Rühle (Weserbergland)

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Rühle ist ein Ortsteil der Stadt Bodenwerder im Weserbergland in Niedersachsen im Landkreis Holzminden.

Rühle an der Weser

Geografie[Bearbeiten]

Rühle liegt im südlichen Niedersachsen an der Weser und stellt das Bindeglied zwischen der Weser und der gleichnamigen Rühler Schweiz dar. Der Ort ist von zwei Seiten vom Weserbergland umgeben, die dritte Seite erstreckt sich zur Weser hin.

Geologie[Bearbeiten]

Der Boden unter dem Ort ist sehr kalkhaltig. Kristalline Formen von Kalk (Gips, Calcit) kommen in reichlicher Menge vor. Der Kalkabbau war bis Mitte des 20. Jahrhunderts eine Verdienstmöglichkeit der Region, in neuerer Zeit wurde der Gipsabbau durch lokale Unternehmen gefördert.

Versteinerungen von Ammoniten, Schnecken, Muscheln und so weiter können in den stillgelegten Steinbrüchen in der Umgebung (unter anderem in Dölme) gefunden werden. Sandstein kommt, im Gegensatz zum übrigen Weserbergland, recht selten vor.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Direkte Nachbargemeinden zu Rühle sind:

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits 1155 wird Rühle (to de Ruyle) erstmals urkundlich erwähnt. Im Laufe der Zeit änderte sich die Schreibweise in Rulen, Reule (1582) und Rühell (1610). Die heutige Schreibweise Rühle wird erstmals 1625 erwähnt. Bis 1324 befand sich Rühle im Besitz der Grafen von Everstein und wurde dann von den Grafen von Homburg erworben. Nach dem Tode des letzten „Homburgers“ im Jahre 1409 erbte dann der Herzog zu Braunschweig und Lüneburg den gesamten Homburger Besitz mit Rühle. Somit gehörte Rühle früher zum Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel.

Am 1. Januar 1973 wurde Rühle in die Stadt Bodenwerder eingegliedert.[1]

Bis Ende 2010 war Rühle staatlich anerkannter Erholungsort.

Religionen[Bearbeiten]

Die Evangelisch-lutherische St.-Michaelis-Kirchengemeinde Rühle wurde am 1. Januar 2009 mit der Kirchengemeinde Dölme in Bevern zur Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Rühle-Dölme in Bodenwerder zusammengelegt. Sie gehört zum Kirchenkreis Holzminden-Bodenwerder der hannoverschen Landeskirche.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Denkmal zu Ehren Herzog Wilhelms auf dem Weinberg

Rühle ist überregional für seine Fachwerkhäuser im Ortskern bekannt, die sich in einem guten Erhaltungszustand befinden. Innerorts sind die historischen Gebäude mit Tafeln markiert, auf denen die jeweilige Geschichte des Hauses nachzulesen ist. Bemerkenswert ist die Rühler Kirche aus dem 17. Jahrhundert mit ihrem barocken Altar und dem mittelalterlichen Taufbecken. Außerhalb des Ortsgebietes liegt die Himkeburg, bei der es sich um eine Befestigungs- oder Brunnenanlage aus dem 9.–11. Jahrhundert handelte. Hiervon ist lediglich ein Steinkreis erhalten geblieben.

Oberhalb von Rühle befindet sich der 220,5 m hohe Weinberg mit seinem gleichnamigen Naturschutzgebiet. Er bietet eine großartige Aussicht auf das umliegende Land. Von den Rühler Einwohnern wurde 1908–1909 auf dem Weinberg ein weit sichtbares Denkmal zu Ehren des braunschweiger Herzogs Wilhelm errichtet, das am 17.Juni 1909 feierlich eingeweiht wurde.

Parks[Bearbeiten]

Im Ortszentrum verfügt Rühle über einen kleinen Park, in dem kleine Ortsfeiern abgehalten werden, wie beispielsweise das Advent-Singen.

Vereinswesen[Bearbeiten]

Das Vereinswesen ist in Rühle stark ausgeprägt, die meisten Vereine haben eine über hundertjährige Tradition.

Zu den Vereinen im Ort gehören:

  • Freiwillige Feuerwehr Rühle
  • Sportverein "Frischauf Rühle"
  • Männergesangsverein
  • Angelverein
  • Schützenverein Rühle
  • Braunschweiger Vereinigung

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Tourismus[Bearbeiten]

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte Rühle seine Blütezeit als Touristenort. Bis in die frühen 1980er Jahre wurde zwischen Rühle und Pegestorf eine Seilfähre betrieben. Der heutige Wert als Touristenziel ist marginal und beschränkt sich auf die wenigen Gaststätten mit Zimmern, private Gästezimmer, eine Bungalowsiedlung sowie den Campingplatz direkt an der Weser. Für Fahrradfahrer ist Rühle aufgrund seiner Lage an der Weserroute attraktiv, die Deutsche Märchenstraße verläuft an Rühle vorbei von Hameln (Der Rattenfänger von Hameln) über Bodenwerder (Baron von Münchhausen, Karl Friedrich Hieronymus Freiherr von Münchhausen) weiter nach Höxter (Doktor Eisenbarth). Ein beliebtes Wanderziel ist der Ebersnacken.

Am vorletzten Wochenende im April findet in der Rühler Schweiz das Kirschblütenfest mit Informationsständen "Rund um die Kirsche" und geführten Wanderungen statt. Außerdem gibt es Informationen über Streuobstwiesen und die Landwirtschaft. An Ständen verkaufen Imker, Kunsthandwerker und Maler ihre Produkte. Obsthöfe in Rühle und in Golmbach laden zum Kirschwein-Umtrunk in den Kirschplantagen ein. Zu diesem Fest gehört jährlich auch die Wahl der "Kirschblütenkönigin".

Die Straßen der Rühler Schweiz sind mit ihren zahlreichen Kurven eine der beliebtesten Motorrad-Strecken Norddeutschlands.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts wurde im Waldgebiet zwischen Rühle und Dölme (dem sogenannten Breitenstein) von zwei Unternehmen aus der Region Gips abgebaut. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde dies dann eingestellt. Außerdem ist in Rühle eine Tischlerei ansässig.

Bildung[Bearbeiten]

Ab Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1970er Jahre hatte Rühle eine Schule. Danach mussten die Rühler Schüler nach Bodenwerder zur nächsten Schule fahren. Im früheren Schulgebäude wurde alternativ zu einem Kindergarten ein Spielkreis für Kinder zwischen 3 und 7 Jahren eingerichtet.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 212.

51.9280555555569.5122222222222Koordinaten: 51° 56′ N, 9° 31′ O