Rückwärtige Dienste

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Rückwärtige Dienste (Abkürzung: RD) bezeichneten in der deutschen Militärgeschichte, zuletzt bei der Nationalen Volksarmee der DDR, Einheiten, die für die Versorgung der Streitkräfte mit Verpflegung, Waffen und Munition bestimmt waren und die Versorgung von verwundeten Soldaten sicherstellten.

In der Bundeswehr wird der Begriff Rückwärtige Dienste nicht verwendet. Vergleichbare Funktionen werden insbesondere von der Nachschubtruppe und der Sanitätstruppe erbracht.

Geschichte[Bearbeiten]

Bis ins 18. Jahrhundert wurden die rückwärtigen Dienste Tross genannt.

Friedrich II. räumte der Versorgung seiner Armee in seinen Generalprinzipien des Krieges eine herausragende Stellung ein.

„… Wenn man eine Armee aufbauen will, muss man mit dem Magen anfangen; er ist die Grundlage. …“ [1]

Friedrich II. bezog sich dabei auf die Verpflegung der Menschen und der Pferde. In diesem Werk schreibt der König über die Wichtigkeit der Versorgung der Armee mit Brot, aber auch mit Bier und Branntwein. Der Versorgung der Pferde mit grüner Fourage (Gras) und trockener Fourage (Heu) widmete Friedrich ein Kapitel. Zu der damaligen Zeit wurde die Mehrzahl der Aufgaben, die heute die Rückwärtigen Dienste übernehmen, von der „kämpfenden Truppe“ erledigt. Lediglich die Versorgung der Armee mit Bier und Branntwein blieb den Marketendern vorbehalten. Im Laufe der Jahrhunderte kam es durch die Weiterentwicklung der Armee zu einer Spezialisierung der Aufgaben. Dies drückte sich in der Schaffung neuer Einheiten, wie den Sanitätseinheiten aus. Diese gehörten nicht mehr zu der kämpfenden Truppe, sondern waren reine Versorgungseinheiten. Durch das Anwachsen der Armeestärken wurde es notwendig, Verwaltungen zu schaffen, die den Ablauf in der Armee organisierten. Im Kaiserreich gab es bereits ein eigenes Ingenieurkorps, Sanitäter und Traineinheiten. Diese Spezialisierung wurde auch in der Wehrmacht weitergeführt. Logistische Einheiten bildeten im 20. Jahrhundert die Mehrzahl der Soldaten einer Armee.

Rückwärtige Dienste in der NVA[Bearbeiten]

Aufgaben[Bearbeiten]

In der Nationalen Volksarmee der DDR bestand die Aufgabe der Rückwärtigen Dienste in erster Linie in der Versorgung der Streitkräfte mit allen materiellen Mitteln, die für das Leben der Armeeangehörigen und für eventuelle Kampfhandlungen notwendig waren.

Zu den Truppen der Rückwärtigen Dienste gehörten:

  • Kraftfahrzeug-Transporttruppen (Einheiten für den Transport materieller Mittel aller Art)
  • Rohrleitungstruppen
  • Truppen des Militärtransportwesens (Eisenbahnpioniertruppen, Straßendienst- und Straßenbautruppen, Straßenbrückenbau- und Eisenbahnbrückenbautruppen)
  • Medizinische Einheiten (Sanitäter)

Einrichtungen der Rückwärtigen Dienste waren Lager, Werkstätten, Reparaturbetriebe, Lazarette, Erholungsheime und anderes mehr.

Zu den Rückwärtigen Diensten innerhalb der Truppenteile (Regiment, Bataillon usw.) gehörten der Verpflegungsdienst, der Bekleidungs- und Ausrüstungsdienst, der Treibstoff- und Schmierstoffdienst, die Transport- und Instandsetzungskompanie. Die Aufgabe der genannten Einheiten war die Organisation des Lebens in der Armee und der Einsatzfähigkeit der „Kampfeinheiten“.

Für den eventuellen Kriegsfall bestanden die Aufgaben der Rückwärtigen Dienste in

  • dem Mitführen von Materialvorräten bei den Truppen
  • der Versorgung der Truppe, Schiffen, Fliegerkräften mit Munition, Treib- und Schmierstoffen während der Kampfhandlungen
  • der Bergung und dem Abtransport von Verwundeten vom Gefechtsfeld und deren medizinischen Versorgung
  • der Wartung sowie Instandsetzung der Kampftechnik sowie der Rückführung von beschädigtem Material.

Chef der Rückwärtigen Dienste[Bearbeiten]

Die Chefs der Rückwärtigen Dienste waren Stellvertreter des Ministers für Nationale Verteidigung.

Literatur[Bearbeiten]

  • Herrman Vogt: Das Buch vom Deutschen Heere. Verlag von Delhagen & Klasing, Bielefeld und Leipzig, 1891.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gustav Berthold Volz (Hrsg.): Die Werke Friedrichs des Großen. Sechster Band. Militärische Schriften. Verlag von Reimar Hobbing. Berlin 1913, S. 15.
  2. Andreas Herbst: Allenstein, Walter. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1, Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.