Römisch-katholische Kirche in Tschechien

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Die römisch-katholische Kirche in Tschechien gliedert sich in zwei Kirchenprovinzen, welche im Wesentlichen den historischen Ländern Böhmen und Mähren/Schlesien entsprechen. Diese Kirchenprovinzen umfassen insgesamt acht Diözesen.

Struktur[Bearbeiten]

Die tschechischen Diözesen
  • Kirchenprovinz Böhmen
  • Kirchenprovinz Mähren

Die katholische Kirche Tschechiens ist territorial in zwei Kirchenprovinzen, 2 Erzbistümer und 6 Bistümer eingeteilt:

Kirchenprovinz Böhmen:

mit den Suffraganbistümern:

Kirchenprovinz Mähren:

mit den Suffraganbistümern:

Weiterhin existiert seit 1996 in Prag ein Apostolisches Exarchat in der Tschechischen Republik für Katholiken der Griechisch-Katholischen Kirche.

Die katholische Militärseelsorge ist einem Militärvikariat zugeordnet.

Das untergegangene Bistum Leitomischl (Litomyšl) wird heute lediglich als Titularbistum verwendet, derzeitiger Titularbischof von Leitomischl ist der emeritierte Prager Weihbischof.

Bischofskonferenz und Nuntiatur[Bearbeiten]

Die Tschechische Bischofskonferenz besteht aus den 8 römisch-katholischen Diözesanbischöfen (davon zwei Erzbischöfen), den 5 Weihbischöfen, drei emeritierten (Weih-)Bischöfen. Mitglied sind zudem auch die drei griechisch-katholischen Bischöfe. Vorsitzender ist der Prager Erzbischof Dominik Kardinal Duka O.P., der Olmützer Erzbischof Jan Graubner fungiert als stellvertretender Vorsitzender der Bischofskonferenz. Deren Sitz befindet sich in Prag.

In der Bischofskonferenz existiert neben dem Vorsitz ein Ständiger Rat, 7 bischöfliche Kommissionen für Glaubensausübung, Katechese, Priester, katholische Bildung sowie für wirtschaftliche Angelegenheiten; Öffentlichkeitsarbeit und Ordensleben. Weiters stehen der Bischofskonferenz 16 Arbeitskreise für verschiedene Themen zur Verfügung.

Jeweils ein Bischof ist neben seinen Diözesan-Agenden für die landesweiten Aufgaben den Bereichen Bildung, Caritas und Soziales, Jugend, Familie, Mission, Medien, Auslandsseelsorge zugeordnet. Die Bischofskonferenz unterhält das 1844 als Collegium Bohemicum gegründete Päpstliche Collegium Nepomucenum, das tschechische Priesterseminar in Rom.

Der Heiliger Stuhl unterhält seit 1920 eine Apostolische Nuntiatur für diplomatische und kirchliche Belange zunächst für die Tschechoslowakei, seit 1993 nur noch für die Tschechische Republik. Nuntius ist seit dem 15. September 2011 der Italiener, S.E. Erzbischof Giuseppe Leanza. Vorgänger ab 2001 war Erzbischof Erwin Josef Ender, und ab 2004 Diego Causero.

Katholiken in Tschechien[Bearbeiten]

Nach Angaben des tschechischen Statistikamts gaben beim Zensus 2011 1,08 Millionen Staatsbürger, also 10,4 % aller Tschechen, an, zur römisch-katholischen Kirche zu gehören.[1]

Im Vergleich dazu zählt die Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder rund 52.000 Mitglieder (= 0,5 % der Bevölkerung) und die Tschechoslowakische Hussitische Kirche rund 39.000 Mitglieder (= 0,4 % der Bevölkerung). 34 % der Bevölkerung bezeichneten sich bei der Volkszählung 2011 als konfessionslos, 44 % machten keine Angaben.[2]

Nach dem kirchlichen Jahrbuch Annuario Pontificio aus dem Jahr 2013 ist die Zahl der Katholiken im Land ungleich höher. Die Statistik, die auf Zählungen der Bistümer beruht, gibt eine Gesamtzahl von 3.129.500 Katholiken an, was einem Anteil von 30,3% der Bevölkerung entspricht.[3]

