Römerberg (Frankfurt am Main)

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Panoramabild des Römerberges und Samstagsberges, Blick von der Alten Nikolaikirche

Der Römerberg ist der Rathausplatz von Frankfurt am Main und seit dem Hochmittelalter das Zentrum der Altstadt. Etwa 200 Meter östlich liegt der Gründungskern der Stadt, die Dominsel. Sie ist seit dem Neolithikum besiedelt und beherbergte in römischer Zeit ein Militärlager, im Frühmittelalter einen merowingischen Königshof. Der östliche Teil des Römerbergs heißt auch Samstagsberg und besaß einen eigenen Brunnen.

Lage[Bearbeiten]

Der Römerberg befindet sich in der Frankfurter Innenstadt, nördlich des Mains und des Eisernen Stegs zwischen dem Mainkai (verbunden durch das Fahrtor) und der Braubachstraße. Er wird auf der Westseite durch den Römer, im Osten durch die rekonstruierten historische Bauten und im Süden durch die Alte Nikolaikirche begrenzt.

Gebäude[Bearbeiten]

Die Westseite mit dem Römer und den Häusern Frauenstein und Salzhaus abends
Die Ostzeile mit Gerechtigkeitsbrunnen nach 1887. Im Zweiten Weltkrieg wurden diese Gebäude zerstört.
Foto: Albrecht Meydenbauer
Samstagsberg (Ostzeile), Rekonstruktion aus den 1980er Jahren, rechts der Kaiserdom St. Bartholomäus
Der Gerechtigkeitsbrunnen

Die historische Bebauung des Römerbergs wurde bei der Bombardierung der Altstadt 1944 durch die britische Luftwaffe (RAF) weitgehend zerstört. Das heutige Platzbild ist das Ergebnis mehr oder weniger originalgetreuer Rekonstruktionen.

Auf der Westseite des Platzes steht das historische Rathaus Frankfurts, der Römer. Die Südseite dominiert die frühgotische Alte Nikolaikirche. Das ebenfalls an der Südseite gelegene moderne Eingangsgebäude des Historischen Museums wurde im Mai 2011 abgerissen und wird bis voraussichtlich 2016 neu gebaut. Die Häuserzeile auf der Ostseite des Platzes ist eine 1981 bis 1984 errichtete Rekonstruktion der historischen Vorbilder, zu der man sich nach langer Diskussion entschließen konnte. Die Namen dieser Gebäude sind von Norden nach Süden: Großer und Kleiner Engel, Goldener Greif, Wilder Mann, Kleiner Dachsberg, Großer Laubenberg, Kleiner Laubenberg, Schwarzer Stern. Eine aus den 1950er Jahren stammende Bebauung im schlichten Stil der Wiederaufbau-Zeit war bereits 1969 im Rahmen des U-Bahn-Baus abgerissen worden.

Vom Römer erstreckte sich in der Nachkriegszeit bis zum Bau der Ostzeile eine zum Kaiserdom hin ansteigende und wieder abfallende Freifläche mit Lüftungsschächten eines darunter befindlichen städtischen Parkhauses. Dieses musste dem Bau der U-Bahn-Station Römer weichen.

Die Gasse, die den Römerberg in Richtung Nordosten verlässt (Alter Markt), war bei Kaiserkrönungen Teil des Prozessionswegs vom Kaiserdom zum Römer, der sogenannten via regia.

Auf dem Platz steht der Gerechtigkeitsbrunnen.

1942 entdeckte man beim Bau eines Löschwasserteiches auf dem Römerberg ein riesiges ringförmiges Fundament, das zu einem Wehrturm aus staufischer Zeit gehört haben soll. Es hatte eine Mauerstärke von 6,20 Meter und einen Durchmesser von 21,75 Meter. Seine geplante Höhe von 45 Meter soll er zwar nie erreicht haben, aber um 1240 der höchste Turm Deutschlands gewesen sein. Heute erinnert ein in die Pflasterung des Römerbergs eingelassener Steinring an diesen staufischen Bergfried.

Bedeutung[Bearbeiten]

Krönungszug anlässlich der Kaiserkrönung Karls VI. am 22. Dezember 1711, Kupferstich
Römerberg mit Nikolaikirche und Rathaus Römer, Stahlstich um 1840
Blick vom Dom auf den Römerberg 1956
In das Pflaster des Römerberges eingelassene Gedenkplatte, die an die Bücherverbrennung erinnert
Richtfest des rekonstruierten Hauses "Kleiner Dachsberg" (1984)

Seit dem Mittelalter ist der Platz die Bühne wichtiger Veranstaltungen. Bei Kaiserkrönungen fand auf dem Platz ein großes Volksfest statt, während der neue Kaiser im Kaisersaal des Römers beim Bankett saß. Goethe beschreibt in Dichtung und Wahrheit die Krönungsfeier Kaiser Josephs II. (1764), die drittletzte vor Ende des Reichs.

