Römisch-katholische Kirche in Bulgarien

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Römisch-katholische Pfarreien in Bulgarien (Stand 2007)
Römisch-katholische Pfarreien in Bulgarien
  Bistum Sofia und Plowdiw
  Bistum Nikopol
  Apostolisches Exarchat Sofia
Kathedrale St. Paul vom Kreuz, Russe

Die römisch-katholische Kirche in Bulgarien ist eine Diasporakirche.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Christianierung des heutigen Bulgariens erfolgte seit spätestens dem 4. Jahrhundert. Auf dem Konzil von Nizäa ist ein Erzbischof von Serdika (heute Sofia) bezeugt. Während der Völkerwanderung wurde das Christentum zurückgedrängt und hielt sich nur in einigen Gemeinden. Im 8. und 9. Jahrhundert erfolgte die Re-Christianisierung, hauptsächlich von Byzanz aus, aber auch durch westkirchliche Missionare wie den Fuldaer Mönch Gottschalk oder Formosus von Porto.[1] 865 ließ sich Zar Boris I. von byzantinischen Missionaren taufen. In einer Zeit schwerer Auseinandersetzungen mit der Ostkirche, in kirchenrechtlichen Fragen sowie im Filioque-Streit, versuchte Rom, seinen Primat auf die bulgarische Kirche auszuweiten.[2] Auf dem vierten Konzil von Konstantinopel im Jahr 870 entschieden die byzantinischen Bischöfe unter Protest der römischen Delegierten, dass die bulgarische Kirche Byzanz unterstellt wurde.[3] Zwar hatte Rom in den folgenden Jahrhunderten wiederholt versucht, seinen Primat auf Bulgarien auszuweiten, doch verblieb die bulgarische Kirche, die 976 einen Patriarchen erhielt, unter byzantinischem Einfluss.

Von Bedeutung für die Geschichte der Westkirche war der Umstand, dass im 12. Jahrhundert Kreuzfahrer und Kaufleute mit den Bogomilen, die sich in Bulgarien niedergelassen hatten, in Kontakt kamen und deren Gedankengut in den Westen brachten, was zur Entstehung der Katharer-Bewegung führte.[4]

Zwischenzeitlich war Bulgarien auch politisch unter byzantinische Herrschaft geraten. Nach zahlreichen Aufständen gelang es den Bulgaren 1185/1186 ein neues Reich zu errichten, dass sein Zentrum in Tarnowo hatte. Zar Kalojan wandte sich 1202 an Papst Innozenz III. mit der Bitte, ihn zum Kaiser zu krönen und die Eigenständigkeit der bulgarischen Kirche anzuerkennen. 1203 entsandte der Papst seinen Legaten Leone Brancaleo mit der Vollmacht, die Krönung als König vorzunehmen und dem Erzbischof Basilios von Tarnowo den Titel Primas von Bulgarien und der Wallachei zu verleihen. Zur selben Zeit eroberte ein Kreuzfahrerheer Byzanz und setzte einen lateinischen Kaiser ein. Nachdem Verhandlungen mit den Lateinern gescheitert waren, verbündete Bulgarien sich mit dem nizänischen Exil-Kaiser. Dadurch verlor die kirchliche Union zwischen Rom und Bulgarien an Bedeutung und wurde mit der Anerkennung des bulgarischen Patriarchats seitens des griechischen Patriarchen 1235 anlässlich der Hochzeit des byzantinischen Prinzen Theodor Laskaris und Helene, der Tochter Johannes II. von Bulgarien, hinfällig.[5]

1688 brach der von bulgarischen Katholiken organisierte Aufstand von Tschiprowzi gegen die osmanische Herrschaft aus.

Im 19. Jahrhundert kam zu einer Union von Teilen der bulgarischen Orthodoxie mit Rom, als 1861 Josif Sokolski zum Bischof der unierten Bulgarisch-Katholischen Kirche geweiht wurde.

Gegenwart[Bearbeiten]

In Bulgarien leben heute etwa 65.000 lateinische Katholiken in den beiden immediaten Bistümern Sofia und Plowdiw sowie Nikopol, wie auch 10.000 byzantinische Katholiken des Apostolischen Exarchates Sofia der Bulgarisch-Katholischen Kirche. Dies sind nicht ganz 1 % der ca. 8 Millionen Einwohner des Landes, welche zumeist der Bulgarisch-Orthodoxen Kirche angehören. Die Katholiken, die nach byzantinischem Ritus feiern, unterstehen dem Apostolischen Exarchat von Sofia und werden auch als Gläubige der Bulgarisch-Katholischen Kirche bezeichnet.

Seit 1991 entsendet der Heilige Stuhl einen Apostolischen Nuntius nach Bulgarien. 2002 errichtete der Heilige Stuhl die bulgarische Bischofskonferenz, der sowohl die beiden Bistümern lateinischen Ritus (Sofia und Plowdiw, Nikopol) als auch das Apostolische Exarchat Sofia angehören.[6]

2002 besuchte Papst Johannes Paul II. Bulgarien.

Immediate Bistümer[Bearbeiten]

  1. Bistum Nikopol
  2. Bistum Sofia und Plowdiw
  3. Apostolisches Exarchat Sofia (Byzantiner)

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hubert Jedin (Hrsg.): Handbuch der Kirchengeschichte, Bd. III/1, Freiburg 1966, S. 170-207.
  2. Ivan Dujčev: Bulgarien. IV. Religions- und Kirchengeschichte. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 2, Artemis & Winkler, München/Zürich 1983, ISBN 3-7608-8902-6, Sp. 925–928.
  3. Hubert Jedin (Hrsg.): Handbuch der Kirchengeschichte, Bd. III/1, Freiburg 1966, S. 207.
  4. Hubert Jedin (Hrsg.): Handbuch der Kirchengeschichte, Bd. III/2, Freiburg 1968, S. 126.
  5. Aurelio des Santos-Otero: Bulgarien I. In: Theologische Realenzyklopädie (TRE). Band 7, de Gruyter, Berlin/New York 1981, ISBN 3-11-008192-X, S. 367–368.
  6. Geschichte der bulgarisch-katholischen Kirche (englisch)

Literatur[Bearbeiten]

  • Ivan Sofranov: Histoire du mouvement bulgare vers l’église catholique au XIX siècle. Première période: les origines 1855-1865. Desclée, Rom u.a. 1960.
  • Charles A. Frazee: Catholics and Sultans. The church and the Ottoman Empire 1453-1923. Cambridge University Press, London 1983, ISBN 0-521-24676-8, S. 242-247.
  • Daniela Kalkandjieva: The Catholic Church in Bulgaria and the Cold War. In: Gilbert Meynier, Maurizio Russo (Hrsg.): L'Europe et la Méditerranée. Stratégies et itinéraires politiques et culturels en Méditerranée France et Italie, XIXe - XXe siècles, une approche comparative. L'Harmattan, Paris 1999, ISBN 2-7384-7630-9, S. 229-241.

Weblinks[Bearbeiten]