RŽD-Baureihe ЭС250

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RŽD-Baureihe ЭС250 (ES250)
Sokol in depot.jpg
Nummerierung: ЭС250‑001
Anzahl: 1
Hersteller: Transmasch (Tichwin)
Baujahr(e): 1997–1999
Ausmusterung: 2002
Spurweite: 1520 mm
Länge über Kupplung: 322.800 mm
Dienstmasse: 700 t
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
Stundenleistung: 6880 kW
Stromsystem: 3 kV Gleichstrom
25 kV 50 Hz Wechselstrom
Stromübertragung: Oberleitung

Unter der Baureihenbezeichnung ЭС250 (deutsche Transkription ES250) wurde der Prototyp eines breitspurigen Hochgeschwindigkeitszugs der Russischen Eisenbahnen (RŽD) geführt. Er wurde auch als Sokol (russisch Сокол [ˈso̞kəɫ] ( Aussprache?/i), zu deutsch Falke) bezeichnet.

Eine 350 km/h schnelle Variante des Zuges war als ES350 angedacht. Dieser sollte auf einer (nicht realisierten) Neubaustrecke zwischen Moskau und St. Petersburg zum Einsatz kommen.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Die geplante zwölfteilige Baureihe ЭС250 sollte als Nachfolger der Baureihe ЭР200 (ER200) auf der Bahnstrecke Sankt Petersburg–Moskau verkehren und eine Reisegeschwindigkeit von 250 km/h erreichen (geplante Höchstgeschwindigkeit: 300 km/h). Ein sechsteiliger Prototyp wurde zwischen 1997 und 1999 bei Transmasch in Tichwin gebaut und am 28. Juli 1999[1] der Öffentlichkeit präsentiert.

Anfang 2001 lief die Erprobung eines sechsteiligen Prototyp-Zuges auf dem Testring Schtscherbinka.[1] Die Weiterentwicklung dieser Baureihe wurde wegen zahlreicher Mängel der unausgereiften Konstruktion 2002 gestoppt und 2004 das gesamte Vorhaben eingestellt. Der Einzelanschaffungspreis lag bei etwa 19,3 Millionen US-Dollar.

Die Serienzüge sollten aus 12 Wagen bestehen und (je nach Aufteilung in 1. und 2. Klasse) zwischen 688 bis 832 Sitzplätze erhalten. Neben zwei Steuerwagen waren vier angetriebene Wagen, vier Transformatorwagen und zwei Beiwagen vorgesehen. Insgesamt 16 Fahrmotoren (3-Phasen-Asynchronmotoren) sollten – je nach gewünschter Höchstgeschwindigkeit – eine Gesamtleistung von 6.880 bzw. 10.880 kW erbringen. Nach Angaben des russischen Eisenbahnministeriums von 2001 habe ein Bedarf von 100 Sokol-Triebzügen bis 2010 bestanden. Sie sollten die russische Hauptstadt mit St. Petersburg, Sotschi, Warschau und Berlin verbinden.[1]

Mehr als 60 Unternehmen und Organisationen waren an dem Projekt beteiligt.[1]

Technik[Bearbeiten]

Ähnlich dem deutschen ICE 3 besaß die Baureihe ЭС250 keinen Triebkopf. Die Antriebstechnik und andere Komponenten waren unterflur auf alle Wagen verteilt. So hätte ein geplanter zwölfteiliger Zug bis zu über 800 Fahrgästen Platz bieten sollen. Die Wagenkästen waren aus Aluminium. Zur Ausstattung gehörten Vakuum-Toiletten, eine Bar und eine Klimaanlage in zwei verschiedenen Wagenklassen. Die Bremsen des Zuges waren elektrodynamisch, pneumatisch und als Magnetschienenbremse ausgeführt. Nach mehreren Testfahrten erreichte der sechsteilige Sokol am 27. Mai 2000 erstmals eine Geschwindigkeit über 200 km/h, und zwar auf der Bahnstrecke Sankt Petersburg–Moskau.

Ablösung des Sokol[Bearbeiten]

Anstelle der russischen Eigenproduktion des Sokol haben 2006 die Russischen Staatsbahnen mit Siemens Mobility einen Liefervertrag über acht zehnteilige Velaro-Triebzüge unterzeichnet, die seit 17. Dezember 2009 als „Sapsan“ zwischen Sankt Petersburg und Moskau verkehren.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: RŽD-Baureihe ЭС250 – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Meldung „Sokol“-Erprobung. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 4/2001, ISSN 1421-2811, S. 176.