Quetschkopf

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Wirkung auf der Innenseite einer Stahlplatte

Als Quetschkopf wird Munition bezeichnet, die beim Auftreffen auf das Ziel Plastiksprengstoff auf diesem verteilt (breitquetscht) und erst dann zündet, was zu einer großflächigen Druckwirkung auf das Ziel führt.

Im englischen Sprachraum wird für Quetschkopfgeschosse die Bezeichnung HESH (High Explosive Squash Head), in den USA HEP (High Explosive Plastic) benutzt.

Ursprünglich wurde diese Munition in den 1940er-Jahren in England zum Einsatz gegen Befestigungen entwickelt, wo die breite Druckwirkung eine ähnliche Wirkung wie eine Abrissbirne hat. Bald erkannte man, wie wirkungsvoll diese Geschosse auch gegen metallgepanzerte Ziele wie Panzer und Truppentransporter sind.

Weil die Explosionswirkung dieser Munition auf eine größere Fläche verteilt wird, initiiert die Detonation eine Stoßwelle in der getroffenen Panzerung. Infolge lösen sich auf der entgegengesetzten Seite der Schutzwand Splitter (sogenannte flakes) ab, die wie Schrapnellgeschosse Innenausrüstung und Besatzung treffen. Zusätzlich atmet die Besatzung feinste Metall- und Farbstäube ein, was zu ähnlichen Symptomen wie beim sogenannten Metalldampffieber (Reizung der Atemwege, grippeähnliche Symptome) führen kann. Die Panzerung selbst wird in den meisten Fällen vom Geschoss nicht durchdrungen.

Diese Wirkung tritt im geringeren Maße auch bei anderen Geschossen auf, wenn sie auf eine Panzerung aufschlagen. Aus diesem Grund konnten vor der Entwicklung entsprechender Schutzmaßnahmen auch nichtpenetrierende Treffer eine Gefahr für Panzerbesatzungen sein. Bei starken Explosionen in unmittelbarer Nähe kann derselbe Effekt auch in Bunkern entstehen.

Als effektive Schutzmaßnahme werden Schottpanzerungen oder Verbundpanzerungen eingesetzt. Ähnlich einer zweiten, inneren Panzerung werden hierbei die Stoßwelle und die entstehenden Splitter aufgefangen. Eine andere Maßnahme ist die Auskleidung der Innenwände von Kampffahrzeugen mit dem sogenannten Liner, meist aus Kevlar, ebenfalls um entstehende Splitter abzufangen. Durch derartige Auskleidungen können Panzerfahrzeuge auf relativ einfache Weise mit einem verhältnismäßig guten Schutz gegen HESH-Geschosse nachgerüstet werden.

Aufgrund dieser Gegenmaßnahmen galten Quetschkopfgeschosse schon Mitte der 1980er-Jahre als ineffektiv gegen moderne Panzerfahrzeuge. Dennoch wurden sie im Zweiten Golfkrieg 1990 gegen Panzer eingesetzt. Die Vereinigten Staaten, das Vereinigte Königreich und weitere Staaten nutzen diese zur Zerstörung von Gebäuden, Mauern und ähnlichem.

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