Römisch-katholische Kirche in Deutschland

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St. Gereon in Köln aus dem 4. Jahrhundert, die älteste römisch-katholische Kirche Deutschlands

Die römisch-katholische Kirche in Deutschland ist eine der beiden größten und die älteste christliche Religionsgemeinschaft in Deutschland. Für das Jahr 2013 gab die Deutsche Bischofskonferenz die Mitgliederzahl mit 24.170.745 an, das entspricht rund 29,9 % der damaligen Gesamtbevölkerung.[1][2]

Wenn auch die römisch-katholische Kirche ihrem Selbstverständnis nach (das altgriechische Wort katholikos bedeutet „allgemein“) weltumspannend ist, so sind in den einzelnen Ländern Unterschiede und Eigenheiten wahrnehmbar.

Definition[Bearbeiten]

In diesem Artikel wird mit dem Begriff „Kirche Deutschlands“ die römisch-katholische Kirche in der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet. Der Regionalkalender für das deutsche Sprachgebiet dagegen gilt auch für Österreich, die Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg, das deutschsprachige Belgien und Südtirol, für die alle zusammen auch der Salzburger Erzbischof nach wie vor den Titel Primas Germaniae innehat. Mit diesem Titel sind allerdings keine Rechte mehr verbunden.

Organisation und Statistik[Bearbeiten]

Die Katholiken in Deutschland leben in 11.085 Pfarreien und sonstigen Seelsorgsstellen (Stand: 2013)[1], die in Dekanaten und Pfarrverbänden zusammengeschlossen sind und zu einem der 27 Erzbistümer oder Bistümer gehören.

Die Bistümer bilden die Deutsche Bischofskonferenz und sind im Verband der Diözesen Deutschlands als Rechtsträger organisiert.[3] Derzeitiger Vorsitzender ist der Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx.[4] Des Weiteren existiert für die Bistümer des kirchlichen Bayern die Freisinger Bischofskonferenz unter dem Vorsitz des Erzbischofs von München und Freising Reinhard Kardinal Marx. Der Heilige Stuhl ist in Deutschland durch den Apostolischen Nuntius, aktuell Erzbischof Nikola Eterović, vertreten. Als Oberhaupt der katholischen Weltkirche hat der Papst auf Grund seines Jurisdiktionsprimats auch in den Teilkirchen ein Weisungsrecht. Der emeritierte Papst Benedikt XVI. ist auch deutscher Staatsangehöriger mit Wohnsitz in Pentling.

Die Bischöfe werden auf Grund der verschiedenen Konkordate von den Domkapiteln auf Grund eines Dreiervorschlags der Römischen Kurie gewählt und anschließend vom Papst ernannt, wobei den Regierungen der Länder ein sogenanntes Erinnerungsrecht in unterschiedlicher Ausführung zugestanden wurde. Im „kirchlichen Bayern“ (Bayern sowie die ehemals bayrische Pfalz) erhält der Papst einen Dreiervorschlag vom Domkapitel, ist dann aber in seiner Ernennung frei.

Eine Besonderheit der deutschen Kirche ist die weitverzweigte Organisation der Laien in eigenen Gremien. Die Pfarrgemeinderäte werden von den Katholiken der einzelnen Pfarreien gewählt (in der Regel aktives Wahlrecht ab 16 und passives ab 18 Jahren); der Pfarrer beruft noch Mitglieder hinzu. Entsprechend werden von den PGRs Dekanatsräte gewählt, und dann wiederum die Diözesanräte und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Derzeit hat Alois Glück das Amt des Präsidenten inne. Im ZdK sind viele Politiker vertreten, wie z. B. Glück selbst (CSU), Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), Ex-Bundesministerin Annette Schavan (CDU), Ex-Wirtschaftsminister und Ex-Vizekanzler Philipp Rösler (FDP) oder Wolfgang Thierse, Vizepräsident des Deutschen Bundestages (SPD).

In Deutschland existiert ein Kirchensteuersystem, welches den deutschen Bistümern im Vergleich mit den Bistümern anderer Länder zu einer gewissen Finanzkraft verhilft.

Kleriker, geweihtes Leben, haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter[Bearbeiten]

66 Bischöfe sind Mitglied der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (Stand Juli 2014)[1], es gibt (Stand: 2014) 12.336 Welt- und 2.154 Ordenspriester (zusammen 14.490, davon 9.222 im aktiven pastoralen Dienst) und 3.210 Ständige Diakone. In einer der 57 verschiedenen in Deutschland ansässigen Ordensgemeinschaften leben 22.476 Ordensleute, davon 4.532 Männer (3.048 Priester) in 454 klösterlichen Niederlassungen in 104 selbständigen Provinzen und Abteien (weitere 1.261 deutsche Ordensmänner sind im Ausland tätig)[5] und 18.303 Frauen[6]. (1997 gab es 35.160 Ordensfrauen in Deutschland[7][1] ). Säkularinstituten gehören 1.659 Personen an (201 Männer, 1.458 Frauen), dem Opus Dei circa 600 (zuzüglich ca. 400 aktive Mitarbeiter)[8]. Darüber hinaus leben in den deutschen Diözesen etwa 170 geweihte Jungfrauen[9] und zwischen 70 und 80 Diözesaneremiten.[10]

Zahlenmäßig stärkste Ordensgemeinschaften in der Bundesrepublik Deutschland sind nach den Benediktinern (702) und Franziskanern (601) die Jesuiten (332), die Salesianer Don Boscos (270), die Steyler Missionare (280) und die Pallottiner (253).[1] 55 % der männlichen Ordensmitglieder[11] und circa 84 % der Ordensschwestern sind über 65 Jahre alt[7].