Bistum Katholikenzahl Gesamtbevölkerung Katholikenanteil Priesterzahl Katholiken je Priester
Erzbistum Prag (Praha) 372.900 2.061.000 18,1% 331 1.127
Bistum Budweis (České Budějovice) 290.400 758.000 38,3% 136 3.135
Bistum Königgrätz (Hradec Králové) 452.200 1.266.000 35,7% 210 2.153
Bistum Leitmeritz (Litoměřice) 162.400 1.341.000 12,1% 117 1.388
Bistum Pilsen (Plzeň) 144.700 834.000 17,4% 98 1.477
Erzbistum Olmütz (Olomouc) 743.400 1.403.000 53% 365 2.037
Bistum Brünn (Brno) 535.500 1.360.000 39,4% 358 1.496
Bistum Ostrau-Troppau (Ostrava-Opava) 428.000 1.310.000 32,7% 132 1.845
Summe 3.129.500 10.333.000 30,3% 1.747 1.791

Geschichte[Bearbeiten]

Nach der Christianisierung der Böhmen im 10. Jahrhundert wurde das Erzbistum Prag errichtet, welches damals dem Metropoliten von Mainz unterstand. Zweiter Erzbischof von Prag wurde der einer der späteren Landesheilige Adalbert von Prag (svatý Vojtěch z Prahy).

Im Jahr 1344 wurde das Bistum Leitomischl gegründet, welches aber 1474 im Nachgang der Hussitenbewegung unterging und das Territorium wieder Prag unterstellt wurde.

Durch den Erzbischof Ernst Adalbert von Harrach wurde die katholische Kirche im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges geprägt.

Ende des 19. Jahrhunderts ermahnte Papst Leo XIII. in einer Enzyklika "Quae ad nos" die katholische Kirche in Böhmen und Mähren.

Unterdrückte Kirche unter kommunistischer Herrschaft[Bearbeiten]

Nach dem Sturz der bürgerlichen Demokratie im Februar 1948 und der Machtübernahme der Tschechoslowakei durch die Kommunisten steuerte das neue Regime einen repressiven Kurs gegen die katholische Kirche. Katholische Publikationen wurden verboten, katholische Verlage beschlagnahmt, katholische Schulen geschlossen. Der Vatikan wurde zum Feind erklärt, und der Nuntius aus Prag ausgewiesen. Die kommunistischen Machthaber beabsichtigten, mit der sogenannten Katholischen Aktion, die katholische Kirche in eine nationale, von Rom abgetrennte Kirche überzuführen. Auf Grund der Zuspitzung der Lage und der Ungewissheit der Zukunft im Land erteilte der Heilige Stuhl den Bischöfen in der Tschechoslowakei geheime Vollmachten. Unter anderem gab es auch Bischofsweihen, die die tschechischen Bischöfe im Geheimen vornahmen (Kajetán Matoušek, František Tomášek, Ladislav Hlad, Karel Otčenášek). Durch Übertragungen von Kompetenzen auf die Geheimbischöfe und auf Dechanten traf man Vorbereitungen für eine Untergrundkirche. Die Ernennungen und Weihen wurde nie vom tschechoslowakischen Staat anerkannt. Im Oktober 1949 richtete das Regime ein staatliches Kirchenamt ein, mit dem das gesamte kirchliche Leben überwacht und gesteuert werden sollte. 1950 wurden alle Ordensleute in Konzentrationsklöster oder Umerziehungslager eingewiesen, wobei sie der Spionage und der Tätigkeit für den Vatikan beschuldigt wurden. Priester und Bischöfe wurden interniert, inhaftiert und die Ausübung ihrer Ämter verhindert. Nach langer Untersuchungshaft wurden Geistliche teils in Schauprozessen zu langen Haftstrafen verurteilt (Otčenášek). Es existierte ein staatliches Internierungslager für Priester im ehemaligen Kloster Želiv, deren Insassen Zwangsarbeit in einem Steinbruch verrichten mussten. Der Prager Kardinal Josef Beran durfte 1965 von einer Reise nach Rom nicht wieder nach Prag zurückkehren. Auch nach dem Prager Frühling fand die Ausübung der Seelsorge immer unter Aufsicht der Sicherheitsdienste statt. Priesterweihen fanden nur noch wenige statt. Andererseits gelang es dem Staat, eigene Kandidaten einzusetzen (Josef Vrana).

