Quasigruppe
In der Mathematik ist eine Quasigruppe eine nichtleere Menge
mit einer binären Verknüpfung
, in der für alle
und
in
die Gleichungen
und
jeweils genau eine Lösung haben, das heißt, die Lösung existiert und ist eindeutig.
Eine Quasigruppe ist von Strukturen zu unterscheiden, in denen lediglich die sog. Kürzungseigenschaft (s. u.) gefordert wird. Dort wird zwar auch die Eindeutigkeit der Lösungen dieser Gleichungen gefordert, aber nur falls überhaupt eine Lösung existiert. Auf die Nichtleerheit der zugrundegelegten Menge kann auch verzichtet werden, dann ist die leere Menge trivialerweise auch eine Quasigruppe.
Eine Quasigruppe ist ein Spezialfall eines Magmas.
Ein endliches Magma ist genau dann eine Quasigruppe, wenn die Verknüpfungstabelle ein Lateinisches Quadrat ist, wenn also in jeder Zeile und in jeder Spalte der Tabelle jedes Element von
genau einmal vorkommt.
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[Bearbeiten] Beispiele
- Jede Gruppe ist eine Quasigruppe, denn
ist genau für
und
genau für
erfüllt. - Jeder Vektorraum über einem Körper der Charakteristik ungleich 2 ist eine Quasigruppe mit der Verknüpfung
. - Jedes Steinersche Tripel-System ist eine Quasigruppe.
- Die Menge der von Null verschiedenen Elemente in einer nullteilerfreien endlichdimensionalen Algebra ist eine Quasigruppe bezüglich der Multiplikation (z. B. die Oktaven ohne 0).
- Die einzige Quasigruppe der Ordnung 2 ist die zyklische Gruppe
. Es gibt fünf Quasigruppen der Ordnung 3, von denen nur Eine eine Gruppe ist. Die kleinste echte Loop (die nicht assoziativ ist) hat die Ordnung 5.
[Bearbeiten] Eigenschaften
Jede Quasigruppe hat die Kürzungseigenschaft, d.h.
folgt 
folgt 
Das liegt daran, dass die linken Gleichungen bedeuten, dass
und
Lösungen der Gleichung
(bzw.
) sind. Weil in einer Quasigruppe aber höchstens eine Lösung für die Gleichung existiert, folgt
bzw. 
Anders ausgedrückt besagt die Kürzungseigenschaft nichts anderes, als dass sowohl die Links- als auch die Rechtsmultiplikation mit einem Element
aus
eine injektive Abbildung von
in sich beschreiben
bzw.
Da Injektivität und Surjektivität für endliche Mengen identisch sind, sind die beiden Abbildungen für endliches
ersichtlich bijektiv. Aber auch im allgemeinen Fall (d. h. inklusive unendlichem
) ergibt sich die Bijektivität, da die Surjektivität durch die Existenz der Lösung jeder Gleichung
bzw.
garantiert wird. Denn damit gibt es zu jedem Bild
einer Links- oder Rechtsmultiplikation mit dem Element
ein Urbild 
Die Bijektivität dieser beiden Abbildungen ist eine definierende Eigenschaft der Quasigruppen, d.h. sie kann ohne Weiteres zur alternativen Definition der Quasigruppen herangezogen werden: Ein Magma ist genau dann eine Quasigruppe, wenn in ihm die durch die Rechts- und Linksmultiplikation induzierten Abbildungen bijektiv sind. Die Surjektivität garantiert dabei die Existenz der Lösungen der Gleichungen (1) und (2), aus der Injektivität ergibt sich die Eindeutigkeit.
Viele Beweise aus der Gruppentheorie, zu Aussagen, die sich speziell auf Gruppen beziehen, benutzen ganz wesentlich diese Eigenschaft. Benutzen sie nur diese Eigenschaft (von allen Eigenschaften, die sich rein aus den Gruppenaxiomen ergeben), so können die gemachten Aussagen sofort auf Quasigruppen verallgemeinert werden. Aber auch viele Aussagen, die nur geringfügig stärkere Voraussetzungen machen, können auf spezielle Quasigruppen – die keine Gruppen sein müssen – verallgemeinert werden.