Die katholische Kirche beschäftigte darüber hinaus in Deutschland 2012 3.140 Pastoralreferenten und Pastoralassistenten (1.817 Männer, 1.323 Frauen) und 4.470 Gemeindereferenten und Gemeindeassistenten (965 Männer, 3.505 Frauen).[1]

Weitere Beschäftigte in „Folgediensten“ sind tätig als Kirchenmusiker, Küster, Verwaltungsangestellte und in der Kirche angeschlossenen Einrichtungen und Organisationen (z. B. Caritas mit seinen Diözesan- und Fachverbänden, Altenheime, Krankenhäuser, Kindergärten, Schulen und Bildungseinrichtungen). Insgesamt stehen etwa 100.000 Menschen in hauptamtlichen kirchlichen Diensten. Die Zahl der Ehrenamtlichen in der Jugend-, Sozial- und Altenarbeit, in Beratungs- und Leitungsgremien, als Ministranten, Mitglieder in Chören usw. geht in die Millionen.[12]

Katholischer Bevölkerungsanteil nach Diözesen (2012)
Katholischer Bevölkerungsanteil nach Landkreisen (Zensus 2011)

Konfessionelle Einordnung[Bearbeiten]

Infolge des im Augsburger Religionsfrieden und im Westfälischen Frieden festgelegten Regionalprinzips ist Deutschland konfessionell regional gespalten. Diese Spaltung ist jedoch nach der Integration der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge aus den Ostgebieten des Deutschen Reiches nach dem Zweiten Weltkrieg weniger ausgeprägt. Dennoch kann man den Süden und Westen als tendenziell katholisch bezeichnen (Bistum Passau mit 88,9 % Katholikenanteil), während die ehemaligen preußischen Gebiete im Norden und Osten eher protestantisch geprägt sind (Erzbistum Hamburg mit 6,8 % Katholiken, aber 39 % Protestanten bei der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland) und die Einwohner der Neuen Bundesländer zum Großteil keiner Religion angehören (z. B. Bistum Dresden-Meißen mit 3,4 % (2005)[13] Katholiken und 20,0 % (2011) Protestanten der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens[14].

Formen und Grad der Teilhabe am kirchlichen Leben[Bearbeiten]

Die Zahl der Besucher der sonntäglichen Messfeier nimmt kontinuierlich ab und betrug nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz 2013 noch 2,6 Millionen Menschen entsprechend 10,8 % der Kirchenmitglieder[1] gegenüber 6,19 Millionen Besuchern im Jahre 1990 (21,9 % der Kirchenmitglieder 1990).[15] Zum Vergleich: 1,2 Mill. Protestanten (5 % der Kirchenmitglieder) besuchten 2008 den Sonntagsgottesdienst.[16]

Auch in anderen Bereichen der Grundstrukturen des kirchlichen Lebens sind die Zahlen rückläufig. 2013 wurden 164.664 Menschen getauft, 1990 wurden noch 300.000 Personen getauft. Die Zahl der Trauungen betrug 43.728 (1990: 116.000). kirchlichen Begräbnisfeiern gab es 2013 b252.344 (1990: 298.000).[1]

Seit einiger Zeit ist die Zahl der Sterbefälle und Kirchenaustritte aus der römisch-katholischen Kirche deutlich höher als die der Taufen, Konversionen und Wiedereintritte in die Kirche. 2010 erklärten infolge der in diesem Jahr bekannt gewordenen Missbrauchsfälle 181.193 Menschen ihren Austritt[17], ein Anstieg von 47% verglichen mit dem Jahr 2009.[18] Damit überstieg die Zahl der Austritte zum ersten Mal die der Taufen. Allerdings waren die Kirchenaustritte im Vergleich zur heute etwa gleich großen evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in den letzten Jahrzehnten deutlich niedriger. So kommt es, dass die in Deutschland zahlenmäßig früher immer die Mehrheit bildende evangelische Kirche (Statistik für Westdeutschland: 1951: 51,1 % Protestanten (EKD) gegenüber 45,5 % Katholiken) trotz des Hinzukommens des früher vorwiegend protestantisch geprägten ostdeutschen Bundesländer, deren Bevölkerung heute mehrheitlich konfessionlos ist, heute weniger Mitglieder hat als die römisch-katholische Kirche.[19] Im Jahr 2011 ging die Zahl der Austritte wieder zurück und lag bei 126.488, zugleich gab es 3.217 Eintritte und 7.163 Wiedereintritte.[2] Im Jahr 2012 lag die Zahl der Austritte bei 118.335, zugleich gab es 3.091 Eintritte und 7.185 Wiedereintritte.[2]. Im Jahr 2013 errechte die Zahl der Austritte mit 178.805 bzw. 0,73% einen neuen relativen Rekordwert, es gab 3.062 Eintritte und 6.980 Wiedereintritte.[1]

In einer repräsentativen Umfrage des Institutes für Demoskopie Allensbach, die im kirchlichen Auftrag im Oktober und November 2009 durchgeführt wurde, bezeichneten sich 17 Prozent der Katholiken als „gläubige Kirchennahe“ (zum Vergleich: 7 % der Protestanten). 37 % der Befragten nannten sich „kritisch kirchenverbunden“ sowie 32 % als „kirchlich distanziert“. 6 % Prozent der Katholiken definierten sich als „nicht religiös“, während 3 % sich als „religiös, aber nicht christlich“ und weitere 5 % als „glaubensunsicher“ bezeichnen. Zugleich zeigte sich eine große Unzufriedenheit mit bestimmten Lehrmeinungen. Mit der Lehre zur Empfängnisverhütung zeigten sich nur 9 % zufrieden, die kirchliche Position zur Homosexualität teilten 17 % der Katholiken. Mit dem Zölibat waren 13 % einverstanden, mit der Rolle von Frauen in der römisch-katholischen Kirche 19 %. Höhere Zustimmungswerte gab es für das karitative Engagement (86 %), das Einsetzen für Frieden (77 %) und Menschenrechte (68 %), humane Arbeitsbedingungen (65 %) sowie der Haltung zur Erziehung und Wertevermittlung (54 %).[20] In der Statistik der Gottesdienstbesucher bildet das Bistum Hildesheim und hier wiederum das Dekanat Verden unter den deutschen Diözesen mit elf Prozent das Schlusslicht.

