Rückpassregel

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Die sogenannte Rückpassregel im Fußball wurde 1992 von der FIFA in den Abschnitt XII des Fußball-Regelwerks eingefügt. Dort findet sich folgender Passus:

„Der Torhüter darf den Ball im eigenen Strafraum in folgenden Fällen nicht mit der Hand berühren: […]

  • Ein Mitspieler hat ihm den Ball mit dem Fuss absichtlich zugespielt.
  • Er hat den Ball direkt von einem Einwurf eines Mitspielers erhalten.“
FIFA: Spielregeln 2013/2014[1]

Inhalt[Bearbeiten]

Diese Bestimmung besagt, dass es dem Torwart nicht gestattet ist, den Ball mit seinen Händen zu berühren, wenn das Zuspiel durch einen Mitspieler der eigenen Mannschaft kontrolliert per Fuß oder Einwurf erfolgt ist. Ansonsten darf der Torwart den Ball in seinem Strafraum grundsätzlich mit den Händen spielen. Es gelten folgende Besonderheiten der Rückpassregel:

  • Der Torwart darf den Ball trotzdem mit der Hand berühren, wenn er ihm von seinem Mitspieler z. B. mit dem Kopf, der Brust oder dem Knie zugespielt wurde. Wendet der Spieler dabei nach Auffassung des Schiedsrichters jedoch einen Trick an und spielt auf unkonventionelle Weise, um die Bestimmung zu umgehen, handelt er unsportlich. Er ist hierfür zu verwarnen und ein indirekter Freistoß ist an der Stelle auszuführen, wo er den Verstoß beging. Hierbei spielt es keine Rolle, ob der Torwart in der Folge den Ball mit den Händen berührt hat oder nicht. Geahndet wird der Verstoß des Feldspielers.
  • Der Torwart darf den Ball ebenfalls mit der Hand berühren, wenn das Zuspiel des Mitspielers offensichtlich unkontrolliert erfolgte, z. B. durch einen Pressschlag oder „Querschläger“.
  • Der Torwart muss einen Ball, der ihm regelkonform zugespielt wurde, nicht unmittelbar in die Hand nehmen. Er darf diesen auch zunächst mit dem Fuß annehmen, damit verliert er nicht das Recht, den Ball doch noch mit der Hand zu berühren. Allerdings lässt sich die Rückpassregel nicht dadurch umgehen, dass der Torwart den Ball zunächst mit dem Fuß annimmt und ihn später mit den Händen aufnimmt, wenn das Zuspiel nicht regelkonform erfolgte. Erfolgt das Zuspiel regelkonform, so darf der Torwart den Ball auch außerhalb des Strafraums mit dem Fuß annehmen, diesen in den eigenen Strafraum dribbeln und ihn dort mit der Hand aufnehmen.

Außerdem existieren damit im Zusammenhang weitere den Torhüter betreffende Regeln:

  • Der Torhüter darf den Ball nur maximal 6 Sekunden „kontrollieren“, also in den Händen halten.
  • Hat der Torwart den Ball kontrolliert und gibt diesen frei, indem er ihn beispielsweise mit dem Fuß dribbelt, darf er den Ball nicht wieder mit den Händen berühren oder gar aufnehmen. Das reine Prellen des Balles auf den Boden oder das Werfen in die Luft gilt nicht als Freigabe. Er darf den Ball erst wieder mit der Hand berühren, nachdem ihn ein anderer Spieler berührt hat und dabei die Bestimmungen der Rückpassregel eingehalten werden.
  • Wehrt der Torwart den Ball mit der Hand absichtlich ab, obwohl er ihn hätte sicher fangen können, gilt auch das als Kontrolle des Balles und lässt dessen spätere Wiederaufnahme nicht zu.

Eine Missachtung der Rückpassregel sowie der anderen genannten Regeln führt zu einem indirekten Freistoß für die gegnerische Mannschaft an jener Stelle, an der der Torwart den Ball regelwidrig berührt hat. Sollte dies innerhalb des Torraums geschehen sein, wird der Freistoß auf die parallel zur Torlinie verlaufende Torraumlinie zurückverlegt, und zwar so nah wie möglich dahin, wo das Vergehen stattgefunden hat.

Entstehung der Regel[Bearbeiten]

Die Rückpassregel war eine Reaktion der FIFA auf die häufig angewendete Zeitvergeudungstaktik (sogenanntes „Zeitspiel“, siehe WM-Finale 1990 und WM-Spiel von Gijón 1982), bei der man den Ball dem Torwart in die Hände spielte und dieser ihn die erlaubten vier Schritte weit in seinen Händen hielt. Als weitere Reaktion gegen das „Auf-Zeit-Spielen“ wurde die Begrenzung der erlaubten Schritte für den Torwart 1997 durch die Regel über maximal sechs Sekunden mit Ball in der Hand ersetzt.

Sonstiges[Bearbeiten]

Obwohl die landläufige Bezeichnung der Regel suggeriert, dass das Zuspiel „rückwärts“ erfolgen muss, spielt die Richtung der Ballabgabe für das Vergehen keine Rolle.

Die Rückpassregel war maßgeblich an der Entscheidung der deutschen Meisterschaft 2000/01 beteiligt. Als der FC Bayern München am letzten Spieltag der Saison in Hamburg im Fernduell mit dem FC Schalke 04 um die Meisterschaft kämpfte, spielte der Hamburger Spieler Tomáš Ujfaluši in der Nachspielzeit den Ball beim Stand von 1:0 für den HSV dem eigenen Torwart Mathias Schober zu, welcher ihn mit den Händen aufnahm. Den von Schiedsrichter Markus Merk anschließend zugesprochenen indirekten Freistoß verwandelte der Schwede Patrik Andersson zum 1:1-Ausgleich. Somit war der FC Bayern München Deutscher Meister.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Spielregeln 2013/2014. In: FIFA.com. Abgerufen am 18. März 2014.
  2. Zweifel am Meister-Tor. In: SPIEGEL ONLINE. Abgerufen am 26. Dezember 2010.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikibooks: „Auf Zeit“-Taktik – Lern- und Lehrmaterialien