Die Verknüpfungstabelle einer endlichen Quasigruppe ist ein lateinisches Quadrat: Eine
-Tabelle gefüllt mit
verschiedenen Symbolen, in der in jeder Zeile und in jeder Spalte jedes Symbol genau einmal vorkommt. Umgekehrt ist jedes lateinische Quadrat Verknüpfungstabelle einer Quasigruppe. Damit sind lateinische Quadrate und die hier ausgeführte abstrakt-beschreibende Definition lediglich zwei unterschiedliche, prinzipiell gleichberechtigte Darstellungen desselben mathematischen Objektes Quasigruppe.
[Bearbeiten] Parastrophien
Man kann in einer Quasigruppe
zwei weitere Verknüpfungen, die man Parastrophien nennt, definieren: Für
und
aus
sei
die Lösung von
und sei
die Lösung von
(man kann sich diese beiden als „Quasi-Brüche“ beziehungsweise Links- und Rechtsbrüche „b links-durch a“ und „b rechts-durch a“ denken). Dann gilt offenbar:
Dabei beschreiben die ersten beiden Gleichungen die Lösbarkeit von
und
, und die anderen beiden Gleichungen die Eindeutigkeit der Lösungen. Man kann eine Quasigruppe also auch definieren als Algebra
mit drei binären Verknüpfungen, die die eben genannten vier Gleichungen erfüllen.
Ist
eine Gruppe, dann ist
und
Ist die Quasigruppe kommutativ, dann sind die beiden Forderungen nach der eindeutigen Lösbarkeit von (1) und (2) gleichwertig und die Verknüpfungen
und
fallen zusammen.
Weitere alternative Definitionen sind z. B. die unter Eigenschaften beschriebene Definition einer Quasigruppe als Magma, in dem die Links- und Rechtsmultiplikation bijektive Abbildungen induzieren. Aber auch eine andere, zur anfänglich gemachten Definition nur leicht abgewandelte Form, kann schon eine etwas andere Sicht auf Quasigruppen erreichen: Eine Quasigruppe
ist ein Magma (Menge mit zweistelliger innerer Verknüpfung), in der in jeder Gleichung der Form
je zwei Elemente (aus
), die Existenz des Dritten (in
) bedingen und eindeutig bestimmen. Diese Definition ist zwar etwas redundant, da sich Existenz und Eindeutigkeit von
schon aus der Definition der inneren Verknüpfung ergeben, sie beschreibt jedoch gleichberechtigter und unmittelbarer die Beziehungen der Elemente untereinander.
[Bearbeiten] Quasigruppe mit Inverseneigenschaft
Eine Quasigruppe mit Inverseneigenschaft ist ein Magma
, in dem es für alle
und
aus
ein eindeutiges Element
gibt, so dass gilt:
(Inverseneigenschaft).
Wie der Name anzeigt, ist eine Quasigruppe mit Inverseneigenschaft eine Quasigruppe, was wir hier beweisen wollen. Wir zeigen zunächst, dass eine Lösung
der Gleichung
mit
und
aus
existiert; die Existenz von
für
folgt analog. Sei dazu
Dann folgt aus der linken Seite der Inversengleichung:
Multiplikation von links mit
gibt
also
Das bedeutet aber
, womit
eine Lösung der Gleichung
ist.
Die Eindeutigkeit der Lösung
(und analog der Lösung
folgt weil
nur von a und c abhängt und die Zuordnung
in jedem Teilschritt eindeutig ist.
[Bearbeiten] Loop
Hat eine Quasigruppe ein neutrales Element, dann heißt sie eine Loop. Direkt aus der Definition der Quasigruppe folgt, dass in einer Loop jedes Element ein linksinverses und ein rechtsinverses Element hat[1], die aber – im Gegensatz zur Situation in einer Gruppe – nicht übereinstimmen müssen (siehe auch inverses Element). Die Struktur von Loops ist denen von Gruppen sehr ähnlich.