Geographische Gliederung[Bearbeiten]

Die römisch-katholische Kirche besteht in Deutschland aus sieben Kirchenprovinzen mit insgesamt 27 Diözesen. Das älteste deutsche Bistum ist das Bistum Trier, das bereits im 3. Jahrhundert gegründet wurde. Bedeutend unter den Bistümern sind die Erzbistümer Köln und München-Freising und Berlin, deren Erzbischöfen traditionell der Titel eines Kardinals verliehen wird und die als Metropoliten eine Vorrangstellung haben. Seit dem 12. Jahrhundert führt die Stadt Köln sogar die Bezeichnung „Sancta“ im Stadtnamen Sancta Colonia Dei Gratia Romanae Ecclesiae Fidelis Filia („Heiliges Köln von Gottes Gnaden, der römischen Kirche getreue Tochter“) im Volksmund noch „et Hillije Kölle“ genannt.[21] Das Bistum Mainz hat das alte Vorrecht, sich „Heiliger Stuhl von Mainz“ zu nennen,[22] was keinem anderen Bistum der Welt außer Rom zukommt. Des Weiteren kommt den Bischöfen des Erzbistums Paderborn sowie des Bistums Eichstätt als zwei von vier Bistümern weltweit das Recht zu, als besonderes Würdezeichen das Rationale zu tragen.

Überblick über die Kirchenprovinzen in Deutschland[Bearbeiten]

Nummer Kirchenprovinz Errichtung Metropolit Suffraganbistümer Suffraganbischöfe Lage der Metropolie in Deutschland
1 Bamberg 1818 Ludwig Schick Eichstätt
Würzburg
Speyer
Gregor Maria Hanke OSB
Friedhelm Hofmann
Karl-Heinz Wiesemann
Karte Kirchenprovinz Bamberg.png
2 Berlin 1994 Sedisvakanz (Juli 2014)
Rainer Maria Kardinal Woelki (Diözesanadministrator)
Dresden-Meißen
Görlitz
Heiner Koch
Wolfgang Ipolt
Karte Kirchenprovinz Berlin.png
3 Freiburg 1827 Stephan Burger Mainz
Rottenburg-Stuttgart
Karl Kardinal Lehmann
Gebhard Fürst
Karte Kirchenprovinz Freiburg.png
4 Hamburg 1995 Sedisvakanz Hildesheim
Osnabrück
Norbert Trelle
Franz-Josef Bode
Karte Kirchenprovinz Hamburg.png
5 Köln 795 Rainer Maria Kardinal Woelki
(ernannt)
Aachen
Essen
Limburg
Münster
Trier
Heinrich Mussinghoff
Franz-Josef Overbeck
Manfred Grothe (Apostolischer Administrator)
Felix Genn
Stephan Ackermann
Karte Kirchenprovinz Koeln.png
6 München und Freising 1817
/
1821
Reinhard Kardinal Marx
Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
Augsburg
Regensburg
Passau
Konrad Zdarsa
Rudolf Voderholzer
Stefan Oster
Karte Kirchenprovinz Muenchen-Freising.png
7 Paderborn 1930 Hans-Josef Becker Erfurt
Fulda
Magdeburg
WB Reinhard Hauke (Diözesanadministrator)
Heinz-Josef Algermissen
Gerhard Feige
Karte Kirchenprovinz Paderborn.png

Überblick über die Diözesen in Deutschland[Bearbeiten]

Nummer Erzbistum/Bistum Gründung Aktueller Bischof Aktuelle Weihbischöfe Kathedrale Lage des Bistums in Deutschland
1 Erzbistum Bamberg 1007 Ludwig Schick
Herwig Gössl Bamberger Dom Karte Erzbistum Bamberg.png
2 Bistum Eichstätt 740 Gregor Maria Hanke OSB Eichstätter Dom Karte Bistum Eichstaett.png
3 Bistum Speyer 346
610
1817
Karl-Heinz Wiesemann Otto Georgens Kaiserdom zu Speyer Karte Bistum Speyer.png
4 Bistum Würzburg 742 Friedhelm Hofmann Ulrich Boom Würzburger Dom Karte Bistum Würzburg.png
5 Erzbistum Berlin 1930 Sedisvakanz (Juli 2014)
Rainer Maria Kardinal Woelki (Diözesanadministrator)
Matthias Heinrich Hedwigskathedrale Karte Erzbistum Berlin.png
6 Bistum Dresden-Meißen 968
1921
Heiner Koch Dresdner Hofkirche (Kathedrale)
Dom St. Petri (Bautzen) (Konkathedrale in Bautzen)
Karte Bistum Dresden-Meissen.PNG
7 Bistum Görlitz 1972
1974
Wolfgang Ipolt Kathedrale St. Jakobus Karte Bistum Görlitz.png
8 Erzbistum Freiburg 1827 Stephan Burger Michael Gerber
Bernd Uhl
Freiburger Münster Karte Erzbistum Freiburg.png
9 Bistum Mainz 350
745
Karl Kardinal Lehmann Ulrich Neymeyr Mainzer Dom Karte Bistum Mainz.png
10 Bistum Rottenburg-Stuttgart 1828 Gebhard Fürst Johannes Kreidler
Thomas Maria Renz
Rottenburger Dom St. Martin (Kathedrale)
Domkirche St. Eberhard (Konkathedrale in Stuttgart)
Karte Bistum Rottenburg-Stuttgart.png
11 Erzbistum Hamburg 831
1995
Sedisvakanz (März 2014)
Ansgar Thim (Diözesanadministrator)
Hans-Jochen Jaschke
Norbert Werbs
Neuer Mariendom (Hamburg) Karte Erzbistum Hamburg.png
12 Bistum Hildesheim 815 Norbert Trelle
Stv. Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
Heinz-Günter Bongartz
Nikolaus Schwerdtfeger
Hildesheimer Dom Karte Bistum Hildesheim.png
13 Bistum Osnabrück 783 Franz-Josef Bode Johannes Wübbe Osnabrücker Dom Karte Bistum Osnabrück.png
14 Erzbistum Köln 313
795
Rainer Maria Kardinal Woelki
(ernannt)
Manfred Melzer
Dominik Schwaderlapp
Ansgar Puff
Kölner Dom Karte Erzbistum Köln.png
15 Bistum Aachen 1802
1930
Heinrich Mussinghoff Karl Borsch
Johannes Bündgens
Aachener Dom Karte Bistum Aachen.png
16 Bistum Essen 1958 Franz-Josef Overbeck
Deutscher Militärbischof
Ludger Schepers
Wilhelm Zimmermann
Essener Münster Karte Bistum Essen.png
17 Bistum Limburg 1827 Sedisvakanz (März 2014)
Manfred Grothe
(Apostolischer Administrator)
Thomas Löhr Limburger Dom Karte Bistum Limburg.png
18 Bistum Münster 805 Felix Genn Heinrich Timmerevers
Dieter Geerlings
Christoph Hegge
Wilfried Theising
Stefan Zekorn
St.-Paulus-Dom Karte Bistum Münster.png
19 Bistum Trier 250 Stephan Ackermann Jörg Michael Peters
Robert Brahm
Helmut Dieser
Trierer Dom Karte Bistum Trier.png
20 Erzbistum München und Freising 723
739
Reinhard Kardinal Marx

Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
Bernhard Haßlberger
Wolfgang Bischof
Frauenkirche (München) (Kathedrale)
Freisinger Dom (Konkathedrale)
Karte Erzbistum Muenchen-Freising.png
21 Bistum Augsburg 304
738
739
Konrad Zdarsa Anton Losinger
Florian Wörner
Mariendom Augsburg (Kathedrale)
Basilika St. Peter (Konkathedrale in Dillingen)
Karte Bistum Augsburg.png
22 Bistum Passau um 400
739
Stefan Oster Stephansdom zu Passau Karte Bistum Passau.png
23 Bistum Regensburg 652
739
Rudolf Voderholzer Reinhard Pappenberger Regensburger Dom Karte Bistum Regensburg.png
24 Erzbistum Paderborn 799 Hans-Josef Becker Manfred Grothe
Matthias König
Hubert Berenbrinker
Paderborner Dom Karte Erzbistum Paderborn.png
25 Bistum Erfurt 742
1994
Sedisvakanz (Oktober 2012)
Reinhard Hauke (Diözesanadministrator)
Reinhard Hauke Erfurter Dom Karte Bistum Erfurt.png
26 Bistum Fulda 744 Heinz-Josef Algermissen Karlheinz Diez Fuldaer Dom Karte Bistum Fulda.png
27 Bistum Magdeburg 968
1994
Gerhard Feige Kathedrale St. Sebastian Magdeburg Karte Bistum Magdeburg.png

Geschichte[Bearbeiten]

Bis zur Reformation[Bearbeiten]

Die Geschichte der katholischen Kirche in Deutschland begann bereits in römischer Zeit. Das erste heute bekannte Bistum war das Bistum Trier, das im 3. Jahrhundert entstand. Kurz danach wurden weitere Bistümer wie Köln, um 300, und im 4. Jahrhundert Mainz, gegründet. Mit dem Ende des Römischen Reiches kam es jedoch zu einem Stillstand der Mission, die auch nicht durch iroschottische Missionsversuche wieder belebt wurden. Erst mit dem hl. Bonifatius kam es zu neuen Missionen mit Bistumsgründungen. Als erste Kirchenprovinzen wurden Mainz, Köln und Trier errichtet. Doch auch in den folgenden Jahrhunderten war die Macht der Bischöfe durch zahlreiche mächtige Klöster eingeschränkt. Mit dem ausgehenden 10. Jahrhundert begann die Osterweiterung des Reiches. Auch sie führte zu neuen Missionen und Bistumsgründungen, so dass man die Grundstruktur der katholischen Kirche in Deutschland mit dem frühen 12. Jahrhundert als abgeschlossen betrachten kann. Eine Besonderheit bilden hierbei die zumeist großflächigen Diözesen, welche in ihrer Größe nicht mit italienischen oder französischen Bistümern zu vergleichen sind. Primas Germaniae, schon damals ein reiner Ehrentitel, wurde der Erzbischof von Magdeburg.

Kirchenprovinzen und Bischofssitze in Mitteleuropa um 1500

Reformation und Gegenreformation[Bearbeiten]

Zu weiteren Veränderungen innerhalb der römisch-katholischen Kirche in Deutschland kam es erst mit der Reformation. Hierbei gab es unter den Gläubigen, wie auch der Kirchenleitung, oftmals konfessionelle Verwirrung. So heißt es von einem Pfarrer, dass er verheiratet sei und den Laienkelch reiche, aber gut katholisch sei. Die Gegenreformation führte in der katholischen Kirche zu einem neuen Bemühen um die Seelsorge und damit verbunden ein Heben der Bildung des einfachen Klerus. Neue Ordensgemeinschaften widmeten sich nun dem Schulwesen und der Krankenpflege und die Volksfrömmigkeit nahm wieder zu. Gleichzeitig gingen zahlreiche Bistümer unter, deren Gebiete erst reformiert und dann säkularisiert wurden. Andere wiederum fielen an Frankreich oder Polen. Es entstanden aber auch neue Bistümer, wie in den heutigen Niederlanden und Belgien. Anstelle des Bischofs des untergegangenen Erzbistums Magdeburg wurde der Erzbischof von Salzburg Primas Germaniae.

Bistumsmäßig gingen die ganze Kirchenprovinz Bremen-Hamburg sowie die Mainzer Suffragane Halberstadt und Verden verloren. Der vormalige Kölner Suffragan Utrecht wurde zum Erzbistum erhoben und war mit seinen Suffraganen nun ziemlich eindeutig dem belgischen Gebiete zugehörig; dort wurde auch das neue Erzbistum Mecheln errichtet, dem man unter anderem der vormalige Kölner Suffragan Lüttich unterstellte. Wien und Wiener Neustadt wurden exemt.