Die Bischofsernennung 1988 (Antonín Liška, Jan Lebeda, Ján Sokol) war die erste nach vielen Jahren, die zwischen Staat und Kirche ausgehandelt werden konnte. Dies galt als Kompromiss zwischen dem, was die Kirche benötigte und dem, was das kommunistische Regime zulassen konnte. Im August und September 1989 wurden František Vaňák, Josef Koukl und František Tondra zu Bischöfen in der Tschechoslowakei geweiht.

Nach 1993[Bearbeiten]

Nach der Gründung der Tschechischen Republik 1993 wurde durch ein Konkordat die Kirchenlandschaft in Tschechien neu geordnet. Hierbei wurden die zwei Bistümer Pilsen und Troppau-Ostrau neu gegründet, indem sie aus anderen Bistümern herausgelöst wurden.

Bis heute wurde zwischen der Tschechischen Republik und dem Vatikan kein Vertrag geschlossen, welche die Rechtsstellung der römisch-katholischen Kirche in Tschechien regelt. Hierüber soll 2009 erneut verhandelt werden. Vom 26. bis zum 28. September 2009 stattete Papst Benedikt XVI. Tschechien einen Besuch ab. [4]

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Wallfahrten[Bearbeiten]

Größter Marien-Wallfahrtsort der Tschechischen Republik ist das Kloster Svatá Hora nahe Příbram. Zu diesem pilgern nicht nur tschechische Gläubige, sondern auch seit dem Fall des Eisernen Vorhangs auch wieder deutsche und österreichische Gläubige.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ferdinand Seibt (Hrsg.): Bohemia sacra. Das Christentum in Böhmen 973 - 1973. 2 Bde. Düsseldorf 1974 ISBN 3-590-30247-X
  • Jaroslav Kadlec: Přehled českých církevních dějin. Praha 1991.
  • Milan M. Buben: Encyklopedie řádů, kongregací a řeholních společností katolické církve v českých zemích. 5 Bde. Praha 2002-2006. ISBN 80-7277084-5
  • Kurt Augustinus Huber: Katholische Kirche und Kultur in Böhmen. Ausgewählte Abhandlungen, hrsg. von Joachim Bahlcke. Münster 2005. ISBN 3-8258-6687-4
  • Pavel Marek: Církevní krize na počátku první Československé republiky (1918 - 1924). (= Edice Pontes pragenses. 36). Brno 2005. ISBN 80-8626357-6
  • Ondřej Liška: Jede Zeit ist Gottes Zeit. Die Untergrund-Kirche in der Tschechoslowakei. 1948 - 1989. Leipzig 2003. ISBN 3-7462-1584-6
  • Oto Mádr: Wie Kirche nicht stirbt. Zeugnis aus bedrängten Zeiten der tschechischen Kirche. Leipzig 1993. ISBN 3-7462-1086-0

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – ČSÚ (Tschechisches Statistisches Amt): Sčítání lidu, domů a bytů (Ergebnisse der Volkszählung 2011) Tab. 604: Obyvatelstvo podle náboženské víry (Bevölkerung nach Glaubensgemeinschaften) (PDF; 251 kB), abgerufen am 4. Mai 2013.
  2. Český statistický úřad – ČSÚ (Tschechisches Statistisches Amt): Sčítání lidu, domů a bytů (Ergebnisse der Volkszählung 2011) Tab. 604: Obyvatelstvo podle náboženské víry (Bevölkerung nach Glaubensgemeinschaften) (PDF; 251 kB), abgerufen am 4. Mai 2013.
  3. Segreteria di Stato, Libreria Editrice Vaticana (Hrsg.): Annuario Pontificio 2013, Rom 2013.
  4. Kardinal Vlk: Papst Benedikt will im September 2009 Tschechien besuchen

Weblinks[Bearbeiten]