Quartär (Geologie)
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
| System | Serie | Stufe | ≈ Alter (mya) |
|---|---|---|---|
| Quartär | Holozän | Holozän | 0,0117–0 |
| Pleistozän | Oberes Pleistozän |
0,126–0,0117 | |
| Mittleres Pleistozän |
0,781–0,126 | ||
| Unteres Pleistozän |
1,806–0,781 | ||
| tiefer | tiefer | tiefer | älter |
Das Quartär ist der jüngste Zeitabschnitt der Erdgeschichte einschließlich der „Jetztzeit“.
In der Historischen Geologie repräsentiert das Quartär ein chronostratigraphisches System bzw. eine geochronologische Subperiode. Die Entscheidung über die Verschiebung der Grenze von 1,8 Ma auf 2,6 Ma fiel in einer Mehrheitsentscheidung der Internationalen Stratigraphischen Kommission (ICS) im Jahre 2005. Somit umfasst das Quartär den gesamten Zeitraum des letzten Eiszeitalters.
Nach einem langen Zeitabschnitt der Erdgeschichte, in dem es keinerlei permanente Vereisung gab, begann das Quartär nach neueren Vorstellungen zu Beginn des Gelasiums mit der Vereisung beider Polkappen. Zuvor war lange Zeit von den Geologen die Grenze zwischen Tertiär und Quartär zwischen Pliozän und Pleistozän, also vor kaum 1,8 Millionen Jahren gezogen worden. Wegen der nach geologischen Maßstäben relativ kurzen Zeitdauer des Quartärs und seiner unterschiedlichen Entwicklung im marinen und im kontinentalen Bereich war eine schlüssige Abgrenzung zum davor liegenden Zeitraum nicht oder nur schlecht möglich, die Grenze zum Tertiär war umstritten. Das führte im Jahre 2004 sogar zur vorübergehenden Streichung des Quartärs aus der Geologischen Zeitskala durch die Internationale Stratigraphische Kommission (International Commission on Stratigraphy, ICS).
Im Jahre 2005 waren die Bemühungen der verschiedenen Vereinigungen für Quartärgeologie erfolgreich, dem Begriff wieder einen Stellenwert in der Geologischen Zeitskala einzuräumen. Der Zeitpunkt des Beginns des Quartärs wurde dann auf 2,59 Millionen Jahre vor der Gegenwart festgelegt. Damit wurde eine bessere Abgrenzung zu den davor liegenden Zeiträumen erreicht und die gesamte Zeitspanne der jüngsten Klimaschwankungen der Erde mit ihren verschiedenen aufeinanderfolgenden Kaltzeiten und Warmzeiten konnte unter dem Begriff Quartär zusammengefasst werden. Ausschlaggebend für die Wiedereinführung des Quartär war auch, dass sich innerhalb der neuen zeitlichen Grenzen die Entwicklungsgeschichte des heutigen Menschen (Homo sapiens) abspielte.
Für Nichtfachleute verwirrend ist jetzt jedoch die Tatsache, dass das Quartär nunmehr das Holozän, das Pleistozän und die jüngeren Abschnitte des Pliozäns umfasst, also nicht mehr wie bisher ausschließlich die beiden erstgenannten Epochen. Das Pleistozän wird also die Übergangsperiode des Gelasiums aus dem Pliozän übernehmen müssen, damit die Abgrenzung zwischen Quartär und Neogen mit der Grenze zwischen Pleistozän und Pliozän zusammenfällt.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Entstehung des Begriffs
Der Begriff Quartär wurde schon 1760 von Giovanni Arduino in der Literatur benutzt, als er vier aufeinanderfolgende Gruppen von Schichten unterschied: Primär, Sekundär, Tertiär und Quartär[1]. 1829 griff Jules Desnoyers den Begriff wieder auf, um Sedimente im Pariser Becken anzusprechen, die deutlich jünger als die tertiären Ablagerungen waren. Die quartären Schichten waren zwar in bestimmten Beckenlagen sehr mächtig, aber geologisch nur von geringem Alter. Dadurch kam es zu einer sehr ungleichgewichtigen Unterteilung der Erdneuzeit (Känozoikum) in das 63,7 Millionen Jahre dauernde Tertiär und das nur 1,6–1,8 Millionen Jahre dauernde Quartär mit den Epochen Pleistozän (Beginn vor zirka 1,8 Millionen Jahren) und Holozän (geologische Gegenwart – die zuletzt vergangenen 11.500 Jahre). Dieses Ungleichgewicht führte bei der Neufestlegung der Geologischen Zeitskala (GTS 2004) zu einer Ersetzung der Begriffe Tertiär und Quartär durch die Begriffe Paläogen und Neogen mit neuen stratigraphischen Grenzen und Bedeutungen. Die Periode des Neogen umfasst jetzt die Epochen Miozän (Beginn vor 23,03 Millionen Jahren), Pliozän (Beginn vor 5,33 Millionen Jahren), Pleistozän (Eiszeitalter) und Holozän (Nacheiszeit).
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Klassifikation nach Arduino (engl.)
[Bearbeiten] Literatur
- Leopold Benda (Hrsg.): Das Quartär Deutschlands. Borntraeger, Berlin 1995
- Edmund Blair Bolles: Eiszeit. Wie ein Professor, ein Politiker und ein Dichter das ewige Eis entdeckten, Berlin 2000, ISBN 3870245220 – Zur Forschungsgeschichte, insb. Louis Agassiz, Charles Lyell und Elisha Kent Kane
- John A. Catt: Angewandte Quartärgeologie. Enke, Stuttgart 1992
- Jürgen Ehlers: Allgemeine und historische Quartärgeologie. Enke, Stuttgart 1994
- Josef Klostermann: Das Klima im Eiszeitalter, Stuttgart 1999, ISBN 3-510-65189-8
- Wighart V. Königswald: Das Quartär: Klima und Tierwelt im Eiszeitalter Mitteleuropas. In: Biologie in unserer Zeit 34 (3/2004), S. 151−158, ISSN 0045-205X
- Hansjürgen Müller-Beck: Die Eiszeiten. Naturgeschichte und Menschheitsgeschichte, München 2005, ISBN 3-406-50863-4 – Knappe Einführung aus der Beck'schen Reihe
- Brad Pillans & Tim Naish: Defining the Quaternary. Quaternary Science Reviews, 23: 2271-2282, Oxford 2004 ISSN 0277-3791.
- Frank Preusser: Annäherung in Quartär-Kontroverse. In: Geowissenschaftliche Mitteilungen (GMIT), Bonn 2007, ISSN 1616-3921
- Albert Schreiner: Einführung in die Quartärgeologie. Schweizerbart, Stuttgart 1997 (2. Aufl.), ISBN 3-510-65152-9
[Bearbeiten] Weblinks
- Webseite der Deuqua, Deutsche Quartärvereinigung e.V.
- Zeitschrift Eiszeitalter und Gegenwart
- Zeitschrift QUARTÄR
- Allgemeine Informationen zum Paläoklima, NASA Earth Observatory Paleoclimatology
- Paläoklima-Programm der NOAA, NOAA Paleoclimatology Program
- Globale Korrelationstabelle für das Quartär, Subcommission on Quaternary Stratigraphy