18. Jahrhundert[Bearbeiten]

Im 18. Jahrhundert hatte sich die Lage der katholischen Kirche in Deutschland stabilisiert und es blühte eine reiche Volksfrömmigkeit. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aber kam es erneut zu reformatorischen Bewegungen, wenn auch zuerst nur klein und unscheinbar. So brachte die Aufklärung ein Erstarken des nationalen Gedankens, was zu einem Versuch der Einschränkung der Macht des Papstes über die römisch-katholische Kirche in Deutschland führte.

Mittlerweile war das Patriarchat von Aquileia aufgehoben worden und das Erzbistum Görz für den österreichischen Teil an seine Stelle getreten. Wien war mit den neugeschaffenen Suffraganen Linz und St. Pölten zum Erzbistum erhoben worden, Breslau, Fulda, Laibach, Passau, und Sitten waren exemt. Sachsen, die Lausitz und Norddeutschland mussten als apostolische Präfektur bzw. Vikariate verwaltet werden (unter anderem Apostolisches Vikariat Ober- und Niedersachsen).

Säkularisation und nachfolgende Zeit[Bearbeiten]

Die Säkularisation hatte fast alle hierarchischen Strukturen der römisch-katholischen Kirche in Deutschland zerstört. Viele Bischofsstühle waren jahrelang vakant, ihre Gebiete fielen an neue Landesherren. Mit diesen wurde im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts neu verhandelt: Päpstliche Zirkumskriptionen mit den einzelnen Ländern, die auch finanziell für die Bistümer aufkommen mussten, ordneten die hierarchischen Strukutren neu (siehe Neuumschreibung der katholischen Diözesen in Deutschland nach dem Wiener Kongress).

Deutsche Bistümer 1825:

  1. Bamberg mit Eichstätt, Speyer und Würzburg
  2. Freiburg mit Fulda, Limburg, Mainz und Rottenburg
  3. Köln mit Münster, Paderborn und Trier
  4. Erzbischöfliche Personalunion Gnesen-Posen: Bistum Kulm
  5. München und Freising mit Augsburg, Passau und Regensburg
  6. Exemte Bistümer: Breslau, Ermland, Hildesheim, Osnabrück, Apostolisches Vikariat Anhalt (1825–1921), Apostolische Präfektur Meißen (genannt Lausitz) (1567–1921), Apostolisches Vikariat der Nordischen Missionen (1667–1868, dann … der Nordischen Missionen Deutschlands 1868–1930), Apostolisches Vikariat der Sächsischen Erblande (1743–1921), Apostolische Präfektur Schleswig-Holstein (1868–1930)[23]

Die Erstarkung der Volksfrömmigkeit und des katholischen Vereinswesens hatte auch politische Folgen: So wurde etwa die Zentrumspartei gegründet. Besonders im Bereich des Sozialen, also etwa in der Krankenpflege und der Kindererziehung, wurden zahlreiche neue Kongregationen gegründet.

Auch der Konflikt mit dem preußischen Staat im Kulturkampf konnte das Erstarken des Katholizismus nicht aufhalten. Die Abspaltung der altkatholischen Kirche führte nur zu einem geringen Verlust von Gläubigen. Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert versöhnten sich Staat und Kirche zunehmend. So galt der Kölner Erzbischof Felix von Hartmann als ein Anhänger Kaiser Wilhelms II.

Weimarer Republik und Drittes Reich[Bearbeiten]

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1921 wurde in Anlehnung an das alte Bistum Meißen das neue exempte Bistum (Dresden-)Meißen wiedererrichtet. Gemäß dem Preußenkonkordat wurde 1930 die Ostdeutsche Kirchenprovinz mit dem neugegründeten Bistum Berlin errichtet (aus der 1821 gegründeten Fürstbischöflichen Delegatur für Brandenburg und Pommern des vormaligen Fürstbistums Breslau), dem ostpreußischen bis dahin exempten Bistum Ermland und der neu errichteten Prälatur Schneidemühl unter dem nun zum Erzbistum erhobenen Breslau. Auch Paderborn (vormals zu Köln) wurde Metropolie der Mitteldeutschen Kirchenprovinz, mit den Suffraganen Fulda (vormals zu Freiburg) und Hildesheim (vormals zu Köln). Die Apostolischen Vikariate und die Präfektur wurden aufgehoben und den Bistümern zugeteilt.

Ein Konkordat mit dem ganzen Deutschen Reich, um das sich Nuntius Eugenio Pacelli (der spätere Pius XII.) bemüht, kam erst im Jahre 1933 unter der nationalsozialistischen Reichsregierung zustande; die Aussicht darauf spielte wohl auch eine Rolle bei der katholischen Zentrumspartei, dem Ermächtigungsgesetz zuzustimmen. In diesem Vertrag wurde die kirchliche Selbstverwaltung bestätigt, zugleich aber endete der politische Katholizismus.[24] Das Reichskonkordat gilt als „vorkonstitutionelles Recht“ weiter fort und bestimmt somit bis heute das Verhältnis der katholischen Kirche zum Staat.

Im Dritten Reich gelang es daraufhin der katholischen Kirche, sich der Gleichschaltung zu entziehen. Die zunächst geäußerte Kritik am Nationalsozialismus, die sich bis 1933 unter anderem in einem kirchlichen Verbot, Mitglied der NSDAP zu sein, ausdrückte, wurde nach der Machtergreifung und mehreren kirchenfreundlichen Äußerungen Adolf Hitlers jedoch relativiert, wenn sich auch die Kirche noch vielfach kritisch zu Wort meldete wie z. B. durch die vom deutschen Erzbischof Michael Kardinal Faulhaber maßgeblich mitvorbereitete päpstliche Enzyklika „Mit brennender Sorge“ oder die Predigten des späteren Kardinals Bischof Graf Galen. So leistete die Kirche Widerstand gegen die Euthanasie und die Verfolgung und Ermordung der Juden.

