Quarzsandhandschuh

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Quarzsandhandschuh für die linke Hand

Quarzsandhandschuhe, auch als schlagkraftverstärkende Handschuhe bekannt, kurz Schlaghandschuh, sind Handschuhe, die am Handrücken und im Bereich der Knöchel mit Protektoren aus feinem Quarzsand, seltener auch aus Bleistaub, versehen sind. Oft sind sie zusätzlich noch mit einer schnitthemmenden Einlage aus Kevlar ausgestattet.

Durch die Sandverstärkung schützen die Handschuhe die Hände vor Schnittverletzungen (etwa bei Messerangriffen) bzw. der Wucht der eigenen Schlagwirkung (im Faustkampf). Außerdem wirken – ähnlich wie beim Einsatz von Schlagringen – Faustschläge, die mit solchen Handschuhen ausgeteilt werden, deutlich stärker.

Medienberichten zufolge sind Quarzsandhandschuhe in Deutschland vor allem unter Türstehern und Polizisten, aber auch unter Hooligans und in der rechts- und linksradikalen Szene beliebt.[1] Obwohl der Einsatz von Quarzsandhandschuhen durch Polizisten im Allgemeinen verboten ist, da solche Handschuhe keine offiziell genehmigten Ausrüstungsgegenstände sind und unverhältnismäßige Schäden verursachen können,[2] gab der Vorsitzende einer Polizeigewerkschaft im Dezember 2008 an, dass viele Polizisten sie seit Jahren benutzten.[2] Der Präsident der Berliner Polizei, Dieter Glietsch, bezeichnete den Fund von Quarzsandhandschuhen bei 12 von 30 Angehörigen eines Polizeizuges im Herbst 2008 als „Skandal“ und die Handschuhe selbst als „Waffe“.[1] Quarzsandhandschuhe werden meist von Angehörigen der Bereitschaftspolizei eingesetzt, während polizeiliche Spezialeinheiten in der Regel über spezielle Einsatz- und Abseilhandschuhe, oft mit Schaumstoffprotektoren, verfügen.

Rechtslage[Bearbeiten]

Die Rechtslage ist international uneinheitlich. Innerhalb der Europäischen Union existieren bis auf Großbritannien keine generellen Verbote zu Quarzsandhandschuhen. In Großbritannien sind sie nach dem Firearms and Offensive Weapons Act von 1990 illegal.

In Deutschland ist das Tragen von Quarzsandhandschuhen für Privatpersonen weitestgehend gestattet. Grundlage hierfür ist der Feststellungsbescheid des Bundeskriminalamtes.[3] Ausgenommen sind alle Veranstaltungen, die dem Versammlungsgesetz (VersammlG) unterliegen, da diese Handschuhe dazu geeignet sind, „Vollstreckungsmaßnahmen eines Trägers von Hoheitsbefugnissen abzuwehren“ (§ 17a VersammlG).

In einigen Ländern, darunter Australien, unterliegen sie Einschränkungen, da sie dort als gefährliche Waffen klassifiziert sind. In den USA sind sie in Massachusetts und Kalifornien verboten. In New York sind Quarzsandhandschuhe nicht ausdrücklich illegal.[4][5] Der Besitz ist aber verboten, wenn die Absicht besteht, sie gegen jemand anderen als Waffe einzusetzen.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Plutonia Plarre: Quarzsandhandschuhe bei der Polizei. Ein handfester Skandal. In: taz, 1. Dezember 2008, abgerufen am 2. Juni 2013.
  2. a b Plutonia Plarre: Skandal um Polizeiausrüstung. Quarzhandschuhe seit Jahren im Einsatz. In: taz, 2. Dezember 2008, abgerufen am 2. Juni 2013.
  3. Waffengesetz (WaffG); hier: Feststellungsbescheid gem. § 2 Abs. 5 i. V. m. § 48 Abs. 3 WaffG. BKA, 12. Juli 2006 (PDF-Datei; 87 kB).
  4. NY Penal Law § 265.01(1)
  5. People v. David, 223 A.D.2d 551, 553, 636 N.Y.S.2d 374, 377 (2d Dept. 1996)
  6. NY Penal Law § 265.01(2)