Rückenmarksinfarkt

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Klassifikation nach ICD-10
G95.1 Vaskuläre Myelopathien
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Unter Rückenmarksinfarkt versteht man eine Schädigung des Rückenmarks infolge einer Sauerstoffunterversorgung durch unzureichenden Blutzufluss. Eine Extremform ist der spinale Schock.

Verbreitung[Bearbeiten]

Infarkte des Rückenmarks sind selten und machen nur 1 % aller Infarkte aus. [1]

Ursache[Bearbeiten]

Querschnitt durch das Rückenmark. Die mit 6 bezeichnete Struktur ist die Arteria spinalis anterior, mit 5 sind die beiden Arteria spinalis posterior markiert.

Das Rückenmark wird von bauchseitig (ventral) von der Arteria spinalis anterior versorgt. Rückenseitig (dorsal) ist die Arteria spinalis posterior paarweise angelegt und deswegen weniger gefährdet. Die Blutversorgung dieser Arterien kann durch Arteriosklerose oder Embolien eingeschränkt werden. Eine Besonderheit sind fibrokartilinäre Embolien aus den Bandscheiben bei jungen, sportlichen Patienten [2] oder Schwangeren [3] sowie bei Haushunden (→ Fibrokartilaginöse Embolie). Auch Gefäßmissbildungen wie arterio-venöse Duralfisteln [4] können zum Infarkt führen.

Häufiger sind Verlegungen der Arterien durch Tumore, Aortenaneurysmata oder Aortendissektionen. Weiterhin können eine Beteiligung spinaler Gefäße bei Vaskulitiden die Ursache von Infarkten sein.

Im Thoraxbereich ist die Versorgung durch die Adamkiewicz-Arterie (Arteria radicularis magna), die meist aus der Aorta in der Höhe des 9. bis 12. Brustsegment entspringt, entscheidend für die Blutversorgung der Spinalarterien [3]. Wegen der variablen Lage dieser Arterie sind Infarkte hier eine gefürchtete Komplikation bei Operationen an der Aorta im Thorax [5].

Klinische Erscheinungen[Bearbeiten]

Ein Rückenmarksinfarkt präsentiert sich unterschiedlich in Abhängigkeit von den betroffenen Arterien. Das Arteria-spinalis-anterior-Syndrom und das Arteria-spinalis-posterior-Syndrom sind eine Kombination aus Schmerzen, Gefühlsstörungen und Lähmungen, die meist plötzlich auftreten.

Untersuchungsmethoden[Bearbeiten]

Die genaueste Untersuchungsmethode ist die Magnetresonanztomographie. Leider lassen sich auch mit dieser Methode nicht alle Patienten sicher diagnostizieren. So konnten in einer Studie nur 67 % aller Rückenmarksinfarkte mit dem MRT erkannt werden [3]. Die Computertomographie wird ebenfalls eingesetzt um Gefäßfehlbildungen und Kompressionen des Rückenmarks als Differenzialdiagnose zu erkennen. Die Gefäße können auch durch die Digitale Subtraktionsangiographie gut dargestellt werden. Mit einer Lumbalpunktion kann man entzündliche Ursachen erkennen [6].

Behandlung[Bearbeiten]

Die Behandlung richtet sich nach der jeweiligen Ursache. Dabei ist ein Rückenmarksinfarkt immer als Notfall anzusehen, weil ein Zeitfenster für eine erfolgreiche Behandlung besteht, bevor das Rückenmark irreversibel geschädigt ist [6]. An die akute Behandlung sollte sich eine Rehabilitation anschließen. In einer Studie zeigte sich bei 70 % der Patienten eine vollständige oder fast vollständige Heilung [3].

Literatur und Quellen[Bearbeiten]

  1. Sandson TA, Friedman JH: Spinal cord infarction. Report of 8 cases and review of the literature. In: Medicine (Baltimore). 68, Nr. 5, September 1989, S. 282–92. PMID 2677596. Abgerufen am 21. Juli 2010.
  2. Ch.W. Hess: Nicht-traumatische akute Querschnittsyndrome. (PDF) In: PRAXIS. Nr. 94, 2005, S. 1151–1159. doi:10.1024/0369-8394.94.30.1151. Abgerufen am 21. Juli 2010.
  3. a b c d Robert P. Lisak, Daniel Truong, William K. Carroll, Roongroj Bhidayasiri International Neurology. Wiley-Blackwell, , ISBN 978-1-4051-5738-4, S. 42.
  4. Walter Gehlen Neurologie. Thieme Georg Verlag, , ISBN 3-13-129771-9, S. 363.
  5. Sinha AC, Cheung AT: Spinal cord protection and thoracic aortic surgery. In: Curr Opin Anaesthesiol. 23, Nr. 1, Februar 2010, S. 95–102. doi:10.1097/ACO.0b013e3283348975. PMID 19920758. Abgerufen am 21. Juli 2010.
  6. a b Peter Schwenkreis, Pennekamp, Werner; Tegenthoff, Martin: Differenzialdiagnose der akuten und subakuten nichttraumatischen Querschnittslähmungen. In: Deutsches Ärzteblatt. 103, Nr. 44, 15. März 2006, S. 2954. Abgerufen am 21. Juli 2010.
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