Es zeigte sich, dass Hitler auf das Konkordat nicht viel gab. Die Auflösung katholischer Jugendverbände und die Verfolgung missliebiger Geistlicher mit Hilfe des sogenannten Heimtückegesetzes, vor allem nach dem Erscheinen und Verlesen der Enzyklika Mit brennender Sorge, machten dies deutlich. Zudem wurden nicht wenige katholische Christen vom NS-Regime verfolgt. Die meisten der inhaftierten Geistlichen wurden ins KZ Dachau verschleppt, wo es einen eigenen „Priesterblock“ gab.

Doch wurde der Kirche nach dem Krieg auch eine unkritische Haltung zum Nationalsozialismus vorgeworfen, ein Umstand, der von den deutschen Bischöfen bereits im August 1945 in der Anerkennung der Mitschuld an den während des Dritten Reiches begangenen nationalsozialistischen Verbrechen eingestanden wurde.[25] Insbesondere aber nach der Veröffentlichung des Werkes Der Stellvertreter von Rolf Hochhuth wurden, zunächst dem Pius XII., aber auch dem deutschen Episkopat, Schweigen und verfehlte diplomatische Zurückhaltung vorgeworfen. Zugleich wird allerdings auch darauf verwiesen, dass die Kirche hinter der diplomatischen Fassade gegen den Nationalsozialismus arbeitete. Der US-amerikanische Historiker und Politikwissenschaftler David G. Dalin wies 2005 darauf hin, Papst Pius XII. habe Hunderttausende von Juden vor dem Tod im Konzentrationslager gerettet und solle deshalb den jüdischen Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ erhalten.[26]

Die Lage im geteilten Deutschland[Bearbeiten]

Mitgliederzahlen in der „alten“ Bundesrepublik
Jahr Anteil der
Bevölkerung in %
Anzahl in 1000[27]
1965 43,8 25998
1966 43,9 26277
1967 44,0 26352
1968 44,1 26634
1969 44,1 26977
1970 44,6 27195
1975 43,8 27011
1980 43,3 26720
1985 43,3 26713
1989 42,7 26764
1990 42,2 26901

Die Teilung Deutschlands stellte auch die katholische Kirche vor Schwierigkeiten, besonders da die Kirche, bzw ihre Gläubigen in der DDR, dort unter Repressalien litt. Organisatorisch wurden vor allem Provisorien angewandt, man hütete sich, die Bistumsgrenzen an den neuen Staatsgrenzen auszurichten; daran zeigt sich auch, dass die katholische Kirche in Deutschland – bisweilen in Opposition zum Heiligen Stuhl – die Wiedervereinigung favorisierte. Das Erzbistum Paderborn hatte einen bischöflichen Kommissarius in seinem Ostteil in Magdeburg, die Bistümer Fulda und Würzburg einen gemeinsamen Generalvikar in Erfurt, der formelle Verwaltungssitz für die Würzburger war Meiningen. 1972/73 schließlich wurden die Gebiete mit dem Status eines (erz-)bischöflichen Amtes versehen und die Prälaten zu Apostolischen Administratoren ernannt, es unterblieb jedoch – außer beim bisherigen Erzbischöflichen Amt Görlitz, bei dem es um die deutsch-polnische, nicht die innerdeutsche Grenze ging – selbst die Erhebung zur Apostolischen Administratur.

1957 wurde ein neues Bistum errichtet, das „Ruhrbistum“ Essen als Suffragan von Köln.

Von 1971 bis 1975 fand in Würzburg eine „Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland“ (Würzburger Synode) mit Kardinal Julius Döpfner als Präsidenten statt. Aufgabe der Synode war es, die Verwirklichung der Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils zu fördern.

Nach der Wiedervereinigung[Bearbeiten]

Mitgliederzahlen im wiedervereinigten Deutschland
Jahr Anteil der
Bevölkerung in %
Anzahl
in 1000[28][29][30]
Priester[31][32][33][1] Mitglieder
je Priester
1991 35,1 28198 19438 1451
1995 33,9 27215 18663 1458
1997 33,4 27383 17931 1529
2000 32,6 26817 17129 1566
2005 31,4 25905 16190 1600
2006 31,2 25685 15935 1612
2007 31,0 25461 15759 1615
2008 30,7 25177 15527 1621
2009 30,5 24909 15367 1621
2010 30,2 24651 15136 1628
2011 29,9 24476 14847 1660
2012 30,3 24320 14636 1662
2013 29,9 24170 14490 1668

Nach der Wiedervereinigung wurden 1994 die Provisorien aufgehoben. Im einzelnen wurden die bischöflichen Ämter Erfurt-Meiningen (nun Erfurt) und Magdeburg zu Bistümern erhoben und Paderborn unterstellt, Berlin – dessen Bischöfe schon seit längerem kraft persönlicher Verleihung den Erzbischofstitel getragen hatten – wurde Erzbistum mit dem vormaligen exemten Bistum Meißen (seit 1980 Dresden-Meißen) und der Apostolischen Administratur (nunmehr Bistum) Görlitz als Suffraganen, und schließlich errichtete man aus vorwiegend osnabrückischen Gebieten das Erzbistum Hamburg und unterstellte ihm die Bistümer Osnabrück (vormals zu Köln) und Hildesheim (vormals zu Paderborn).

Eine Konfliktsituation stellten die Auseinandersetzungen mit dem Papst um die kirchliche Schwangerschaftskonfliktberatung in Deutschland dar. Hierbei wurde, nach gesetzlich vorgeschriebener Beratung der schwangeren Frau, ein Schein ausgestellt, den der Staat als Voraussetzung für eine straffreie Abtreibung verlangt. Betonten die deutschen Bischöfe die durch Beratung gerettete Menschenleben, so verwies der Papst darauf, dass durch den Schein eine formale Beteiligung an der Abtreibung stattfinde. Nach einem schließlichen ausdrücklichen Verbot stellten die Bischöfe die Beteiligung an der Schwangerschaftskonfliktberatung ein, mit vorübergehender Ausnahme des Limburger Bischofs Franz Kamphaus. Katholische Laien gründeten den Verein Donum Vitae. Der damalige Nuntius Erzbischof Lajolo stellte daraufhin fest, Donum vitae handle in offenem Widerspruch zu den Anweisungen des Papstes und verdunkle das Zeugnis der katholischen Kirche.