Seit dem 20. Jahrhundert ist der Römerberg unter anderem Schauplatz zahlreicher Großveranstaltungen.

Von 1932 bis 1939 wurden hier in jedem Sommer die international renommierten Römerberg-Festspiele abgehalten, bei denen in acht Jahren rund 350 Theateraufführungen unter freiem Himmel stattfanden.

Am 10. Mai 1933 fand am Römerberg die von der Deutschen Studentenschaft landesweit organisierte Bücherverbrennung statt. Daran erinnert heute eine am 10. Mai 2001 enthüllte bronzene Gedenktafel von Willi Schmidt zwischen alter Nikolaikirche und Gerechtigkeitsbrunnen mit dem Text „An dieser Stelle verbrannten am 10. Mai 1933 nationalsozialistische Studenten die Bücher von Schriftstellern Wissenschaftlern Publizisten und Philosophen. 2001“ und dem Zitat Heinrich Heines „Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen. Heinrich Heine 1820". In stilisierten Büchern stehen die Namen von 52 verfolgten Autoren.

Am 25. Juni 1963 sprach der amerikanische Präsident Kennedy vor 150.000 Menschen. Er erinnerte an seinen Besuch als junger Abgeordneter des Kongresses 1948 im zerstörten Frankfurt und würdigte die Leistung der Bürger für den Wiederaufbau ihrer Stadt.

Seit den siebziger Jahren fanden auf dem Römerberg auch Großdemonstrationen und Siegesfeiern erfolgreicher Auswahlmannschaften des Deutschen Fußball-Bundes statt, der seinen Sitz in Frankfurt hat. So feierte beispielsweise die Fußball-Nationalmannschaft der Männer ihre Erfolge bei der WM 1990, der EM 1996 und der WM 2002, die Fußball-Nationalmannschaft der Frauen ihre Siege bei den Weltmeisterschaften 2003 und 2007 sowie den Europameisterschaften 2009 und 2013. Am 4. März 2006 war der Römerberg Kulisse für die Stadtwette von Wetten, dass..?.

Während des Advents ist der Römerberg alljährlich Zentrum des Weihnachtsmarktes, der zu den größten und schönsten in Deutschland zählt.

In den 1960er Jahren musste die Dippemess vom Römerberg auf den Festplatz am Ratsweg umziehen, da die Fahrgeschäfte der Schausteller in der Altstadt keinen Platz mehr fanden.

Neben dem Pariser Platz in Berlin, dem Rathausmarkt in Hamburg und dem Marienplatz in München gehört der Römerberg zu den wichtigsten deutschen Stadtplätzen, als „gute Stube“ der Stadt und gelegentlich auch der ganzen Republik.

Der Samstagsberg[Bearbeiten]

Minervabrunnen vor 1944
Brunnen heute
Die rekonstruierte Ostzeile auf dem Samstagsberg, dahinter der Kaiserdom

Der östliche Teil des Römerbergs wird auch Samstagsberg genannt. Dieser Name rührt möglicherweise davon her, dass hier schon während der Karolingerzeit, als sich östlich des Platzes die Königspfalz Frankfurt befand, jeden Samstag unter freiem Himmel öffentlich Gericht gehalten wurde. Die Frankfurter Juden durften nur zur Messezeit den Römerberg betreten, sonst mussten sie über den Samstagsmarkt gehen.

Im Oktober 1454 hielt der Franziskaner Johannes Capristano auf dem Samstagsberg von einem Gerüst herab eine Reihe von Bußpredigten, deren feurige Worte Reue und Einkehr bei den Bürgern der Stadt bewirkt haben sollen. Ein Fresko im Dom, das diese Szene zeigte, wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Später wurden auf dem Samstagsmarkt Wochenmärkte abgehalten. Ein Brunnen ist dort schon 1481 in einer Urkunde über das Haus „zum Ullner“ belegt. An dem Brunnen wurde an den Wochenmärkten eine rote Fahne mit dem weißen Adler als Zeichen des freien Marktes aufgesteckt. In neuerer Zeit stand auf der Pumpensäule eine Figur der Minerva, der Göttin der Weisheit. In alten Zeiten soll an diesem Minerva-Brunnen das gemeine Volk in der Nacht zum ersten Mai die Walpurgisnacht gefeiert haben, während der Rat der Stadt ein Gelage gegenüber im Römer veranstaltete. Der von Friedrich Schierholz geschaffene Brunnen wurde 1944 zerstört. Die Neuaufstellung erfolgte 1983 nach einer historisch getreuen Kopie.[1]

Bis zur Zerstörung 1944 während der Luftangriffe auf Frankfurt am Main führte vom Samstagsberg eine schmale Gasse zum Fünffingerplätzchen, einem der malerischsten Plätze in der Frankfurter Altstadt.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.kunst-im-oeffentlichen-raum-frankfurt.de/de/page108.html?id=97&kuenstler=34

50.1102777777788.6822222222222Koordinaten: 50° 6′ 37″ N, 8° 40′ 56″ O