Röhrenspinnen

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Röhrenspinnen
adultes Männchen der Röhrenspinne Eresus kollari

adultes Männchen der Röhrenspinne Eresus kollari

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Teilordnung: Entelegynae
Überfamilie: Eresoidea
Familie: Röhrenspinnen
Wissenschaftlicher Name
Eresidae
C. L. Koch, 1851

Zur Familie der Röhrenspinnen (Eresidae) werden zurzeit rund 90 Arten der Echten Webspinnen in acht Gattungen gezählt.[1] In Mitteleuropa sind mehrere Vertreter der Gattung Eresus (Walckenaer, 1805) heimisch.

Merkmale[Bearbeiten]

Die Röhrenspinnen sind kurzbeinig und haben einen gedrungenen Körperbau. Sie haben acht Augen von denen vier an den Eckpunkten des Kopfbereichs ein Quadrat bilden. Die anderen bilden ein kleines Viereck in der Stirnmitte.

Verbreitung[Bearbeiten]

Europa[Bearbeiten]

In Europa sind mehrere Arten der Gattung Eresus sowie die Arten Adonea fimbriata in Griechenland und Stegodyphus lineatus in Griechenland, Italien und auf der Iberischen Halbinsel verbreitet.

Die Rote Röhrenspinne (Eresus kollari) weist viele Unterarten auf. 2008 wurden Eresus moravicus und Eresus sandaliatus ausgegliedert. Die Abtrennung weiterer Unterarten ist möglich. E. kollari bevorzugt in Mitteleuropa kontinentale Wärmeinseln oder südexponierte, sandige und unbewaldete Trockenlagen und ist häufiger, als bislang angenommen. Fundorte sind zum Beispiel Kyffhäuser, Lausitz, Lüneburger Heide.

Lebensweise[Bearbeiten]

Die Angehörigen dieser Familie graben sich bis zu 10 cm tiefe Erdröhren von einem Zentimeter Durchmesser, die mit Seide austapeziert werden. Im Gegensatz zu den Tapezierspinnen (Atypidae) weben sie aber keinen Fangschlauch, sondern einen Trichter oft mit einem Schirm über dem Eingang ihrer Erdhöhle, der mit Fäden am Boden befestigt wird und in der sich die Beute verfängt. Durch die Erschütterungen wird das Tier in der Röhre alarmiert. Häufig werden Käfer in den Netzen gefunden, aber auch jagende Spinnen.

Fortpflanzung und Ausbreitungsstrategien[Bearbeiten]

Männchen der Röhrenspinne Stegodyphus lineatus

Die mitteleuropäischen Röhrenspinnen leben teilweise in Familienkolonien (Aggregation) in Erdröhren. Da die Anzahl der überlebenden Nachkommen je Gelege meist unter 80 liegt, sind sie auf eine sichere Verbreitungsart angewiesen und verbreiten sich zu Fuß in der Nähe des Mutternetzes.

Das Weibchen von E. kollari wird nach drei Jahren geschlechtsreif und verlässt ihre Erdröhre bis zur Paarung nicht. Die adulten Männchen gehen auf Wanderschaft und suchen sich ein geschlechtsreifes Weibchen. Das Weibchen verpackt 80 Eier in einem linsenförmigen Kokon, der mit Beuteresten und Bodenteilchen getarnt wird und so eine geringere Albedo aufweist. Das 1 cm große Paket wird tagsüber in die Sonne getragen und abends zum Schutz vor der nächtlichen Kälte der gering bewachsenen Sandböden (Ausstrahlung) wieder in die Röhre.

Die Jungtiere schlüpfen in der Höhle. Sie häuten sich dort mehrmals. In dieser Zeit stirbt das Muttertier und wird von den Nachkommen aufgefressen. Sie verlassen nach dem Tod der Mutter das Erdloch und breiten sich im Umkreis aus.

Im Gegensatz dazu verbreitet sich die in Südeuropa vorkommende E. walckenaeri (Brullé, 1832) mit 800 bis 900 Nachkommen je Weibchen über das verlustreiche Ballooning. Die Jungtiere richten ihren Hinterleib in den Wind und produzieren einen Flugfaden, der sie mit dem Wind auch zu weit entlegenen neuen Lebensräumen bringen kann. Dieses Verhalten kann mit einem Kaltluftföhn hervorgerufen werden. Es wird vermutet, dass Röhrenspinnen so entlegene Lebensräume wie Inseln (Ägäis) und Gebirge erreicht haben und sich dort wegen der Isolation zu weiteren Arten differenzieren konnten.

Systematik[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The World Spider Catalog, by Norman I. Platnick

Literatur[Bearbeiten]

  •  Heiko Bellmann: Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Extra: Süßwasserkrebse, Asseln und Tausendfüßer. 3. Auflage. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-440-10746-1, S. 38-42.
  • Ambros Hännggi, Edi Stöckli, Wolfgang Nentwig: Lebensräume mitteleuropäischer Spinnen. Miscallanea faunistica Helvetiae. Centre suisse de cartographie de la faune, CH-2000 Neuchâtel 1995, ISBN 2-88414-008-5
  • Stefan Heimer, Wolfgang Nentwig: Spinnen Mitteleuropas. Paul Parey, Berlin 1991, ISBN 3-489-53534-0
  • Thomas Baumann: Populationsökologische und zönotische Untersuchungen zur Bedeutung von Habitatqualität und Habitatfragmentierung für Spinnenpopulationen auf Trockenrasen am Beispiel von Eresus cinnaberinus (Oliv. 1789). Verlag Wissenschaft und Technik, Berlin 1997, ISBN 3-89685-436-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Röhrenspinnen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien