Quantified Self

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Quantified Self
Quantified self logo.png
www.quantifiedself.com
www.quantified-self.de
Motto self knowledge through numbers

The Quantified Self“ ist ein Netzwerk aus Anwendern und Anbietern von Methoden sowie Hard- und Softwarelösungen, mit deren Hilfe sie z.B. umwelt- und personenbezogene Daten aufzeichnen, analysieren und auswerten. Ein zentrales Ziel stellt dabei der Erkenntnisgewinn u.a. zu persönlichen, gesundheitlich- und sportlichen, aber auch gewohnheitsspezifischen Fragestellungen dar.

Die Mitglieder der Quantified-Self-Bewegung veranstalten in 35 Ländern weltweit in rund 130 Städten[1] regelmäßig stattfindende "Meetups". Kern dieser Treffen sind Erfahrungsberichte von Anwendern über Self-Tracking-Lösungen für Sport, Gesundheit und andere persönliche Bereiche sowie Produktpräsentationen von Startups und etablierten Unternehmen. Die Quantified-Self-Gruppen dienen der Vernetzung von Anwendern, Entwicklern und Anbietern digitaler Produkte für Sport, Gesundheit und andere Bereichen der Nutzung persönlicher Daten.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Website quantifiedself.com wurde 2007 von den amerikanischen Wired-Journalisten Gary Wolf und Kevin Kelly ins Leben gerufen.[3] 2008 versammelten sie einige Gleichgesinnte aus der San Francisco Bay Area, um ihre Self-Tracking-Erfahrung zu diskutieren. Seitdem werden die Erfahrungsberichte und Präsentationen auf der zugehörigen Website veröffentlicht. In den darauf folgenden Jahren entstanden weitere Quantified-Self-Gruppen auf der ganzen Welt. In Europa wurden die ersten Gruppen in Amsterdam und London 2010 gegründet. Seit 2011 finden internationale Konferenzen mit Anwendern, Entwicklern, Journalisten und Unternehmensvertretern aus der Gesundheitsbranche statt. In Deutschland wurden mittlerweile Gruppen in Aachen, Berlin, Hamburg, Köln, München und Stuttgart gegründet und die deutschsprachigen Interessierten tauschen sich in einer Facebook-Gruppe aus.[4] Die Veranstaltungen in der Bay Area und dem Silicon Valley finden mittlerweile im Umfeld der Singularity University und der Stanford University statt und sind zu einem Treffpunkt für zahlreiche Vorreiter in den Bereichen Technologie, Gesundheit und Persönlichkeitsentwicklung geworden.

Hintergrund[Bearbeiten]

Schon lange vor der Entstehung der Quantified-Self-Bewegung gehörte für chronisch Erkrankte oder Spitzensportler das regelmäßige Messen und Dokumentieren von Vitalitätswerten und Aktivitäten zum Alltag. Auch der oftmals mit Quantified Self verbundene Wunsch nach Verbesserung des körperlichen und emotionalen Wohlbefindens ist generations- und zeitunabhängig. Durch die Entwicklung vernetzter Vitalitätssensoren wie Waagen, Blutdruckmessgeräten oder Schrittzählern und das Aufkommen von Smartphone-Apps zur Erfassung von Daten zu Sport und Gesundheit ist es mittlerweile einfacher geworden, die persönliche Entwicklung anhand von Daten nachzuvollziehen und zu steuern. Gary Wolf, Gründer von Quantified Self, bezeichnet das Erfassen von Daten über sich selbst als Spiegel, um sich selbst zu erkennen und zu verbessern.[5]

Neben gesundheitlich und körperlich orientierten Anwendungsbereichen findet der Grundgedanke der Quantified-Self-Bewegung seine Umsetzung auch in der Betrachtung von täglichen Routinen und ihrer Auseinandersetzung mit unserer Umwelt. Alltägliches wie Emailverkehr, die Telefonnutzung oder die Häufigkeit von Meetings können so in den Fokus der Analyse rücken.[6]

Methoden[Bearbeiten]

