Quotientenkriterium

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Das Quotientenkriterium (d’Alembert-Kriterium, nach Jean-Baptiste le Rond d’Alembert) ist ein mathematisches Konvergenzkriterium, also Mittel zur Entscheidung, ob eine unendliche Reihe konvergent oder divergent ist.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung [Bearbeiten]

Gegeben sei eine unendliche Reihe S := \sum_{n=0}^\infty a_n mit reellen oder komplexen Summanden, a_n\neq 0 für fast alle n \in \N. Gibt es ein q < 1, so dass für fast alle n \in \N gilt

\left|\frac{a_{n+1}}{a_n}\right| \le q<1,

so ist die Reihe absolut konvergent. Gilt dagegen für fast alle n \in \N

\left|\frac{a_{n+1}}{a_n}\right| \ge 1,

so ist die Reihe divergent.[1]

Im Fall der Konvergenz muss q von n unabhängig und echt kleiner als 1 sein. Gilt lediglich \left|\frac{a_{n+1}}{a_n}\right|<1, kann also \left|\frac{a_{n+1}}{a_n}\right| beliebig nahe an 1 herankommen, so liefert das Quotientenkriterium keine Aussage über die Konvergenz oder die Divergenz.

Beispiele [Bearbeiten]

Beispiel 1. Wir betrachten die Reihe

 \sum_{n=0}^\infty \frac{5 + n}{10^n}

und prüfen diese auf Konvergenz. Über das Quotientenkriterium erhalten wir:

 \left| \frac{a_{n+1}}{a_n} \right| = \frac{5 + (n+1)}{10^{n+1}} \cdot \frac{10^n}{5+n} = \frac{1}{10} \cdot \frac{6+n}{5+n} \leq \frac{3}{25} < 1

Folglich ist die Reihe konvergent.

Beispiel 2. Wir betrachten die Reihe

 \sum_{n=1}^\infty \frac{n!}{2^n}

und prüfen diese auf Konvergenz. Wir erhalten:

 \left| \frac{a_{n+1}}{a_n} \right| = \frac{(n+1)!}{2^{n+1}} \cdot \frac{2^n}{n!} = \frac{n+1}{2} \geq 1

Somit ist diese Reihe divergent.

Beweisidee [Bearbeiten]

Der Fall der Konvergenz folgt mit dem Majorantenkriterium aus der Konvergenz von \sum_{n=0}^\infty q^n , einer geometrischen Reihe. Das Kriterium für Divergenz folgt daraus, dass die Glieder dann wegen 0<\left|a_n\right|\leq\left|a_{n+1}\right| keine Nullfolge bilden können.

Ein Beispiel für die Nichtanwendbarkeit des Quotientenkriteriums ist die allgemeine harmonische Reihe \sum_{n=1}^\infty \frac{1}{n^\alpha}. Es gilt

\left|\frac{a_{n+1}}{a_n}\right|=\left(\frac{n}{n+1}\right)^\alpha<1.

Für \alpha=1 ist die allgemeine harmonische Reihe divergent, für \alpha>1 konvergent; das Quotientenkriterium kann aber die beiden Fälle nicht unterscheiden.

Spezialfälle [Bearbeiten]

Existiert L:=\lim_{n\to\infty}\left|\frac{a_{n+1}}{a_n}\right|, so liefert das Quotientenkriterium

  1. für L<1 absolute Konvergenz,
  2. für L>1 Divergenz,
  3. für L=1 keine Konvergenzaussage.

Unter Verwendung von Limes superior und Limes inferior lässt sich das Quotientenkriterium folgendermaßen formulieren:

  1. Ist \limsup_{n\to\infty}\left|\frac{a_{n+1}}{a_n}\right|<1, so ist die Reihe absolut konvergent,
  2. ist \liminf_{n\to\infty}\left|\frac{a_{n+1}}{a_n}\right|>1, so ist die Reihe divergent,
  3. ist \liminf_{n\to\infty}\left|\frac{a_{n+1}}{a_n}\right|\leq 1\leq \limsup_{n\to\infty}\left|\frac{a_{n+1}}{a_n}\right|, so lässt sich keine Konvergenzaussage machen.

Im Gegensatz zum Wurzelkriterium muss für das Divergenzkriterium nicht der Limes superior, sondern der Limes inferior verwendet werden.

Abgewandeltes Quotientenkriterium [Bearbeiten]

Neben dem „gewöhnlichen“ Quotientenkriterium gibt es noch folgende Versionen (siehe auch Kriterium von Raabe): Sei (a_n)_{n\in\mathbb{N}} eine Folge mit echt positiven Gliedern. Wenn nun

\exists d>1,n_0\in\mathbb{N}:\forall n\ge n_0:\frac{a_{n+1}}{a_n}\le 1-\frac{d}{n},

so gilt, dass \sum_{n=1}^\infty a_n konvergent ist.

Ist andererseits

\exists n_0:\forall n\ge n_0: \frac{a_{n+1}}{a_n}\ge 1-\frac{1}{n},

so folgt:

\sum_{n=1}^\infty a_n divergiert gegen \infty.

Anwendungen [Bearbeiten]

Mit dem Quotientenkriterium lässt sich beispielsweise die Konvergenz der Taylorreihen für die Exponentialfunktion und für die Sinus- und Kosinusfunktionen zeigen.

Literatur [Bearbeiten]

  • Otto Forster: Analysis I Differential- und Integralrechnung einer Veränderlichen. Rowohlt, Hamburg 1976.
  • Konrad Knopp: Theorie und Anwendung der unendlichen Reihen. 6. Auflage. Springer, 1996, ISBN 3-540-59111-7 (online, Ausgabe von 1964).
  • Peter Hartmann: Mathematik für Informatiker. 4. Auflage. Vieweg, 2006, ISBN 3-8348-0096-1, S. 254.

Weblinks [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1.  Harro Heuser: Lehrbuch der Analysis. Teil 1. 11 Auflage. B. G. Teubner, Stuttgart 1994, ISBN 3-519-42231-X, S. 205f.