Rückingen

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50.1577777777788.9886111111111114Koordinaten: 50° 9′ 28″ N, 8° 59′ 19″ O

Rückingen
Stadt Erlensee
Wappen von Rückingen
Höhe: 114 m
Einwohner: 5950
Eingemeindung: 1. Januar 1970
Postleitzahl: 63526
Vorwahl: 06183

Rückingen ist ein Ortsteil der Stadt Erlensee in Main-Kinzig-Kreis in Hessen.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Rückingen liegt im Kinzigtal, 5,5 km nordöstlich von Hanau. Die Kinzig fließt entlang der südlichen Bebauungsgrenze. An der Kinzig, in der Nähe der alten Kinzigbrücke von Rückingen nach Niederrodenbach, befindet sich die „Rückinger Mühle“, bis 1960 als Getreidemühle, heute zur Stromerzeugung genutzt.[1] Rückingen ist von ausgedehnten Wiesen umgeben, die vor allem während der Schneeschmelze der Kinzig als Polder dienen. Rückingen hat zudem noch einen Anteil am Waldgebiet Bulau.

Rückingen grenzt im Norden und Westen an Langendiebach, im Südwesten an Wolfgang, im Südosten an Niederrodenbach und im Osten an die Stadt Langenselbold.

Geschichte[Bearbeiten]

Urgeschichte[Bearbeiten]

Kreisverkehr mit Limesdenkmal an der L3268

Der in römischer Zeit angelegte Obergermanisch-Raetische Limes querte das heutige Ortsgebiet. Zu dessen Anlage gehörte auch das Kohortenkastell Rückingen. Die Grundmauern des zugehörigen Kastellbads sind bis heute erhalten.

Mittelalter[Bearbeiten]

Wasserburg Rückingen

Die älteste erhaltene Erwähnung von Rückingen stammt aus dem Jahr 1173. Mindestens seit 1248 existiert hier die Wasserburg Rückingen, direkt an der Kinzig gelegen. Diese gehörte den Herren von Rückingen. 1324 befand sich Rückingen im Besitz von Kurmainz. Die Burg wurde als Raubritterburg 1404 durch Kaiser Ruprecht und den Städtebund zerstört. 1463 war die Burg ein Lehen von Kurmainz an Isenburg, das sie als Afterlehen an die Ganerbschaft der Herren von Rückingen und von Rüdigheim weiter lieh. Erben derer von Rückingen waren die von Fargel, seit 1714 die von Kameytzki.

Neuzeit[Bearbeiten]

In der Grafschaft Isenburg gehörte das Dorf zum Gericht Langenselbold, später zum Fürstentum Isenburg-Birstein und dort zum Amt Wenings und dem Gericht Diebach. Nach dem Wiener Kongress fiel Rückingen zusammen mit den nördlich des Mains gelegenen Teilen des Fürstentums Büdingen an das Kurfürstentum Hessen. Nach der dortigen Verwaltungsreform von 1821, im Rahmen derer Kurhessen in vier Provinzen und 22 Kreise eingeteilt wurde, lag es im Kreis Hanau. Mit der Annexion Kurhessens durch das Königreich Preußen nach dem verlorenen Krieg von 1866 wurde auch Rückingen preußisch. 1970 schloss sich Rückingen mit Langendiebach zur Gemeinde Erlensee zusammen.

Historische Namensformen[Bearbeiten]

  • Ruckingin (1173)
  • Ruckingen (nach 1220)
  • Ruggingin (1248)
  • Rockingen (1366)
  • Rickengen (1370)

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1545: 0010 Zinsplichtige für Selbold
  • 1834: 0423[2]
  • 1840: 0825
  • 1846: 0859
  • 1852: 0918
  • 1858: 0900
  • 1864: 1021
  • 1871: 1057
  • 1875: 1072
  • 1885: 1159
  • 1895: 1246
  • 1905: 1349
  • 1910: 1454
  • 1925: 1471
  • 1939: 1867
  • 1946: 2755
  • 1950: 2935
  • 1956: 3476
  • 1961: 4027
  • 1970: 5123

Religion[Bearbeiten]

Römisch-katholische Christ-König Kirche

1311 wird eine Kapelle als Filiale der Kirche von Langendiebach erwähnt, 1396 erstmals ein eigener Pfarrer. Außerdem bestand eine Terminei des Gelnhäuser Franziskanerklosters. Die Kirchengemeinde gehörte zum Bistum Mainz, kirchliche Mittelbehörde war das Landkapitel Roßdorf. Das Kirchenpatronat nahmen die Herren von Rückingen und die von Rüdigheim gemeinsam wahr. Nach der Reformation lag es beim Fürsten von Isenburg-Birstein.

Im historischen Ortskern von Rückingen befindet sich heute eine Kirche der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und eine römisch-katholische Kirche, die für Rückingen und Langendiebach zuständig ist.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

Rückingen besitzt mehrere Kindergärten und eine Grundschule. Die nächste weiterführende Schule, die Georg-Büchner-Schule, befindet sich genau auf der Grenze zwischen Rückingen und Langendiebach. Gymnasien sind in Hanau und Bruchköbel vorhanden.

Verkehr[Bearbeiten]

Rückingen hatte seit jeher starken Durchgangsverkehr, vor allem aus und in Richtung Kinzigtal. Früher verlief die Bundesstraße 40 durch das Ortsgebiet; diese ehemals vierspurige Straße wurde innerhalb der Ortschaft 2008 zurückgebaut. Heute führen die Bundesautobahnen 66 und 45 am Ort vorbei, an die Rückingen über die Anschlussstellen Erlensee und Langenselbolder Dreieck angebunden ist.

Buslinien verbinden Rückingen mit Langendiebach, Langenselbold und Hanau. Früher bestand ein Bahnanschluss mit der Hanauer Kleinbahn zum Bahnhof Hanau Nord, heute nutzen die Rückinger überwiegend den Hanauer Hauptbahnhof. Zum geographisch nächstgelegenen Bahnhof Rodenbach besteht, wie zu Niederrodenbach selbst, überhaupt keine Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Als örtliche Kuriosität gilt die Ansiedlung von Wasserbüffeln in ansonsten unwirtlichem Feuchtgebiet östlich des Ortes.[3] Deren Präsenz erfreut sich zunehmender Beliebtheit.[4]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Quellen[Bearbeiten]

  1. Willi Klein: Zur Geschichte des Mühlenwesens im Main-Kinzig-Kreis = Hanauer Geschichtsblätter 40. Hanau 2003, S. 116-118.
  2. Hessisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967. Wiesbaden 1968.
  3. Erlensee: Wasserbüffel für die Artenvielfalt - Frankfurter Allgemeine Zeitung
  4. Zuschauerspektakel oder Naturschutz? – Wasserbüffel in Erlensee - regiomelder.de