Rémy Martin

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Dieser Artikel behandelt die Cognacmarke. Für den französischen Schauspieler, siehe Rémi Martin.
Rémy Martin
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Rechtsform seit 1990 Teil von Rémy Cointreau
Gründung 1724
Sitz Cognac
Branche Spirituosen
Website www.Remy.de
Blick auf das Anwesen von Rémy Martin, in Cognac, Frankreich.
Weinberge von Rémy Martin in Merpins

Rémy Martin ist eine Cognacmarke des Spirituosenherstellers Rémy Cointreau. Neben verschiedenen Cognacs (also Weinbränden aus dem Arrondissement Cognac) wird unter dem Namen Rémy Martin auch ein Pineau des Charentes angeboten, eine Art Likörwein.

Geschichte[Bearbeiten]

Rémy Martin hat seinen Sitz in der Stadt Cognac. Neben Otard ist Rémy Martin das einzige unter den großen alten Handelshäusern, das von einem Franzosen gegründet wurde. Der Name geht zurück auf den Charentaiser Winzer Rémy Martin, der das Haus 1724 gründete. Mehr als zwei Jahrhunderte hielt sich das Haus, bis es in den 1920er Jahren von André Renaud übernommen und von Grund auf umstrukturiert wurde.

Zugute kam ihm dabei nicht nur das Vermögen seiner Ehefrau, die das Haus Frapin - inklusive eines an sehr wertvollen Destillaten reichhaltigen Kellers - geerbt hatte, sondern auch seine Erfahrung in der Cuvierung (also Verschneidung) von Cognac. Besonderes Augenmerk hat seitdem der Maitre du Chai (der Kellermeister) auf den Anteil der sogenannten Methusalems, das sind sehr alte Brände, zu richten. Rénaud legte seit jeher allergrößten Wert auf das Rancio, jenes buttrig-pilzige Aroma, das hochwertige Cognace auszeichnet. Schon bald machte Renaud die Cuvierung von Bränden aus der Grande und Petite Champagne, dem sogenannten Fine Champagne Cognac, zum hervorstechendsten Qualitätsmerkmal von Rémy Martin.

1965 verstarb André Rénaud im Alter von 85 Jahren und hinterließ das sanierte Haus Rémy Martin seinen beiden Töchtern. Deren Ehegatten André Heriard-Dubreuil und Maximilien Cointreau lieferten sich lange Jahre einen erbitterten Streit um die Vorherrschaft im Unternehmen, was beinahe den Untergang bedeutet hätte. Erst die endgültige Fusion mit Cointreau im Jahre 1990 beendete diese Auseinandersetzung.

Die Brennweine für den Cognac baut Rémy Martin auf über 150 Hektar eigener Rebfläche an. Zudem existieren Lieferverträge mit über 2.000 Vertragswinzern. Zur Sicherstellung der Qualität der Fässer unterhält Rémy Martin als eines der wenigen Häuser eine eigene Küferei.

Rémy Martin ist nach eigenen Angaben der zweitgrößte Cognac-Hersteller weltweit mit einem Marktanteil von ca. 15 %.[1] Im Jahr 2006 wurden 1,8 Mio. cases abgesetzt[1], das entspricht etwa 23 Mio. 0,7l-Flaschen (1 case = 9 Liter).

Besonderheiten[Bearbeiten]

Rémy Cointreau legt die Vorschriften zur Herstellung von Cognac für die Marke Rémy Martin strenger aus als viele andere Hersteller. Es werden Brennblasen verwendet, die erheblich kleiner sind als die von der Appellation Controllée vorgeschriebenen Maximalgröße von 25 Hektolitern. Des Weiteren erfahren die Brände eine längere Lagerung, als für die festgelegten Qualitätsstufen (z. B. VS, VSOP etc.) zwingend erforderlich sind. Die Weine werden mitsamt den Sedimenten aus der Reifung abdestilliert. Der Effekt hieraus ist eine besondere Fruchtigkeit und Tiefe des Brandes.

Die Lagerhallen von Rémy Martin können besichtigt werden. Rémy Martin verfügte nach eigenen Angaben als einziges großes Cognac-Unternehmen über eine Kellermeisterin. Im April 2014 gab die Kellermeisterin Pierrette Trichet ihr Amt an den langjährigen Mitarbeiter Baptiste Loiseau. Als "Kind" der Region verbrachte er schon in jungen Jahren seine Zeit als Helfer in den Rebbergen der Region Cognac und kehrte nach Wanderjahren in Weinfeldern von Südafrika, Neuseeland und Frankreich zurück in die Heimat. Als langjähriges Mitglied des Tasting Comitees wurde er sorgfältig ausgebildet und aufgebaut und übernimmt jetzt die Verantwortung als Kellermeister von Rémy Martin.

Qualitätsstufen[Bearbeiten]

XO, Louis XIII und Hennessy Richard
Louis XIII Grande Champagne Cognac 70cl von 1982

Rémy Martin Cognacs sind in folgenden Qualitätsstufen (aufsteigend) erhältlich:

