REDD

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Diese Satellitenaufnahme zeigt Thailand. Braune Flächen zeigen das Fehlen von Wald an.

REDD (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation, dt. etwa „Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und zerstörerischer Waldnutzung“[1]) ist ein 2007 bei der UN-Klimakonferenz auf Bali eingeführtes Klimaschutzinstrument, das die Erhaltung großflächiger Wälder als Kohlenstoffspeicher finanziell attraktiv machen soll. Die Staatengemeinschaft geht davon aus, dass etwa ein Fünftel der weltweiten Kohlenstoffemissionen auf die Vernichtung von Wäldern zurückzuführen ist. Besonders bedeutsam für den Klimaschutz sind dabei die tropischen Regen- und Feuchtwälder, deren Kohlenstoffbilanz eine sehr hohe Speicherung gewährleistet. Aufgrund ihrer enormen Größe soll REDD jedoch auch auf die borealen Wälder der Nordhalbkugel bezogen werden.[2]

Die Grundidee von REDD sind leistungsbasierte Kompensationszahlungen für mess- und überprüfbare CO-Emissionsreduzierungen durch Waldschutzmaßnahmen, die von Nationalstaaten oder lokalen Organisationen durchgeführt werden.

Die Überarbeitung des REDD-Modelles, die als "REDD+" bezeichnet wird, bezieht neben den Waldschutzmaßnahmen zudem die Kohlenstoffspeicherung über nachhaltigere Waldbewirtschaftungsformen und die Verbesserung der Wirtschaftslage der Menschen in den betroffenen Gebieten mit ein. Außerdem sollen vor allem noch nicht geschützte Waldgebiete in das Monitoring einbezogen werden, die in naher Zukunft von Raubbau betroffen sein könnten.

Die Staatengemeinschaft bewertet REDD als den aussichtsreichsten Weg zu einem effizienten Waldschutz und damit als bedeutendes Instrument gegen den Klimawandel, für den Schutz der Biodiversität und für eine nachhaltige Entwicklung.[3]

Dem in den Wäldern gespeicherten Kohlenstoff wird im REDD-Modell ein monetärer Wert gegeben. Dadurch sollen Wälder bei wirtschaftlichen Entscheidungsprozessen ein höheres finanzielles Gewicht bekommen. Der REDD-Prozess sieht vor, Emissionen aus der Entwaldung zu messen bzw. zu errechnen und anschließend zu bewerten. Die Befürworter des REDD-Prozesses hoffen dadurch Anreize für einen Stopp weiterer Zerstörungen zu schaffen.

Derzeit ist REDD allerdings noch ein Sammelbegriff einer Vielzahl unterschiedlicher Vorstellungen, die aber an keinen bestimmten Mechanismus gebunden sind und in ihrer detaillierten Ausgestaltung recht unterschiedlich sind.

Struktur des REDD-Modells[Bearbeiten]

Vollernter (engl. Harvester) bei der Arbeit. Diese Technik wird hauptsächlich zur systematischen Ernte in den borealen Nadelwäldern eingesetzt.

Die Anwendung des REDD-Prozesses ist recht komplex, da sich weltweit die Partner aus Entwicklungsländern und Industrienationen über die Strukturen, die technische und methodische Umsetzung einigen müssen. Aktuell existieren unterschiedlichste Vorstellungen zur Umsetzung von REDD. Einige Akteure fordern einen verbindlichen Emissionshandel, andere eine freiwillige Finanzierung. Strittig ist auch, ob die Mechanismen auf internationaler, nationaler oder lokaler Ebene angewandt werden sollen, ob es finanzielle Anreize für „Waldschützer“ oder Strafzahlungen „Waldzerstörer“ geben soll. Zudem ist nicht klar, ob REDD innerhalb oder außerhalb eines Post-Kyoto-Abkommens umgesetzt werden soll.

