Römisch-katholische Kirche in Griechenland

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Die römisch-katholische Kirche in Griechenland sieht ihre Wurzeln in der Urkirche und im Wirken des Apostels Paulus.

Gläubige[Bearbeiten]

Die katholische Kirche in Griechenland (Καθολική Εκκλησία της Ελλάδος) ist eine relativ kleine Kirche mit teilweise Diaspora-Charakter, welche von der orthodoxen Kirche weit überragt wird. Der katholischen Kirche gehören etwa 50.000 bis 100.000 Griechen an, was etwa 0,5 % bis 1 % der einheimischen Bevölkerung ausmacht. Allerdings stellt die katholische Kirche Griechenlands (weit vor allen kleineren und sowieso erst in viel jüngerer Zeit, durch Missionierung aus dem Ausland entstandenen protestantischen Kirchen bzw. Freikirchen und anderen Gruppierungen oder Sekten) die zweitgrößte christliche Glaubensgemeinschaft des Landes dar und ist schon seit dem hohen Mittelalter in bestimmten Regionen präsent. So waren (und sind teilweise noch heute) vor allem die Kykladen, der Dodekanes, Kreta oder Korfu Zentren des Katholizismus in Griechenland und es hat wohl auch einige rein katholische Landstriche gegeben, wie z.B. die Insel Syros, deren Bevölkerung etwa bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts (und der mit dem griechischen Unabhängigkeitskrieg verbundenen Zuwanderung orthodoxer Griechen aus anderen Gebieten) ausschließlich katholisch gewesen ist.

Räumlich befinden sich heute die meisten Katholiken in Athen (ca. 30.000), aber z.B. auch in Syros (ca. 8.000), Tinos (ca. 3.000), Korfu (ca. 2.500) und Thessaloniki (ca. 2.000) finden sich katholische Ballungsräume.

Hinzu kommen noch etwa 150.000 in Griechenland lebende ausländische Katholiken, darunter ca. 45.000 Philippiner und 40.000 Polen sowie zahlreiche unierte Ukrainer.

Die griechischen Katholiken befolgen traditionell den römischen Ritus. Die einzige Ausnahme bildet eine kleinere Gruppe von Gläubigen des byzantinischen Ritus (ca. 5 %). Diese sind das Ergebnis eines im Konstantinopel des ausgehenden 19. Jahrhunderts angefangenen Missionsversuchs (ursprünglich orthodoxe Griechen, die den byzantinischen Ritus beibehalten haben) und wanderten erst 1923, also nach dem Ende des Griechisch-Türkischen Kriegs (sog. Kleinasiatische Katastrophe), im Rahmen der im Lausanner Vertrag vereinbarten Umsiedlungen - wie ca. 1,5 Millionen weitere Griechen - als Vertriebene aus Kleinasien ins Land. Sie wurden in Athen und Giannitsá angesiedelt, wo bis heute die beiden einzigen katholischen Gemeinden byzantinischen Ritus in Griechenland existieren. Historisch und auch zahlenmäßig (heute etwa 2.000 Gläubige) stellen sie innerhalb des griechischen Katholizismus eine Randerscheinung dar.

Schließlich gibt es in Griechenland auch eine kleine Anzahl (heute etwa 500) armenisch-katholischer Christen. Sie sind Nachkommen armenischer Emigranten, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor allem im Zuge der Verfolgungen in der Türkei als Flüchtlinge ins Land kamen und sich hauptsächlich in Athen niederließen, wo es seitdem eine armenisch-katholische Kirchengemeinde gibt.

Diözesanstruktur[Bearbeiten]

Die Struktur der Katholischen Kirche Griechenlands stammt weitgehend aus dem Mittelalter. Heute existieren folgende Kirchenprovinzen:

Gegründet 1205, aufgelöst 1483, wiedererrichtet 1875. Sitz in Athen. Es umfasst die Regionen Attika, Mittelgriechenland, Peloponnes, und Westgriechenland. Die Kathedrale St. Dionysius in Athen hat den Rang einer Kathedralbasilika. Kirchen außerhalb von Athen und Piräus gibt es noch in Patras, Nafplio und Aspra Spitia.

Als „Apostolische Präfektur Rhodos“ gegründet 1897, zum Erzbistum befördert 1928. Sitz in Rhodos-Stadt. Es umfasst die Dodekanes-Inseln ([Rhodos, Kos, Kalymnos, Leros, Astypalea, usw.] Teil der Region Südliche Ägäis). Die Kathedrale ist Franz von Assisi geweiht, der auch Patron des Bistums ist. Kirchen gibt es auf Rhodos und Kos.

Gegründet 1926. Sitz in Thessaloniki. Es umfasst die Regionen Zentralmakedonien, Westmakedonien, Ostmakedonien und Thrakien und Thessalien mit Kirchen in Volos, Kavala und Alexandroupoli. Die Kathedrale in Thessaloniki ist der Unbefleckten Empfängnis geweiht. Patron des Bistums ist der Apostel Paulus.