  • Remy Martin VS (Very Special) heißt inzwischen „Grand Cru“ und ist ein sehr junger Cuvée, der nur eine kurze Comptierung erfahren hat und in einer klaren Flasche angeboten wird. Er ist frisch im Geschmack und weist eine sehr helle Bernsteinnote auf. Rémy Martin VS wird seit 2008 nicht mehr hergestellt und ist aus der Produktpalette von Rémy Martin entfernt worden.
  • Remy Martin VSOP: (Very Superior Old Pale). Diese Cuvée hat rund sieben Jahre Fassreife hinter sich und gilt als Referenz für die Qualitätsstufe VSOP. Amber und Lakritz dominieren diesen Cognac. Die Flasche ist aus satiniertem grünem Glas.
  • Coeur de Cognac ist eine neu gestaltete Qualitätsstufe zwischen dem VSOP und dem Club, etwa acht Jahre gereift, und wird in goldener Flasche präsentiert. Er ist erheblich frischer im Geschmack als der VSOP, jedoch kürzer im Abgang.
  • Club de Rémy Martin (Pendant zur Qualitätsstufe „Napoleon“): Vanille- und Ambernoten sind hier kräftiger ausgeprägt als beim VSOP. Der Duft erinnert an getrocknetes Obst und Heublumen. Der lange Abgang − Merkmal von über zehn Jahren Fassreife − wird von dezenter herber Süße begleitet. Die Flasche ist klar durchsichtig, von achteckiger, nach oben verjüngender Form mit schwerem Metallverschluss (eingedrehter Korken). Dieser Cognac wurde 2004 bei der ISA mit der silbernen Goldmedaille als bester Cognac seiner Klasse prämiert. Diese Qualität ist für den asiatischen Markt konzipiert und in Deutschland eher selten anzutreffen.
  • Remy Martin Excellence XO Fine Champagne (Extra Old): 18 Jahre im Limousinfass gelagerte Cuvée aus über 350 verschiedenen Destillaten, abgefüllt in einer facettierten Karaffe mit Metallstöpsel. Von der Farbe her dunkelgold, blütenartig im Duft, Geschmack geht in das Schokoladige. Überraschend kurzer Abgang.
  • Remy Martin Extra Fine Champagne: Durchschnittlich 23 Jahre ruht diese Cuvee im Fass, bevor dieser tiefbernsteinfarbene Cognac in seine flache, scheibenförmige Karaffe abgefüllt wird. Im Geschmack offenbart dieser Cognac eine reichhaltige Mischung aus Frucht- und Gewürzaromen. Sehr intensiver Abgang. Dieser Cognac wurde 2004 bei der ISW mit der Goldmedaille als bester Cognac der Welt prämiert. Rémy Martin Extra wird seit 2008 nicht mehr hergestellt und ist aus der Produktpalette entfernt worden.
  • Remy Martin Louis XIII Grande Champagne ist der hochwertigste Cognac des Hauses und wird seit 1894 hergestellt. Er reifte nach seiner Cuvierung über 50 Jahre im Fass und ist sehr schwer zu beschreiben. Der Abgang des Cognacs ist nach über einer Stunde noch wahrnehmbar. Die Karaffe besteht aus Baccaratkristall und erinnert von der Form her an einen Bagel. Blickfang ist regelmäßig der überdimensional große Kristallstöpsel. Von diesem Cognac werden jährlich genau 10.000 Flaschen hergestellt, für den deutschen Markt sind nur 1.000 Stück reserviert. Preis ca. 1450 Euro.
  • Remy Martin L´age d´Or: Eine Hommage an die goldenen Zeiten, extrem seltene Ausführung in Baccarat-Karaffe mit 24 Karat vergoldeter Schulter und Sockel, wurde in geringer Stückzahl an ausgewählte Personen vergeben.
  • Rémy Martin Louis XIII BLACK PEARL: Dieser Cognac galt als teuerster der Welt. Das Cuvée aus 1200 verschiedenen Destillaten reifte 100 Jahre in einem einzigen Fass, bis es entdeckt und sein Inhalt in 786 einzeln nummerierte Flaschen gefüllt wurde. Äußerlich unterscheidet sich dieser Luxuscognac kaum von seinem „kleineren“ Bruder, jedoch ist er in einer Karaffe aus Bleikristall abgefüllt, die die Farbe einer schwarzen Perle hat. 2007 kostete eine Flasche über 6000 Euro. Im Jahr 2008 lancierte Rémy Martin eine Magnumversion (1,5 l) des Black Pearl.
  • Rémy Martin Louis XIII Rare Cask: Diese limitierte Edition ist der Nachfolger des Black Pearl und ist seit November 2009 erhältlich. Die limitierte Auflage von 786 nummerierten Exemplaren wird in kunstvoll gefertigten Dekantern aus feinstem, äußerst rarem schwarzen Baccarat-Kristallglas präsentiert. LOUIS XIII Rare Cask stammt aus einem einzigen Fass, das die Kellermeisterin Pierrette Trichet im Jahr 2004 in den Kellereien von Rémy Martin entdeckt hatte. Dieses eine Fass weist einen starken Alkoholgehalt – 43,8 im Gegensatz zu den üblichen 40 Volumenprozent - auf. Daher ist Rare Cask der einzige Cognac von Rémy Martin, der mehr als 40 % hat.

Alle Cognacs haben 40 % vol. Weiterhin wird unter der Marke Rémy Martin ein Le Pineau des Charentes, also ein Likörwein mit 17 % vol, angeboten. Pineau des Charentes wird in Frankreich gern als Aperitif getrunken. Er wird aus unvergorenem Most mit entsprechenden Bränden hergestellt und erinnert im Geschmack an einen Cream-Sherry.

Literatur[Bearbeiten]

  • Axel und Bibiana Behrendt, COGNAC, 1995 Wilhelm-Heyne-Verlag München, ISBN 3-453-09104-3
  • Ingrid Haslinger: Kunde – Kaiser. Die Geschichte der ehemaligen k. u. k. Hoflieferanten. Schroll, Wien 1996, ISBN 3-85202-129-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rémy Martin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Annual Report (Geschäftsbericht) 2007 (PDF), abgerufen auf www.remycointrau.com am 7. September 2007

45.695833333333-0.32916666666667Koordinaten: 45° 41′ 45″ N, 0° 19′ 45″ W