S. 240–265.
  2. The Phrase Finder: Quality Time. In: Prases.org.
  3. a b What is Quality Time? In: Wisegeek.com.
  4. a b Norbert F. Schneider: Elternschaft in der Moderne ‒ Soziologische Betrachtungen und ihre politischen Implikationen. In: Jürgen Hardt u.a. (Hrsg.): Sehnsucht Familie in der Postmoderne: Eltern und Kinder in Therapie heute. Vandenhoeck & Ruprecht, 2010, ISBN 978-3-525-40328-0, S. 25‒44, hier S. 27 f., besonders Anm. 1, Vorschau auf Google Bücher.
  5. Zitiert von Jennifer Altmann: Die Familie als Betrieb: Wie ein neues Frauenleitbild die Mutter zur Familienmanagerin erniedrigt: Untersuchung eines Ratgebers zur Vereinbarkeitsproblematik. Diplomica, Hamburg 2010, S. 85, online auf Google Bücher.
  6. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatMemorandum Familie leben. Impulse für eine familienbewusste Zeitpolitik. BMFSFJ, abgerufen am 5. Dezember 2009 (PDF; 3,3 MB). S. 6 f.