Eine Moufang-Loop (benannt nach Ruth Moufang) ist eine Quasigruppe
, in der für alle
und
aus
gilt:
Wie der Name anzeigt, ist eine Moufang-Loop eine Loop, was wir hier beweisen wollen. Sei
ein Element von
und
das (eindeutig bestimmte) Element mit
Dann gilt für jedes
in
:
also nach dem Kürzen
Damit ist
ein linksneutrales Element. Sei nun
das (eindeutig bestimmte) Element mit
Dann gilt
da
linksneutral ist, und
Kürzen von
ergibt
also ist
ein rechtsneutrales Element. Schließlich erhalten wir
also ist
ein beidseitig neutrales Element.
Da in einer Loop Links- und Rechtsinverse existieren, zeigt man analog, dass diese in einer Moufang-Loop identisch sind: Zu
aus
seien
und
Links- und Rechsinverses. Dann gilt insbesondere
da
rechtsneutral ist, und dann
Multiplikation von rechts mit
gibt:
Kürzen von
ergibt 
Jede assoziative Quasigruppe ist eine Moufang-Loop, und als assoziative Loop folglich eine Gruppe (da die Gruppenaxiome dann offensichtlich erfüllt sind). Dies zeigt, dass die Gruppen genau die assoziativen Quasigruppen sind (bzw. jene Quasigruppen, die gleichzeitig auch Halbgruppen sind).
[Bearbeiten] Anwendungen
Loops treten zum Beispiel auf, wenn in der synthetischen Geometrie
- eine affine Ebene mit einem Koordinatenternärkörper als Koordinatenbereich ausgestattet wird,
- eine affine Translationsebene mit einem Koordinatenquasikörper als Koordinatenbereich ausgestattet wird.
In beiden Fällen ist die additive Struktur und die multiplikative Struktur des Koordinatenbereichs eine Loop. – Das zweite Beispiel ist ein Spezialfall des ersten, wobei man zur Einführung von Koordinaten in einer affinen Translationsebene anders ansetzen kann als im allgemeineren Fall.
→ Siehe dazu Ternärkörper.
[Bearbeiten] Literatur
- Hall, Marshall: The theory of groups. © Macmillan New York, 1959.
- Kurosch, Aleksander Gennadljewitsch: Gruppentheorie.
[Bearbeiten] Weblinks
- Enthält auch Verknüpfungstabellen der Quasigruppen der Ordnung 3 und einer echten Loop der Ordnung 5.
- Hashverfahren auf Basis Quasigruppen String Transformationen
- Übersicht über die wichtigsten kryptographische Anwendungen der Quasigruppen (PDF-Datei; 443 kB)
[Bearbeiten] Einzelnachweise/Fußnoten
- ↑ Nämlich die Lösungen der Gleichungen
und 
- ↑ Wenn man für die Reihenfolge des Ausrechnens der Verknüpfungen „von Links nach Rechts“ als Standard annimmt und solche Klammern, die diese Reihenfolge ergeben, weglässt, sieht man besser, was gemeint ist:
Informell ausgedrückt: Man kann erst die beiden äußeren Paare ausrechnen und dann „normal“ (von Links nach Rechts) weiterrechnen, oder erst „die Mitte“ ausrechnen und dann „normal“ weitermachen – beides führt zum selben Ergebnis.
und
erfüllt.
.
. Es gibt fünf Quasigruppen der Ordnung 3, von denen nur Eine eine Gruppe ist. Die kleinste echte Loop (die nicht assoziativ ist) hat die Ordnung 5.
folgt 
folgt 
(Inverseneigenschaft).





und 
Informell ausgedrückt: Man kann erst die beiden äußeren Paare ausrechnen und dann „normal“ (von Links nach Rechts) weiterrechnen, oder erst „die Mitte“ ausrechnen und dann „normal“ weitermachen – beides führt zum selben Ergebnis.