2001 wurde eine Organisation von Priestern gegründet, das Netzwerk katholischer Priester.

Aufsehen erregte der Regensburger Erzbischof Gerhard Ludwig Müller mit seiner Neuordnung der Laienräte, die er mit den Anforderungen des gültigen Kirchenrechts begründete. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) kritisierte dies als „Rechtsbruch“. Erzbischof Müller stellte daraufhin Zahlungen an das ZdK ein.

Papst Benedikt XVI. besuchte 2006 den Freistaat Bayern. Dieser Besuch wurde zu einem großen katholischen Event und fand ein großes Medienecho. Eine der Aussagen des Papstes kann als treffende Zustandsbeschreibung gewertet werden; er sagte sinngemäß: Die deutschen Katholiken seien eifrige Spender, um soziale Projekte der Kirche in Ländern der Dritten Welt zu unterstützen; schwer aber sei es, von ihnen Geld für die eigentlich primäre kirchliche Aufgabe der Evangelisierung zu bekommen. 2007 steigt die Zahl der Eintritte und Rückkehrer.[34] Die Zahl der Austritte aus der römisch-katholischen Kirche sank von 2003 bis 2006 von rund 130.000 auf 84.000 und stieg danach bis 2010 wieder auf 181.000 an.[35]

Aufdeckung sexuellen Missbrauchs ab 2010[Bearbeiten]

Anfang 2010 schrieb der Leiter des Canisius-Kolleg Berlin, P. Klaus Mertes SJ an Absolventer mehrerer Jahrgänge der 1970er und 1980er Jahre, die von Kindesmissbrauch betroffen waren; dieser Brief wurde Ende Januar 2010 öffentlich bekannt. Im Februar 2010 berichtete daraufhin Der Spiegel, dass 24 von 27 befragten Bistümern angaben, dass seit 1995 insgesamt mindestens 94 Verdachtsfälle von sexuellem Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche bekannt geworden seien. Der Öffentlichkeit wurden in kurzer Zeit eine Reihe weitere Fälle, zumeist aus den zurückliegenden Jahrzehnten bekannt. Daraufhin entzündete sich eine öffentliche Debatte um Kindesmissbrauch.

Infolgedessen fasste die Deutsche Bischofskonferenz im Juni 2011 einen Beschluss, die Missbrauchsfälle zusammen mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen unter Leitung von Christian Pfeiffer systematisch in einer Kriminologische Studie zum Missbrauch in der katholischen Kirche Deutschlands aufzuarbeiten. Anfang 2013 kündigte die Bischofskonferenz nach Differenzen mit Pfeiffer diesen Vertrag.[36]

Ebenfalls im Januar 2013 wurden die Ergebnisse aus der Auswertung der Hotline veröffentlicht, die Ende März 2010 durch die Kirche für Missbrauchsopfer eingerichtet wurde und bis Jahresende 2012 erreichbar war.[37][38] Demnach meldeten sich insgesamt 8.465 Personen per Telefon, zusätzlich fanden 465 Internetberatungen statt. Über 60 % gaben an, selbst Opfer sexueller Gewalt geworden zu sein, wobei sich auch Personen meldeten, deren Fälle sich nicht auf kirchliche Einrichtungen bezogen. Im Abschlussbericht wurden insgesamt Daten von 1.824 Fällen ausgewertet, wobei es sich zum großen Teil um Fälle handelt, die nicht polizeilich bekannt waren. Der größte Teil der Betroffenen war männlich, die meisten Fälle liegen Jahrzehnte zurück. Den Fällen gemein war das planvolle Vorgehen der Täter unter Ausnutzung ihrer Machtbefugnisse; Hinweise auf Zufallstaten gibt es laut Abschlussbericht dagegen keine. Häufig wurden Kinder und Jugendliche Opfer, die auf der Suche nach Unterstützung bei Problemen, Halt oder Seelsorge waren, wobei die Täter die moralische Autorität des Amtes missbrauchten oder ihren Opfern vortäuschten, ihre Taten seien „ein Ausdruck liebender Verbundenheit in Christus oder Auserwählung vor Gott“.[39]

Kirchensteuer; weitere Einnahmen[Bearbeiten]

Die katholische Kirche besitzt in Deutschland den Rechtsstatus einer Körperschaft des öffentlichen Rechts (siehe auch Parafiskus). Sie ist damit berechtigt, Kirchensteuer zu erheben. Die Einnahmen aus der Kirchensteuer machen nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz den Großteil der diözesanen Finanzhaushalte in Deutschland aus.[40]

Der Sozialwissenschaftler Carsten Frerk (* 1945) veröffentlichte im Oktober 2010 ein Buch mit dem Titel "Violettbuch Kirchenfinanzen". Laut seinen Berechnungen und Recherchen unterstütze der Staat mittels direkter und indirekter Leistungen die katholische und evangelische Kirche in Deutschland mit jährlich knapp 20 Milliarden Euro. Die etwa 45 Milliarden Euro für Caritas und Diakonie seien darin nicht enthalten.[41] [42] Als Der Spiegel 2010 alle 27 deutschen Bistümer um Auskunft über ihren Vermögenshaushalt bat, verweigerten 25 die Auskunft.[43]

Kirchenbauten[Bearbeiten]

