Römerlager Marktbreit

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Das Römerlager Marktbreit ist ein ehemaliges frührömisches Legionslager aus der Zeit des Kaisers Augustus auf der Gemarkung der unterfränkischen Stadt Marktbreit am Main im Landkreis Kitzingen in Bayern.

Lage[Bearbeiten]

Das Bodendenkmal befindet sich in strategisch günstiger Lage nordöstlich der Stadt auf dem „Kapellenberg“, einem Geländesporn im spitzen Winkel zwischen Main (Moenus) und Breitbach. Aufgrund seiner Verlaufsform bildet der Main hier das sogenannte Maindreieck. In der Antike gab es hier wohl eine alte Furt. Es ist das bislang einzige an diesem Fluss entdeckte Lager, gleichzeitig das am weitesten im Osten gelegene seiner Zeit sowie eines der größten in Germania Magna überhaupt. Befunde belegen, dass sich hier zuvor eine hallstattzeitliche Siedlung befand. Zudem fand sich ein Grab der Schnurkeramik.

Befund und historische Bedeutung[Bearbeiten]

Das Lager wurde 1985 von dem Luftbildarchäologen Otto Braasch erkannt. Sondagen, vor allem aber Magnetometeruntersuchungen während der Bearbeitung des Fundes in den Jahren 1986 bis 1993 durch das Landesamt für Denkmalpflege in Würzburg zeigten dann ein älteres, etwa neun Hektar, und ein jüngeres, etwa 37 Hektar großes Lager. Von dem kleineren ist nur der Graben erhalten, von dem größeren gibt es neben einer 2,8 Meter breiten Holz-Erde-Mauer auch Reste der Innenbebauung. Eine architektonische Besonderheit ist ein axial auf die Principia (Stabsgebäude) bezogenes und mit diesen verbundenes Prätorium (Kommandantenwohnung). Ein solcher zentraler Stabsbau findet sich analog im Römerlager Haltern. Wie schon der unregelmäßige Grundriss und die Gestaltung der Torbereiche sichert diese Einzelheit die Datierung in augusteische Zeit, sechs Münzen und ein Terra Sigillata-Stempel genauer auf die Jahre 5 bis 9 n. Chr. Darüber hinaus konnten Mannschaftsunterkünfte (contubernia), Umwehrung und Toranlagen untersucht werden.

In diesen zeitlichen Horizont lässt sich eine historische Situation gut einordnen. Das Lager Marktbreit wurde wahrscheinlich 5/6 n. Chr. im Zuge des Markomannenfeldzuges der Römer angelegt, an dem insgesamt nicht weniger als zwölf Legionen nebst ihren Auxiliartruppen beteiligt waren. Während der Oberbefehlshaber Tiberius von Carnuntum (Petronell-Carnuntum) aus nach Norden gegen König Marbod marschierte, unternahm der Legat Gaius Sentius Saturninus einen Vorstoß von Mogontiacum (Mainz) aus in östlicher Richtung, dem Lauf des Mains folgend, auf Böhmen. Kurz vor Vereinigung der beiden Armeen musste jedoch der Feldzug wegen des Pannonischen Aufstands abgebrochen werden.

Das Lager Marktbreit passt genau in dieses Szenario, vielleicht nicht so sehr als Durchgangslager mit einer kleinen Stammbelegschaft zur Sicherung von Aufmarsch und Versorgung während des Feldzugs, sondern angesichts der Größe und der repräsentativen Gebäude als geplantes Zentrum nach einer großflächigen Eroberung. Dazu ist es nicht gekommen, was die extreme Fundarmut erklärt. Ob der Ausbau jemals vollständig abgeschlossen war, ist noch nicht geklärt, die großen Gebäude haben aber sicherlich Eindruck auf die Bewohner der Gegend gemacht. Jedenfalls wurde nach dem Abbruch des Feldzuges die Befestigung als nicht mehr benötigt durch Brand niedergelegt.

Zivilsiedlung[Bearbeiten]

Unweit des Lagers entwickelte sich ein ziviles Lagerdorf (canabae legionis), hier fanden sich Handwerker und Händler ein.

Denkmalschutz und Fundverbleib[Bearbeiten]

Der Bereich des Lagers ist ein Bodendenkmal nach dem Bayerischen Denkmalschutzgesetz (BayDSchG). Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden sind genehmigungspflichtig, Zufallsfunde an die Denkmalbehörden zu melden. Das Fundmaterial befindet sich u.a. im Römerkabinett im Malerwinkelhaus (Bachgasse 2, Marktbreit). Des Weiteren wurde vom Parkplatz am Main bis auf den Kapellenberg ein archäologischer Rundwanderweg mit acht Infotafeln angelegt, der einen Eindruck von den gewaltigen Dimensionen des Marktbreiter Legionslagers vermittelt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Pietsch, Dieter Timpe, Ludwig Wamser: Das augusteische Truppenlager Marktbreit. Bisherige archäologische Befunde und historische Erwägungen. In: Bericht der Römisch-Germanischen Kommission 72, 1991, S. 263–324.
  • Martin Pietsch: Die Zentralgebäude des augusteischen Legionslagers von Marktbreit und die Principia von Haltern. In: Germania 71, 1993, S. 355–368.
  • Siegmar von Schnurbein: Die augusteischen Stützpunkte in Mainfranken und Hessen. In: Ludwig Wamser (Hrsg.): Die Römer zwischen Alpen und Nordmeer. Zivilisatorisches Erbe einer europäischen Militärmacht. Katalog-Handbuch zur Landesausstellung des Freistaates Bayern, Rosenheim 2000. von Zabern, Mainz 2000. (= Schriftenreihe der Archäologischen Staatssammlung 1), ISBN 3-8053-2615-7 und ISBN 3-927806-24-2, S. 34–37 mit Grundriss.
  • Ludwig Wamser: Legionslager Marktbreit. Marktbreit, Lkr. Kitzingen. In: Ders. (Hrsg.): Die Römer zwischen Alpen und Nordmeer. Zivilisatorisches Erbe einer europäischen Militärmacht. Katalog-Handbuch zur Landesausstellung des Freistaates Bayern, Rosenheim 2000. von Zabern, Mainz 2000. (= Schriftenreihe der Archäologischen Staatssammlung 1), ISBN 3-8053-2615-7 und ISBN 3-927806-24-2, Kat. Nr. 250 S. 436–438 mit Abbildungen realer und virtueller Modelle.

Weblinks[Bearbeiten]

49.66994444444410.155055555556Koordinaten: 49° 40′ 12″ N, 10° 9′ 18″ O