Self-Tracker verwenden verschiedenste Ansätze, um Daten zu erfassen. Einfache Hilfsmittel wie Tagebücher und Excel-Tabellen zum manuellen Festhalten von Informationen werden zunehmend von Smartphone-Apps und Vitalitätssensoren ersetzt, welche das Erfassen von Daten vereinfachen und für den Massenmarkt zugänglich machen. Neue Geräte wie vernetzte Waagen, Schrittzähler oder Schlafsensoren automatisieren die Datenerfassung und beinhalten meist eine Software zur Visualisierung der Werte. Neben der Erfassung von Daten zur Selbstbeobachtung zielen viele Produkte auf die Selbstmotivation der Anwender ab und versuchen diese zu einem von ihnen angestrebten Verhalten zu motivieren. Hintergrund dieses Effekts sind sogenannte Feedbackschleifen, welche durch Bewusstmachung von Verhalten eine Verhaltensänderung begünstigen[7]. Viele Anhänger der Quantified-Self-Bewegung entwickeln eigene Lösungen zur Sammlung von Daten, experimentieren mit selbst hergestellten Sensoren oder entwickeln eigene Softwareanwendungen. Hierdurch sind die Quantified-Self-Gruppen zu einem Netzwerk von Anwendern, Entwicklern und professionellen Anbietern von Sport- und Gesundheitslösungen sowie anderen Anwendungsfällen persönlicher Daten geworden. Neben der technischen Orientierung der Quantified Self Bewegung, welche das wachsende Feld der Wearables, d.h. der tragbaren oder direkt in Kleidung integrierten Sensoren, thematisiert und nutzt, entstehen auch artverwandte Initiativen. So betrachtet LifeModding schwerpunktartig die Grundsätze der persönlichen Entwicklung, welche mit Hilfe von Methoden zur Verbesserung des allgemeinen Befindens angestrebt werden[8]. Diese richten sich auf die zielgerichtete und positive Beeinflussung des persönlichen Lebensumfeldes. Im Fokus stehen dabei im engeren Sinne physische, psychische, kognitive sowie soziale Entwicklungsfelder.

Quantified Self in Deutschland[Bearbeiten]

Deutschlands erste Quantified-Self-Gruppe wurde im September 2011 in München gegründet.[9] Mittlerweile sind Gruppen in Berlin[10], Hamburg[11], Köln[12] und anderen deutschen Städten entstanden. Deutschlandweit zeichnet sich Florian Schumacher maßgeblich für die Verbreitung von Quantified Self verantwortlich. Seit Anfang 2012 organisiert er "Show & Tell"-Treffen in Berlin und München, unterstützt Organisatoren in anderen Städten und präsentiert die Quantified-Self-Bewegung auf Konferenzen. Schumacher ist Initiator des 2012 gegründeten deutschsprachigen Quantified-Self-Blogs, welcher über die Aktivitäten des Netzwerks berichtet. Seit 2013 werden Meetups auch in Hamburg und Köln durchgeführt und weitere Organisatoren tragen zum deutschsprachigen Quantified-Self-Blog bei. Der Kreis von Aktiven pflegt neben dem eigentlichen Webauftritt weitere Socialmediakanäle und strebt auf diesem Weg eine Vernetzung der deutschen QS-Gruppen an. Neben der medialen Auseinandersetzung in Fernsehen, klassischen Printmedien sowie den verschiedenen Onlineredaktionen, nimmt auch die wissenschaftliche Beachtung[13][14] des Themenkomplexes von Quantified Self und Big Data zu.

Kritik[Bearbeiten]

Quantified Self wird in Deutschland teilweise kritisch aufgenommen. Fragen der Datensicherheit, der Überwachung, des fahrlässigen Vertrauens in Daten oder der Suchtgefahr werden unter anderem als Kritikpunkte angeführt.[15][16]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Übersicht der weltweiten Quantified Self Gruppen (Meetup.com)
  2. Quantified Self Deutschland – Hintergrundinformationen
  3. What is the Quantified Self? (Gary Wolf)
  4. Deutschsprachige Quantified-Self-Gruppe bei Facebook
  5. „The Quantified Self“ – TED-Talk von Gary Wolf (Juni 2010)
  6. „The Personal Analytics of My Life“ – Stephen Wolfram (März 2012)
  7. Quantified Self und seine Auswirkungen auf Motivation und Selbstwahrnehmung (Florian Schumacher), igrowdigital
  8. LifeModding.com, Über LifeModding
  9. The Munich Quantified Self Meetup Group. In: meetup.com.
  10. "Quantified Self Berlin Meetup"
  11. "Quantified Self Hamburg Meetup"
  12. "Quantified Self Köln Meetup"
  13. Bachelorthesis: Quantified Self – An Exploratory Study on the Profiles and Motivations of Self-Tracking. Marcia Nißen, Karlsruhe Institute of Technology (KIT), 31. Jan. 2013.
  14. Bachelorthesis: Sind wir bereit für den Big Data Lifestyle? Betrachtung und Analyse der Quantified-Self-Bewegung im Umfeld von Big Data (Bianca Emmert, Hochschule Mittweida, University of Applied Sciences Fakultät Medien, Einreichung 23. Sep. 2013)
  15. "Quantified Self / Selbstvermesser – Was steckt dahinter?"
  16. Warum "Self-Tracking" so gefährlich ist