Definition von Wald[Bearbeiten]

Strittig ist die Frage, wie ein „Wald“ definiert ist. Nach der Definition der Klima-Rahmenkonvention von 2001 ist ein Wald, ein mindestens 0,5 bis 1 Hektar großes Gebiet, das zu 10–30 % von Pflanzen bedeckt ist, die ausgewachsen mindestens 2–5 Meter hoch sind. Diese Definition unterscheidet allerdings nicht zwischen Naturwäldern, Wirtschaftswäldern und Plantagen. Dadurch würden nach diesem Maßstab weder eine Degradierung natürlicher Wälder durch holzwirtschaftliche Nutzung, noch die Umwandlung in eine Zellstoff- oder Palmölplantage als Waldverlust gewertet.

Das wissenschaftliche Beratungsgremium der Biodiversitätskonvention (CBD) forderte im Mai 2010 die Mitglieder der Collaborative Partnership on Forests (CPF) – darunter FAO und UNFCCC – auf, sich auf eine gemeinsame Walddefinition zu einigen, die zwischen Wäldern und Plantagen unterscheidet. Auch die durch REDD unterstützte nachhaltige Waldwirtschaft (Sustainable Management of Forests) soll nach dem Willen des Beratergremiums auf diesem Weg gemeinschaftlich definiert werden.[4]

Vergleichswerte[Bearbeiten]

Einig sind sich die Akteure darin, dass eine wichtige Maßnahme ist, Vergleichswerte festzulegen, beispielsweise die durchschnittliche Entwaldungsrate in den 1980er- oder 1990er-Jahren. Zudem sind Monitoringsysteme in den Ländern mit großem Waldanteil notwendig, die die Zerstörung und Degradierung von Wäldern überwachen. Gleichzeitig soll durch Wiederaufforstung und andere Waldnutzungsmethoden (z. B. Etagenanbau) Wald zurückgewonnen werden.

Politische Umsetzung[Bearbeiten]

Wiederaufforstung im Senegal

Das REDD-Modell spielt bei den Verhandlungen im Rahmen der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (Nachfolgeregelung zum Kyoto-Protokoll) eine Rolle als ein möglicher Weg zur Reduktion von Treibhausgasen und zur Nutzung von Wäldern als Kohlenstoffspeicher (daher hier REDD+ genannt). Dennoch ist REDD bei Organisationen, die sich für den Klimaschutz einsetzen, umstritten. Einige NGOs wie der WWF und Greenpeace befürworten REDD als ein wesentliches Instrument, um die Auswirkungen der Landnutzungsänderungen – vorwiegend der Abholzung von Primärwäldern – zu dämpfen. Sie fordern, REDD als wichtigen Bestandteil des Klimaschutzes in das Kyoto-Protokoll zu implementieren.[5] BirdLife International fordert, für die Umsetzung von REDD bis 2020 einen Betrag 35 Milliarden US-Dollar zu investieren.

Dagegen kritisiert z. B. der BUND, dass REDD die weltweite Entwaldung höchstens verlangsamen, jedoch nicht stoppen wird. „Eine Einbeziehung von REDD-Maßnahmen in den Emissionshandel würde den Markt mit Emissionsrechten überschwemmen und das Instrument weiter schwächen“, und sei deshalb im weltweiten Emissionshandel inakzeptabel, schreibt der BUND in seiner Stellungnahme zur Weltklimakonferenz in Posen 2008.[6] Auch das Indigenous Environmental Network (IEN), die Vertretung von über 100 indigenen Völkern, lehnt REDD ab. Entwicklungsländer, die die REDD-Mechanismen anwendeten, schränkten die Rechte und die enge natürliche Bindung der ursprünglichen Bevölkerung an den Wäldern ein.[7]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Video des BMZ zu REDD
  2. Was ist REDD? auf der Webseite des WWF
  3. Informationsbroschüre "Ready for REDD" - REDD-Aktivitäten des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ), Stand August 2011 (PDF; 3,1 MB)
  4. forum-ue.de (PDF; 64 kB)
  5. greenpeace.de
  6. bund.net (PDF; 47 kB)
  7. Besser CO2-frei wirtschaften. Indigenen-Netzwerk (IEN) lehnt Emissionshandel ab. pro-regenwald.de