2006 gab es in Deutschland 24.500 katholische Kirchen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Matthias Drobinski: Oh Gott, die Kirche. Versuch über das katholische Deutschland. Aktualisierte Neuauflage. Patmos, Düsseldorf 2008, ISBN 3491725321.
  • Geschichte des kirchlichen Lebens in den deutschsprachigen Ländern seit dem Ende des 18. Jahrhunderts, hrsg. von Erwin Gatz, 8 Bände, Herder, Freiburg im Breisgau [u.a.] 1991–2008.
  • Ehrenfried Schulz: Missionarisch Kirche sein in der Welt von heute. In: Ulrich Babinsky (Hrsg.): Eine lebendige Pfarrgemeinde. Herbert Utz, München 2008, ISBN 978-3-8316-0839-3, S. 79–121.
  • Zwangsarbeit und katholische Kirche 1939–1945: Geschichte und Erinnerung, Entschädigung und Versöhnung; eine Dokumentation, hrsg. im Auftr. der Deutschen Bischofskonferenz von Karl-Joseph Hummel und Christoph Kösters, Schöningh, Paderborn [u.a.] 2008.
  • Carsten Frerk: Violettbuch Kirchenfinanzen, 2010, Alibri, ISBN 978-3865690395.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j Zahlen und Fakten 2013/14 (PDF), aufgerufen am 30. Juli 2014
  2. a b c Eckdaten des kirchlichen Lebens. (PDF; 71 kB) Website der Deutschen Bischofskonferenz. Abgerufen am 25. Juli 2013.
  3. Der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD). Website der Deutschen Bischofskonferenz. Abgerufen am 27. Juni 2011.
  4. Vorsitzender der DBK. Website der Deutschen Bischofskonferenz. Abgerufen am 21. Juni 2011.
  5. http://www.orden.de/index.php?rubrik=3&seite=t1s&e2id=71
  6. http://www.orden.de/index.php?rubrik=3&seite=t1s&e2id=73
  7. a b Frauenorden in Deutschland. Zahlen und Fakten abgerufen am 4. Januar 2010
  8. http://www.opusdei.de/art.php?p=14232
  9. Regensburger Ordensreferentin Maria Luisa Öfele gegenüber der Nachrichtenagentur ZENIT, 28. April 2008
  10. Eremiten in Deutschland, in: „Welt und Umwelt der Bibel“, 2/2011, S. 62, Katholisches Bibelwerk e.V. Stuttgart.
  11. Orden in Deutschland. Zahlen und Fakten abgerufen am 4. Januar 2010
  12. Allein das Erzbistum Köln beziffert die Zahl der Ehrenamtlichen auf 200.000, PDF.
  13. Bevölkerung und Katholiken nach Diözesen 2005
  14. EKD Kirchenmitgliederzahlen am 31. Dezember 2011)
  15. Katholiken und Gottesdienstteilnehmer 1950–2008
  16. EKD: Gottesdienststatistik
  17. Deutsche Bischofskonfernez 2010 (PDF; 65 kB). Website der Deutschen Bischofskonferenz. Abgerufen am 29. Juli 2011.
  18. Nach Missbrauchsfällen: Katholiken treten massenhaft aus der Kirche aus. In: Spiegel, 29. Juli 2011. Abgerufen am 29. Juli 2011.
  19. Kirchliche Statistik Eintritte Wiederaufnahmen Austritte 1950 2008
  20. Gläubige distanzieren sich von der Kirche Frankfurter Rundschau vom 17. Juni 2010.
  21. Böhmer, J. F., Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198–1272. Website Deutsche Kommission für die Bearbeitung der Regesta Imperii e.V. bei der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz. Abgerufen am 11. August 2011; [1] Oberbürgermeister Schramma: Et hillije Kölle. Abgerufen am 11. August 2011.
  22. Hehl in: HMKG Bd. 1/1, S. 198
  23. Justus Perthes’ Staatsbürger-Atlas: 24 Kartenblätter mit über 60 Darstellungen zur Verfassung und Verwaltung des Deutschen Reichs und der Bundesstaaten (11896), Paul Langhans (komment.), Perthes, Gotha 21896, Tafel Nr. 4.
  24. Kirchen im NS-Regime Website des Deutschen Historischen Museums. Abgerufen am 6. September 2011.
  25. Kirchen im NS-Regime Website des Deutschen Historischen Museums. Abgerufen am 6. September 2011.
  26. David G. Dalin: The Myth of Hitler’s Pope. Regnery, 2005.
  27. Quelle: PDF
  28. Quelle: PDF
  29. Quelle: PDF
  30. Quelle: PDF
  31. Quelle: PDF
  32. Quelle: PDF
  33. 2011- Eckdaten des kirchlichen Lebens in den Bistümern Deutschlands (PDF; 71 kB). Website der DBK. Abgerufen am 10. November 2012.
  34. Die Welt: Die Deutschen entdecken ihren Glauben wieder 8. April 2007
  35. Deutsche Bischofskonfernez 2010 (PDF; 65 kB). Website der Deutschen Bischofskonferenz. Abgerufen am 7. September 2011.
  36. Bischofskonferenz stoppt wissenschaftliche Studie. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. Januar 2013. Abgerufen am 12. Januar 2013.
  37. „Erschütternde Ergebnisse“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. Januar 2013. Abgerufen am 17. Januar 2013.
  38. Sexueller Missbrauch: Katholische Kirche zieht Bilanz für Opfer-Hotline. In: Spiegel Online, 17. Januar 2013. Abgerufen am 17. Januar 2013.
  39. Statement von Dr. Andreas Zimmer, Fachverantwortlicher für die Hotline der Deutschen Bischofskonferenz für Opfer sexuellen Missbrauchs und Leiter der Beratungsdienste des Bistums Trier, anlässlich des Pressegespräches am 17. Januar 2013 in Trier. http://www.hilfe-missbrauch.de/ abgerufen am 17. Januar 2013.
  40. Kirchenfinanzierung. Website der Deutschen Bischofskonferenz. Abgerufen am 7. September 2011.
  41. [2]
  42. spiegel.de: Herr oder Helfer, Neue Berechnungen: Staat stützt Kirchen mit Milliarden
  43. spiegel.de 14. Oktober 2013: Politiker fordern Radikalreform des Kirchen-Finanzsystems