Rădăuți

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Rădăuți
Radautz
Wappen von Rădăuți
Rădăuți (Rumänien)
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Basisdaten
Staat: Rumänien
Historische Region: Bukowina
Kreis: Suceava
Koordinaten: 47° 51′ N, 25° 55′ O47.84222222222225.917222222222374Koordinaten: 47° 50′ 32″ N, 25° 55′ 2″ O
Zeitzone: OEZ (UTC+2)
Höhe: 374 m
Fläche: 32,30 km²
Einwohner: 23.822 (20. Oktober 2011[1])
Bevölkerungsdichte: 738 Einwohner je km²
Postleitzahl: 725400
Telefonvorwahl: (+40) 02 30
Kfz-Kennzeichen: SV
Struktur und Verwaltung (Stand: 2012)
Gemeindeart: Munizipium
Bürgermeister: Aurel Olărean (PD-L)
Postanschrift: Str. Piața Unirii, nr. 2
loc. Rădăuți, jud. Suceava, RO–725400
Website:
Straße im Zentrum von Radautz, 2009
Kloster Bogdana in Radautz (Xylographie von Rudolf Bernt, 1899)

Rădăuți (deutsch Radautz, ungarisch Radóc, jiddisch ראַדעװיץ bzw. Radevits, polnisch Radowce, ukrainisch Радівці/Radiwzi) ist eine Stadt im Kreis Suceava im Nordosten Rumäniens.

Lage der Stadt[Bearbeiten]

Radautz liegt am Fluss Toplița (dt. Toplitza) nahe der Grenze zur Ukraine. Die Kreishauptstadt Suceava ist 37 Kilometer südöstlich. Die Stadt befindet sich im Norden des rumänischen (südlichen) Teils der Bukowina; diese gehörte bis 1775 zum Fürstentum Moldau, bis 1918 zur Habsburgermonarchie und seitdem zu Rumänien.

Geschichte[Bearbeiten]

Radautz wurde 1392 erstmals urkundlich erwähnt und vermutlich in den davorliegenden Jahrzehnten unter der Herrschaft des Woiwoden Bogdan I. errichtet. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts erbaute der moldauische Herrscher Alexandru cel Bun (Alexander der Gute) ein Kloster in der Ortschaft. In den folgenden Jahrhunderten war das Fürstentum Moldau dem Osmanischen Reich tributpflichtig.

So wie das gesamte umliegende Gebiet wurde auch Radautz 1775 Teil der Habsburgermonarchie. Die Stadt wurde Bezirksstadt, wie in der ganzen Bukowina ließen sich auch in Radautz schon bald zahlreiche deutschsprachige Kolonisten nieder, die sogenannten Bukowinadeutschen.

In Radautz siedelten sich sogar besonders viele Deutsche an, so dass die Stadt auch "die deutscheste der Bukowina" genannt wurde. Bis in die 40er-Jahre des 20. Jahrhunderts war die Stadt deutschsprachig, ebenso wie Czernowitz, die Hauptstadt der Bukowina. Neben Bukowinadeutschen wurde die deutschsprachige Kultur in Radautz insbesondere durch deutschsprachige Juden getragen.

Die erste deutsche lutherische Gemeinde der Bukowina wurde 1791 hier gegründet. Bei der Errichtung Österreich-Ungarns 1867 wurde die Bukowina Altösterreich zugeordnet, Radautz wurde Sitz einer k.k. Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts. Die Stadt war nach Czernowitz die zweitgrößte der Bukowina[2].

Nach dem Ausgang des Ersten Weltkrieges und der Auflösung der Donaumonarchie fiel die Stadt an das Königreich Rumänien und wurde Teil der Region Moldau. Es setzte eine starke Rumänsierungspolitik ein, in deren Folge einige deutschsprachige Bewohner die Stadt verließen.

Die Radautzer Deutschen wurden infolge des sog. Hitler-Stalin-Paktes 1940 zum überwiegenden Teil ausgesiedelt („Heim ins Reich“), die verbliebenen Deutschen wurden infolge der Ereignisse des Zweiten Weltkriegs ab 1944 dann fast vollständig vertrieben.

Die Stadt war auch lange Zeit ein Zentrum des Judentums in der Bukowina. Die jüdische Gemeinde hatte schon vor der habsburgischen Zeit bestanden. 1880 waren 30,9 % der Bewohner von Radautz Juden[3]. Im Herbst 1941 wurden die Radautzer Juden nach Transnistrien deportiert. Während des Holocausts wurde fast die gesamte Gemeinde ausgelöscht. Die wenigen Überlebenden verließen nach dem Krieg Rumänien größtenteils.

Seit der von Stalin erzwungenen Teilung der Bukowina im Jahre 1940/41 und erneut nach Ende des Zweiten Weltkrieges, als die Nordbukowina definitiv an die Sowjetunion (bzw. an die Ukrainische Sowjetrepublik) fiel, gehört die Provinzstadt als Rădăuți endgültig zu Rumänien. Die Stadt liegt in unmittelbarer Grenznähe zur Ukraine. Die Stadt durchlief während des Bestehens der Sozialistischen Republik Rumänien ein starkes Bevölkerungswachstum, mittlerweile ging die Bevölkerungszahl aber stark zurück. Die Bevölkerung besteht heute in ihrer großen Mehrheit aus Rumänen, die bei der Volkszählung 2002 fast 97 % der Stadtbevölkerung ausmachten.

Jüdischer Tempel

Bevölkerung[Bearbeiten]

1890 hatte Radautz 12.895 Einwohner, davon 8530 Deutsche bzw. Juden und 3203 Rumänen. Es gab 4712 Katholiken, 4235 Juden und 3506 Griechisch-orientalische Christen[4]. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs besteht die Stadtbevölkerung fast ausschließlich aus Rumänen.

Die Volkszählung von 2002 zeigte folgende ethnische Zugehörigkeit der Einwohner:

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Kloster Bogdana (turmlose Basilika, Grabmonumente moldauischer Fürsten)
  • Tiergarten
  • Stadtpark
  • Kathedrale
  • Jüdischer Tempel
Die Kathedrale von Rădăuți

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Im Stadtzentrum

In Radautz befand sich eines der bedeutendsten Staatsgestüte Österreich-Ungarns, das von Wien aus verwaltet wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Radautzer Pferde in die Republik Österreich überführt. (Siehe dazu auch: Österreichisches Warmblut, Shagya-Araber und Vollblutaraber.)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rădăuți – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Volkszählung 2011 in Rumänien bei citypopulation.de
  2. Willi Kosiul: Die Bukowina und ihre Buchenlanddeutschen Band II, S. 32
  3. The Golden Age of the Jews of Bukovina (PDF-Datei; 308 kB)
  4. Meyers Konversations-Lexikon, 5. Auflage, Band 14, Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien 1896, S. 416