Als „Bistum Korfu“ gegründet 1310, mit den Bistümern Zante (gegr. 1212) und Kefalonia (gegr. im 13. Jahrhundert) vereint und zum Erzbistum erhoben 1919. Es umfasst die Regionen Epirus und die Ionischen Inseln. Sitz in Korfu-Stadt mit der Kathedrale St. Jakobus und Christophorus. Weitere Kirchen gibt es auf Korfu, Kefalonia, Zakynthos, in Preveza und Ioannina.

Als „Bistum Naxos“ im 13. Jahrhundert gegründet, zum Erzbistum erhoben 1522, mit den Bistümern Mykonos (gegr. 1400) und Tinos (gegr. im 9. Jahrhundert) vereint 1919. Sitz in Xinára/Tinos mit Kathedrale, Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz geweiht, die auch Patronin des Bistums ist. Es umfasst die Kykladen-Inseln Naxos, Andros, Tinos, Mykonos sowie Delos, Paros, Antiparos, Amorgos und die kleinen Ostkykladen(Teil der Region Südliche Ägäis). Kirchen befinden sich auf Tinos, Naxos, Paros sowie Mykonos.

Gegründet im 13. Jahrhundert. Sitz in Chios-Stadt mit Kathedrale, dem heiligen Nikolaus geweiht, der auch Patron des Bistums ist. Es umfasst die Region Nördliche Ägäis. Weitere Kirchen gibt es auf Lesbos und Samos.

Gegründet im 13. Jahrhundert. Sitz in Ano Syros mit Kathedrale, St. Georg geweiht, der auch Patron des Bistums ist. Es umfasst die Kykladen-Inseln Syros, Milos, Kimolos, Kea, Kithnos, Sifnos und Serifos (Teil der Region Südliche Ägäis). Kirchen gibt es nur auf Syros und Milos.

Gegründet 1207. Sitz in Firá/Thira (Santorini) mit Kathedrale, Johannes dem Täufer geweiht, die zugleich auch einzige Kirche des Bistums ist. Patronin des Bistums ist die Jungfrau Maria. Es umfasst die südlichen Kykladen: Santorin, Anafi, Ios, Sikinos und Folegandros (Teil der Region Südliche Ägäis).

Als „Erzbistum Heraklion“ gegründet 1213, zum Bistum herabgesetzt 1874. Sitz in Iraklio (trad. Umschrift Heraklion) mit Kathedrale in Chania, Maria Himmelfahrt geweiht. Patron des Bistums ist Franz von Assisi. Es umfasst die Region Kreta. Kirchen gibt es in Iraklio, Chania und Salaminos (Rethymno).

Hinzu kommen das Exarchat des byzantinischen Ritus (gegr. 1932) sowie das Ordinariat des armenischen Ritus (gegr. 1925), beide mit Sitz in Athen, die für die Gläubigen des jeweiligen Ritus in ganz Griechenland zuständig sind.

Die beiden Erzbistümer Athen und Rhodos unterstehen dem Heiligen Stuhl direkt, sind also exemt. Das Erzbistum Korfu, Zakynthos und Kefalonia ist heute eine Kirchenprovinz ohne Suffragane, da die Suffraganbistümer Zakynthos und Kefalonia bereits 1919 mit dem Erzbistum Korfu vereint wurden. Im gleichen Jahr wurden die beiden Bistümer Tinos und Mykonos mit dem Erzbistum Naxos zum Erzbistum Naxos-Tinos vereint, welches noch Syros, Kreta, Chios und Thira (Santorin) als Suffraganbistümer besitzt. Exemt ist auch das 1928 errichtete Apostolische Vikariat Thessaloniki.

Aufgrund der starken Abwanderung von Gläubigen aus ländlichen Gebieten (z.B. ostägäische Inseln) bzw. der Vermischung mit orthodoxen Gläubigen, was ein Schrumpfen der Gemeinden bewirkt(e), sodass manche Bistümer im Laufe der Zeit zahlenmäßig recht klein wurden, aber auch nicht zuletzt wegen zunehmenden Klerusmangels, sind viele der Bischofssitze seit Jahrzehnten vakant und die betroffenen Kirchenprovinzen werden jeweils vom Bischof einer anderen Diözese mitverwaltet. Somit setzt sich die „Bischofskonferenz der katholischen Kirche in Griechenland“ (Ιερά Σύνοδος της Καθολικής Εκκλησίας της Ελλάδος) folgendermaßen zusammen:

  1. Erzbischof von Athen und Apostolischer Administrator für das Erzbistum Rhodos (Athen: 30.000 in 14 Pfarreien; Rhodos: 1.500 in drei Pfarreien)
  2. Erzbischof von Naxos-Tinos und Apostolischer Administrator für das Bistum Chios (Naxos: 2.567 in 30 Pfarreien; Chios: 170 in drei Pfarreien)
  3. Erzbischof von Korfu und Apostolischer Administrator für das Vikariat Thessaloniki (Korfu: 3.800 in sechs Pfarreien; Thessaloniki: 4.000 in acht Pfarreien)
  4. Bischof von Syros und Apostolischer Administrator für die Bistümer Kreta und Thira (Syros: 7.130 in 16 Pfarreien; Kreta: 3.500 in drei Pfarreien)

Hierzu kommen noch die beiden Exarchen des östlichen Ritus (byzantinisch und armenisch).

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]